Die Heiligkeit des Lebens im Göttlichen Willen, zum Beispiel der Heiligsten Jungfrau, hat nichts von äußerlich Wunderbarem an sich.

Ich dachte mir: „Der gute Jesus sagt so viel Wunderbares über seinen Willen, und dass es nichts Größeres, Höheres, Heiligeres als die Seele gibt, die Er zum Leben in seinem Wollen beruft.
Wenn es so wäre, wer weiß, wie viele wunderbare, großartige Dinge, auch nach außen hin, ich tun sollte; jedoch ist hier nichts Faszinierendes, Beeindruckendes, im Gegenteil, ich fühle mich als die Niedrigste und Unbedeutendste, die nichts Gutes tut – doch die Heiligen – wie viel Gutes haben sie nicht getan? Großartige Dinge, Wunder…!
Und doch sagt Er, dass das Leben in seinem Willen alle Heiligen hinter sich lässt.” Nun, während mir diese und andere Gedanken durch den Kopf gingen, bewegte sich mein Jesus in meinem Inneren und sprach mit seinem gewohnten Licht zu mir:
„Meine Tochter, eine individuelle Heiligkeit, d.h. eine Heiligkeit für eine bestimmte Zeit und einen bestimmten Ort, zeigt mehr an äußerlich Wunderbarem, um die Personen dieser Orte und Zeiten anzuziehen, damit sie die Gnade und Wohltaten empfangen, welche diese Heiligkeit enthält.
Die Heiligkeit des Lebens in meinem Willen hingegen ist keine individuelle Heiligkeit, die darauf angewiesen wäre, bestimmten Orten, bestimmten Leuten und bestimmten Zeiten Gutes zu erweisen, sondern es ist eine Heiligkeit, die allen Menschen aller Zeiten und aller Orte Nutzen bringen soll.
Es ist eine Heiligkeit, die in der Ewigen Sonne meines Willens untertaucht, die alle überflutet, die Licht ohne Worte ist, und Feuer ohne Holz, ohne zu knistern, ohne Rauch; trotzdem hört diese Heiligkeit nicht auf, die majestätischste, schönste und fruchtbarste zu sein.
Ihr reinstes Licht, ihre intensivste Wärme, dessen wahres Abbild die Sonne ist, die unseren Horizont erleuchtet, scheint auf alle, doch ohne Lärm. Die Sonne ist Licht, aber hat keine Worte, sie spricht zu niemandem über das Gute, das sie tut, die Samen, die sie befruchtet, das Leben, das sie allen Pflanzen gibt, und wie sie mit ihrer Wärme die infizierte Luft reinigt und das vernichtet, was der ganzen Menschheit schaden kann; so schweigsam ist sie, dass die Menschen ihr, obwohl sie sie bei sich haben, keine Aufmerksamkeit schenken.
Doch trotzdem hört sie nicht auf, majestätisch und schön zu sein und weiterhin allen Gutes zu tun. Würde die Sonne fehlen, dann würden alle dies beklagen, da das größte Wunder der Fruchtbarkeit und der Bewahrung der ganzen Natur fehlen würde.
Die Heiligkeit des Lebens in meinem Willen ist großartiger als die Sonne. Eine Seele, die aufrichtig und ganz in meinem Willen geordnet ist, ist gewaltiger als ein Schlachtheer.
Ihre Intelligenz ist geordnet und mit meiner ewigen Intelligenz verbunden. Ihre Herzschläge, Gefühle, Wünsche sind mit ewigen Banden geordnet, daher sind ihre Gedanken, ihr Wille und ihr ganzes Inneres, Heere von Botschaftern, die von ihr ausgehen, die Himmel und Erde erfüllen, es sind sprechende Stimmen, sind Waffen, die alle verteidigen, vor allem ihren Gott.
Sie bringen allen Gutes, sie sind die wahre himmlische und göttliche Miliz, welche die Höchste Majestät ganz geordnet in sich selbst bewahrt, stets bereit für alle Ihre Befehle.
Und dann ist da das Beispiel meiner Mutter – die wahre Heiligkeit des Lebens in meinem Willen.
Ihr Inneres war ganz untergetaucht in der Ewigen Sonne des Höchsten Willens; da sie die Königin der Heiligkeit der Heiligen sein sollte, und Mutter und Trägerin meines Lebens, und daher aller Güter, zu allen, war sie wie verborgen in allen und brachte ihnen das Gute, ohne sich zu erkennen zu geben.
Mehr als die schweigsame Sonne brachte sie das Licht ohne Worte, das Feuer ohne Aufsehen, das Gute, ohne sich loben zu lassen. Es gab kein Gut, das nicht von ihr ausging, kein Wunder, das nicht von ihr entsprang.
In meinem Willen lebend, lebte sie verborgen in allen, und sie war und ist Ursprung der Güter aller. Sie war so hingerissen in Gott, so gefestigt und geordnet im Göttlichen Willen, dass ihr ganzes Inneres im Meer des Ewigen Wollens schwamm; sie wusste Bescheid um das gesamte Innere aller Geschöpfe und legte ihr Inneres hinein, um sie vor Gott neu zu ordnen.
Gerade das Innere des Menschen bedurfte der Wiederherstellung, der Neuordnung, mehr als das Äußere, und da sie das Größere tun sollte, schien es, als lasse sie das Geringere aus, während sie der Ursprung des äußeren und des inneren Guten war.
Und doch schien sie nach außen keine großen und sensationellen Werke zu tun. Sie ging unbeachteter als die Sonne und verborgen in der Wolke des Lichtes des Göttlichen Willens vorüber, so dass selbst die Heiligen von dem ihren gaben und scheinbar wunderbarere Dinge vollbrachten als meine Mutter selbst.
Und doch, was sind die größten Heiligen vor meiner Himmlischen Mama? Kaum wie kleine Sterne im Vergleich zur großen Sonne, und wenn sie beleuchtet werden, ist die Sonne die Ursache.
Doch obwohl sie keine sensationellen Dinge tat, hörte sie nicht auf, auch sichtbar majestätisch und schön zu sein. Sie schwebte kaum über die Erde und war ganz auf jenen Ewigen Willen ausgerichtet, den sie mit solcher Liebe und Gewalt faszinierte und entzückte, um Ihn vom Himmel auf die Erde zu bringen, und den die menschliche Familie so brutal in den Himmel oben verbannt hatte.
Mit ihrem ganz im Göttlichen Wollen geordneten Inneren, ließ sie der Zeit keine Zeit: wenn sie dachte, wenn ihr Herz klopfte, wenn sie atmete, was sie auch tat – alles war wie bezaubernde Fesseln, um das Ewige Wort auf die Erde herabzuziehen; und tatsächlich siegte sie und bewirkte das größte Wunder, das niemand anderer tun kann.
Dies ist deine Aufgabe, meine Tochter: Mich zu bezaubern und Mich so sehr mit deinem Inneren, das ganz im Höchsten Wollen neu geordnet ist, zu fesseln, um Es vom Himmel auf die Erde zu holen, damit Es bekannt werde und Leben habe, wie im Himmel so auf Erden. Über alles andere sollst du dir keine Gedanken machen.
Wer das Größere tun soll, braucht das Geringere nicht zu tun, sondern es wird anderen der Raum gegeben, damit sie das Geringere tun – und so alle Arbeit haben.
Ich weiß, was notwendig ist: die Zeit, der Ort, die Personen, und wann Ich meine größten Werke bekannt machen soll – auch mit äußeren Wundern. Du aber, setze stets den Aufschwung in meinem Willen fort und fülle Himmel und Erde aus, um Mich derart zu bezaubern, dass Ich nicht umhinkann, das größte Wunder zu wirken – dass mein Wille unter den Menschen herrsche.” (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 16; 20. August 1923)