1In jener Zeit sprach Jesus: Amen, amen, das sage ich euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. 2Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe.
3Ihm öffnet der Türhüter, und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. 4Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus, und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme.
5Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme des Fremden nicht kennen. 6Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte.
7Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. 8Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.
9Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden. 10Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

„Die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme“ (Joh 10, 4)

Als ich mich in meinem gewohnten Zustand befand, ließ Jesus sich erblicken, wie Er viele kleine Lämmchen in seinen Armen hielt: einige lehnten an seiner Brust, andere an den Schultern, andere eng an seinem Hals, einige waren rechts oder links von seinen Armen, und einige reckten das Köpfchen aus seinem Herzen heraus; doch die Füße all dieser Lämmchen waren im Herzen Unseres Herrn, und die Nahrung, die Er ihnen gab, war sein Atem.
Alle hatten ihren Mund zum Mund meines süßen Jesus hin gewendet, um seinen Atem als Speise zu empfangen. Es war wirklich schön zu sehen, wie Jesus höchste Freude daran fand, ganz vertieft, sie zu nähren und sich gemeinsam mit ihnen zu vergnügen; sie schienen wie ebenso viele Geburten, die aus seinem Heiligsten Herzen hervorgegangen sind.
Dann wandte Er sich zu mir und sprach: „Meine Tochter, diese Lämmchen, die du in meinen Armen siehst, sind die Kinder meines Willens, rechtmäßige Nachkommen meines Höchsten Wollens.
Sie werden aus meinem Herzen hervorgehen, doch bleiben die Füße in der Mitte meines Herzens, damit sie nichts von der Erde aufnehmen und sich um nichts kümmern als um Mich allein.
Schau sie an, wie schön sie sind, wie rein sie heranwachsen, genährt und gespeist nur von meinem Atem; sie werden die Herrlichkeit, die Krone meiner Schöpfung sein.“… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 14; 6. November 1922)

“Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen“ (Joh 10,7)

Nachdem ich mich sehr abgemüht hatte, kam mein gebenedeiter Jesus eine kurze Weile und ließ mich viele Menschenseelen sehen, die innerhalb seiner Menschheit waren; dabei sprach Er zu mir:
„Meine Tochter, alle Menschenleben befinden sich in meiner Menschheit im Himmel wie in einem Kloster, und da sie in meinem Kloster sind, kommt die Herrschaft über ihr Leben von Mir; mehr noch, meine Menschheit, die das Kloster ist, macht das Leben einer jeden Seele aus.
Welche Freude für Mich, wenn die Seele in diesem Kloster bleibt und das Echo, das von meiner Menschheit kommt, sich mit dem Echo eines jeden Menschenlebens auf Erden vereint! Und welche Bitterkeit, wenn Ich sehe, dass die Seelen nicht zufrieden sind und aus ihm heraustreten!
Andere bleiben, doch gezwungen und unwillig, und unterwerfen sich nicht den Regeln und der Herrschaft meines Klosters, daher vermengt sich mein Echo nicht mit dem ihren.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 6; 28. Dezember 1903)

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… Später empfing ich die hl. Kommunion und rief meiner Gewohnheit entsprechend, alle geschaffenen Dinge herbei und stellte sie rund um Jesus auf, damit sie alle eine Krone um Ihn bilden, seine Liebe erwidern und Ihm als ihrem Schöpfer huldigen mögen.
Alle eilten auf meinen Ruf hin herbei, und ich sah in klaren Noten in allen geschaffenen Dingen die ganze Liebe meines Jesus zu mir; mit großer liebevoller Zärtlichkeit erwartete Jesus in meinem Herzen die Erwiderung einer so großen Liebe; und indem ich alles umschloss und über allem schwebte, begab ich mich zu Füßen Jesu und sprach zu Ihm: „Jesus, meine Liebe, alles hast Du für mich geschaffen und mir zum Geschenk gemacht, daher ist alles mein, und ich gebe es Dir, um Dich zu lieben.
Deshalb sage ich Dir in jedem Lichttropfen der Sonne „Ich liebe Dich”, im Flimmern der Sterne „Ich liebe Dich”, in jedem Wassertropfen „Ich liebe Dich”.
Dein Wille lässt mich bis auf den Grund des Ozeans dein „Ich liebe dich” für mich sehen, und ich drücke mein „Ich liebe Dich” für Dich in jeden Fisch ein, der im Meer dahinflitzt, ich möchte mit meinem „Ich liebe Dich” den Flug eines jeden Vogels begleiten.
„Ich liebe Dich” überall, meine Liebe! Ich will mein „Ich liebe Dich” in die Flügel des Windes einprägen, in die Bewegung der Blätter, in jeden Feuerfunken ein „Ich liebe Dich für mich und für alle“….
Die ganze Schöpfung war da, um mit mir „Ich liebe Dich” zu sagen; doch als ich alle Menschengeschlechter im ewigen Wollen umfangen wollte, damit sich alle vor Jesus niederwerfen und ihre Pflicht erfüllen mögen, Jesus in jedem ihrer Akte, Worte und Gedanken ein „Ich liebe Dich” zu sagen, entflohen sie mir, und ich verlor mich und wusste nicht, was ich tun sollte; so sagte ich es Jesus, und Er erwiderte: „Meine Tochter, und doch ist das Leben in meinem Willen genau dies: die ganze Schöpfung vor Mich zu bringen, und Mir im Namen aller die Erwiderung für das zu geben, was sie Mir schulden. Niemand darf dir entgehen, sonst würde mein Wille Leerräume in der Schöpfung finden und wäre nicht befriedigt.
Doch weißt du, warum du nicht alle findest und viele dir entkommen? Es ist die Kraft des freien Willens. Ich möchte dich jedoch das Geheimnis lehren, wo du sie alle finden kannst: tritt in meine Menschheit ein, und in ihr wirst du alle Akte der Menschen wie in einem Schrein finden, für welche Ich die Pflicht übernommen habe, vor meinem Himmlischen Vater an ihrer Stelle Genugtuung zu leisten; und du, folge allen meinen Akten, welche die Akte aller waren.
So wirst du alles finden und Mir die Erwiderung der Liebe für alle und für alles geben. Alles ist in Mir. Da Ich es für alle getan habe, ist in Mir der Vorrat von allem, und Ich bringe Gott, meinem Vater, die Pflicht der Liebe für alles dar. Und wer es wünscht, kann sich dessen als Weg und Mittel bedienen, um in den Himmel aufzusteigen.”
So trat ich in Jesus ein und fand mit Leichtigkeit alles und alle. Und dem Wirken Jesu folgend, sagte ich: „Ich liebe Dich in jedem Gedanken eines Geschöpfes“, „Ich liebe Dich im Verlauf jeden Blickes“, „Ich liebe Dich im Klang jedes Wortes“, „Ich liebe Dich in jedem Herzschlag, Atemzug, Gefühl“, „Ich liebe Dich in jedem Blutstropfen, in jedem Werk und Schritt”…..
Doch wer schildert alles, was ich tat und sagte? Vieles vermag man nicht zu beschreiben; vielmehr wird auch das, was man sagen kann, nur sehr schlecht beschrieben, verglichen damit, wie es gesagt wird, wenn man mit Jesus zusammen ist…
Während ich dann „Ich liebe Dich” sagte, befand ich mich in mir selbst. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 16; 29. Dezember 1923)

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… „Meine Tochter, willst du durch alle Akte meines Willens gehen, die Er zum Wohl aller Geschöpfe aus sich hervorgebracht hat? Dann tritt mit Mir in meine Menschheit ein – dies ersehne und wünsche Ich von dir.
Wisse, dass meine Menschheit alle Wege des ewigen Wollens durcheilte, und in all seine Akte, die Ich fand, und die Er zum Wohle aller meiner Brüder getan hatte, legte Ich einen Akt von Mir, als Vergeltung für alle Akte, die der Göttliche Wille für alle Menschengeschlechter getan hatte. Es war der legitimste Akt, den zu tun Mir gebührte, als erste Ehrerweisung an meinen Himmlischen Vater.
Und dabei, hinterlegte Ich den Schatz dieser meiner Akte im Göttlichen Willen selbst, damit sie stets am Werk seien, Gott meinem Vater diese rechtmäßige Ehre darzubringen, welche die Geschöpfe Ihm nicht erweisen, und dem Ewigen Willen Gewalt anzutun, mit dem menschlichen Willen Frieden zu schließen.
Auch im Menschen ist der Wille das Depot aller seiner Gedanken, sowie des Guten oder Bösen, das er tut; er verwahrt all dies, und nichts entgeht ihm, das er nicht in sich hinterlegen würde.
Nun, meine Menschheit hatte zwei Willen, den menschlichen und den Göttlichen; und alles, was Ich tat, legte Ich im Göttlichen nieder, damit Ich nicht nur alle Akte, die der Höchste Wille getan hatte, finde und sie vergelte, sondern um weitere, neue Akte des Göttlichen Willens zu tun und in Ihm – mit allem, was meine Menschheit wirkte – eine neue Schöpfung erschaffen zu können und sie in meinem Willen zu verwahren, damit Er sie unversehrt und stets neu und schön ohne Zunahme oder Abnahme erhalte, da sie – wie viel die Geschöpfe auch davon nehmen mögen – nicht der geringsten Minderung unterworfen ist.
Bei der Erschaffung des Himmels, der Sonne, der Sterne, und von vielem anderem, das die Gottheit zum Wohle der ganzen Menschheitsfamilie erschuf, wurde alles in unserem Höchsten Willen verwahrt, damit Er sie stets in diesem von Uns erschaffenen Zustand erhalte – wie Er es tatsächlich tut.
So vertraute Ich Ihm [in ähnlicher Weise] das gesamte Wirken meiner Menschheit an, damit alles was Ich tat, stets dabei sei, sich den Geschöpfen zu schenken.
Mein Wirken ist mehr als neue Himmel, Sonne und Sterne, und wie die Sonne an eurem Horizont sich nicht weigert, ihr Licht allen zu spenden und sich jedem zu geben – und wenn das menschliche Auge nicht die ganze Unermesslichkeit ihres Lichtes aufnimmt, so deshalb, weil der Umfang des Auges klein ist oder das Auge vielmehr je nach seiner Sehschärfe mehr oder weniger Licht aufnimmt, obwohl sich die ganze Sonne geben will – so bleibt die neue Schöpfung meiner Akte, die alle zur Erlösung und Wiederherstellung der Menschen in diesem Göttlichen Willen getan und niedergelegt sind, im Akt, sich allen zu geben und breitet sich – mehr als die Sonne, Sterne und Himmel – über dem Haupt aller aus, damit alle die großen Schätze, die sie enthalten, nehmen können.
Jedoch gibt es zwischen der Sonne, die am blauen Himmel strahlt, und jener, die der blaue Himmel meiner Menschheit einschließt, einen großen Unterschied: So sehr sich bei der ersten das Auge anstrengt, sich mit Licht zu füllen, vergrößert sich dessen Umfang nicht, sondern bleibt stets so, wie er ist; je mehr das Auge der Seele sich hingegen bemüht, alles, was meine Menschheit getan hat, zu betrachten, zu erkennen, zu lieben und mit ihm mitzuwirken, umso mehr weitet es sich aus, empfängt mehr Licht, versteht mehr und nimmt mehr Güter auf: so hängt es von der Seele ab, ob sie reicher oder ärmer, heller und gluterfüllter, oder kälter und dunkler ist.
Wenn du nun die Wege des Ewigen Willens durchlaufen willst, so tritt durch die Tür meiner Menschheit ein. In Ihr wirst du meine Gottheit finden, und der Göttliche Wille wird dir alles, was Ich – wie in der Schöpfung so in der Erlösung und Heiligung – getan habe, tue und tun werde, gegenwärtig machen, wie wenn es gerade geschähe.
Du wirst das Glück haben, diese Akte küssen zu können und in jeden von ihnen deinen kleinen Akt der Liebe, der Anbetung, der Anerkennung…. zu legen. Hier wirst du meine Akte finden, alle gerade im Akt, sich dir zu schenken, und du wirst sie lieben und die Gaben deines Himmlischen Vaters in Empfang nehmen: die Gaben, Früchte und Wirkungen seines Willens.
Größere Geschenke als diese könnte Er dir nicht geben. Aber du wirst sie in dem Maß empfangen, wie du [mit meinem Willen] mitwirkst und deinen Willen vollständig mit dem Meinen vereint leben lässt.“… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 17; 8. März 1925)

„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10,10)

Ich bin stets das kleine Atom im Göttlichen Wollen, gerade erst neugeboren. Ich fühle das äußerste Bedürfnis, in seinen Vaterarmen ernährt und aufgezogen zu werden, sonst kommt mein menschlicher Wille auf und will sein unglückliches Leben leben.
Mein Gott, hab Mitleid mit mir und lass nicht zu, dass ich ein anderes Leben kenne oder erlange außer das deines Göttlichen Willens! Ich war betrübt und bedrückt wegen der fast ständigen Beraubung meines guten Jesus, die mich auf dem Scheiterhaufen des Schmerzes geopfert hält, sodass nur Gott allein Zeuge eines so harten Martyriums ist.
Daher befürchtete ich, dass mein unglücklicher menschlicher Wille mir einen Streich spiele. Um mir Mut einzuflößen, nahm mich mein geliebter Jesus in seine Arme, da ich nicht mehr konnte, und sagte zu mir:
„Meine gesegnete Tochter, Mut! Verbanne jede Angst aus deinem Herzen. Sie ist die Waffe, welche die Liebe tötet oder verwundet und die Vertrautheit mit deinem Jesus schwinden lässt.
Ich aber kann und will mit der Seele, die in meinem Willen leben möchte, nicht ohne Vertrautheit bleiben – als wäre sie nicht eins mit Mir. Sonst könnte Ich nicht sagen, dass der Wille, der uns beseelt, nur einer ist, und Er unser beider Leben bildet, sondern müsste sagen: ‚Du hast deinen Willen, und Ich den meinen.‘ Das aber wünsche Ich nicht, sonst würdest du nicht mehr in meinem Willen leben.
Vielmehr sollst du bei jedem Leiden, das du erträgst, sei es auch meine Beraubung, und bei allem, was du aus deinem ganzem Wesen tust, stets meinen Willen herbeirufen.
So sollen all deine Akte Kanäle bilden, wo Er sich den Weg bahnen kann und den Platz findet, um seine Güter einzuschließen und sie überreichlich herabströmen zu lassen.
Je nach dem Kanal den du bereitet hast, kann jeder Akt, den du verrichtest, ein Kanal der Gnaden, des Lichtes oder der Heiligkeit sein, den du meinem Willen darbietest.
Und Dieser macht dich zur Besitzerin jener Schätze, die Er in deine Akte einschließt und zum Wohle aller sich verströmen lässt. Du siehst also, wozu Mir dein Wesen, deine Leiden und Akte nützen sollen: als so viele kleine Kanäle, in die Ich stets etwas von Mir dazugeben kann.
Wenn Ich in der Seele etwas von Mir niederlegen kann, macht Mich dies glücklich, weil sie Mir etwas zu tun gibt, und Ich Mich geliebt und erkannt fühle.
Daher ist es meine große Sehnsucht, meine Göttlichen Schätze in die Akte der Seele zu legen, um sie zu deren Besitzerin zu machen. Als aufmerksamer Wächter kontrolliere Ich sie und setze meine ganze liebevolle Aufmerksamkeit ein, um zu prüfen, ob ihre Akte frei vom menschlichen Willen sind und ob sie meinen Göttlichen Willen anruft.
Wenn Dieser einen freien Platz in ihren Akten findet, benützt Er sie wie Kanäle, um die größten Gnaden, die erhabensten Kenntnisse, die Heiligkeit, die Ihm am nächsten kommt, in sie zu legen und bereitet dadurch die Göttliche Mitgift für sein geliebtes Geschöpf.“
Nach diesen Worten verstummte Er und fügte dann in noch zärtlicherem Ton hinzu: „Meine Tochter, wer in meinem Göttlichen Willen lebt, darf keine Zeit verlieren und kann auf gewisse Kleinigkeiten, Ängste, Bedrückungen, Beunruhigungen und Zweifel keine Rücksicht nehmen.
Wer das Größere zu tun hat, muss das Geringere beiseitelassen. Wer die Sonne erhält und sie genießt, darf die kleinen Lichter nicht berücksichtigen, und wer den Tag besitzt, darf die Nacht nicht beachten; denn die Sonne ist mehr als die kleinen Lichter, und der Tag hat größeren Wert als die Nacht.
Wer auf beide Rücksicht nimmt, läuft Gefahr, weder die ganze Fülle des Sonnenlichtes zu genießen, noch all das tun zu können, was er am Tag tun kann.
So kann er das Größere verlieren, wenn er das Geringere berücksichtigt, zumal mein Göttlicher Wille der Seele, die in Ihm lebt, stets geben möchte und die Seele stets empfangsbereit sein muss.
Kümmert sie sich um etwas anderes, so ist mein Wille genötigt, im Geben innezuhalten, weil Er in der Seele die Aufmerksamkeit auf den Empfang seiner Gaben vermisst, was den Göttlichen Strom unterbricht. Wenn du wüsstest, was das bedeutet, wie aufmerksam wärst du dann!
Wisse zudem dies: wenn das Geschöpf seine Akte in meinem Göttlichen Willen verrichtet, kommt es zur göttlichen Bank und tätigt dort seine Geschäfte von unendlichem Wert.
Da die Seele in unseren Willen kommt, kommt sie – obwohl sie klein ist – als Besitzerin und nimmt als Besitzerin der Güter unserer Göttliche Bank so viel sie kann.
Da sie aber nicht alles, was sie genommen hat, in sich einschließen kann, legt sie dies zugleich mit unseren eigenen Schätzen in Verwahrung [auf die Bank], und Wir lassen sie gewähren und freuen Uns an ihren ‚Transaktionen‘.
So groß ist unsere Güte, dass Wir ihr die Zinsen der getätigten Erwerbungen schenken. Bei jedem Akt in unserem Willen eröffnet die Seele also einen Handelsverkehr zwischen Himmel und Erde und bringt unsere Heiligkeit, Macht, Güte und Liebe in Umlauf.
Um nicht hinter unserem geliebten Geschöpf zurückzubleiben, steigen Wir, während die Seele aufsteigt, in die Tiefen des menschlichen Willens hinab. Wir eröffnen unseren Handel und erwerben den Willen des Menschen – ein von Uns so ersehnter und wohlgefälliger Handel, und so wetteifern Wir miteinander und besiegen Uns gegenseitig.
Gute Tochter, es wäre für Uns unmöglich, dass die Seele in unserem Willen lebt und dass weder sie mit Uns, noch Wir mit ihr zu tun hätten, oder dass Wir Uns nichts zu sagen hätten oder Uns gegenseitig bemerkbar machten. Wir würden dann nicht mehr unser Leben in der Seele führen, sondern es wäre eine bloße Redensart, und keine Wirklichkeit.
Das Leben fühlt das absolute Bedürfnis, sich zu bewegen, sich bemerkbar zu machen, Wärme abzugeben, hat Bedürfnis nach Atmung, Herzschlag und Worten. Wie kann sich ein Leben unterdrücken, wie könnte es leben und sich nicht fühlbar machen?
Das ist unmöglich – für Gott und das Geschöpf. Sei daher nicht besorgt, wenn du spürst, dass alles in dir Stille ist: dies sind [nur] kurze Momente, da Ich ja selbst danach verlange, spüren zu lassen, dass mein Leben in dir existiert. Es wäre mein grausamstes Martyrium, in dir zu sein und Mich nicht fühlbar zu machen. Dies könnte Ich nur für kurze Zeit tun, aber nicht immer.
Sei daher unbesorgt, lebe ganz an Mich hingegeben, und Ich werde an alles denken.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 32; 2. September 1933)