33In jener Zeit sagten die Pharisäer und Schriftgelehrten zu Jesus: Die Jünger des Johannes fasten und beten viel, ebenso die Jünger der Pharisäer; deine Jünger aber essen und trinken. 34Jesus erwiderte ihnen: Könnt ihr denn die Hochzeitsgäste fasten lassen, solange der Bräutigam bei ihnen ist?
35Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein; in jenen Tagen werden sie fasten. 36Und er erzählte ihnen auch noch ein Gleichnis: Niemand schneidet ein Stück von einem neuen Kleid ab und setzt es auf ein altes Kleid; denn das neue Kleid wäre zerschnitten, und zu dem alten Kleid würde das Stück von dem neuen nicht passen.
37Auch füllt niemand neuen Wein in alte Schläuche. Denn der neue Wein zerreißt die Schläuche; er läuft aus, und die Schläuche sind unbrauchbar. 38Neuen Wein muss man in neue Schläuche füllen.
39Und niemand, der alten Wein getrunken hat, will neuen; denn er sagt: Der alte Wein ist besser.

„Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein; in jenen Tagen werden sie fasten“ (Lk 5,35)

Ich dachte über die glorreiche Himmelfahrt meines süßen Jesus nach und den Schmerz der Apostel über die Beraubung eines solchen Gutes; da bewegte sich mein süßer Jesus in meinem Inneren und sagte zu mir: „Meine Tochter, der größte Schmerz aller Apostel in ihrem ganzen Leben war, ihres Meisters beraubt zu bleiben.
Als sie Mich zum Himmel aufsteigen sahen, wurden ihre Herzen von der Pein meiner Beraubung verzehrt, und dieser Schmerz war noch viel schärfer und durchdringender, da es kein menschlicher Schmerz war – sie hatte ja keine materielle Sache verloren – sondern ein göttlicher Schmerz: es war ein Gott, der von ihnen ging.
Obwohl Ich meine Menschheit hatte, war sie, als sie auferstand, vergeistigt und verherrlicht, daher war ihr ganzer Schmerz in ihren Seelen, der ihr gesamtes Wesen durchdrang, und sie sich ganz vom Schmerz verzehrt fühlten, dass es ihr schrecklichstes und leidvollstes Martyrium darstellte.
Doch all dies war notwendig für sie; man könnte sagen, dass sie bisher nichts anderes als zarte Kinder in den Tugenden und der Kenntnis der göttlichen Dinge und meiner eigenen Person waren. Ich war in ihrer Mitte und sie kannten Mich nicht, noch liebten sie Mich wahrhaft.
Doch als sie Mich zum Himmel aufsteigen sahen, zerriss der Schmerz über meinen Verlust den Schleier, und sie erkannten Mich mit solcher Sicherheit als den wahren Sohn Gottes, dass der intensive Schmerz, Mich nicht mehr in ihrer Mitte sehen zu können, in ihnen die Festigkeit im Guten und die Stärke hervorbrachte, alles aus Liebe zu Dem zu erleiden, Den sie verloren hatten; der Schmerz gebar das Licht der Göttlichen Wissenschaft, nahm ihnen die Windeln der Kindheit weg und machte unerschrockene Männer aus ihnen, die nicht mehr ängstlich, sondern mutig waren.
Der Schmerz verwandelte sie und bildete den wahren Charakter als Apostel aus. Was sie mit meiner Gegenwart nicht erreichen konnten, erlangten sie durch den Schmerz meiner Beraubung.
Nun, meine Tochter, eine kleine Lektion für dich: dein Leben könnte man einen ständigen Schmerz bezeichnen, Mich zu verlieren, und eine ständige Freude, Mich zu gewinnen, doch zwischen dem Schmerz des Verlustes und der Freude, Mich zu finden, wie viele Überraschungen habe Ich dir nicht bereitet, wie viele Dinge habe Ich dir nicht gesagt?
Es war der Schmerz und das schmerzhafte Martyrium meines Verlustes, der dich vorbereitete und disponierte, die erhabenen Lektionen über meinen Willen anzuhören. Wie oft schien es dir in der Tat so, als hättest du Mich verloren, und während du in deinen qualvollen Schmerz versenkt warst, kehrte Ich mit einer der schönsten Lektionen über meinen Willen zu dir zurück und ließ die erneute Freude über meine Rückkehr zu dir wiederkehren, um dich von neuem für den durchbohrenden Schmerz meiner Abwesenheit zu disponieren.
Ich kann behaupten, dass der Schmerz über meine Abwesenheit in dir die Wirkungen, den Wert, die Kenntnisse und das Fundament meines Willens hervorgebracht hat. Ich musste Mich dir gegenüber so verhalten, d.h., sehr oft zu dir zu kommen und dich in der Gewalt des Schmerzes über meine Abwesenheit zu belassen.
Da Ich beschlossen hatte, dir auf ganz besondere Weise so viel über meinen Willen zu offenbaren, musste Ich dich einem ständigen göttlichen Schmerz ausliefern, denn da mein Wille göttlich ist, konnte Ich nur auf einem göttlichen Schmerz seinen Thron begründen und seine Herrschaft ausbreiten. Ich handelte als Lehrer und teilte dir die Kenntnis meines Willens mit, soweit es einem Geschöpf möglich ist.
Viele werden sich über meine ständigen Besuche bei dir wundern – was Ich an den anderen nicht getan habe – und über deinen ständigen Schmerz meiner Beraubung. Hättest du Mich nicht so oft gesehen, so hättest du Mich weder gekannt, noch so sehr geliebt, denn jeder meiner Besuche vermehrt die Kenntnis über Mich und bringt eine neue Liebe; und je mehr die Seele Mich kennt und liebt, umso größer wird ihr Schmerz.
Ich regte durch mein Kommen deinen Schmerz noch mehr an, da meinem Willen nicht das edle Gefolge des Schmerzes fehlen sollte, der die Seele festigt und stark macht, sodass mein Wille in ihr meine feste Wohnstätte errichten und sie immer neu und andauernd über meinen Willen belehren kann. Daher – Ich wiederhole es dir – lass Mich machen und vertraue Mir.” (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 16; 29. Mai 1924)

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Danach empfand ich mich meines höchsten Gutes, meines Jesus, beraubt und spürte einen solchen Schmerz, dass ich ihn nicht ausdrücken kann. Später, nach langem Warten, kam mein teures Leben zurück, und ich fragte Ihn: „Sag mir, mein geliebter Jesus, warum ist die Pein deiner Beraubung stets neu?
Wenn Du Dich verbirgst, fühle ich eine neue Pein in meiner Seele aufsteigen, einen noch grausameren und schrecklicheren Tod als jene, die ich früher erlitt – als Du Dich selbst vor mir verdunkelt hast.“ Und mein stets liebenswürdiger Jesus erwiderte:
“Meine Tochter, du musst wissen, dass Ich jedes Mal, wenn Ich zu dir komme, dir einen neuen Akt meiner Gottheit mitteile. Bald teile Ich dir eine neue Kenntnis über meinen Göttlichen Willen mit, bald eine neue Schönheit oder eine neue Heiligkeit von Mir usw. mit allen unseren Göttlichen Eigenschaften.
Dieser neue Akt, den Ich dir mitteile, ist die Ursache, dass – wenn du Meiner beraubt bist – diese größere Kenntnis deiner Seele ein neues Leid zufügt, denn je besser man ein Gut kennt, umso mehr liebt man es. Die neue Liebe verursacht einen neuen Schmerz, wenn du ohne sie bist.
Deshalb fühlst du, wenn du ohne Mich bist, dass ein neuer Schmerz deine Seele überflutet. Doch dieser neue Schmerz bereitet dich zur Aufnahme vor, und es wird in dir der leere Raum zubereitet, wo die neuen Kenntnisse über den Göttlichen Willen niedergelegt werden können.
Der Schmerz, der neue qualvolle Tod, den du wegen meiner Beraubung erleidest, ist der neue Ruf, der Mich mit geheimer, geheimnisvoller und hinreißender Stimme ruft.
Und Ich komme und offenbare dir als Vergeltung eine neue Wahrheit, die dir das neue Leben deines Jesus bringt, umso mehr, als die Wahrheiten meines Göttlichen FIAT, Göttliche Leben sind, die aus dem Schoß unserer Gottheit entspringen.
Daher hat der Göttliche Schmerz, den du wegen meiner Beraubung erleidest, die Eigenschaft, diese Göttlichen Leben der Kenntnisse meines Willens aus dem Himmel herab zu rufen, um sich dir zu offenbaren, damit sie auf dem Angesicht der Erde herrschen.
O, wenn du wüsstest, welchen Wert eine einzige Kenntnis über meinen Göttlichen Willen enthält, welches Gut sie hervorbringen kann, dann würdest du sie als die kostbarste Reliquie ansehen und sie besser verwahren als das Sakrament!
Lass Mich daher machen, gib dich meinen Armen hin, und warte darauf, dass dein Jesus dir die Göttlichen Leben der Kenntnisse seines FIAT bringt!“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 25; 13. März 1929)

„Neuen Wein muss man in neue Schläuche füllen“ (Lk 5,38)

… „Meine Tochter, die Kreuze, Schmerzen und Leiden sind wie eine Presse für die Seele, und wie die Kelter dazu dient, die Trauben auszupressen und von der Schale zu lösen, sodass der Wein auf der einen Seite und die Schalen auf der anderen Seite bleiben, so lösen die Kreuze und Leiden wie eine Kelter die Seele von der Schale des Stolzes, der Eigenliebe, der Leidenschaften und von allem, was [ungeordnet] menschlich ist, und lassen den reinen Wein der Tugenden übrig, und meine Wahrheiten finden freie Bahn, um sich mitzuteilen und sich wie auf einer schneeweißen Leinwand mit unauslöschlichen Buchstaben in der Seele auszubreiten.
Wie kannst du dich also fürchten, wo doch jedes Mal, als Ich dir Wahrheiten über meinen Willen kundtat, diesen Wahrheiten stets Kreuze, Schmerzen und Leiden vorausgingen, und je erhabener die Wahrheiten, desto intensiver und stärker die Leiden waren?
Das war nichts anderes als der Druck der Kelter, den Ich in dir ausübte, um dich von allem Menschlichen loszuschälen. Es lag mehr in meinem Interesse als in deinem, dass meine Wahrheiten nicht mit den Schalen der menschlichen Leidenschaften vermischt würden.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 16; 26. Dezember 1923)

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… „Meine Tochter, es besteht ein großer Unterschied zwischen der Erschaffung des ganzen Universums und der des Menschen. Im ersten Fall war unser schöpferischer und bewahrender Akt [am Werk], und nachdem alles geordnet und in Einklang gebracht wurde, fügten Wir nichts Neues mehr hinzu.
Bei der Erschaffung des Menschen hingegen war nicht nur der erschaffende und bewahrende Akt wirksam, sondern es kam noch der aktive Akt hinzu – mit einer stets neuen Aktivität.
Dies deshalb, weil der Mensch nach unserem Bild und Gleichnis erschaffen war. Da nun das Höchste Wesen ein fortgesetzter neuer Akt ist, sollte auch der Mensch den neuen Akt seines Schöpfers besitzen, der den Menschen auf gewisse Weise dem Schöpfer ähnlich machen sollte.
Daher verblieb unser Akt, der ständig neues wirkt im und außerhalb vom Menschen. Kraft dieses unseres aktiven Aktes kann der Mensch in seinen Gedanken, Worten und Werken stets neu sein, und ist es auch.
Wie viel Neues bringt das Menschengeschlecht nicht hervor? Und wenn der Mensch seinen neuen Akt nicht kontinuierlich, sondern in Intervallen tut, dann deshalb, weil er sich nicht von meinem Göttlichen Willen beherrschen lässt.
Wie schön war die Erschaffung des Menschen – ein Werk unseres schöpferischen, bewahrenden und aktiven Aktes. Wir gossen ihm unseren Göttlichen Willen als Leben seiner Seele ein und machten unsere Liebe zum Blut seiner Seele.
Darum lieben Wir ihn so sehr, weil er nicht nur unser Werk ist, wie die ganze übrige Schöpfung, sondern wahrhaft einen Teil unseres Lebens besitzt. Wir empfinden in ihm das Leben unserer eigenen Liebe, wie sollten Wir ihn da nicht lieben? Wer liebt sein Eigentum nicht? Würde man es nicht lieben, so wäre dies gegen die Natur.
Deshalb hat unsere Liebe zum Menschen etwas Unglaubliches an sich, aber der Grund ist klar: Wir lieben ihn, weil er aus Uns hervorgegangen ist, er ist unser Sohn, ein Sprössling von Uns Selbst.
Wenn nun der Mensch nicht seine Liebe mit der Unseren austauscht und seinen Willen nicht dem Unseren abtritt, um den Unseren zu behalten, ist er mehr als barbarisch und grausam gegen seinen Schöpfer und gegen sich selbst.
Indem er nämlich seinen Schöpfer nicht anerkennt und nicht liebt, erzeugt er in und außerhalb von sich selbst ein Labyrinth von Armseligkeiten und Schwächen und verliert seine wahre Seligkeit.
Wenn er unseren Göttlichen Willen verwirft, stellt er sich in eine Distanz zu seinem Schöpfer, zerstört das Prinzip seiner Erschaffung und braucht das Blut unserer Liebe in seiner Seele auf, um das Gift seines menschlichen Willens in ihr fließen zu lassen.
Solange also unser Wille nicht anerkannt und sein Reich nicht unter den Völkern errichtet ist, wird der Mensch stets ein ungeordnetes Wesen sein, das seinem Schöpfer unähnlich ist.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 27; 10. November 1929)