Donnerstag der 7. Osterwoche (Joh 17,20-26)
20In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Heiliger Vater, ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. 21Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.
22Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins sind, wie wir eins sind, 23ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und sie ebenso geliebt hast, wie du mich geliebt hast.
24Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor Grundlegung der Welt.
25Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast. 26Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und ich in ihnen bin.
… „Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, …“ (Joh 17,21)
… “Meine Tochter, Adam war die erste menschliche Sonne, die in unseren Willen eingehüllt war. Seine Akte waren glänzender als Sonnenstrahlen, die sich gleichsam verlängerten und ausweiteten, um das ganze Menschengeschlecht zu erfüllen, worin man die vielen – wie pulsierend in diesen Strahlen – in dem einen sehen sollte.
Alle sollten ihr Zentrum in dieser ersten menschlichen Sonne konzentriert haben, und alle [Menschen] sollten die Eigenschaft besitzen, ihre eigenen Sonnen zu bilden, ohne je von ihrer Verbindung mit der ersten Sonne getrennt zu werden.
Da nämlich das Leben eines jeden den Anfang in dieser Sonne hatte, würde jeder eine Sonne für sich selbst sein können. Wie schön war die Erschaffung des Menschen! Wie übertraf sie das ganze Universum!
Das Band der Einheit des einen in den vielen war das größte Wunder unserer Allmacht, in dem unser Wille, Der in sich eins ist, die Untrennbarkeit aller Dinge aufrechterhalten sollte.
Und zwar durch unsere kommunikative und einigende Kraft, die allen Geschöpfen Leben schenkt. Die Erschaffung des Menschen war das Symbol und Abbild unserer Gottheit, da Wir, die Drei Göttlichen Personen, unzertrennlich und stets – obwohl Wir Drei sind – Eins sind, denn einer ist der Wille, eine ist die Heiligkeit, eine ist unsere Macht.
Deshalb wird der Mensch von Uns stets so betrachtet, als wäre er einer allein, und obwohl er seine sehr lange Generation [von Nachkommen] haben sollte, sollte er immer in dem einen seinen Mittelpunkt haben.
Es war die unerschaffene Liebe, die von Uns im Menschen erschaffen wurde, und deshalb sollte er von dem Unsrigen geben und Uns ähnlich sein.
Unser Wille, der Einzige, Der in Uns handelt, sollte [auch] im Menschen der einzig Handelnde sein, um die Einheit unter allen zu bilden und das Band der Untrennbarkeit eines jeden.
Daher wurde der Mensch mit dem Rückzug aus unserem Göttlichen FIAT verunstaltet und geriet in Unordnung und empfand nicht mehr die Kraft der Einheit und Untrennbarkeit, weder mit seinem Schöpfer noch mit allen Generationen.
Er fühlte sich wie ein zerteilter Körper, gebrochen in seinen Gliedern, der nicht mehr die volle Kraft seines ganzen Leibes besaß. Daher möchte mein Wille wieder von neuem als erster Akt in den Menschen eintreten, um die auseinander gebrochenen Glieder wieder zu vereinen und ihm die Einheit und Untrennbarkeit zu verleihen, wie er aus unseren Schöpferhänden hervorgegangen ist.
Wir gleichen einem Bildhauer, der eine so schöne Statue gefertigt hat, dass sie Himmel und Erde staunen lässt. Der Künstler liebt diese Statue so sehr, dass er sein eigenes Leben in sie hineingelegt hat – sodass bei jedem Akt oder Bewegung von ihr, er in sich selbst das Leben, den Akt und die Bewegung seiner schönen Statue wahrnimmt. Der Künstler liebt sie gleichsam wie im Fieberwahn und kann auch seinen Blick nicht von ihr abwenden.
Doch trotz so viel Liebe erhält die Statue einen Stoß, sie schlägt am Boden auf und zerbricht in ihren Gliedern und in ihrem vitalen Teil, in welchem sie mit dem Künstler verbunden und vereint war. Wie groß wird nicht dessen Schmerz sein?
Was wird er nicht alles tun, um seine schöne Statue wiederherzustellen, zumal er sie immer noch liebt – zusätzlich zu seiner schmachtenden Liebe nun mit einer schmerzvollen Liebe.
So ist die Beziehung der Gottheit mit dem Menschen: er treibt Uns aus Liebe und Schmerz zum „Fieberwahn“, weil Wir die schöne Statue des Menschen wiederherstellen wollen.
Da der [verhängnisvolle] Aufprall im vitalen Teil unseres Willens geschah, den der Mensch besaß, wird unsere schöne Statue – wenn unser Wille in ihr wieder fest eingesetzt ist – wiederhergestellt sein und unsere Liebe befriedigt sein.
Daher will Ich von dir nichts anderes, als dass mein Göttlicher Wille sein Leben habe.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 25; 25. Dezember 1928)
„Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast“ (Joh 17,22)
… „Meine gesegnete Tochter, genau dies ist das Leben in meinem Willen: die Seele erwirbt das Recht einer Tochter, und Gott erlangt die Vorherrschaft, Befehlsgewalt und das Recht als Vater.
Nur mein Wille vermag beide miteinander zu vereinen und aus ihnen ein einziges Leben zu machen. Nun wisse, dass die in meinem Göttlichen Wollen lebende Seele drei Vorrechte erwirbt: erstens, das Recht des Göttlichen Lebens.
Alles, was sie tut, ist Leben, das sie fühlt: wenn sie liebt, empfindet sie das Leben der Liebe, und als Leben fühlt sie es im Geist, im Atem, im Herzen, in allem strömen.
Sie fühlt die lebendige Kraft, die in sich nicht einen endlichen Akt bildet, der wieder aufhören würde, sondern die Fortsetzung eines Aktes, welche das Leben ausmacht; wenn sie betet, anbetet, sühnt, fühlt sie das unaufhörliche Leben des göttlichen, nicht menschlichen, Gebetes, göttlicher Anbetung, göttlicher Wiedergutmachung, das keine Unterbrechung kennt.
So ist jeder in meinem Willen getaner Akt, ein lebendiger Akt, den die Seele erwirbt. In Ihm ist alles Leben, und die Seele erwirbt das Leben des Guten, das sie in Ihm tut.
Welch großer Unterschied besteht zwischen einem Gut, dessen Leben die Seele besitzt, und einem Gut oder Akt, dessen Leben endet, wenn man ihn tut! Als Leben hat die Seele das Gut in ihrer Macht und fühlt das fortdauernde Leben dieses Gutes.
Als Akt hingegen hat sie ihn nicht in ihrer Macht und kann auch nicht sein Fortdauern fühlen, und was nicht kontinuierlich ist, kann nicht Leben genannt werden.
Nur in meinem Willen finden sich diese Akte voller Leben, weil sie als Prinzip das Göttliche Leben haben, das nicht enden kann, und daher kann Er allem und allen Leben schenken.
Außerhalb von Ihm hingegen finden alle Dinge, sogar die größten Werke, ein Ende. O, welch schönes Vorrecht ist dies, das nur mein Wille verleihen kann, dass die Seele in sich ihre Akte in unverlierbares Göttliches Leben umgewandelt fühlt!
Nun geht aus dem ersten Vorrecht das zweite hervor, d.h. das Recht des Besitzes. Doch wer ist es, der die Seele ausstattet? Wer macht sie zur Besitzerin?
Mein Wille selbst, denn in Ihm gibt es keine Armut, sondern alles ist Überfülle: Überfülle an Heiligkeit, an Licht, an Gnaden, an Liebe. Und da die Seele diese als Leben besitzt, ist es gerecht, dass sie diese Göttlichen Besitztümer als die ihren besitzt, sodass sie sich als Herrin über die Heiligkeit, über das Licht, die Gnade, die Liebe und alle Göttlichen Güter fühlt.
Nur in meinem Willen gibt es dieses Eigentumsrecht, außerhalb von Ihm wird [den Seelen] alles nur abgemessen gegeben und ohne sie zu Besitzern zu machen. Wie groß ist der Unterschied zwischen beiden! Aus dem zweiten geht das dritte Vorrecht hervor: Das Recht auf die Glorie.
Nichts tut die Seele, sei es klein oder groß, natürlich oder übernatürlich, bei dem ihr nicht das Recht der Glorie verliehen wird: das Recht, ihren Schöpfer in allem zu verherrlichen, selbst im Atem und Herzschlag, und das Recht, selbst verherrlicht zu werden, in der Herrlichkeit Dessen, bei Dem es keine Glorie gibt, die nicht von Ihm ausginge.
Daher wirst du in meinem Willen alles und alle zu deiner Verfügung finden, und zwar mit göttlichem, nicht menschlichem Recht. Mein Wille selbst möchte dir diese seine Göttlichen Rechte gewähren, da Er das Geschöpf als seine wahre Tochter liebt.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 33; 20. Januar 1935)
„Ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit“ (Joh 17, 23)
Während ich betete, vereinte ich meinen Geist mit dem Geist Jesu, meine Augen mit Jesu Augen, und so mit allem übrigem, indem ich die Meinung machte, das zu tun, was Jesus tat – mit seinem Geist, mit seinen Augen, mit seinem Mund, mit seinem Herzen, und so mit allem übrigen; und wie es schien, als breiteten sich der Geist Jesu, die Augen Jesu, usw. zum Wohl aller aus, so schien es, dass auch ich mich zum Wohl aller ausbreitete, mich vereinigend und eins werdend mit Jesus.
Nun dachte ich bei mir: ‘Was ist das für eine Meditation? Was für ein Gebet? Ach, ich bin zu nichts gut, ich kann nicht einmal über etwas reflektieren.‘ Aber während ich so dachte, sprach mein stets liebenswürdiger Jesus zu mir:
„Meine Tochter, warum betrübst du dich darüber? Anstatt darüber traurig zu sein, solltest du dich freuen, denn als du meditiertest und in deinem Verstand viele schöne Überlegungen auftauchten, hast du nichts anderes getan als von Mir einen Teil meiner Eigenschaften und Tugenden zu nehmen.
Nun, da es dir nur mehr möglich ist, dich mit Mir vereinigen und eins werden zu können, nimmst du Mich ganz auf, und während du zu nichts gut bist, bist du mit Mir zu allem nütze, weil du mit Mir das Gute für alle willst; und allein das Gute zu ersehnen und es zu wollen, erzeugt in der Seele eine Stärke, die sie wachsen lässt und im göttlichen Leben festigt.
Wenn sich die Seele dann mit Mir vereint und identifiziert, und sich mit meinem Geist vereinigt, bringt sie auf diese Weise so viele Leben der heiligen Gedanken im Geist der menschlichen Geschöpfe hervor; wenn sie sich mit meinen Augen vereint, bringt sie in den Geschöpfen so viele Leben der heiligen Blicke hervor; wenn sie sich mit meinem Mund vereint, wird sie den Worten Leben verleihen, wenn sie sich mit meinem Herzen, meinem Wünschen, meinen Händen und Schritten vereint, wird sie jedem Herzschlag ein Leben verleihen, Leben den Wünschen, den Handlungen, den Schritten; und zwar heilige Leben, denn da Ich in Mir die schöpferische Kraft enthalte, erschafft die Seele gemeinsam mit Mir und tut das, was Ich tue.
Diese Vereinigung mit Mir nun, Teil um Teil, Geist für Geist, Herz um Herz, usw., bringt in dir im höchsten Grad das Leben meines Willens und meiner Liebe hervor; und in diesem Willen wird der Vater gebildet, in der Liebe der Hl. Geist, und aus dem Wirken, aus den Worten, den Werken, den Gedanken und aus allem übrigem, was aus diesem Willen und dieser Liebe hervorgehen kann, wird der Sohn gebildet, und siehe da: die Dreifaltigkeit in den Seelen.
Wenn Wir also wirken sollen, ist es gleichgültig, ob Wir in der Dreifaltigkeit im Himmel oder in der Trinität der Seelen auf Erden wirken.
Das ist der Grund, warum Ich dir stets alles Übrige wegnehme, wenngleich es auch gute, heilige Dinge wären, um dir das Beste und Heiligste geben zu können, das Ich Selbst bin, und aus dir ein anderes Ich-Selbst machen zu können, soweit es für ein Geschöpf möglich ist. Ich glaube, du wirst dich nicht mehr beklagen, nicht wahr?“
Und ich: ‚Ach, Jesus, mir kommt es hingegen vor, dass ich ganz schlecht geworden bin, und das Schlimmste ist, dass ich nicht weiß, wie ich diese meine Bosheit finden kann, da ich wenigstens alles mögliche tun würde, um sie beseitigen.‘
Und Jesus: „Es genügt, es reicht! Du willst zu sehr in den Gedanken an dich selbst eindringen; denk an Mich, und Ich werde auch an deine Schlechtigkeit denken, hast du verstanden?“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 11; 12. Juni 1913)
„Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin“ (Jhn 17, 24)
Um auf das Leben im Göttlichen Willen zurückzukehren: mir wurde gesagt, dass dies so viel bedeute wie leben im Zustand der Vereinigung mit Gott, und mein stets liebenswürdiger Jesus kam und sagte zu mir: „Meine Tochter, es ist ein großer Unterschied zwischen dem Leben in Vereinigung mit Mir und dem Leben in meinem Willen.“
Und während Er dies sagte, breitete Er die Arme zu mir aus und sprach zu mir: „Komm auch nur für einen einzigen Augenblick in meinen Willen und du wirst den großen Unterschied sehen.“
Ich befand mich in Jesus, mein kleines Atom schwamm im Ewigen Willen, und da dieser Wille ein einziger Akt ist, der alle Akte umfasst, die vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen, nahm ich, da ich im ewigen Willen war, soweit es einem Geschöpf möglich ist an jenem einzigen Akt teil, der alle Akte einschließt.
Ich nahm auch Teil an allen Akten, die nicht existieren und die noch existieren sollten bis ans Ende der Zeiten und solange Gott, Gott ist; und auch dafür liebte ich Ihn, dankte Ihm, lobpries Ihn, usw.
Es gab keinen Akt, der mir entgangen wäre, und nun nahm ich die Liebe des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und machte sie mir zu eigen, wie ihr Wille mein eigen war, und ich gab sie Ihnen als die meine; wie freute ich mich, Ihnen ihre Liebe als die meine geben zu können, und wie sehr fanden Sie die Fülle des Wohlgefallens und den vollkommenen Erguss darin, ihre Liebe von mir als die meine zu empfangen!
Aber wer könnte alles sagen? Mir fehlen die Worte. Dann sagte der gebenedeite Jesus zu mir: „Hast du gesehen, was es heißt, in meinem Willen zu leben?
Es bedeutet, zu verschwinden, einzutreten in die Sphäre der Ewigkeit, einzudringen in die Allsicht des Ewigen, in den unerschaffenen Geist, es heißt an allem, und an jedem göttlichen Akt, teilzunehmen, soweit es einem Geschöpf möglich ist; es bedeutet, sogar während man noch auf Erden weilt, alle göttlichen Eigenschaften zu genießen, das Böse auf göttliche Weise zu hassen, es bedeutet, sich auf alle zu erstrecken, ohne sich zu erschöpfen, weil der Wille, der jenes Geschöpf belebt, göttlich ist; es ist die noch nicht bekannte Heiligkeit, die Ich bekannt machen werde, die den letzten, schönsten und glänzendsten Schmuck aller anderen Heiligkeiten bilden wird, und sie wird die Krone und Vollendung aller anderen Heiligkeiten sein.
Nun, Leben in Vereinigung mit Mir bedeutet nicht, zu verschwinden: man sieht zwei Wesen zusammen; und wer nicht verschwindet, kann nicht in die Sphäre der Ewigkeit eintreten, um an allen göttlichen Akten teilzunehmen; erwäge dies gut und du wirst den großen Unterschied merken.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 12; 8. April 1918)


