1In jener Zeit wandte sich Jesus an das Volk und an seine Jünger 2und sagte: Die Schriftgelehrten und die Pharisäer haben sich auf den Stuhl des Mose gesetzt.
3Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen, aber richtet euch nicht nach dem, was sie tun; denn sie reden nur, tun selbst aber nicht, was sie sagen. 4Sie schnüren schwere Lasten zusammen und legen sie den Menschen auf die Schultern, wollen selber aber keinen Finger rühren, um die Lasten zu tragen.
5Alles, was sie tun, tun sie nur, damit die Menschen es sehen: Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren Gewändern lang, 6bei jedem Festmahl möchten sie den Ehrenplatz und in der Synagoge die vordersten Sitze haben, 7und auf den Straßen und Plätzen lassen sie sich gern grüßen und von den Leuten Rabbi – Meister – nennen.
8Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder. 9Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel.
10Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen; denn nur einer ist euer Lehrer, Christus. 11Der Größte von euch soll euer Diener sein. 12Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

„Alles, was sie tun, tun sie nur, damit die Menschen es sehen…“ (Mt 23,5)

Heute Morgen sagte mir mein stets liebenswürdiger Jesus, als er kurz kam: „Meine Tochter, meine Liebe wird durch die Sonne versinnbildlicht. Die Sonne geht majestätisch auf, doch während sie aufgeht, ist sie [zugleich] stets fest und steigt nie auf.
Mit ihrem Licht überflutet sie die ganze Erde, mit ihrer Wärme befruchtet sie alle Pflanzen, es gibt kein Auge, das sie nicht genießt. Man könnte sagen, dass es fast nichts Gutes auf Erden gibt, das nicht von ihrem wohltuenden Einfluss stammt.
Wie viele Dinge hätten kein Leben ohne sie! Und doch tut sie dies alles ohne Lärm, ohne ein Wort zu sagen, ohne etwas zu verlangen. Sie stört niemanden; im Gegenteil, sie nimmt keinen Raum von der Erde selbst ein, die sie doch mit ihrem Licht überflutet. Der Mensch kann tun, was er will; ja, während die Menschen die Wohltat der Sonne genießen, schenken sie ihr keinerlei Aufmerksamkeit und haben sie in ihrer Mitte, ohne sie zu beachten.
So ist meine, durch die Sonne symbolisierte Liebe. Wie die Sonne geht sie in der Mitte aller majestätisch auf, es gibt keinen Verstand, der nicht von meinem Licht bestrahlt wird, kein Herz, das nicht meine Wärme empfindet, keine Seele, die nicht von meiner Liebe umfangen wird.
Mehr als die Sonne bin Ich mitten unter allen, doch, ach, wie wenige schenken Mir Aufmerksamkeit! Ich bin fast unbeachtet in ihrer Mitte und erfahre keine Vergeltung, doch fahre Ich fort, Licht, Wärme und Liebe zu spenden. Wenn Mir eine Seele Aufmerksamkeit schenkt, gerate Ich in Torheit, doch ohne Lärm, weil meine solide, feste und wahrhaftige Liebe keinen Schwächen unterworfen ist.
So möchte Ich deine Liebe zu Mir, und wenn das so wäre, würdest auch du für Mich und für alle eine Sonne werden, denn die wahre Liebe hat alle Eigenschaften der Sonne.
Eine Liebe hingegen, die nicht solide, fest und wahrhaftig ist, wird durch das irdische Feuer hier unten symbolisiert, das der Veränderlichkeit unterworfen ist: sein Licht ist nicht fähig, alle zu erleuchten, es ist ein düsteres, mit Rauch vermischtes Licht, seine Wärme ist beschränkt, und wenn es nicht mit Holz genährt wird, dann verlöscht es und wird zu Asche.
Und wenn das Holz grün ist, prasselt und raucht es. So sind die Seelen, die nicht ganz für Mich und meine wahren Liebenden sind: wenn sie ein wenig Gutes tun, ist es mehr Lärm und Rauch, was aus ihren Handlungen hervorgeht, als Licht.
Wenn sie nicht von irgendeiner menschlichen Verlegenheit genährt werden, auch unter dem Aspekt der Heiligkeit oder des Gewissens, sterben sie ab und werden kälter als Asche. Ihr Charakteristikum ist die Unbeständigkeit: bald Feuer, bald Asche.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 11; 12. August 1912)

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Ich sagte zu meinem Jesus: „Du siehst, ich weiß nichts zu tun, ich habe nichts, das ich Dir geben könnte, aber ich will Dir meine Nichtigkeiten geben; ich vereinige diese mit dem Alles, das Du bist und bitte Dich um Seelen.
Meine Atemzüge bitten Dich beim Atmen um Seelen, meine Herzschläge bitten Dich mit unaufhörlichem Schrei um Seelen; die Bewegung meiner Arme, das Blut, das in mir kreist, der Lidschlag, die Bewegung der Lippen erbitten von Dir Seelen, und dies erbitte ich vereint mit Dir, mit deiner Liebe und in deinem Willen, auf dass alle meinen unaufhörlichen Schrei hören können, der in Dir immerdar Seelen fordert.“
Während ich nun dies und anderes sagte, bewegte sich mein Jesus in meinem Inneren und sprach zu mir:
„Meine Tochter, wie süß und wohlgefällig ist Mir das Gebet der Seelen, die innig mit Mir verbunden sind! Wie fühle Ich das verborgene Leben von Nazareth sich wiederholen, ohne irgendeine Äußerlichkeit, ohne einen Kreis von Leuten, ohne Glockengeläute, ganz vernachlässigt unbeachtet, allein, sodass Ich kaum bekannt war.
Ich erhob Mich zwischen Himmel und Erde und bat um Seelen, und nicht ein Atemzug noch ein Herzschlag entging Mir, der nicht um Seelen flehte.
Und als Ich dies tat, drang mein Klang in den Himmel und zog die Liebe des Vaters an, Mir Seelen zu gewähren, und dieser Klang, der in den Herzen widerhallte, rief mit lauter Stimme: „Seelen!“
Wie viele Wunder wirkte Ich nicht in meinem verborgenen Leben, nur von meinem Vater im Himmel und meiner Mutter auf Erden gekannt!
So betet die verborgene Seele, die innig mit Mir verbunden ist; wenn auf Erden auch kein Ton zu hören ist, so klingen ihre Gebete wie Glocken umso tönender im Himmel, dass sie den ganzen Himmel herbeirufen, sich mit ihr zu vereinen, um Barmherzigkeit auf die Erde herabsteigen zu lassen, die nicht ans Ohr, sondern in die Herzen der Geschöpfe tönt und diese bewegt, sich zu bekehren.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 12; 10. Dezember 1918)

„Der Größte von euch soll euer Diener sein… wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden“ (Mt 23, 11. 12)

… „Je mehr die Seele sich erniedrigt und sich selbst erkennt, umso näher kommt sie der Wahrheit; und wenn sie in der Wahrheit ist, versucht sie, auf dem Weg der Tugenden voranzuschreiten, von denen sie sich selbst sehr weit entfernt sieht. Und wenn sie sich auf dem Weg der Tugenden sieht, erkennt sie sofort, wie viel für sie noch zu tun bleibt, denn die Tugenden haben kein Ende, sie sind unendlich, wie Ich es bin.
So versucht die Seele, sich in der Wahrheit befindend, stets sich zu vervollkommnen, doch wird sie nie den Punkt erreichen, sich selbst vollkommen zu sehen.
Und dies hilft ihr und bewirkt, dass die Seele ununterbrochen arbeitet und sich bemüht, sich mehr zu vervollkommnen, ohne die Zeit müßig zu verschwenden. Und Ich überarbeite sie, von dieser Arbeit der Seele angetan, Stück für Stück, um in ihr die Ähnlichkeit mit Mir abzubilden.
Deshalb also wollte Ich beschnitten werden, um ein Beispiel höchster Demut zu geben, das sogar die Engel des Himmels in Erstaunen versetzte.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 3; 1. Januar 1900)

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… „Meine Tochter, mein Wille ist die Heiligkeit jeglicher Heiligkeit. Die Seele also, die meinen Willen tut übertrifft, und wäre sie noch so klein, unwissend, unbekannt, allen anderen Heiligen, auch wenn diese Großtaten, sensationelle Bekehrungen und Wunder gewirkt haben; ja, im Vergleich mit ihnen sind die Seelen, die meinen Willen tun, sogar Königinnen, und alle anderen stehen wie zu ihren Diensten.
Die Seele, die meinen Willen tut, scheint nichts zu tun, sie tut hingegen [in Wirklichkeit] alles, denn da sie in meinem Willen feststeht, handelt sie „auf göttliche Art und Weise“, verborgen zwar, aber auf erstaunliche Weise.
Diese Seelen sind wie Licht, das erleuchtet, wie reinigender Wind, wie brennendes Feuer, sie sind die Wunder[kraft], die die Wunder geschehen lassen; denn in diesen Seelen wohnt die Kraft, sie zu wirken, jene hingegen, die die Wunder vollbringen, sind [nur] die Kanäle. So sind sie die Füße der Missionare, die Zunge der Prediger, die Kraft der Schwachen, die Geduld der Kranken, die Ordnung der Vorgesetzten, der Gehorsam der Untergebenen, die Duldsamkeit der Verleumdeten, die Stärke in Gefahren, der Heroismus der Helden, der Mut der Märtyrer, die Heiligkeit der Heiligen, und so ist es mit allem anderen.
Da sie nämlich in meinem Willen sind, wirken sie an allem Guten mit, das es im Himmel und auf Erden geben kann…“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 11; 15. März 1912)

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… „Wer höher als alle steigen soll, muss in die tiefste Tiefe hinabsteigen, unter alle. Von meiner Mutter, der Königin über alle, sagt man, dass sie die Demütigste von allen war, da sie allen überlegen sein sollte.
Doch um die Demütigste von allen zu sein, musste sie sich an den niedrigsten Platz unter allen begeben, und im Bewusstsein, dass Gott der Schöpfer und sie selbst das Geschöpf war, erniedrigte sich meine Himmlische Mutter so tief, dass Wir sie in dem Maß erhöhten, wie sie sich erniedrigte, doch so hoch, dass ihr niemand gleichkommt.
So ist es auch mit dir, der kleinen Tochter meines Willens. Um dir die Vorherrschaft in meinem Willen zu geben, lasse Ich sie, da Wir sie über alle erheben sollen, in die tiefste Tiefe, unter alle anderen hinabsteigen.
Und je mehr du dich erniedrigst, umso höher erhebe Ich dich und lasse dich deinen Platz im Göttlichen Willen einnehmen….“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 15; 22. Februar 1923)