1Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung.
2Es fand ein Mahl statt, und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern. 3Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte, 4stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch.
5Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war. 6Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen? 7Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen.
8Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir. 9Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt.
10Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle. 11Er wusste nämlich, wer ihn verraten würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.
12Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe? 13Ihr sagt zu mir Meister und Herr, und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es.
14Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. 15Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.

„Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung” (Joh 13,1)

… Die Natur der Hoffnung ist Friede, und das, was sie von Natur aus ist, erwirbt die Seele, welche im Schoß dieser friedenstiftenden Mutter lebt, durch die Gnade.“
Und im selben Akt, als Er diese Worte spricht, lässt der gebenedeite Jesus mich durch ein intellektuelles Licht im Gleichnis einer Mutter sehen, was diese Hoffnung für den Menschen getan hat.
O, welch bewegende und überaus zärtliche Szene! Wenn alle dies sehen könnten, würden sogar die härtesten Herzen vor Zerknirschung weinen, und alle würden sie so gerne haben, dass sie sich unmöglich auch nur einen Augenblick lang von ihrem mütterlichen Schoß trennen könnten. Ich werde nun versuchen, zu sagen, was ich verstanden habe, und was ich kann.
Der Mensch lebte in Ketten, als Sklave des Teufels, verdammt zum ewigen Tod, ohne Hoffnung, wieder zum ewigen Leben aufleben zu können. Alles war verloren und seine Bestimmung zugrunde gegangen.
Diese Mutter lebte im Himmel, vereint mit dem Vater und dem Heiligen Geist, selig und glücklich mit Ihnen; doch es schien, dass sie nicht zufrieden war – sie wollte ihre Kinder um sich, ihre teuren Abbilder, das schönste Werk ihrer Hände. Während sie nun im Himmel war, waren ihre Augen auf den Menschen gerichtet, der auf Erden verloren war.
Sie ist ganz damit beschäftigt, wie sie diese ihre geliebten Kinder retten könne, und da sie sieht, dass diese Kinder die Gottheit auf keine Weise zufrieden stellen können, selbst nicht um den Preis jedes beliebigen Opfers, weil sie Ihr gegenüber in großem Maße unterlegen sind, was tut diese mitleidsvolle Mutter da?
Sie sieht, dass es kein anderes Mittel zur Rettung dieser Kinder gibt, als ihr eigenes Leben zu geben, um das ihre zu retten, und ihr Leid und Elend auf sich zu nehmen und alles zu tun, was sie für sich selbst tun sollten. Was gedenkt sie zu tun?… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 2; 14. Oktober 1899)

„Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte…“ (Joh 13,3)

Diese liebende Mutter stellt sich vor die göttliche Gerechtigkeit mit Tränen in ihren Augen, mit den zartesten Stimmen, mit den machtvollsten Begründungen, die ihr großmütiges Herz ihr diktiert und spricht: „Ich bitte um Gnade für meine verlorenen Kinder, Ich habe nicht das Herz, sie von Mir getrennt zu sehen.
Ich will sie um jeden Preis retten, und obwohl Ich keinen anderen Weg sehe, als mein Leben hinzugeben, will Ich es tun, wenn sie dafür nur das ihre wiedererlangen können. Was willst Du von ihnen? Wiedergutmachung?
Ich werde für sie Ersatz leisten. Verherrlichung, Ehre? Ich verherrliche und ehre Dich für sie. Danksagung? Ich danke Dir für sie. Alles, was Du von ihnen willst, gebe Ich Dir für sie, wenn Ich sie nur bei Mir haben darf, damit sie [mit Mir] herrschen.“
Die Gottheit ist bewegt, als Sie die Tränen und die Liebe dieser mitleidsvollen Mutter sieht, und von ihren starken Argumenten überzeugt, fühlt Sie sich angezogen, diese Kinder zu lieben.
Die Göttlichen Personen weinen gemeinsam über ihr Unglück und beschließen übereinstimmend, dass Sie das Opfer des Lebens dieser Mutter annehmen, und voll befriedigt werden, um diese Kinder wieder zu gewinnen… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 2; 14. Oktober 1899)

„… Stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch“ (Joh 13,4)

… Kaum ist das Dekret unterzeichnet, steigt sie sofort vom Himmel herab und kommt auf die Erde, legt ihre königlichen Gewänder ab, die sie im Himmel hatte, kleidet sich mit den menschlichen Armseligkeiten, als wäre sie der elendste Sklave und lebt in der äußersten Armut und inmitten unerhörtesten Leiden, unter Schmähungen, die der menschlichen Natur höchst unerträglich sind. Sie tut nichts anderes als zu weinen und für ihre geliebten Kinder einzutreten… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 2; 14. Oktober 1899)

„Es fand ein Mahl statt, und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern“ (Joh 13,2)

… Doch was am meisten bei dieser Mutter und diesen Kindern verwundert, ist dies: während sie diese Kinder so sehr liebt, tun jene das Gegenteil, anstatt diese Mutter mit offenen Armen zu empfangen, die zu ihrer Rettung gekommen ist.
Niemand will sie aufnehmen oder anerkennen, sondern sie lassen sie umherwandern, verachten sie und beginnen Pläne zu schmieden, wie sie diese so zarte Mutter töten könnten, die sie so leidenschaftlich liebt.
Was wird jene zärtliche Mutter tun, wenn sie diese so geringe Entsprechung ihrer undankbaren Kinder sieht? Wird sie aufhören? Ach, nein! Im Gegenteil, sie entbrennt noch mehr in Liebe zu ihnen und läuft von einem Ort zum anderen, um sie in ihrem Schoß zu vereinen! O, wie plagt und bemüht sie sich, dass sie sogar Blut schwitzt, nicht nur Wasser!
Sie erlaubt sich keinen Augenblick Ruhe, sie ist stets dabei, ihre Erlösung zu bewirken, sie sorgt für all ihre Bedürfnisse, sie schafft Abhilfe für all ihre Übel, die vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen; kurz, es gibt nichts, das sie nicht zu ihrem Wohl ordnet und verfügt.
Doch was tun diese Kinder? Haben sie etwa ihren Undank bereut, mit dem sie sie aufnahmen? Haben sie ihr Denken zugunsten dieser Mutter geändert? Ach nein!
Sie blicken sie böse an, entehren sie mit gemeinsten Verleumdungen, bereiten ihr Schande, Schmähungen und Beschämung, schlagen sie mit allen Arten von Geißeln, machen aus ihr eine einzige Wunde, und lassen sie schließlich den schändlichsten Tod sterben, den es geben kann, inmitten grausamer Krämpfe und Schmerzen.
Doch was tut diese Mutter inmitten so vieler Leiden? Wird sie vielleicht diese so liederlichen und arroganten Kinder hassen? Ach, nein – nie! Dann liebt sie sie noch leidenschaftlicher denn je, und bietet ihre Leiden für ihre Erlösung an, und tut ihren letzten Atemzug mit einem Wort des Friedens und der Vergebung… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 2; 14. Oktober 1899)

„Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe“ (Joh 13,15)

… O, meine schöne Mutter! O teure Hoffnung, wie liebenswürdig bist du in dir selbst – ich liebe dich! Halte mich immer auf deinem Schoß, und ich werde die Glücklichste auf der Welt sein!
Während ich entschlossen bin, meine Rede über die Hoffnung zu beenden, ertönt eine Stimme von überallher um mich herum und sagt: „Die Hoffnung enthält alle Güter, sowohl gegenwärtige als auch zukünftige, und jemand, der auf ihrem Schoß lebt und auf ihre Knie erhoben ist, erhält alles, was immer er will.
Was möchte die Seele? Verherrlichung, Ehre? Die Hoffnung wird ihr die ganze Ehre und größte Glorie auf Erden bei allen Menschen verleihen, und im Himmel wird sie sie ewig verherrlichen. Möchte sie vielleicht Reichtümer?
O! Diese Mutter, die Hoffnung, ist äußerst reich, und was noch mehr ist, indem sie ihren Kindern diese Güter gibt, nehmen ihre Reichtümer nicht im Geringsten ab. Zudem sind diese Reichtümer nicht flüchtig und vergänglich, sondern ewig. Will sie Vergnügen, Befriedigungen?
Ach, ja! Diese Hoffnung enthält alle möglichen Freuden und Geschmäcker in sich, die es im Himmel und auf Erden geben kann, sodass ihr niemand je gleichen können wird; und eine Seele, die sich an ihrer Brust nährt, kostet [die Reichtümer] bis zur Sättigung, und wie glücklich und zufrieden ist sie!
Möchte sie gelehrt und weise sein? Diese Mutter Hoffnung enthält die erhabensten Wissenschaften in sich, sie ist die Lehrerin aller Lehrer, und jemand, der sich von ihr belehren lässt, erwirbt die Wissenschaft wahrer Heiligkeit… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 2; 14. Oktober 1899)

„Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war“ (Joh 13,5)

… Mit einem Wort, die Hoffnung versorgt uns mit allem; wenn jemand schwach ist, verleiht sie ihm Stärke; wenn jemand befleckt ist, hat die Hoffnung die Sakramente eingesetzt und in ihnen das Bad für seine Sünden bereitet.
Wenn jemand hungrig oder durstig ist, gibt uns diese mitleidsvolle Mutter die schönste und köstlichste Speise, welche aus ihrem wohlschmeckendsten Fleisch besteht, und als Trank ihr kostbarstes Blut.
Was kann diese friedenstiftende Mutter der Hoffnung noch mehr tun? Und wer anderer kommt ihr je gleich? Ach, sie allein hat Himmel und Erde versöhnt, die Hoffnung hat Glaube und Liebe mit sich vereint und jenen unauflöslichen Ring zwischen menschlicher und Göttlicher Natur gebildet.
Doch wer ist diese Mutter? Wer ist diese Hoffnung? Es ist Jesus Christus, der unsere Erlösung wirkte und die Hoffnung des verirrten Menschen darstellt… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 2; 14. Oktober 1899)

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„Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte, stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch“ (Joh 13,3+4)

… „Höre mich an: Im Schoß meines Himmlischen Vaters war ich völlig glücklich; es gab kein Gut, das ich nicht besaß: Freude, Glückseligkeit, alles stand zu meiner Verfügung; die Engel beteten mich ehrfürchtig an und hingen an meinen Lippen.
Ach, das Übermaß meiner Liebe, könnte ich sagen, ließ mich mein Los ändern, schränkte mich in dieses dunkle Gefängnis ein, beraubte mich all meiner Freuden und Glückseligkeiten, um mich mit allen Unglückseligkeiten der Kreaturen zu bekleiden; und all das, um den Austausch zu vollziehen, um ihnen mein Glück, meine Freuden und meine ewige Glückseligkeit zu schenken.
Aber das wäre nichts gewesen, hätte ich nicht in ihnen eine überaus große Undankbarkeit und verstockte Untreue vorgefunden. O, wie war meine ewige Liebe betroffen von so viel Undankbarkeit und weinte wegen der Verstocktheit und Untreue des Menschen!
Die Undankbarkeit war der schmerzvollste Dorn, der mir das Herz durchbohrte, von meiner Empfängnis an bis zum letzten Augenblick meines Lebens…“ (aus „Die Weihnachtsnovene“ nach den Schriften der Dienerin Gottes Luisa Piccarreta: Sechste Stunde)

„Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war“ (Joh 13,5)

… „Im Evangelium liest man mit Staunen, dass Ich Mich zu Füßen meiner Apostel niederwarf und ihnen die Füße wusch und dabei nicht einmal den treulosen Judas überging.
Diesen Akt, der gewiss ganz demütig und unsagbar zärtlich war, und dessen die Kirche gedenkt, vollbrachte Ich aber nur einmal. Mein Wille hingegeben erniedrigt sich noch mehr und begibt sich unter die Füße der Menschen mit einem fortdauernden Akt, um sie zu stützen, um die Erde fest zu machen, damit sie nicht in den Abgrund stürzen, und dennoch erntet Er keine Aufmerksamkeit.
Der edle König wartet mit unbesiegter Geduld – seit so vielen Jahrhunderten in allen geschaffenen Dingen verhüllt – dass sein Wille bekannt werde.
Wenn Er bekannt sein wird, wird Er die vielen Schleier zerreißen, die Ihn verbergen, und offenbar machen, was Er seit so vielen Jahrhunderten aus Liebe zum Menschen getan hat. Er wird unerhörte Dinge sagen, Exzesse der Liebe, an die nie jemand gedacht hätte.
Das ist der Grund, warum Ich, wenn Ich zu dir von meinem Willen spreche, so oft von der Schöpfung rede. Mein Wille ist nämlich das Leben aller geschaffenen Dinge, und durch diese geschaffenen Dinge verleiht Er allen das Leben, und dieses Leben möchte offenbar werden, damit das Reich des ewigen FIAT kommen kann.
Überall ist mein Wille verhüllt. Er ist verhüllt im Wind, und aus dem Inneren dieser Schleier heraus bringt Er dem Menschen seine erholsame Frische, wie um ihn zu liebkosen, und seinen regenerierenden Atem, um ihn ständig zu neuem Leben zu regenerieren, das stets an Gnade zunimmt.
Doch der im Wind verhüllte edle König fühlt seine Liebkosungen in Beleidigungen zurückgewiesen, seine Frische in Feuer menschlicher Leidenschaften, und seinen regenerierenden Atem vergolten mit einem Hauch, der seine Gnade tötet.
Und Er schüttelt seine Schleier, und der Wind verwandelt sich in Wut und reißt mit seiner Heftigkeit Menschen, Städte und Gebiete fort, als wären sie Federn, indem er die Macht des edlen Königs, der im Wind verborgen ist, bekannt macht.
Es gibt kein erschaffenes Ding, in dem mein Wille nicht verhüllt ist. Deshalb warten alle darauf, dass Er bekannt werde und das Reich des Höchsten FIAT und sein voller Triumph komme.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 20; 4. November 1926)

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… Mein Jesus, deine Liebe hat noch keine Ruhe. Ich höre, dass du deine Jünger von neuem sich setzen heißt. Du nimmst ein Waschbecken, umgürtest dich mit einem Linnen, wirfst dich zu den Füßen deiner Jünger nieder in einer so demütigen Haltung, dass du die Blicke des ganzen Himmels auf dich lenkst und ihn in höchstes Erstaunen versetzt.
Selbst die Apostel schauen in atemloser Spannung zu. Aber sag mir, meine Liebe, was tust du? Und was soll dieser Akt tiefster Demut, einer Demut, wie man sie nie gesehen hat und auch nie sehen wird?
„O Menschenkind“, erwidert Jesus, zu den Füßen der Apostel niedergeworfen, „ich verlange nur ihre Seelen, und unter Tränen ersinne ich eine List der Liebe, um sie an mich zu fesseln.
Mit dem Sinnbild deines Wassers, das mit meinen Tränen gemischt ist, will ich ihre Seelen reinigen von jeder Unvollkommenheit und sie vorbereiten, mich in dem großen Sakrament zu empfangen.
Dieser Akt der Reinigung liegt mir so sehr am Herzen, dass ich ihn weder den Engeln noch meiner lieben Mutter anvertrauen möchte. Ich selbst will die Seelen meiner Apostel reinigen, um sie würdig zu machen, die Frucht des Heiligsten Sakraments zu empfangen.
Damit will ich Genugtuung leisten für alle guten Werke, besonders aber für die Spendung der Sakramente, die man im Geist der Gleichgültigkeit vornimmt und nicht im Geist Gottes.
Ach, wie viele gute Werke geschehen, die mir mehr zur Unehre als zur Ehre gereichen, mir mehr Bitterkeit als Wohlgefallen bereiten, mir eher den Tod als Leben geben! Gerade diese Vergehen betrüben mich am meisten.
Meine Seele, zähle alle Beleidigungen auf, die man mir zufügt. Leiste Sühne mit meinen Sühneakten, um mein Herz zu trösten, das in Bitterkeit versenkt ist.“
Mein betrübter Jesus! Dein Leben will ich zu dem meinigen machen, um so viele Vergehen zu sühnen. Ich will eintreten in die verborgensten Winkel deines göttlichen Herzens, um mit deinem eigenen Herzen die Beleidigungen zu sühnen, die dir gerade von jenen zugefügt werden, die dir am teuersten sind.
Ich will dir in allem folgen und im Verein mit dir zu allen Seelen gehen, die dich in der Eucharistie empfangen wollen, und eingehen in ihre Herzen.
O Jesus, mit deinen Tränen und dem Wasser, mit dem du die Füße der Apostel wäschst, lass uns die Seelen waschen, die dich empfangen sollen.
Lass uns ihre Herzen reinigen, den Staub abschütteln, mit dem sie beschmutzt sind, und sie entflammen, dass du an ihnen dein Wohlgefallen finden könnest.
Während du mit liebevollem Eifer deinen Jüngern die Füße wäschst, schaue ich dich an und nehme wahr, dass noch ein anderer Schmerz dein Herz durchbohrt.
Die Apostel stellen alle zukünftigen Kinder der Kirche dar, aber auch in ihrer Unvollkommenheit alle Übel, die in der Kirche auftreten werden, mithin die ganze Gefolgschaft deiner Leiden.
Die einen versinnbildlichen die Schwachheiten, die anderen den Betrug, diese das Sinnbild der Heuchelei, jene einer maßlosen Liebe zu irdischem Gewinn.
In Petrus finden wir die Vorsätze, die nicht standhaft sind, die Vergehen so manches kirchlichen Oberhauptes; in Johannes die Schwäche selbst deiner Getreuesten, denn auch er schlief im Ölgarten ein, nachdem er an deinem Herzen geruht hatte, um sodann die Flucht zu ergreifen; in Judas alle Abtrünnigen mit all jenen folgenschweren Übeln, die sich aus dem Abfall ergeben.
Dein Herz ist überwältigt von Schmerz und Liebe. Da du kaum die Größe des Schmerzes wie die Größe der Liebe zu meistern vermagst, verweilst du zu den Füßen eines jeden Apostels, vergießt Tränen, sühnst für jedes dieser Vergehen und flehst für alle um Stärke und Standhaftigkeit.
Mein Jesus, auch ich vereinige mich mit dir und mache mir deine Gebete und Sühneakte zu eigen. Ich will bei dir bleiben, meine Tränen mit deinen vereinigen, dass du nie allein seist, sondern mich stets an deiner Seite habest, um deine Leiden zu teilen.
Jesus, meine Liebe! Ich sehe dich zu Füßen des Apostels Judas. Dein Atem ist beschwert, du weinst und schluchzt im Stillen. Du wäschst seine Füße, küsst sie, drückst sie ans Herz.
Da dir die Stimme vor Schmerz versagt, schaust du den Verräter mit Tränen in den Augen an und sprichst zu seinem Herzen: „Mein Sohn, ich bitte dich mit der Stimme meiner Tränen, nimm nicht den Weg zur Hölle.
Schenke mir deine Seele, die ich begehre, niedergeworfen zu deinen Füßen. Sag mir, was willst du tun? Was hast du vor? Alles will ich dir geben, nur richte dich nicht zugrunde. O erspare mir diesen Schmerz, mir, deinem Gott!“
Und immer wieder küsst du seine Füße. Mein Jesus! Da du die Härte seines Herzens erkennst, krampft sich das deinige zusammen. Die Liebe überwältigt dich, es scheint, als versagten deine Kräfte. Jesus, mein Leben!
Gestatte, dass ich dich in meinen Armen aufrecht halte. Ich verstehe, dass das Kunstgriffe deiner Liebe sind, die du bei hartnäckigen Sündern anwendest.
Allein während ich mit dir Mitleid habe und dir Sühne leiste für die Beleidigungen, die du von solchen Seelen erfährst, bitte ich dich, mir zu erlauben, im Verein mit dir die Erde zu durchwandern, um den verstockten Sündern das Geschenk deiner Tränen darzubieten, damit ihre Herzen weich werden; ich bitte dich, ihnen deine Liebeserweise zu geben, um sie an dich zu fesseln, so dass sie dir nicht mehr entrinnen können.
So wirst du entschädigt werden für den Schmerz, den der Untergang des Judas dir bereitet. (Die Stundenuhr der Passion Jesu Christi; Stunde von 20 bis 21 Uhr: Das eucharistische Mahl)

„Begreift ihr, was ich an euch getan habe?“ (Joh 13,12)

… Dann ging ich weiter mit den Stunden der Passion, und während ich dem eucharistischen Mahl folgte, bewegte sich mein süßer Jesus in meinem Inneren, und mit der Spitze seines Fingers klopfte Er so stark in meinem Inneren, dass ich es mit meinen Ohren vernahm, und ich sagte zu mir: „Was mag Jesus wohl wünschen, dass Er klopft?“
Und Er rief mich und sprach zu mir: „Es war nicht genug, bei dir anzuklopfen, damit du Mich vernimmst, sondern auch um dich zu rufen, um angehört zu werden.
Höre, meine Tochter: während Ich das eucharistische Mahl einsetzte, rief Ich alle um Mich, Ich sah auf alle Generationen, vom ersten bis zum letzten Menschen, um allen mein sakramentales Leben zu geben, und nicht einmal, sondern so oft, wie der Mensch körperliche Speise braucht.
Ich wollte Mich zur Nahrung der Seele einsetzen, doch war Ich sehr betrübt, als Ich sah, dass dieses mein sakramentales Leben von Verachtung, Gleichgültigkeit und auch von erbarmungslosem Tod umgeben war.
Ich fühlte Mich schlecht, Ich empfand die tödlichen Beklemmungen meines sakramentalen Lebens, eines qualvollen und wiederholten Todes. Dann sah Ich genauer hin und machte Gebrauch von der Macht meines Wollens und rief die Seelen zu Mir, die in meinem Willen leben würden.
O, wie glücklich fühlte Ich Mich! Ich fühlte Mich von diesen Seelen umgeben, welche die Macht meines Willens wie [in Sich] versenkt hielt, und in denen mein Wille der Mittelpunkt ihres Lebens war.
Ich sah in ihnen meine Unermesslichkeit, fand Mich von allen wohl verteidigt und vertraute ihnen mein sakramentales Leben an. Ich legte Es in ihnen nieder, nicht nur, damit sie dafür Sorge tragen, sondern Mir für jede geweihte Hostie mit einem Leben von ihnen [selbst] vergelten.
Und dies geschieht ganz natürlich, denn mein sakramentales Leben wird von meinem ewigen Willen belebt, und das Leben dieser Seelen hat meinen Willen als Lebensmittelpunkt; wenn sich also mein sakramentales Leben bildet, handelt mein in Mir agierender Wille in ihnen, und Ich fühle ihr Leben in meinem sakramentalen Leben.
Sie vervielfältigen sich mit Mir in jeder Hostie, und Ich fühle, dass Mir Leben für Leben gegeben wird. O, wie jubelte Ich, als Ich dich als die Erste sah, die Ich auf eine besondere Weise rief, in meinem Willen dein Leben zu bilden!
In dir gestaltete Ich die erste Schatzkammer von allen meinen sakramentalen Leben, Ich vertraute dich meiner Macht und Unermesslichkeit des Höchsten Willens an, damit sie dich befähigten, diese Schätze zu empfangen.
Von dieser Zeit an warst du Mir gegenwärtig, und Ich machte aus dir die Verwahrerin meines sakramentalen Lebens, und in dir alle anderen Seelen, die in meinem Willen leben würden.
Ich gab dir die Vorherrschaft über alles – und dies zu Recht, denn mein Wille ist niemandem unterworfen – sogar über die Apostel und die Priester, denn wenn diese Mich konsekrieren, bleiben sie doch nicht in gemeinsamem Leben mit Mir, sondern lassen Mich allein und verlassen, kümmern sich nicht um Mich.
Indessen werden diese [im Göttlichen Willen lebenden] Seelen Leben in meinem eigenen Leben selbst und untrennbar von Mir sein; deshalb liebe Ich dich so sehr: es ist mein eigener Wille, den Ich in dir liebe.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 14; 6. Juli 1922)