1In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. 2Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. 3Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten. 4Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. 5Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder auf den Markt und machte es ebenso. 6Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, die dort herumstanden. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum? 7Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! 8Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter, und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den letzten, bis hin zu den ersten. 9Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. 10Als dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denar. 11Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren, 12und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen. 13Da erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? 14Nimm dein Geld und geh! Ich will dem letzten ebensoviel geben wie dir. 15Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin? 16aSo werden die Letzten die Ersten sein.

„Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben“ (Mt 20,1)

Mein armer Geist kreist weiterhin in den Akten des Göttlichen Willens, und ich dachte mir: ‚Was ist der Unterschied zwischen denen, die den Göttlichen Willen in ihre Akte rufen, und denen, die gute Werke tun und Ihn nicht rufen, Ihm nicht den ersten Platz in ihren Akten geben?’ Da sprach mein süßer Jesus, der mir einen kurzen Besuch abstattete, zu mir:
„Meine Tochter, es gibt gar keinen Vergleich zwischen den beiden: im ersten Fall entledigt sich die Seele, wenn sie meinen Willen in ihre Akte ruft, dessen, was [ungeordnet] menschlich ist und bildet in ihrem menschlichen Willen den freien Raum, wo sie dem Meinigen den Platz überlässt.
Mein Wille verschönert, heiligt, bildet sein Licht in diesem Leerraum, dann spricht Er sein Schöpferisches Fiat aus und ruft sein Göttliches Wirken im menschlichen zum Leben.
Das Geschöpf nimmt nicht nur teil, sondern bleibt Besitzer des Göttlichen Aktes, der die Macht, die Unermesslichkeit, die Heiligkeit und den Göttlichen Wert besitzt, der sich nie erschöpft.
Darum erblicken und finden Wir in der in unserem Willen lebenden Seele, Uns selbst und unsere Akte, die Uns ehren und wie eine Krone umgeben. In jenen hingegen, die zwar gute Werke tun, die aber nicht von unserem Wollen beseelt sind, finden Wir nicht Uns selbst vor, sondern den endlichen Akt des Geschöpfs.
Da Wir nun selbst nichts von dem für Uns bewahren können, was sie an Gutem auch tun möge, geben Wir dieser Seele das Verdienst [nur] als Belohnung.
Der Lohn ist nicht Besitz, den das Geschöpf ständig hervorbringen könnte, deshalb werden diese Seelen von jenen symbolisiert, die von der Hand in den Mund (in den Tag hinein) leben: diese können – wenn auch mühsam – vom Lohn leben, den sie [bekommen] haben.
Sie werden jedoch nie reich, sondern haben das Bedürfnis, für ihre Werke bezahlt zu werden, um ihr Leben fristen zu können. Wenn sie nicht arbeiten, laufen sie Gefahr, vor Hunger zu sterben, d.h. nicht die Sättigung im Guten, das Leben der Tugenden zu empfinden, sondern das düstere Elend der Leidenschaften.
Für den hingegen, der in unserem Willen lebt, ist alles im Überfluss da, und Wir selbst sagen zu ihm: ‚Nimm, was du willst, und so viel du nehmen kannst, ja Wir stellen dir sogar unsere Reichtümer, unser Licht, unsere Heiligkeit und unsere Liebe zur Verfügung; denn was Uns gehört, ist dein, und was dein ist, gehört Uns.
Es bleibt nichts anderes, als gemeinsam zu leben und zu arbeiten.’“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 34; 20. Mai 1936)

„Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen“ (Mt 20, 12)

Ich war in meinem gewohnten Zustand und betete gerade zu meinem liebenden Jesus für den glücklichen Hinübergang eines Priesters, der vor Jahren mein Beichtvater gewesen war; dabei sagte ich zu meinem geliebten Jesus:
„Denk daran, wie viele Opfer er brachte, welchen Eifer er für deine Ehre und Verherrlichung zeigte; und außerdem, wie viel hat er nicht für mich getan? Wie viel hat er nicht gelitten? Dies musst Du ihm vergelten und ihn gleich in den Himmel eingehen lassen.“
Der gebenedeite Jesus antwortete mir: „Meine Tochter, Ich schaue nicht so sehr auf die Opfer, sondern auf die Liebe, mit der sie gebracht werden und auf die Vereinigung mit Mir, die sie haben; denn je mehr die Seele mit Mir vereint ist, umso mehr ziehe Ich ihre Opfer in Betracht.
Wenn die Seele also ganz innig mit Mir vereint ist, so rechne Ich ihr die kleinsten Opfer als groß an, denn die Liebe wird nach der Vereinigung bemessen, und das Maß der Liebe ist ein ewiges Maß, das kein Ende und keine Grenzen kennt; eine Seele jedoch, die sich gewaltig opfert, aber nicht mit Mir vereint ist, deren Opfer betrachte Ich wie das einer fremden Person, und Ich gebe ihr den Lohn, den sie verdient, d.h. einen begrenzten.
Stelle dir einen Vater und einen Sohn vor, die sich lieben: der Sohn bringt kleine Opfer dar, aber der Vater betrachtet jene kleinen Opfer wegen der Bande der Einheit durch die Vaterschaft und die Sohnschaft und die Liebe, welche die stärkste Bindung ist, als etwas Großes; er triumphiert darüber, er fühlt sich geehrt und schenkt dem Sohn all seine Reichtümer und widmet ihm seine ganze Aufmerksamkeit und Sorgfalt.
Stell dir nun einen Diener vor: dieser arbeitet den ganzen Tag, ist der Hitze und Kälte ausgesetzt, steht allen Befehlen [des Herrn] zur Verfügung, und wenn nötig, wacht er auch in der Nacht für seinen Herrn – und was erhält er?
Den armseligen Lohn für einen Tag, sodass er, wenn er nicht alle Tage arbeiten würde, hungern müsste. So groß ist der Unterschied zwischen einer Seele, welche die Vereinigung mit Mir besitzt, und jener, die sie nicht hat.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 9; 17. Oktober 1910)

„Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin?“ (Mt 20,15)

Mein armer Geist erfährt den süßen Zauber der strahlenden Sonne des Ewigen Fiat, das so viele berührende Szenen in mir entfaltet, dass alle, wenn ich sie beschreiben könnte, wie ich sie sehe, diesen süßen Zauber erleben und im Chor sagen würden: „Wir wollen den Göttlichen Willen tun.”
Doch ach, ich bin stets die kleine Unwissende, die nur stammelnd etwas zu sagen vermag. Als ich aber das große Gut dieses Göttlichen Willens verstand, und wie wir in seinen riesigen Wellen aus Licht, unaussprechlicher Schönheit und unerreichbarer Heiligkeit schwimmen, dachte ich mir: ‘Wie ist es möglich, dass ein so großes Gut nicht bekannt ist?
Während wir in ihm schwimmen, kennen wir die große Wohltat nicht, die uns umgibt und uns innen und außen umhüllt und uns Leben spendet; und nur weil wir es nicht kennen, können wir die wunderbaren Wirkungen all der großen Güter nicht genießen, die ein so heiliger Wille in sich schließt!
O Allmächtiges Fiat, enthülle Dich doch, und das Angesicht der Erde wird neu! Warum gefiel es zudem Unserem gebenedeiten Herr nicht, vom Anbeginn der Schöpfung an die vielen wunderbaren Dinge zu offenbaren, die dieser Heiligste Wille tun und den Geschöpfen geben will?’
Während sich mein Geist wie entzückt im süßen Bann des Göttlichen Willens verlor, zeigte sich Jesus, meine Liebe, mein Leben, der Himmlische Lehrer, der mich mit seinen wunderschönen Worten über seinen eigenen Willen fasziniert und sagte zu mir:
„Meine kleine Tochter meines Willens, das Geschöpf kann weder der Seele noch dem Leibe nach ohne meinen Göttlichen Willen leben. Da Er der erste Akt des Lebens des Geschöpfes ist, ist das Geschöpf in dieser Situation, dass es entweder Seinen Akt des kontinuierlichen Lebens von meinem Willen aufnimmt, oder gar nicht existieren kann.
Da der Mensch dazu erschaffen wurde, um in der Überfülle der Güter dieses Göttlichen Willens, seines geliebten Erbes, zu leben, wurde er dazu erschaffen, von [dem] Uns[rigen] und in unserem Hause zu leben, wie ein Sohn mit seinem Vater.
Wie könnte er sonst unser Vergnügen, unsere Freude und Seligkeit sein, wenn er nicht in unserer Nähe und zusammen mit Uns in unserem Göttlichen Willen lebte?
Ein Sohn in weiter Ferne kann nicht die Freude seines Vaters, sein Lächeln, seine Unterhaltung und seine vertraute Konversation bilden. Entfernt voneinander, kann man nicht gemeinsam spielen oder glücklich lächeln, sondern die bloße [Tatsache der] Distanz unterbricht die Liebe und macht traurig, weil man sich nicht am Geliebten erfreuen kann.
Du siehst also, der Mensch wurde erschaffen, um vertraut mit Uns, in unserem Haus und in unserem eigenen Willen zu leben, um Uns unsere Freuden und immerwährende Glückseligkeit zu sichern, wie auch die seinen.
Doch obwohl der Mensch, unser Sohn, im Haus seines Vaters glücklich war, rebellierte er und verließ sein väterliches Haus. Indem er den eigenen Willen tat, verwirkte er das Lächeln seines Vaters und Seine reinen Freuden.
Da er aber nicht ohne die Mitwirkung unseres Göttlichen Willens leben konnte, handelten Wir als Vater und gaben ihm den gesetzlichen Pflicht-Anteil unseres Göttlichen Willens; und zwar nicht mehr als Leben, das ihn auf Seinem Schoß trug, um ihn glücklich und heilig zu machen, sondern als Mit-Beteiligten, der ihn am Leben erhalten sollte; nicht um ihn glücklich zu machen wie früher, sondern um ihm die unbedingt notwendigen Dinge zu reichen – und je nachdem, wie er sich verhalten würde.
Ohne meinen Göttlichen Willen kann es kein Leben geben. Mein Göttliches Fiat ist deshalb so wenig bekannt, weil die Menschen bloß den gesetzlichen Pflichtteil kennen, und oft anerkennen sie nicht einmal diesen gesetzlichen Anteil zur Gänze.
Wer nämlich von diesem Pflichtteil lebt, lebt nicht im Haus seines Vaters, sondern ist weit weg von Ihm. Und oft ist es sogar so, dass er den gesetzlichen Anteil, den er erhalten hat, mit unwürdigen Akten vergeudet.
Wundere dich also nicht, dass über meinen Göttlichen Willen wenig bekannt ist, wenn man nicht in Ihm lebt und nicht in ständigem Kontakt mit Ihm ist, um sein Leben zu empfangen, das glücklich und heilig macht.
Dabei ist Er der Seele so nahe, dass Er seine Geheimnisse eröffnet und kundtut, wer Er ist, was Er dem Geschöpf geben kann, und wie sehr Er sich danach sehnt, es auf Seinem Schoß zu halten, um in ihm Sein Göttliches Leben zu bilden; zumal sich der Mensch, indem er den eigenen Willen tat, zum Diener degradierte und kein Erbe mehr war.
Und ein Diener hat keinen Anspruch auf das Erbe seines Herrn, sondern [nur] auf den armseligen Lohn, um mit Müh und Not sein Leben führen zu können.
So kann man, meine Tochter, sagen: mit dir habe Ich die Türen geöffnet, damit du eintrittst und in unserem Hause, in unserem Göttlichen Willen lebst.
Als Wir dich bei Uns behielten, offenbarten Wir dir so vieles über unseren Göttlichen Willen – nicht als gesetzlichen Pflichtteil, sondern als unserer glücklichen Erbin.”
Dann fügte Er noch hinzu: „Meine Tochter, in dem Wenigen, was in der ganzen Weltgeschichte über meinen Göttlichen Willen geschrieben steht, haben sie – da sie nur den gesetzlichen Anteil kannten – von Ihm nur das aufgeschrieben, was sie von meinem Fiat nach dem Sündenfall wussten; welche Beziehungen Er mit den Geschöpfen hat, obwohl diese Ihn beleidigen und nicht in Unserem Haus leben.
Über die Beziehungen zwischen meinem Fiat und dem unschuldigen Adam vor dem Sündenfall jedoch haben sie nichts geschrieben. Wie hätten sie auch darüber schreiben können, wenn niemand in meinem Göttlichen Willen wie in seinem eigenen Haus lebte?
Wie könnten sie seine Geheimnisse und das große Wunder kennen, welches das aktive Leben eines Göttlichen Willens im Geschöpf wirken kann? So konnten und können sie von meinem Göttlichen Fiat zwar aussagen, dass Es alles verfügt, dass Es befiehlt und mitwirkt.
Doch zu erklären, wie mein Göttlicher Wille in sich selbst, in seinem Haus wirkt, die Macht seiner Unermesslichkeit zu beschreiben, die in einem Augenblick alles tut und miteinbezieht – sowohl im Geschöpf wie in Sich selbst – dies ist eine Wissenschaft, die der Mensch bisher noch nicht gekannt hat.
Es konnte nur aufgrund einer [Selbst]Offenbarung meines Göttlichen Fiat aufgeschrieben werden. Und zwar von einer Seele, die unser Wille berief, in unserem Haus als unsere Tochter zu leben, in unserer Nähe, in meinem Willen, und nicht in der Ferne, sodass Wir Uns mit ihr unterhalten konnten und ihr somit unsere vertrautesten Geheimnisse zur Kenntnis brachten.
Hätten Wir die Beziehungen unseres Willens zum Geschöpf offenbaren wollen, aber das Geschöpf würde nicht in Ihm leben, so hätte diese Seele Uns nicht verstehen können. Unsere Worte wären für sie wie ein fremder und unverständlicher Dialekt gewesen.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 27; 11. Februar 1930)