19In jener Zeit sprach Jesus: Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte. 20Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war.
21Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Statt dessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren. 22Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben.
23In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß. 24Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir, und schick Lazarus zu mir; er soll wenigstens die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer.
25Abraham erwiderte: Mein Kind, denk daran, dass du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafür getröstet, du aber musst leiden. 26Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, so dass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte.
27Da sagte der Reiche: Dann bitte ich dich, Vater, schick ihn in das Haus meines Vaters! 28Denn ich habe noch fünf Brüder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen.
29Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören. 30Er erwiderte: Nein, Vater Abraham, nur wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren.
31Darauf sagte Abraham: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.

„Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte“ (Lk 16,19)

Mein gequälter Jesus! Mein armes Herz folgt dir nach in Sehnsucht und Leid. Da ich dich als Narren gekleidet sehe, während ich weiß, dass du, die unendliche Weisheit, allen geistigen Wesen die Vernunft verleihst, möchte ich wahnsinnig werden vor Schmerz und fragen: „Wie, Jesus ein Narr? Jesus ein Missetäter?
Mein Jesus, dessen Heiligkeit seinesgleichen nicht hat?“ Schon stehst du abermals vor Pilatus. Da er dich in so üblem Zustand sieht, als Narr gekleidet und doch nicht von Herodes verurteilt, ist der römische Landpfleger noch erbitterter gegen die Juden.
Immer wieder überzeugt er sich von deiner Unschuld und möchte dich keineswegs verurteilen. Weil er aber den Juden einige Genugtuung geben, ihren Hass, ihre Wut, ihre Rachsucht ersticken und ihren glühenden Durst nach deinem Blut stillen möchte, stellt er dich neben Barabbas mit den Worten: „Welchen von beiden wollt ihr, dass ich freigebe?“
Aber die Juden schreien: „Nicht diesen, sondern den Barabbas!“ Pilatus fragt: „Was soll ich dann mit Jesus machen, der Christus genannt wird?“ Da rufen alle: „Er soll gekreuzigt werden!“ O Ungeheuer menschlichen Undanks! Ein Volk, von dir mit so vielen Wohltaten überhäuft, setzt dich jetzt unter einen großen Verbrecher herab und verurteilt dich zum Kreuze.
Pilatus, der nicht weiß, was er tun soll, um sie zu beruhigen, verurteilt dich zur Geißelung. Mein Jesus, du wirst sogar einem Verbrecher untergeordnet. Mein Herz möchte brechen, wenn ich sehe, dass du nur daran denkst, allen das Leben zu geben, während die Juden nur daran denken, dich sterben zu lassen.
Mir scheint, als wolltest du sagen: „Heiliger Vater! Siehe deinen Sohn als Narren gekleidet, der sühnt für die Torheit so vieler Menschen, wenn sie in die Sünde fallen.
Dieses weiße Spottkleid diene als Entschuldigung für so viele Seelen, die das Totenkleid der Schuld anziehen. Siehe, Vater, der Hass, die Wut, die Rachsucht, die sie gegen dich nähren, lässt sie das Licht der Vernunft einbüßen und nach meinem Blute dürsten.
Ich aber will sühnen für allen Hass, für alle Rachsucht, für allen Zorn und jeden Mord, will allen das Licht der Vernunft und des Glaubens erflehen. Schau mich an, Vater!
Kann es eine größere Beschimpfung geben als jene, die mir zuteilgeworden ist? Sie haben mich einem berüchtigten Missetäter untergeordnet, und ich möchte Genugtuung leisten für alle ungerechten Zurücksetzungen.
Ach, in der ganzen Welt setzt man so gerne andere zurück, hier eines kleinen Gewinnes wegen, dort wegen einer Ehrenstellung, der Eitelkeit, der Vergnügungen, Würden, Schlemmereien, sogar der Sünde wegen.
Einmütig zieht die Welt Nichtigkeiten uns vor, ich aber bin bereit, mich Barrabas unterordnen zu lassen, um die Zurücksetzungen der Menschen zu sühnen.“
Ach, wie oft setzen auch Seelen Jesus zurück, die ihn angeblich lieben! Bezeigen wir ihm doch stets jene reine und starke Liebe, die uns alles und alle Jesus hintanstellen lässt, sogar Blut und Leben.
Mein Jesus! Ich möchte sterben vor Schmerz und Leid, wenn ich deine so große Liebe inmitten der vielfältigen Leiden und deinen Heroismus bei so vielen Beschimpfungen sehe.
Deine Worte und Sühneakte sind ebenso viele Pfeile, die mein armes Herz verwunden. In meinem Herzen wiederhole ich deine Gebete und Genugtuungen. Auch nicht einen Augenblick will ich von dir weichen, sonst werden mir viele Dinge entgehen, die du tust. Was sehe ich nun?
Ach, die Soldaten führen dich zu einer Säule, um dich zu geißeln. Meine Liebe, ich folge dir. Sieh mich aber mit einem Blick der Liebe an und verleih mir die Stärke, bei dieser qualvollen Zerfleischung gegenwärtig zu sein… (aus „Die Stundenuhr der Passion Jesu Christi“ nach den Schriften der Dienerin Gottes Luisa Piccarreta; Stunde von 8 bis 9 Uhr: Jesus zu Pilatus zurückgekehrt, dem Barabbas wird der Verzug gegeben. Die Geißelung Jesu)

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… Dort erwarten dich neue Peinen. Die Soldaten ziehen dich abermals aus, reißen dir die Kleider vom Leib und die Krone vom Haupt. Ach, du seufzt bei dieser rohen Behandlung. Denn mit der Krone reißen sie dir auch die Dornen aus und mit deinen Kleidern Stücke deines wunden Fleisches weg, das angeklebt war.
Die Wunden brechen wieder auf, das Blut rieselt auf die Erde, und deine Qualen sind so groß, dass du mehr tot als lebendig erscheinst. Aber niemand wird zum Mitleid bewegt, mein höchstes Gut! Im Gegenteil, mit tierischer Wut setzen sie dir aufs Neue die Krone aufs Haupt und drücken sie mit Schlägen ein.
Die Qualen, die du empfindest, sind so entsetzlich, dass nur die Engel zu sagen vermöchten, was du leidest. Erschaudernd wenden sie ihre Blicke von dir ab, die Engel des Friedens weinen. Mein der Kleider beraubter Jesus! Lass mich dich erwärmen, denn ich sehe, dass du zitterst und kalter Schweiß deinen Leib bedeckt.
Wie gerne würde ich mein Leben und mein Blut hingeben, das deine zu ersetzen, das du ja vergossen hast, um uns allen das Leben zu geben. Nun schaust du mich mit trüben, halb erloschenen Augen an.
Mir ist, als sprächest du zu mir: „Mein Kind, wie viel kosten mich die Seelen! Hier ist der Ort, wo ich alle erwarte, um sie zu retten; wo ich die Sünden jener sühnen will, die sich unter das Tier erniedrigen und so hartnäckig ihren Sünden ergeben sind, dass sie nicht mehr leben können, wenn sie mich nicht beleidigen. Ihre Vernunft ist verblendet, und sie sündigen wie Wahnsinnige.
Wenn sie mir die Kleider vom Leib reißen, sühne ich für jene, die Prunkgewänder und schamlose Kleider tragen, sühne die Sünden gegen die Züchtigkeit und für jene, die so sehr an Reichtum, Ehre und Lustbarkeiten hängen, dass sie aus ihnen den Gott ihres Herzens machen. O gewiss, ein jedes dieser Vergehen lässt mich den Tod empfinden.
Wenn ich nicht sterbe, geschieht es deswegen, weil das Wollen des ewigen Vaters den Augenblick meines Todes für jetzt noch nicht festgelegt hat.“ Mein entblößter Jesus, während ich mit dir Sühne leiste, bitte ich dich, mich von allen irdischen Neigungen zu entblößen und nicht zuzulassen, dass eine einzige sündhafte Neigung in mein Herz eindringe.
Wache über ihm, umgib es mit deinen Leiden wie mit einer Einfriedung und erfülle es mit deiner Liebe. Mein Leben sei nichts anderes als die Wiederholung deines Lebens.
So bekräftige mit deinem Segen meine Entäußerung, segne mich von ganzem Herzen und gib mir die Kraft, deiner schmerzvollen Kreuzigung beiwohnen zu können, um mit dir stets ans Kreuz geheftet zu sein… (aus „Die Stundenuhr der Passion Jesu Christi“ nach den Schriften der Dienerin Gottes Luisa Piccarreta; Stunde von 10 bis 11 Uhr: Jesus nimmt das Kreuz auf die Schulter. Gang auf den Kalvarienberg. Jesus fällt unter dem Kreuz und wird seiner Kleider beraubt)

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… Danach fühlte ich mich außerhalb meiner selbst, zusammen mit Jesus. Dort waren viele Leute, manche strebten nach Reichtum, manche nach Ehre oder Ruhm, und manche sogar nach Heiligkeit und nach vielen anderen Dingen – doch nicht für Gott, sondern eher, um von den Geschöpfen als jemand besonderer angesehen zu werden.
Jesus wandte sich zu ihnen, schüttelte den Kopf und sagte: „Törichte, die ihr seid – ihr bereitet das Netz, um euch selbst darin zu verstricken.“
Dann wandte Er sich zu mir und sagte: „Meine Tochter, deshalb ist das erste, was ich dir empfehle, die Loslösung von allen Dingen, und sogar von sich selbst. Wenn die Seele sich von allem losgelöst hat, muss sie sich nicht Gewalt antun, um allen irdischen Dingen, welche die Seele von sich aus umgeben, ferne zu bleiben.
Da sich diese [Dinge] nicht beachtet, ja sogar verachtet sehen, sagen sie ihr Adieu und verlassen sie, ohne sie noch weiter zu belästigen.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 2; 23. Mai 1899)

„Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war“ (Lk 16,20)

Ich war weiterhin in meinem gewöhnlichen Zustand, da sah ich den gebenedeiten Jesus kurz, und Er sagte zu mir:
„Meine Tochter, für jeden kleinsten Genuss, den sich die Seele in diesem Leben aus Liebe zu Mir versagt, werde Ich ihr ein weiteres Paradies im nächsten Leben geben; so bedeutet eine Befriedigung weniger hier unten ein weiteres Paradies dort oben.
Stelle dir ein wenig vor, wie viele Beraubungen du in diesen zwanzig Jahren im Bett, meinetwegen erlitten hast, und wie viele zusätzliche Paradiese Ich dir im Himmel dafür schenke!“
Als ich das hörte, sagte ich: „Mein Gut, was sagst Du? Ich fühle mich geehrt und fast als Schuldnerin Dir gegenüber, weil Du mir die Gelegenheit gegeben hast, mich aus Liebe zu Dir zu berauben, und Du sagst mir, dass Du mir ebenso viele Paradiese geben wirst?“
Und Er fügte hinzu: „Genauso ist es.“ Deo Gratias. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 7; 10. August 1906)

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Als mein ganz und stets liebenswürdiger Jesus zurückkehrte, sagte Er zu mir: „Meine Tochter, Ich bin Liebe und schuf die Menschen – ganz aus Liebe: die Nerven, die Knochen, das Fleisch sind aus Liebe gewoben.
Nachdem Ich sie aus Liebe verfasst habe, ließ Ich Blut in allen ihren Teilchen fließen, gleichsam um sie mit einem Kleid zu bedecken, um ihnen das Leben der Liebe zu verleihen.
So ist das Geschöpf nichts anderes als ein Komplex aus Liebe und bewegt sich für nichts anderes als für die Liebe; es kann dabei höchstens verschiedene Arten von Liebe geben, aber immer bewegt es sich aus Liebe.
Es kann Liebe zu Gott geben, Liebe zu sich selbst, Liebe zu den Geschöpfen, schlechte Liebe, aber immer Liebe. Und der Mensch kann auch nicht anders handeln, denn sein Leben ist Liebe, geschaffen von der ewigen Liebe und wird daher von einer unwiderstehlichen Kraft zur Liebe hingelenkt.
So muss es auch im Bösen, in der Sünde, auf dem Grunde eine Liebe geben, die das Geschöpf angetrieben hat, dieses Böse zu tun. Ach, meine Tochter! Wie groß muss nicht mein Schmerz sein, den Besitz meiner Liebe, die Ich hervorgebracht habe, in den Geschöpfen profaniert und zu anderem Gebrauch verseucht zu sehen!
Um diese Liebe, die aus Mir hervorgegangen ist und die Ich den Geschöpfen gab, zu schützen, bleibe Ich um sie herum wie ein armer Bettler, und wenn das Geschöpf sich bewegt, sein Herz schlägt, wenn es atmet, arbeitet, spricht, geht, gehe Ich, um alles von ihm zu erbetteln, Ich bitte es, flehe es an, Ich beschwöre es, indem Ich zu ihm sage: „Tochter, Ich bitte dich um nichts anderes als um das, was Ich dir gegeben habe.
Es ist zu deinem eigenen Wohl; raube Mir nicht das, was Mir gehört: Der Atem gehört Mir, atme nur für Mich. Der Herzschlag, die Bewegung gehören Mir, lasse dein Herz nur für Mich schlagen und bewege dich nur für Mich, und so ist es mit allem Übrigen.”
Doch zu meinem höchsten Schmerz muss Ich sehen, dass der Herzschlag den einen Weg geht, der Atem einen anderen, und Ich, der arme Bettler, gehe leer aus, während die Liebe zu sich selbst, zu den Geschöpfen, sogar zu den Leidenschaften, gesättigt wird.
Kann es ein größeres Unrecht geben als dieses? Meine Tochter, Ich will meine Liebe und meinen Kummer bei dir ausgießen: nur wer Mich liebt, kann Mich bemitleiden.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 11; 26. Februar 1912)

„Du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafür getröstet, du aber musst leiden“ (Lk 16, 25)

… „Meine gesegnete Tochter, sag Mir, was willst du? Möchtest du, dass mein Wille in dir als Leben regiere und lebe? Wenn du es wirklich willst, ist alles getan.
In der Tat, unsere Liebe und der brennende Wunsch, dass die Seele unseren Willen als Leben besitze und von Ihm lebe, sind so groß, dass unser Wille, sobald die Seele dies wirklich will, den menschlichen Willen mit unserem Höchsten Willen erfüllt, um hier sein Leben zu bilden und in der Seele wie in seinem eigenen Mittelpunkt zu leben.
Wisse, dass der Göttliche und der menschliche Wille zwei geistliche Kräfte sind: der Göttliche ist unermesslich und besitzt unerreichbare Macht, der menschliche ist eine kleine Macht, doch wenn auch klein, hat er seine Macht.
Da nun beide spirituell sind, kann sich der eine in den anderen ergießen und können sie beide ein einziges Leben bilden. Die ganze Macht liegt im Wollen, und da der menschliche Wille eine geistliche Macht ist, hat er einen Platz, um in seinen Willen das Gute hineinstellen zu können, das er möchte, und auch das Böse.
Was also der Wille möchte, das befindet sich in ihm selbst: Wünscht er Selbstschätzung, Ehre, Liebe zu den Vergnügungen und Reichtümern, dann wird sich in seinem Wollen das Leben der Selbstschätzung, der Ehre, das Leben des Genusses, der Reichtümer befinden; wenn er die Sünde will, wird auch die Sünde ihr Leben [in der Seele] bilden; umso mehr wird dann eine Seele, die in Wahrheit das Leben unseres Willens in dem ihren haben möchte – was Wir mit so vielen Seufzern wünschen und anordnen – die große Wohltat erlangen, unseren Willen als Leben zu besitzen.
Wäre das nicht so, dann wäre die Heiligkeit des Lebens in meinem Willen eine schwierige und fast unmögliche Heiligkeit. Ich kann aber weder schwierige Dinge lehren, noch will Ich Unmögliches. Es ist vielmehr meine Gewohnheit, dem Geschöpf die beschwerlichsten Dinge und die härtesten Opfer, soweit es ihm möglich ist, zu erleichtern.
Wenn nötig, gebe Ich von dem Meinen dazu, damit die kleine Macht seines Wollens unterstützt wird, Hilfe erfährt und von der unbesiegbaren Macht meines Willens belebt wird. So mache Ich das Gute leicht und auch das Leben meines Willens, welches die Seele besitzen möchte. Meine Liebe ist so groß, dass Ich, um es der Seele noch leichter zu machen, in das Ohr ihres Herzens flüstere: ‚Wenn du wirklich dieses Gute tun willst, werde Ich es gemeinsam mit dir tun.
Ich werde dich nicht allein lassen, sondern dir meine Gnade, meine Kraft, mein Licht, meine Heiligkeit zur Verfügung stellen. Wir werden zu zweit das Gute tun, das du besitzen willst.’
Deshalb braucht es nicht allzu viel, um von meinem Willen zu leben. Das ‚allzu viel’ liegt [nur] im Willen. Wenn die Seele sich entschließt und es fest und ausdauernd will, hat sie bereits meinen Willen besiegt und sich Ihn zu Eigen gemacht.
O, wie viel kann der menschliche Wille in sich einschließen, da er eine spirituelle Macht ist, die viel einsammelt und nichts verliert! Er gleicht dem Licht der Sonne: Wie viele Dinge schließt die Sonne doch ein, während man nichts anderes sieht als Licht und Glut.
Und doch birgt sie fast unzählige Güter in sich; man erkennt, dass ihr Licht beim Auftreffen auf die Erde Wunderbares mitteilt, obwohl man bloß Licht sieht. So ist der menschliche Wille: wie viele Güter kann er doch einschließen, wenn er will!
Er kann Liebe, Heiligkeit, Licht, Wiedergutmachung, Geduld, alle Tugenden einschließen, ja selbst seinen Schöpfer. Da er eine geistliche Macht ist, hat er die Potenz und die Fassungskraft, alles einzuschließen, was er will.
Und er hat nicht nur die Macht, das Gute einzuschließen, das er möchte, sondern sich dabei auch in das Gut umzuwandeln, das er in sich birgt. So verwandelt sich der menschliche Wille in die Natur des Guten, das er wünscht. Obwohl er viele Dinge nicht tut, die er wirklich will, bleiben sie aber im Willen wie [wenn sie] getan [worden wären].
Und man sieht, dass er bei einer günstigen Gelegenheit, jenes Gute zu tun, das er wünschte, nun jenes Gute, das er seit so langer Zeit tun wollte – da er das Leben jenes Gutes besitzt – mit Bereitschaft, mit ganzer Liebe, ohne an einem Punkt zu zögern, vollbringt.
Ein Symbol dafür ist wieder die Sonne: wenn sie weder Samen noch Blumen antrifft, kann sie weder die Wohltat der Reifung des Samens noch der Färbung der Blumen weitergeben.
Doch sobald sie diese mit ihrem Licht zu berühren vermag, teilt sie, da sie das Leben dieses Gutes besitzt, dem Samen sogleich die Reifung, und den Blumen die Färbung mit.
Der menschliche Wille besitzt mit unauslöschlichen Buchstaben [eingeschrieben] all das, was er tut und was er tun will; und wenn das Gedächtnis auch vergisst, so verliert der Wille nichts, sondern enthält den Aufbewahrungsort, das Depot all seiner Akte, ohne dass er etwas verlieren kann.
Daher kann man sagen, dass der ganze Mensch im Willen [begründet] ist. Ist dieser heilig, dann sind auch die gleichgültigsten Dinge für ihn heilig. Wenn er schlecht ist, verwandelt sich für ihn vielleicht auch das Gute in einen perversen Akt.
Wenn du also wirklich meinen Göttlichen Willen als Leben willst, braucht es dazu nicht allzu viel, umso mehr, als es der Meine ist, der mit dem deinen vereint, es will.
Dies ist eine Macht, die alles vermag, und auf deiner Seite wird man an den Taten sehen, ob du dich in allen Dingen als Besitzerin eines Göttlichen Willens verhältst. Sei daher aufmerksam, meine Tochter, und lasse deinen Flug im Höchsten Fiat stets andauern.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 33; 19. März 1935)

„Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht“ (Lk 16, 31)

Ich gab mich meiner Gewohnheit entsprechend ganz dem Heiligsten Göttlichen Wollen hin, und mein süßer Jesus zeigte sich, wie Er entgegenkam, um mich in seinem Heiligsten Willen zu empfangen; Er sagte zu mir:
„Meine Tochter, mein Wille ist in ständiger Begegnung mit dem Willen des Geschöpfs, und wenn der menschliche Wille sich mit dem Meinigen trifft, so empfängt er das Licht, die Heiligkeit, die Kraft, die mein Wille enthält. Mein Wille ist ständig dabei (im Akt), sich dem Geschöpf zu schenken, um ihm schon vorweg das Leben des Himmels mitzuteilen.
Wenn die Seele Mich aufnimmt, dann hat sie dieses Himmlische Leben; wenn sie hingegen in jedem Akt, den sie tut, diesen Höchsten Willen nicht aufnimmt, der ganz auf ihr Wohl bedacht ist, um sie glücklich, stark, heilig zu machen, zu vergöttlichen und gleichsam in eine Morgenröte himmlischen Lichtes zu verwandeln, dann bleibt sie mit ihrem menschlichen Willen allein, der sie schwach, elend, schmutzig macht und mit niedrigen Leidenschaften umringt, dass es Mitleid erregt.
Siehst du nicht, wie viele Seelen sich aus Schwäche dahinschleppen, da sie sich selbst nicht überwinden können, um das Gute zu tun? Andere sind nicht imstande, sich selbst zu beherrschen; einige sind unbeständig wie ein Schilfrohr im Wind, wieder andere können nicht beten ohne tausend Zerstreuungen, und einige sind stets unzufrieden; andere scheinen dazu geboren, um Böses zu tun.
All dies sind Seelen, die nicht in all ihren Belangen mit meinem Willen übereinstimmen. Und doch ist mein Wille für alle da, doch weil sie Ihn meiden, können sie das Gute, das Er in sich birgt, nicht empfangen – eine gerechte Strafe für den, der nach seinem eigenen leben will und sich somit in alles Elend verwickelt.
Dieser mein Wille jedoch, dem sie im Leben ausgewichen sind, und der ihnen so oft Gutes erwiesen hätte, wie oft sie Ihm begegnet sind, dem werden sie bei ihrem Tod begegnen, und Er wird ihnen so viele Leiden bereiten, wie oft sie vor Ihm geflohen sind.
Denn als sie Ihm ausgewichen sind, haben sie sich schuldig gemacht, sich befleckt und mit Schlamm beschmutzt. Es ist gerecht, dass sie mit einer Strafe bestraft werden, die aus so vielen schmerzvollen Begegnungen bestehen wird, wie oft sie meinem Willen auf Erden ausgewichen sind.
Doch diese leidvollen Begegnungen werden ihnen keine Verdienste und keine neuen Eroberungen bringen, wie wenn sie meinem Willen in ihrem Leben begegnet wären.
O, wie viele schmerzhafte Seufzer dringen aus den Verliesen des Reinigungsortes! Wie viele Verzweiflungsschreie sind aus der Hölle zu hören, weil sie meinem Willen auf Erden aus dem Weg gingen.
Daher, meine Tochter, sei dein erster Akt die Begegnung mit meinem Willen; dein erster Gedanke und Herzschlag sei es, dich mit dem ewigen Herzschlag meines Willens zu treffen, um meine ganze Liebe zu empfangen.
Strebe danach, in allem beständige Begegnungen zu haben, damit du in meinen Willen umgewandelt wirst, und Ich in den deinen, damit du dich für das letzte Treffen mit meinem Willen in deiner letzten Stunde bereitest; so wird dir nach deinem Tod jede leidvolle Begegnung erspart bleiben.” (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 16; 23. Juli 1923)