45Nachdem Jesus die Fünftausend gespeist hatte, drängte er seine Jünger, ins Boot zu steigen und ans andere Ufer nach Betsaida vorauszufahren. Er selbst wollte inzwischen die Leute nach Hause schicken. 46Nachdem er sich von ihnen verabschiedet hatte, ging er auf einen Berg, um zu beten.
47Als es Abend wurde, war das Boot mitten auf dem See, er aber war allein an Land. 48Und er sah, wie sie sich beim Rudern abmühten, denn sie hatten Gegenwind. In der vierten Nachtwache kam er zu ihnen; er ging auf dem See, wollte aber an ihnen vorübergehen.
49Als sie ihn über den See gehen sahen, meinten sie, es sei ein Gespenst, und schrien auf. 50Alle sahen ihn und erschraken. Doch er begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!
51Dann stieg er zu ihnen ins Boot und der Wind legte sich. Sie aber waren bestürzt und fassungslos. 52Denn sie waren nicht zur Einsicht gekommen, als das mit den Broten geschah; ihr Herz war verstockt.

„Nachdem er sich von ihnen verabschiedet hatte, ging er auf einen Berg, um zu beten“ (Mk 6, 46)

Nachdem Er mich diesen Morgen sehr kämpfen hatte lassen, kam mein anbetungswürdiger Jesus ganz plötzlich und verbreitete Lichtstrahlen um sich herum. Ich wurde von diesem Licht umhüllt und befand mich – ich weiß nicht wie – in Jesus Christus.
Wer kann schildern, wie viel ich innerhalb dieser Heiligsten Menschheit verstand?
Ich kann nur sagen, dass seine Gottheit die Menschheit in allem leitete; und da die Gottheit in einem einzigen Augenblick so viele Akte tun kann, wie jeder von uns im Verlauf seines ganzen Lebens, und so viele Akte wie jemand tun will, verstand ich mit Klarheit, dass, weil die Gottheit in der Menschheit Jesu Christi wirkte, der gebenedeite Jesus im Verlauf seines ganzen Lebens für alle im Allgemeinen und für jeden einzelnen im Besonderen all das wiederholte, das jeder Gott gegenüber zu tun verpflichtet ist, sodass Er Gott für jeden einzelnen im Besonderen anbetete, Ihm dankte, wiedergutmachte, Ihn für jeden einzelnen verherrlichte, lobpries, litt und für jeden einzelnen betete.
So verstand ich, dass alles, das jeder tun muss, bereits vorher im Herzen Jesu getan wurde. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 4; 2. August 1902)

———————

… ‚Doch welches Gut wird mir zuteil, welche Herrlichkeit gebe ich meinem Gott, wenn ich stets darum bitte, dass sein Wille bekannt werde und seinen königlichen Platz einnehme, der Ihm in den Geschöpfen zusteht?‘
Mir scheint, dass ich um nichts anderes bitten kann, und dass Jesus selbst müde ist, mich immer dieselbe Geschichte sagen zu hören: ‚Ich wünsche dein Fiat als Leben, für mich und für alle.’ Doch als ich dies erwog, fügte mein guter Jesus hinzu:
„Meine gesegnete Tochter, du musst wissen, wenn das Geschöpf unaufhörlich um die Erlangung eines Gutes betet, so erwirbt es die Fassungskraft für den Besitz dieses Gutes. Und wenn es dieses Gut besitzt, kann es bewirken, dass auch andere es besitzen.
Das Gebet ist wie die Bezahlung des Preises für den Kauf des Gutes, das die Seele wünscht. Das Gebet erzeugt Respekt, Wertschätzung und Liebe, die nötig sind, um es besitzen zu können und schafft in der Seele den leeren Platz, wo das gewünschte Gut eingeschlossen werden kann, sonst hätte die Seele keinen Platz für meine Gabe.
Zudem kannst du Mir keine größere Herrlichkeit darbringen, als Mich darum zu bitten, dass mein Wille bekannt werde und herrsche. Dies ist mein eigenes Gebet, mein Seufzer und mein Herzschlag, dies sind meine brennenden Wünsche.
Wisse, dass meine Liebe, meinen Willen bekanntzumachen, so groß ist, dass Ich sie nicht mehr zurückhalten kann. Sie ergießt sich über dich, und lässt dich sprechen: ‚Dein Fiat komme, dein Wille werde erkannt!’ So bin Ich es, der in dir betet, nicht du.
Es sind meine Liebesergüsse, meine Ventile der Liebe, die das Bedürfnis empfinden, Mich mit dem Geschöpf zu vereinigen, um nicht alleine um ein solches Gut zu beten.
Um diesem Gebet noch mehr Wirkung zu verleihen, gebe Ich meine Werke in deine Macht, die ganze Schöpfung, mein Leben, meine Tränen, meine Leiden, damit es nicht ein Gebet von Worten allein sei, sondern ein Gebet, das durch meine Werke, mein Leben, meine Leiden und Tränen bestätigt werde.
O wie süß klingt dein Kehrreim in meinen Ohren, dein liebevoller Refrain, in dem der Meine widerhallt: ‚Dein Fiat komme, dein Wille werde bekannt!’ Wenn du das nicht tätest, würdest du mein Gebet in dir unterdrücken, und Ich wäre in Bitterkeit und müsste ganz alleine beten.
Doch muss Ich dir noch dies sagen: Weißt du, wer den Wunsch hat, alle meine Werke und Leiden aufzuspüren, um Mich zu bitten, dass mein Wille bekannt werde und herrsche? Die Seele, die Ihn erkannt hat und liebt!
Sie kann angesichts des großen Gutes nicht anders, als immer wieder darum zu bitten, dass alle Ihn kennen und besitzen. Bedenke also, dass Ich mit dir bin und gemeinsam mit dir bete, wenn du das Gefühl hast, dass du nicht anders kannst als um den Triumph meines Willens zu beten.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 33; 15. Juli 1934)

„Doch er begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!“ (Mk 6,50)

Als sich Jesus an diesem Morgen sehen ließ, war ich in Sorge, ob es nicht wirklich Jesus sei, sondern der Teufel, der mich täuschen wollte. Nachdem ich meine gewohnten Einsprüche vorgebracht hatte, sagte mir Jesus:
„Tochter, fürchte dich nicht, denn Ich bin nicht der Teufel. Außerdem, wenn er über die Tugenden spricht, ist es eine verfärbte Tugend, keine wahre Tugend, noch hat er die Kraft, sie in die Seele einzugießen, er kann nur darüber reden. Auch wenn er manchmal bekundet, dass er die Seele ein wenig Gutes tun lassen möchte, ist dieses nicht ausdauernd, und selbst während die Seele dieses bisschen Gute tut, ist sie lustlos und unruhig.
Ich allein habe die Macht, Mich in ihr Herz einzugießen, damit sie die Tugenden übt und mit Mut, in Ruhe und Beharrlichkeit leidet. Und wann ist der Teufel außerdem je auf die Suche nach Tugenden gegangen? Seine Jagd gilt den Lastern. Fürchte dich also nicht, bleib ruhig.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 2; 19. März 1899)

———————–

… „Wisse, meine Tochter, dass allein der menschliche Wille den Himmel verschloss, daher war es dem Menschen weder gegeben in diese himmlischen Regionen vorzudringen, noch mit seinem Schöpfer vertraut zu verkehren; der menschliche Wille hatte hingegen den Menschen weit weg von Dem geworfen, der ihn erschaffen hatte.
Als sich der Mensch dem Göttlichen Willen entzog, wurde er furchtsam, ängstlich und verlor die Herrschaft über sich selbst und über die ganze Schöpfung.
Alle Elemente – da vom FIAT beherrscht – waren ihm überlegen geblieben und konnten ihm Böses zufügen. Der Mensch hatte Angst vor allem; scheint es dir unbedeutend, meine Tochter, dass der, der als König und Herrscher über alles geschaffen worden war, soweit kam, dass er vor Dem Angst hatte, der ihn schuf?
Es ist seltsam, meine Tochter, gleichsam gegen die Natur, dass ein Sohn Angst vor seinem Vater hat; es liegt in der Natur, dass, wenn man zeugt, zugleich Liebe und Vertrauen zwischen Vater und Sohn zeugt; dies kann man als Erstes erbrecht, das dem Sohn galt, bezeichnen, und als erstes Recht, das den Vater betraf.
Indem Adam seinen Willen tat, verlor er also das Erbe seines Vaters, verlor sein Reich und wurde zur Zielscheibe des Spottes aller geschaffenen Dinge.
Meine Tochter, höre deine Mutter an und erwäge gut das große Übel des menschlichen Willens; er nimmt der Seele die Augen und macht sie blind, sodass alles Furcht und Finsternis für die arme Kreatur wird; lege daher die Hand auf dein Herz und gelobe deiner Mama, lieber zu sterben als deinen Willen zu tun.
Ich hatte keine Angst im Umgang mit meinem Schöpfer, weil ich nie meinen Willen tat; wie sollte ich Angst haben, wenn ich mich so geliebt fühlte?
Sein Reich war in mir so gegenwärtig, dass ich mit meinen Akten den vollen Tag bildete, um die neue Sonne des Ewigen Wortes auf der Erde aufgehen zu lassen.
Und ich, wie ich sah, dass es immer mehr Tag wurde, verstärkte mein Flehen, um den ersehnten Tag des Friedens zwischen Himmel und Erde zu erwarten. Morgen erwarte ich dich, um dir eine andere überraschende Begebenheit meines irdischen Lebens zu erzählen.“
Meine erhabene Mama, wie süß sind deine Lehren! Sie machen mir das große Unheil des menschlichen Willens begreiflich! O wie oft fühlte auch ich in mir Angst und Scheu und fühlte mich weit weg von meinem Schöpfer!
Es war der menschliche Wille, der in mir regierte, nicht der Göttliche! Deshalb spürte ich seine traurigen Auswirkungen. Wenn du mich daher als Tochter liebst, nimm mein Herz in deine Hände und nimm Angst und Scheu von mir, die mich hindern, zu meinem Schöpfer zu fliegen; und gib mir an ihrer Stelle jenes FIAT, das du so liebst, damit Es in meiner Seele regiere. (aus „Die Jungfrau Maria im Reich des Göttlichen Willens“ nach den Schriften der Dienerin Gottes Luisa Piccarreta: 16. Tag)