1In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich wird es sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen. 2Fünf von ihnen waren töricht, und fünf waren klug. 3Die törichten nahmen ihre Lampen mit, aber kein Öl, 4die klugen aber nahmen außer den Lampen noch Öl in Krügen mit.
5Als nun der Bräutigam lange nicht kam, wurden sie alle müde und schliefen ein. 6Mitten in der Nacht aber hörte man plötzlich laute Rufe: Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen! 7Da standen die Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen zurecht.
8Die törichten aber sagten zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, sonst gehen unsere Lampen aus. 9Die klugen erwiderten ihnen: Dann reicht es weder für uns noch für euch; geht doch zu den Händlern und kauft, was ihr braucht.
10Während sie noch unterwegs waren, um das Öl zu kaufen, kam der Bräutigam; die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal, und die Tür wurde zugeschlossen. 11Später kamen auch die anderen Jungfrauen und riefen: Herr, Herr, mach uns auf! 12Er aber antwortete ihnen: Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.
13Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.

„Mit dem Himmelreich wird es sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen“ (Mt 25, 1)

Ich hatte überhaupt nicht daran gedacht, dass ich an demselben Abend in das Haus des Göttlichen Willens kommen sollte, in die Nähe meines Gefangenen Jesus.
Nur bat ich Ihn, dass Er mich nicht wissen lassen möge, wann das sein sollte, um einen solchen Akt nicht mit meinem menschlichen Willen zu profanieren, damit ich nichts aus mir selbst tue, sondern in allem der Göttliche Wille handle.
Es war acht Uhr abends, als der Beichtvater außerhalb der gewohnten Ordnung kam, der von den Ehrwürdigen Oberinnen gebeten worden war, und mir im Gehorsam anordnete, dass ich nachgeben und die Oberinnen zufriedenstellen sollte.
Ich widersetzte mich ein wenig, da ich so überlegte: wenn der Herr es wünschte, dann wäre es im Monat April, einer wärmeren Jahreszeit, und dann könnte man es in Erwägung ziehen.
Doch der Beichtvater bestand so sehr darauf, dass ich mich fügen musste. So wurde ich etwa um 21.30 Uhr am Abend in dieses Haus gebracht, in die Nähe meines Gefangenen Jesus. Dies ist die kleine Vorgeschichte, warum ich mich im Haus des Göttlichen Willens befinde.
Nun nehme ich meine Rede wieder auf: des Nachts blieb ich allein mit meinem Jesus im Sakrament, und meine Augen waren fest auf die kleine Tabernakeltür gerichtet.
Das ständig flackernde Lämpchen schien zu verlöschen, doch dann lebte es wieder auf, und mein Herz zuckte vor Schreck zusammen, dass Jesus im Dunkeln bleiben könnte. Da regte sich mein stets liebenswürdiger Jesus in meinem Inneren, nahm mich in seine Arme und sprach zu mir:
“Meine Tochter, fürchte dich nicht, denn die Lampe wird nicht ausgehen. Und wenn sie ausgehen sollte, habe Ich dich, eine lebendige Lampe – eine Lampe, die mit ihrem Flackern mehr als das Flackern der Ewig-Licht Lampe, Mir sagt: ‘Ich liebe Dich, ich liebe Dich, ich liebe Dich…’
O wie schön ist das Flackern deines ‘Ich liebe Dich’! Dein Flackern sagt Liebe zu Mir, und wenn du dich mit meinem Willen vereinigst, werden unsere zwei Willen zu einem einzigen. O wie schön ist deine Lampe und das Flackern deines ‘Ich liebe Dich’.
Es kann nicht mit der Lampe verglichen werden, die vor meinem Tabernakel der Liebe brennt. Umso mehr, als mein Göttlicher Wille in dir ist, und du das Flackern deiner ‘Ich liebe Dich’ in der Mitte der Sonne meines FIAT bildest, und Ich sehe und höre nicht eine Lampe, sondern eine Sonne vor Mir brennen.
Meine Gefangene, sei Mir willkommen! Du bist gekommen, deinem Gefangenen Gesellschaft zu leisten. Wir sind beide im Gefängnis, du im Bett und Ich im Tabernakel.
Es ist recht, dass Wir so nahe beisammen sind, zumal der Zweck, der uns im Gefängnis hält, einer ist: der Göttliche Wille, die Liebe, die Seelen. Wie willkommen ist Mir die Gesellschaft meiner Gefangenen!
Wir werden sie gemeinsam empfinden, um das Reich des Höchsten FIAT vorzubereiten. Doch wisse, meine Tochter, dass meine Liebe dir zuvorgekommen ist. Ich habe Mich vorher Selbst als Gefangener in diese Zelle begeben, um auf meine Gefangene und deine süße Gesellschaft zu warten.
Du siehst also, wie meine Liebe als Erste dir entgegengeeilt ist, wie Ich dich geliebt habe und dich liebe, weil Ich in so vielen Jahrhunderten der Gefangenschaft in diesem Tabernakel nie eine Gefangene hatte, die Mir Gesellschaft leisten und Mir so nahe sein würde.
Ich war immer allein, oder höchstens in der Gesellschaft von Seelen, die keine Gefangenen waren, in denen Ich nicht meine eigenen Ketten sah. Nun, schließlich ist die Zeit für Mich gekommen, dass Ich eine Gefangene habe, und sie ständig in meiner Nähe, unter meinen sakramentalen Blicken, habe – eine, welche allein die Ketten meines Göttlichen Willens gefangen halten.
Eine süßere und wohlgefälligere Gesellschaft könnte Ich nicht finden. So werden Wir, während Wir gemeinsam im Gefängnis sind, Uns um das Reich des Göttlichen Willens kümmern und zusammenarbeiten und Uns opfern, um Es den Menschen bekannt zu machen. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 25; 7. Oktober 1928)

„Als nun der Bräutigam lange nicht kam…“ (Mt 25,5)

… (60) Mit einem Wort – ohne die Erzählung mehr in die Länge zu ziehen – versuchte Er sogar in den kleinsten Dingen meinen Willen abzutöten, damit ich nur für Ihn leben möge.
Er ließ es zu, dass ich auch vom Beichtvater Widerspruch erfuhr; z.B. fühlte ich ein großes Bedürfnis, die heilige Kommunion zu empfangen; während des ganzen Tages und der ganzen Nacht tat ich nichts anderes, als mich darauf vorzubereiten.
Ich konnte wegen des ständigen Pochens meines Herzens keinen Schlaf finden und sprach zu Ihm: „Herr, beeile Dich, ich kann ohne Dich nicht sein. Lass die Stunden schneller verstreichen und die Sonne bald aufgehen, denn ich kann nicht mehr, mein Herz verschmachtet.“
Er selbst machte mir solche liebevollen Einladungen, dass es mir das Herz brach. Er sagte zu mir: „Sieh, Ich bin allein, sorge dich nicht, weil du nicht schlafen kannst – es geht darum, deinem Gott Gesellschaft zu leisten, deinem Bräutigam, der dein Alles ist, der ständig beleidigt wird.
O verweigere Mir bitte diesen Trost nicht, denn in deiner Betrübnis werde Ich dich auch nicht verlassen.“ Während ich so vorbereitet war, ging ich am Morgen zum Beichtvater und ohne zu wissen warum, war das erste, was er mir sagte: „Ich will nicht, dass du zur heiligen Kommunion gehst.“
Um die Wahrheit zu sagen, das war so bitter für mich, dass ich manchmal nichts tun konnte als weinen; ich wagte nichts zu meinem Beichtvater zu sagen, denn Er selbst wollte, dass er so handelte, sonst hätte Er mir einen Verweis gegeben; ich ging aber zu Jesus und erzählte Ihm von meinem Schmerz: „Ach, mein liebstes Gut, ist das die Vigil, die Wir letzte Nacht gehalten haben – dass ich nach so vielem Warten und Sehnen Deiner beraubt bleiben sollte?
Ich weiß wohl, dass ich gehorchen muss, aber sage mir, wie kann ich denn ohne Dich sein? Wer wird mir die Kraft geben? Und wer hätte zudem den Mut, diese Kirche zu verlassen, ohne Dich mitzunehmen? Ich weiß nicht, was ich tun soll, doch Du kannst alles lösen.“
Während ich mich auf diese Weise ergoss, fühlte ich ein Feuer, das sich mir näherte, und eine Flamme in mein Herz eintreten, und ich fühlte Ihn in mir, und sogleich sprach Er zu mir: „Beruhige dich, beruhige dich, Ich bin schon hier in deinem Herzen, was kannst du jetzt noch fürchten? Betrübe dich nicht länger, Ich selbst möchte deine Tränen trocknen. Du hast recht, du könntest nicht ohne Mich sein, nicht wahr?“
(61) Ich verblieb dann so vernichtet in mir selbst und sagte Ihm, dass, wenn ich gut gewesen wäre, Er nicht auf diese Art verfahren wäre, und bat Ihn, mich niemals mehr zu verlassen, da ich nicht ohne Ihn sein wollte… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 1; (60) (61))

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Ich war weiter in meinem gewöhnlichen Zustand, und mein anbetungswürdiger Jesus kam nicht. Nachdem ich mich sehr abgemüht hatte, fühlte ich mich ganz entmutigt und fürchtete sehr, dass Er an diesem Morgen überhaupt nicht kommen würde.
Als Er dann später kurz kam, sprach Er zu mir: „Meine Tochter, weißt du nicht, dass die Entmutigung mehr Seelen tötet als alle übrigen Laster? Deshalb Mut, Mut!
Denn wie die Entmutigung tötet, so belebt der Mut neu und ist der lobenswerteste Akt, den die Seele vollziehen kann, denn während sie sich entmutigt fühlt, fasst sie aus derselben Entmutigung Mut, vernichtet sich selbst und hofft – und sich selbst vernichtend, findet sie sich bereits wieder hergestellt in Gott.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 6; 8. September 1904)

„Seid also wachsam!…“ (Mt 25,13)

Mein Jesus! Schon ist eine Stunde verflossen, seit du im Garten Gethsemane weilst. Die Liebe hat die Oberherrschaft in allem an sich genommen und lässt dich auf einmal das leiden, was die Henkersknechte dir im Verlauf deiner bittersten Passion zu leiden geben.
Mein Jesus! Ich sehe dich wanken bei deinen Schritten, und trotzdem schreitest du voran. Sag mir, mein höchstes Gut, wohin lenkst du deine Schritte? Ach, du willst deine geliebten Jünger aufsuchen. Ich begleite dich, um dich in meinen Armen zu halten, wenn du wankst.
Mein Jesus! Ein anderer bitterer Schmerz wartet auf dich. Die Jünger schlafen. Du, immer voll Mitleid, rufst sie wach und ermahnst sie mit väterlicher Liebe, empfiehlst ihnen zu wachen und zu beten. Dann kehrst du in den Garten zurück. Aber noch eine andere Wunde trägst du im Herzen, und in ihr erblicke ich alle Wunden, die dir die gottgeweihten Seelen schlagen.
Anstatt sich an dich anzuschließen, zu wachen und zu beten, überlassen sie sich sich selbst, sei es aus Nachlässigkeit, sei es, weil sie versucht werden, sei es, weil sie nicht in der richtigen Geistesverfassung sind. Während sie voranschreiten sollten in der Liebe und Vereinigung mit dir, schlafen sie, werden lau und machen Rückschritte. Wie sehr bemitleide ich dich, du Freund der Seelen!
O ich möchte alle Undankbarkeit jener sühnen, die dir so lieb und teuer sind. Diese Treulosigkeiten betrüben am meisten dein anbetungswürdiges Herz. So groß ist die Bitterkeit des Schmerzes, dass er dich erdrücken möchte. O Liebe ohne Ende! Das Blut, das in deinen Adern siedend heiß wallt, besiegt alles und vergisst alles. Ich sehe dich betend am Boden liegen.
Du opferst dich auf, sühnst und bemühst dich, für alle Menschen den Vater zu verherrlichen. Auch ich, mein Jesus, werfe mich mit dir nieder, und im Verein mit dir möchte ich das tun, was du tust… (aus „Die Stundenuhr der Passion Jesu Christi“ nach den Schriften der Dienerin Gottes Luisa Piccarreta; Stunde von 22 bis 23 Uhr: Zweite Stunde der Todesangst Jesu am Ölberg)