39In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Kann ein Blinder einen Blinden führen? Werden nicht beide in eine Grube fallen? 40Der Jünger steht nicht über seinem Meister; jeder aber, der alles gelernt hat, wird wie sein Meister sein.
41Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? 42Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Bruder, lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen!, während du den Balken in deinem eigenen Auge nicht siehst? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.

„Der Jünger steht nicht über seinem Meister; jeder aber, der alles gelernt hat, wird wie sein Meister sein“ (Lk 6,40)

„… Du siehst also, welche Wohltat Ich dir erwiesen habe, als Ich dich so oft angesehen, dich in vertrauter Unterhaltung mit Mir gehalten habe; es waren nicht nur Worte, sondern vollständige Gespräche. Daraus kannst du verstehen, dass die Einheit zwischen Mir und dir, die Verbindungen, die Bande, die Nähe, unzählige sind.
Ich handelte an dir wie ein Lehrer, der zu den anderen, die nur ein wenig Unterweisung von ihm wollen, einige Worte sagt; doch mit den eigenen Schülern, aus denen er weitere, ihm ähnliche Lehrer machen möchte, verbringt er den ganzen Tag, spricht lange, steht ihnen immer vor, entwickelt bald ein Thema, bald ein Gleichnis, um sich besser verständlich zu machen, und lässt sie auch nie allein, aus Furcht, dass sie sich zerstreuen und seine Mühen vergeuden könnten; wenn nötig, zieht er von seiner Ruhe die Stunden ab, um sie zu belehren.
Nichts lässt er aus, weder Anstrengungen noch Mühen noch Schweiß, um die Absicht zu erreichen, dass seine Schüler Lehrer werden. So handelte Ich an dir: nichts habe Ich ausgelassen.
Für die anderen hatte Ich nur Worte, mit dir Gespräche, lange Belehrungen und Gleichnisse, bei Nacht und bei Tag, zu jeder Stunde. Welche Gnaden habe Ich dir nicht erwiesen? Wie viel Liebe, sodass Ich sogar nicht mehr ohne dich sein konnte?
Ich habe Großes mit dir geplant, deshalb habe Ich viel gegeben. Und du möchtest aus lauter Dankbarkeit in dir verborgen halten, was Ich dir gesagt und ge-geben habe, und Mir somit nicht die Ehre erweisen, die Ich durch die Bekanntmachung erhalten hätte.
Was würdest du von einem Schüler sagen, der, nachdem der Lehrer nach vielen Mühen einen Lehrer aus ihm gemacht hat, die erhaltene Unterweisung für sich zurückbehielte, ohne sie anderen mitzuteilen?
Wäre er nicht undankbar und dem Lehrer ein Grund zum Schmerz?“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen über-setzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 14; 24. November 1922)

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… „Tochter meines Willens, warum zweifelst du an meinem Wirken in dir? Außerdem ist der Zweifel an meinem Willen und an meinen Lehren über dieses Höchste Wollen, das Absurdeste, was es geben kann. Die Lehre meines Willens ist mehr als kristallklares Wasser, das aus der reinen Quelle meiner Gottheit stammt.
Sie ist mehr als die strahlende Sonne, die erleuchtet und erwärmt, sie ist der klarste Spiegel, und wer immer die große Wohltat besitzt, sich in dieser himm-lischen und göttlichen Lehre betrachten zu können, wird erschüttert und voll guten Willens sein, sich von seinen Makeln zu reinigen, um in großen Zügen von dieser himmlischen Lehre trinken zu können und dadurch mit göttlichem Schmuck geziert zu werden.
Du sollst wissen, warum die göttliche Weisheit und Allmacht das „FIAT” in der Schöpfung aussprechen wollte. Der Herr hätte alle Dinge erschaffen können, ohne ein Wort zu sagen, doch da Er wollte, dass sein Wille über allen Dingen schwebt, und diese die Eigenschaft und die Güter erlangen sollten, die Er ent-hält, sprach Er das FIAT aus.
Während Er es aussprach, teilte Er die Wunder seines Wollens mit, damit alle Dinge meinen Willen als Leben, Herrschaft, Beispiel und Lehrer hätten. Groß, meine Tochter, war das erste Wort deines Gottes, das über dem Himmelsgewölbe widerhallte – es war das „FIAT”, und Er sprach auch nichts anderes aus.
Dies bedeutete, dass alles im FIAT [enthalten] war; mit dem FIAT erschuf Ich alles, setzte alles ein, ordnete alles, schloss alles ein, und verband damit alle sei-ne Güter zum Wohle all derer, die nicht aus dem ewigen FIAT hinaustreten würden.
Nachdem Ich alles erschaffen hatte, wollte Ich den Menschen schaffen – und Ich tat dabei nichts anderes, als das FIAT zu wiederholen, als ob Ich ihn mit mei-nem eigenen Willen vermengen (verkneten) wollte und fügte dann hinzu: „Lasst Uns den Menschen machen nach unserem Abbild und Gleichnis, kraft unse-res Willens wird er in sich die Ähnlichkeit mit Uns bewahren und unser Abbild schön und intakt erhalten.”
Du siehst also, dass die ungeschaffene Weisheit – als wüsste sie nichts anderes zu sagen als „FIAT” – dieses aussprechen wollte, so sehr war diese so erhabene Lektion für alle nötig.
Dieses FIAT schwebt bis jetzt über allem Geschaffenen, als Bewahrer meiner eigenen Werke, so als würde Es gerade auf die Erde herabsteigen, um den Men-schen zu erfüllen und ihn von neuem in Sich einzuschließen, damit er dorthin zurückkehre, von wo er ausging – d.h. in meinen Willen – da er ja aus meinem Willen hervorgegangen ist.
In der Tat ist es mein Wille, dass alle von Mir geschaffenen Dinge, auf demselben Weg, auf dem sie ausgegangen sind, schön, geschmückt und wie im Triumph von meinem eigenen Willen getragen, zu Mir zurückkehren.
So hatte alles, was Ich dir über meinen Willen sagte, diesen einzigen Zweck, dass mein Wille bekannt werde und komme, um auf Erden zu herrschen. Und was Ich gesprochen habe, wird sich verwirklichen.
Ich werde alles überwältigen, um diese meine Absicht zu erlangen, doch alles muss in diesem Wort „FIAT” zu Mir zurückkehren. FIAT sprach Gott, und FIAT muss der Mensch sprechen.
In all seinen Dingen wird er nichts anderes als das Echo, den Stempel, die Werke meines FIAT vorfinden, damit Ich die Güter geben kann, die mein Wille enthält, und so die vollständige Bestimmung der ganzen Schöpfung erlange.
Daher machte Ich Mich ans Werk, um die Wirkungen, den Wert, die Güter und die erhabenen Dinge bekannt zu machen, die mein Wille enthält, und wie die Seele – wenn sie auf demselben Weg wie mein FIAT geht – so erhoben, vergöttlicht, geheiligt und bereichert wird, dass sie Himmel und Erde beim An-blick des Wunders meines FIAT, das im Geschöpf wirkt, in Staunen versetzt.
In der Tat werden kraft meines Willens neue Gnaden wie noch nie von Mir ausgehen, noch strahlenderes Licht, unerhörte und nie gesehene Wunder. Ich handle wie ein Lehrer, der seinen Schüler die Wissenschaften lehrt, die er beherrscht, weil er aus ihm einen Lehrer wie er selbst machen will.
So gehe auch Ich vor: Wenn meine erhabene Lektion mein erstes Wort „FIAT” war, mein Gebet, das ich lehrte, das „FIAT wie im Himmel so auf Erden” war, und Ich nun weiter ging und dir noch ausgedehntere, klarere, erhabenere Lehren über meinen Willen gab, so deshalb, weil Ich wünsche, dass der Schüler nicht nur die Wissenschaft über Ihn erwirbt, sondern auch als Lehrer die anderen lehrt – und nicht nur dies, sondern meine Besitztümer und Güter, meine Freuden und meine eigene Seligkeit erwirbt.
Achte daher treu auf meine Unterweisungen und entferne dich nie aus meinem Willen.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 16; 24. Mai 1924)

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„… Gerade darin besteht das Leben in meinem Willen, dass Er den primären und wirkenden Akt in der Seele innehat und einem Lehrer gleicht, der wünscht, dass sein Schüler über ein bestimmtes, von Ihm vorgegebenes Thema einen Aufsatz schreibt.
Er selbst reicht ihm das Papier, gibt ihm die Feder in die Hand, umfasst mit seiner Hand die Hand des Schülers und führt den Aufsatz aus, wobei die Hand des Lehrers und jene des Schülers zugleich (gemeinsam) schreiben.
Müsste man nicht sagen, dass der Lehrer aktiv war und seine Wissenschaft, seine schöne Schrift in diesen Aufsatz gelegt hat, sodass niemand den kleinsten Fehler finden kann?
Und doch ist der Schüler nicht ausgewichen, sondern hat die Arbeit des Lehrers mitvollzogen. Er hat ihn seine Hand ohne jeglichen Widerstand führen las-sen, ja er war vielmehr glücklich, die schönen Gedanken und kostbaren Ideen zu entdecken, die ihn entzückten.
Würde dieser glückliche Schüler nicht den Wert und das Verdienst der Arbeit seines Lehrers besitzen? So muss die Seele, die in meinem Willen lebt, den Akt mitvollziehen, den mein Wille tun will, sie darf sich nicht beiseitestellen, sondern muss alles für seinen göttlichen Akt Nötige dazugeben.
Unsere Güte ist so groß, dass Wir die Seele zur Besitzerin unserer eigenen Akte machen. Wer hingegen nicht in unserem Willen lebt, gleicht dem Schüler, dem der Lehrer das Aufsatzthema vorgibt, aber bei diesem Aufsatz nicht aktiv mitwirkt.
Er lässt dem Schüler die Freiheit, sodass dieser Fehler machen kann und nach seiner kleinen Fassungskraft handelt, da er über sich und in sich [selbst] weder die Kapazität noch die aktive Tätigkeit seines Lehrers verspürt.
Das Aufsatzthema ist nichts anderes als unsere Gnade, welche die Seele nie verlässt, auch nicht beim kleinsten Guten, das sie tut. Je nach der Disposition der Seele stellt sie sich entweder als wirkender oder als beistehender Akt zur Verfügung, denn die Seele kann nichts Gutes tun, ohne Hilfe und Unterstützung der Göttlichen Gnade.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 31; 6. November 1932)

„Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht?“ (Lk 6, 41)

… Als mich Jesus diesen Morgen in gewohnter Weise aus mir heraus brachte, gingen wir mitten durch viele Leute hindurch, und die Mehrheit von ihnen war darauf bedacht, die Handlungen anderer Leute zu verurteilen, ohne auf die eigenen zu sehen. Mein geliebter Jesus sagte mir:
„Das sicherste Mittel, um mit seinem Nächsten aufrichtig zu sein, ist, durchaus nicht auf das zu sehen, was sie tun, denn Schauen, Denken und Richten ist alles dasselbe. Noch dazu betrügt man seine eigene Seele, wenn man auf seinen Nächsten sieht, und daher ist diese Seele dann nicht aufrichtig, weder mit sich selbst, noch mit seinem Nächsten, noch mit Gott.“
… „Meine Tochter, Ich empfehle dir, meine Worte zu bewahren und zu schätzen, denn mein Wort ist ewig und rein, wie Ich selbst es bin, und wenn du es in deinem Herzen bewahrst, und aus ihm Nutzen ziehst, wirst du geheiligt und als Vergeltung einen ewigen Glanz empfangen, der von meinem Wort für dich hervorgebracht wird.
Wenn du anders handelst, würde deine Seele einen Leerraum empfangen, und du würdest so meine Schuldnerin bleiben.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 2; 30. Juli 1899)