Samstag der 2. Osterwoche (Joh 6,16-21)
16Als es aber spät geworden war, gingen die Jünger Jesu zum See hinab, 17bestiegen ein Boot und fuhren über den See, auf Kafarnaum zu. Es war schon dunkel geworden, und Jesus war noch nicht zu ihnen gekommen. 18Da wurde der See durch einen heftigen Sturm aufgewühlt.
19Als sie etwa fünfundzwanzig oder dreißig Stadien gefahren waren, sahen sie, wie Jesus über den See ging und sich dem Boot näherte; und sie fürchteten sich. 20Er aber rief ihnen zu: Ich bin es; fürchtet euch nicht! 21Sie wollten ihn zu sich in das Boot nehmen, aber schon war das Boot am Ufer, das sie erreichen wollten.
„Es war schon dunkel geworden, und Jesus war noch nicht zu ihnen gekommen“ (Joh 6,17)
Ich begann wie gewöhnlich meinen Rundgang im Göttlichen Willen und wollte jede geschaffene Intelligenz in der Ordnung Gottes neu ordnen – vom ersten bis zum letzten Menschen, der auf die Erde kommen soll und sagte: ‘Ich lege mein ‘Ich liebe Dich’ auf jeden Gedanken der Geschöpfe, damit ich in jedem Gedanken die Herrschaft des Göttlichen Fiat über jeden Verstand erbitte.’
Doch dabei kam mir der Gedanke: ‘Wie kann es mir gelingen, jeden geschöpflichen Gedanken mit meinem ‘Ich liebe Dich’ wie mit Perlen zu verzieren?’ Da bewegte sich mein süßer Jesus in meinem Inneren und sprach zu mir:
„Meine Tochter, mit meinem Willen vermagst du alles und kannst überall hingelangen. Du sollst wissen, dass der Mensch vor der Sünde in jedem Gedanken, Blick, Wort, Werk, Schritt, Herzschlag seinen Akt Gott gab, und Gott Seinen kontinuierlichen Akt dem Menschen gab.
So war er in der Lage, seinem Schöpfer stets geben, und stets empfangen zu können. Es herrschte solche Harmonie zwischen Schöpfer und Geschöpf, dass sie beiderseits nicht anders konnten, als dass der eine gab, und der andere empfing, um dann diesen seinen Akt von neuem zurück zu schenken, sei es auch nur ein Gedanke oder ein Blick.
Daher zielte jeder Gedanke des Menschen auf Gott hin, und Gott füllte seinen Gedanken eilends mit Gnade, mit Heiligkeit, Licht und Leben, mit Göttlichem Willen. Man kann sagen, dass der geringste Akt des Menschen Denjenigen liebte und anerkannte, Der ihm das Leben gegeben hatte.
Und Gott liebte zurück, indem Er ihm mit seiner Liebe vergalt und sein Göttliches Leben in jedem kleinen oder großen Akt des Menschen anwachsen ließ. Da er zu begrenzt war, war der Mensch unfähig, das ganze Göttliche Leben auf einmal aufzunehmen.
So gab es Gott ihm schluckweise bei jedem Akt, den er aus Liebe zu Ihm tat, und fand seine Wonne darin, ihm immer zu geben, um sein Göttliches Leben in ihm heranzubilden. Daher ergoss sich jeder Gedanke und Akt des Menschen in Gott, und Gott ergoss sich in ihn.
Das war die wahre Schöpfungsordnung: Gott sollte im Menschen, in jedem seiner Akte, den Schöpfer des Menschen finden, damit Er dem Menschen Sein Licht geben könne, und das, was Er ihm zu geben beschlossen hatte.
Unser Göttlicher Wille, Der in Uns und in ihm gegenwärtig war, machte Sich zum Träger des einen und des anderen, und den vollen Tag in ihm heranbildend, legte Er die Güter von beiden zusammen.
In welch glücklichem Zustand war der Mensch, als unser Göttliches Fiat in ihm regierte! Man kann sagen, dass er auf unseren väterlichen Knien heranwuchs, und an unserer Brust hing, von wo er sein Wachstum und seine Heranbildung bezog.
Darum wünsche Ich, dass in meinem Göttlichen Willen jeder Gedanke eines Geschöpfes dein ‘Ich liebe Dich’ finde, um die Ordnung zwischen Schöpfer und Geschöpf wiederaufzurichten.
Du musst nämlich wissen, dass der Mensch durch die Sünde nicht nur unser Fiat zurückwies, sondern die Liebe zu Dem unterbrach, Der ihn so sehr geliebt hatte und sich in Distanz zu seinem Schöpfer setzte.
Eine Liebe in der Ferne kann aber kein Leben bilden, weil die wahre Liebe das Bedürfnis verspürt, von der Liebe des Geliebten genährt zu werden, und einander so innig nahe zu bleiben, dass eine Trennung unmöglich ist.
So blieb das Leben der Liebe, die Wir bei der Erschaffung des Menschen geschaffen hatten, ohne Nahrung und starb beinahe. Zumal alle menschlichen Akte, die er ohne unseren Göttlichen Willen tat, wie ebenso viele Nächte waren, die er in seiner Seele bildete: wenn er dachte, formte er eine Nacht; wenn er schaute, sprach, usw., war alles Finsternis, die eine dunkle Nacht darstellte.
Ohne mein Fiat kann es weder einen Tag noch eine Sonne geben, höchstens ein paar kleine Flammen, die der Seele kaum den Schritt anzeigen können. O wenn man wüsste, was es heißt, ohne meinen Göttlichen Willen zu leben!
Selbst wenn die Seele nicht böse ist und manches Gute tut, stellt der menschliche Wille stets eine Nacht für die Seele dar, die sie bedrückt, betrübt und die Last des Lebens spüren lässt. Sei daher aufmerksam und lasse dir nichts entgehen, was nicht in mein Göttliches Fiat eingeht.
Dieses Fiat wird dir die Erfahrung des helllichten Tages schenken, der die Schöpfungsordnung für dich wiederherstellt, sowie die Harmonie, die den Austausch in Kraft setzt, bei dem du deinem Schöpfer ständig deine Akte gibst und von Ihm stets empfängst.
Indem du die ganze Menschheitsfamilie umfängst, wirst du die Rückkehr der Ordnung der Weise ihrer Erschaffung erflehen können, damit die Nacht des menschlichen Willens ende und der helle Tag meines Göttlichen Willens aufsteige.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 27; 30. November 1929)
“Da wurde der See durch einen heftigen Sturm aufgewühlt… Und sie fürchteten sich“ (Joh 6,18+19)
Ich segelte im Lichtmeer des Göttlichen FIAT und folgte seinen Akten: o, wie gut begriff ich, dass alles Gute in Ihm ist! Da bewegte sich mein stets liebenswürdiger Jesus in meinem Inneren und sagte zu mir:
„Meine Tochter, solange die Seele nicht den Göttlichen Willen in sich herrschen lässt, wird sie stets unglücklich und unruhig sein; denn wie gut, heilig, gelehrt, reich sie auch sei, wird sie spüren, dass ihr die Fülle der Seligkeit und das Meer des Friedens fehlt, damit sie von keiner Seite beunruhigt und ihre Freude geschmälert werden kann.
So wird ihre Glückseligkeit nur halb so groß und ihr Friede vermindert sein, und da er nicht vollständig ist, wird die fehlende Hälfte die Tür für Traurigkeit und Beunruhigung offenhalten.
Siehst du, auch in der natürlichen Ordnung ist dies so. Wenn einer reich ist und ihm nichts fehlt und seine zehn, zwanzig Millionen oder Milliarden besitzt, aber weiß, dass er noch mehr erwerben und noch reicher sein könnte, ist er unruhig und unglücklich.
Seine Reichtümer gleichsam zur Seite stellend, ist er ganz Fuß, ganz Werk, ganz Wort, ganz Auge für den Erwerb weiterer Reichtümer. Der Arme, wie könnte er glücklich und zufrieden sein, wenn ihm die Quelle der Güter fehlt, die zu ihm sagt: „Ruhe dich aus, alles ist dein, und alles, was du willst, ist in deiner Macht“?
Ein anderer ist König, aber wie unglücklich ist er unter dieser Krone: Angst um den Verlust seines Reiches, Hoffnung und Begierde, weitere Reiche zu erwerben, auf Kosten von Kriegen die ganze Welt zu beherrschen! So ist der Besitz eines Reiches nichts anderes als ein Einfallstor, um den armen König unglücklich und unruhig zu machen.
Ein dritter ist gelehrt, doch da er nicht alle Wissenschaften besitzt und sich bewusst ist, dass er sich noch weitere aneignen könnte, ruht er nicht und fühlt sich weder glücklich noch zufrieden. Wie oft fühlt er sich vor einem anderen, gebildeterem als er selbst, gedemütigt und ist unglücklich, da ihm die Fülle der Wissenschaft fehlt!
So ist es auch in der übernatürlichen Ordnung. Einer ist gut, aber nimmt in sich nicht den Besitz der Quelle der Güte wahr, da er fühlt, dass bei Gelegenheit seine Geduld schwach, seine Beständigkeit im Guten unregelmäßig ist, seine Nächstenliebe sehr oft hinkt, sein Gebet unbeständig ist.
Das macht ihn unglücklich und unruhig, denn er sieht, dass seine Güte nicht vollständig ist, sie ist gleichsam halbiert, und die fehlende Hälfte gereicht ihm zur Qual und macht ihn unglücklich.
Der Ärmste! Wie klar erkennt man, dass ihm das Reich meines Willens fehlt, denn wenn Er in ihm regieren würde, besäße er die Quelle der Güte, die zu ihm spräche: „Ruh dich aus, alles ist in deiner Macht: die Quelle der Geduld, der Festigkeit, der Nächstenliebe, des Gebetes.“
Wenn er in sich die Quelle wahrnimmt, würde er spüren, wie sich in und außerhalb von ihm das Meer der Seligkeit und des Friedens ausbreitet, und Traurigkeit und Unruhe fänden keinen Weg mehr in sein Inneres.
Wieder ein anderer ist heilig, doch in gewissen Umständen fühlt er die Quelle der Heiligkeit nicht in sich, das Licht, das alles erkennen lässt und ihm alles zeigt – den Weg und die Seligkeit. Seine Gotteserkenntnis ist nicht vollständig, der Heroismus der Tugenden schwankt in ihm.
So ist er bei all seiner Heiligkeit weder glücklich noch friedvoll, denn da ihm die totale Herrschaft meines Göttlichen FIAT fehlt, mangelt ihm die Quelle des Lichtes, welche den Keim aller Übel in den Schatten stellt und diesen durch die Quelle des Glücks und des Friedens ersetzt.
Solange also die Geschöpfe nicht meinen Willen herrschen lassen, wird man in der Welt nicht einmal eine Idee, noch wahre Kenntnis davon haben, was der wahre Friede und die Fülle der Seligkeit bedeuten.
Keine Dinge, so gut und heilig sie auch seien, werden ihre Fülle besitzen, denn da ihnen die Herrschaft und Regierung meines Höchsten Willens fehlt, fehlt ihnen das, was ihnen die Quelle aller Glückseligkeit mitteilt. Da Er nämlich die Quelle ist, kann man [aus ihr] das entnehmen, was man will und wie man will.
Dies ist der Grund für meine Bemühungen, dass mein Wille bekannt werde und sein Reich unter den Menschen errichte: weil Ich sie glücklich sehen möchte mit jener Seligkeit, die Ich ihnen bei ihrer Erschaffung verlieh, als sie aus dem Schoß ihres Schöpfers hervorgingen, Der alle möglichen und vorstellbaren Glückseligkeiten besitzt.”… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 22; 3. September 1927)
„Ich bin es; fürchtet euch nicht!“ (Joh 6, 20)
… „Meine Tochter, fürchte dich nicht, Ich bin es, Ich verlasse dich nicht; und überdies, wie könnte Ich dich verlassen? Das Leben in meinem Willen macht die Seele unzertrennlich von Mir.
Mein Leben ist für sie mehr als die Seele für den Leib, und wie sich der Leib ohne die Seele in Staub verwandelt, da ihm das Leben fehlt, das ihn aufrecht hält, so würdest du ohne mein Leben in dir, leer von allen Akten meines Willens in dir sein, und du würdest in der Tiefe deiner Seele meine Stimme nicht mehr vernehmen, die dir wiederholt zuflüstert, wie du deine Aufgabe in meinem Willen ausführen sollst.
Wenn meine Stimme da ist, ist auch mein Leben hier, das sie aussendet. Wie leicht denkst du, dass Ich dich verlassen könnte! Ich kann es nicht tun: du müsstest nämlich zuerst meinen Willen verlassen – dann erst könntest du auf den Gedanken kommen, dass Ich dich verlassen hätte.
Doch meinen Willen zu verlassen, wäre für dich auch schwierig, um nicht zu sagen, beinahe unmöglich. Du befindest dich nämlich in nahezu ähnlichen Verhältnissen wie die Seligen im Himmel: sie haben ihren freien Willen nicht verloren; dieser ist eine Gabe an die Menschen, und was Ich einmal gebe, nehme Ich nie zurück.
Nie gab es im Himmel einen Sklavendienst; Ich bin ein Gott von Söhnen und Töchtern, nicht von Sklaven, Ich bin ein König, der alle herrschen lässt – es gibt keine Trennung zwischen Mir und ihnen.
Doch im Himmel herrscht eine derart große Erkenntnis meiner Güter, meines Willens und meiner Glückseligkeit, dass sie davon bis zum Rand voll sind und sogar überfließen – und so findet ihr Wille keinen Platz zum Handeln.
Obwohl sie frei sind, bringt die Kenntnis eines unendlichen Willens und der unendlichen Güter, in die sie versenkt sind, sie mit unwiderstehlicher Kraft dazu, ihren Willen zu gebrauchen, als hätten sie ihn nicht – und dies erachten sie als ihr größtes Glück und ihre höchste Seligkeit, doch spontan frei und mit ihrem ganzen Willen.
So ist es auch bei dir, meine Tochter: dich meinen Willen erkennen zu lassen, war die größte Gnade, die Ich dir erwiesen habe, und während du frei bist, deinen Willen zu tun oder nicht zu tun, fühlt er sich angesichts des Meinen unfähig zu wirken und gleichsam wie vernichtet; da du den großen Segen meines Willens kennst, verabscheust du den deinen, und ohne dass dich jemand zwingt, liebst du es, den Meinen zu tun, angesichts des großen Gutes, das dir daraus zukommt.
Und die vielen Kenntnisse, die Ich dir über meinen Willen offenbarte, sind Göttliche Bande, ewige Ketten, die dich fesseln, Besitztümer himmlischer Güter.
Und wenn dein eigener Wille versucht, diesen ewigen Ketten zu entfliehen, jene Göttlichen Bindungen zu zerreißen, diese himmlischen Güter, die man schon im Leben besitzen kann, zu verlieren, findet er – obwohl er frei ist – nicht den Weg heraus, er verirrt sich, er sieht seine Kleinheit und fürchtet sich vor sich selbst, dass er sich selbst einen Streich spielt – dann versenkt und vertieft er sich mit noch mehr spontaner Liebe in meinen Willen!
Die Kenntnis öffnet die Tore zu diesen Schätzen, die man kennenlernt, und je mehr Wahrheiten über meinen Willen Ich dir offenbarte, desto mehr verschiedene Türen zu Gütern, Licht, Gnade, und Göttlicher Teilhabe tat Ich dir auf.
Diese Türen sind offen für dich; und [im Maß,] wie diese Kenntnisse mitten unter die Menschen gelangen, werden sich ihnen diese Türen auftun, denn die Kenntnis lässt die Liebe zum erkannten Gut aufkommen; und die erste Tür, die Ich öffnen werde, wird mein Wille sein, um die kleine Tür ihres eigenen Willens zu schließen.
Mein Wille wird sie den ihren verabscheuen lassen, denn vor meinem Willen ist der des Menschen handlungsunfähig. Im Licht des Meinen sehen die Seelen, wie unbedeutend und zu nichts nütze ihr Wille ist; so werden sie folglich in diese Göttlichen Kenntnisse eindringen und je nach ihren Bemühungen [, meinen Willen zu erlangen,] ihren eigenen zur Seite stellen.
Überdies sollst du wissen, wenn Ich dir eine Erkenntnis über meinen Willen mitteile, dann entscheide Ich mich [erst dann], dir eine weitere Tür meiner Kenntnis zu öffnen, wenn du in deine Seele all das Gut [der Wahrheit] hast eindringen lassen, das Ich dir geoffenbart habe.
Wenn Ich nicht so täte, hättest du bloß die Nachricht über dieses Gute, aber du würdest es [selbst] nicht besitzen. Und dies kann Ich nicht tun: wenn Ich spreche, wünsche Ich, dass die Seele die Segnungen besitzt, die Ich ihr zu erkennen gebe.
Übe dich daher aufmerksam in meinem Willen, damit Ich dir weitere Türen meiner Kenntnisse öffne und du noch tiefer in die Göttlichen Besitztümer eintrittst.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 17; 30. Mai 1925)


