1In jener Zeit kam Jesus nach Jericho und ging durch die Stadt. 2Dort wohnte ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war sehr reich. 3Er wollte gern sehen, wer dieser Jesus sei, doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht; denn er war klein.
4Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste. 5Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.
6Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf. 7Als die Leute das sahen, empörten sie sich und sagten: Er ist bei einem Sünder eingekehrt. 8Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück.
9Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist. 10Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.

„Dort wohnte ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war sehr reich. Er wollte gern sehen, wer dieser Jesus sei…“ (Lk 19,2+3)

Diesen Morgen kam das Jesuskind, als ich in meinem gewöhnlichen Zustand war. Ich erblickte Ihn so klein, als ob Er gerade geboren worden wäre und fragte Ihn: „Mein lieber Kleiner, was ist der Grund – wer ließ Dich vom Himmel herabsteigen und so klein in der Welt geboren werden?“
Er sagte: „Der Grund dafür war die Liebe. Nicht nur das, sondern meine Geburt in der Zeit war ein Erguss der Liebe der Heiligsten Dreifaltigkeit zu den Geschöpfen. In einem Erguss der Liebe meiner Mutter wurde Ich aus ihrem Schoß geboren, und in einem Erguss der Liebe werde Ich in den Seelen wiedergeboren, aber dieses Sich-Ergießen wird vom Verlangen bewirkt: sobald die Seele Mich ersehnt, werde Ich empfangen.
Je mehr sie in dieser Sehnsucht voranschreitet, umso mehr wachse Ich in der Seele; wenn dieser Wunsch ihr ganzes Inneres erfüllt und sogar nach außen überfließt, dann werde Ich im ganzen Menschen wiedergeboren, d.h., in seinem Geist, in seinem Mund, in seinen Werken und Schritten.
Auf entgegengesetzte Weise vollzieht auch der Teufel seine Geburt in den Seelen: sobald die Seele das Böse zu ersehnen und zu wünschen beginnt, wird der Teufel mit seinen verkehrten Werken empfangen, und wenn dieser Wunsch genährt wird, wächst der Teufel und füllt das ganze Innere des Menschen mit den hässlichsten und abscheulichsten Leidenschaften, sodass er schließlich nach außen überfließt, indem der Mensch allen Lastern freie Bahn lässt.
Meine Tochter, in wie vielen Seelen lebt der Dämon auf in diesen so überaus traurigen Zeiten! Wenn die Menschen und Dämonen die Macht dazu hätten, dann hätten sie meine Geburt in den Seelen vernichtet.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 6; 24. Dezember 1903)

…“Doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht; denn er war klein“ (Lk 19,3)

Ich setze meine gewohnte Hingabe an das Göttliche FIAT fort. Während ich seinen Akten folgte, sah ich eine Menge Leute, die alle von kleiner Gestalt waren – schlecht ernährt, kränklich, rachitisch und einige mit Wunden. In dieser Menge konnte man weder kindliche Frische, noch die Schönheit jugendlichen Alters, noch die Würde des reifen Menschen entdecken.
Sie erschienen wie eine Ansammlung von Leuten ohne Ordnung, nicht gut genährt, ausgehungert, und wenn sie aßen, wurden sie nie satt. Wie viel Mitleid erregte diese große Menge, welche fast die ganze Welt zu sein schien! Ich wusste nicht, wer sie waren, noch die Bedeutung ihres Wesens – dass niemand von ihnen zur rechten Statur herangewachsen war.
Da trat mein geliebter Jesus seufzend aus meinem Inneren heraus und sagte zu mir: “Meine Tochter, welch unglückliche Menschenmenge! Diese sind nichts anderes als jene vielen, die das väterliche Erbe verlassen haben, das ihnen ihr Himmlischer Vater gegeben hat.
Arme Kinder, ohne väterliches Erbe! Sie besitzen weder ihre Ländereien, wo sie sicher leben könnten, noch haben sie genug Nahrung, um sich zu ernähren, und sind genötigt, von Diebstahl und Raub und von substanzlosen Speisen zu leben. Daher ist es für sie recht schwierig, zur rechten Gestalt heranzuwachsen, da ihre Glieder nicht kräftig genug sind, um sich zu entwickeln.
So sind sie rachitisch, schwach, am Verhungern, ohne je satt zu werden. Alles, was sie zu sich nehmen, ist ihrem Wachstum nicht zuträglich, da es keine passenden und ihnen zugedachten Speisen sind, und auch nicht zu ihrem Erbe gehören.
Meine Tochter, das Erbe, das mein Himmlischer Vater diesen Menschen gegeben hatte, war mein Göttlicher Wille. In Ihm sollten sie [adäquate] Speise finden, um zur rechten Gestalt heranzuwachsen, balsamische Luft, um gesund und stark zu werden, und die ihrem Gesicht eine kindliche Frische, die Schönheit des Jugendalters und die Würde eines reifen Menschen einprägen sollte.
Nichts Gutes gab es in diesem Erbe, worüber der Mensch nicht Besitzer sein sollte. Er sollte alle Güter, die er wollte, zu seiner Verfügung haben, in der Seele und im Leib. Als der Mensch das Erbe meines Göttlichen Willens verließ, fand er die Dinge nicht mehr zu seiner Verfügung und war nicht mehr Herr, sondern Diener und gezwungen, von Mühsalen zu leben. Wie kann er dann zur rechten Gestalt heranwachsen?
Deshalb erwarte Ich mit so viel Liebe die vielen, die in unserem Erbe des Göttlichen FIAT leben sollen. Dieses Erbe wird Uns schöne Menschen mit richtigen Proportionen heranbilden, schön und frisch, die sich mit nahrhaften Speisen ernähren, sodass sie stark und voll entwickelt sein werden und den ganzen Ruhm unseres schöpferischen Werkes ausmachen.
Unser Kummer ist groß, wenn Wir diese unglückliche und entstellte Schar ansehen, und voll Schmerz wiederholen Wir: ‘Ach, unser Werk kam nicht schwach aus unseren Händen hervor, ohne Schönheit und Frische, sondern sein bloßer Anblick erfüllte Uns mit Liebe, ja entzückte Uns, so schön war es.’
Bei diesen Worten schwillt unsere Liebe an, möchte nach außen überfließen und unseren Göttlichen Willen auf den Weg senden, damit Er unter den Geschöpfen herrsche und unser Werk so schön und graziös wiederherstelle, wie es aus unseren Schöpferhänden hervorging.”… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 25; 6. Januar 1929)

„Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist“ (Lk 19,9)

… Ich fuhr also fort, mich in den Göttlichen Willen zu versenken und erweckte [Reue]Leid über jede, meinem Jesus zugefügte Beleidigung, vom ersten bis zum letzten Menschen, der auf die Erde kommen wird; während ich Reue erweckte, bat ich um Vergebung und sprach: „Mein Jesus, meine Liebe, es genügt mir nicht, Leid zu erwecken und Dich um Vergebung zu bitten, sondern ich möchte gern jegliche Sünde vernichten, damit Du niemals mehr beleidigt wirst.”
Da bewegte sich Jesus in meinem Inneren und sprach zu mir: „Meine Tochter, Ich empfand einen besonderen Schmerz für jede Sünde, und über meinem Schmerz hing die Vergebung für den Sünder.
Dieser mein Schmerz ist nun in meinem Willen wie in der Schwebe und erwartet den Sünder, wenn er Mich beleidigt, damit, wenn er bereut, Mich beleidigt zu haben, mein Schmerz herabsteige, um sich gemeinsam mit dem seinen zu betrüben und ihm sogleich die Vergebung zu schenken. Doch wie viele beleidigen Mich und betrüben sich nicht darüber? So bleiben mein Schmerz und meine Vergebung in meinem Willen in der Schwebe und wie isoliert.
Danke, meine Tochter, danke, dass du in meinen Willen kommst, um meinem Schmerz und meiner Vergebung Gesellschaft zu leisten; fahre nur fort, in meinem Willen umherzugehen, mache dir meinen Schmerz zu eigen und rufe bei jeder Beleidigung aus: „Schmerz! Vergebung!“, damit Ich nicht allein bin, der die Betrübnis empfindet und die Vergebung erfleht, sondern die Gesellschaft der kleinen Tochter meines Willens habe, die sich mit Mir betrübt.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 21. Oktober 1925)