41In jener Zeit, als Jesus näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie 42und sagte: Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was dir Frieden bringt. Jetzt aber bleibt es vor deinen Augen verborgen.
43Es wird eine Zeit für dich kommen, in der deine Feinde rings um dich einen Wall aufwerfen, dich einschließen und von allen Seiten bedrängen. 44Sie werden dich und deine Kinder zerschmettern und keinen Stein auf dem andern lassen; denn du hast die Zeit der Gnade nicht erkannt.

„In jener Zeit, als Jesus näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie“ (Lk 19,41)

Als ich mich in meinem gewohnten Zustand befand, ließ sich mein stets liebenswürdiger Jesus ganz bekümmert erblicken, sein Atem war wie Feuer, und mich an sich drückend sagte Er zu mir: „Meine Tochter, Ich möchte eine Erleichterung für meine Flammen, Ich will meine Liebe ausgießen, doch meine Liebe wird von den Geschöpfen zurückgewiesen.
Du musst wissen, dass Ich bei der Erschaffung des Menschen aus meiner Gottheit eine bestimmte Menge an Liebe entströmen ließ, die als primäres Leben für die Menschen dienen sollte, damit sie bereichert, unterstützt und gestärkt würden und Hilfe hätten in allen ihren Bedürfnissen.
Doch der Mensch weist diese Liebe zurück, und meine Liebe wandert umher, seitdem der Mensch erschaffen wurde; und sie geht umher, ohne jemals stehenzubleiben: von dem einem abgewiesen, eilt sie zum nächsten, um sich zu schenken, und wenn sie abgewiesen wird, bricht sie in Schluchzen aus.
So bringt der Mangel an Übereinstimmung die Liebe zum Weinen und Seufzen. Während also meine Liebe umherwandert und eilt, um sich zu schenken, bricht sie, wenn sie einen Schwachen und Armen sieht, in Schluchzen aus und spricht zu ihm:
„Ach, würdest du mich nicht umherirren lassen und hättest du mir ein Obdach in deinem Herzen gegeben, so wärest du stark gewesen und es würde dir nichts fehlen!”
Wenn sie einen sieht, der in Sünde gefallen ist, bricht sie in Schluchzen aus: „Ach, hättest du mir Zutritt zu deinem Herz gegeben, so wärest du nicht gefallen!”
Für einen anderen, den sie von Leidenschaften getrieben und vom Schlamm der Erde beschmutzt sieht, weint die Liebe und wiederholt ihm schluchzend: „Ach, hättest du meine Liebe genommen, dann hätten die Leidenschaften kein Leben über dir, die Erde würde dich nicht berühren und meine Liebe dir in allem genügen!”
So hat die Liebe für jedes Übel des Menschen, ob klein oder groß, einen tränenreichen Seufzer und fährt fort, umherzuwandern und sich dem Menschen zu geben.
Und wenn sich im Garten von Getsemani alle Sünden vor meiner Menschheit zeigten, so trug jede Sünde das Schluchzen meiner Liebe; und alle Schmerzen meiner Passion, jeder Geißelhieb, jeder Dorn, jede Wunde waren begleitet vom Schluchzen meiner Liebe, denn wenn der Mensch geliebt hätte, hätte nichts Böses kommen können.
Der Mangel an Liebe hat alle Übel keimen lassen und auch meine Leiden selbst. Als Ich den Menschen schuf, machte Ich es wie ein König, der sein Reich glücklich machen will: er nimmt eine Million und bringt sie in Umlauf, damit jeder, der will, davon nehmen möge.
Doch wie viel auch im Umlauf ist, kaum jemand nimmt einige Cent davon. Nun ist der König gespannt darauf zu erfahren, ob die Völker das Gut annehmen, das er ihnen bereiten möchte, und er fragt, ob seine Million aufgebraucht ist, um weitere Millionen auszugeben, und man antwortet ihm: „Majestät, kaum einige Cent haben sie genommen.“
Der König empfindet Schmerz, wenn er hört, dass sein Volk seine Gaben weder annimmt noch sie schätzt. Er begibt sich also mitten unter seine Untergebenen, da sieht er den einen von Lumpen bedeckt, den anderen mit Gebrechen, dort einen, der hungert, vor Kälte zittert, obdachlos ist,… und der König bricht in seinem Schmerz in Schluchzen aus und sagt:
„Ach, wenn sie mein Geld genommen hätten, würde ich niemanden sehen, der mir, von Lumpen bedeckt, Schande bereitet, sondern nur gut Gekleidete, keine Gebrechlichen, sondern Gesunde; Ich würde keinen Darbenden sehen, der beinahe vor Hunger stirbt, sondern Satte.
Wenn sie mein Geld genommen hätten, wäre niemand obdachlos, sie hätten sich leicht einen Raum errichten können, um dort Zuflucht zu finden.“ Mit einem Wort: für jeden Missstand, den er in seinem Reich sieht, hat er einen Schmerz, eine Träne, und er grämt sich um seine Million, welche die Undankbarkeit des Volkes zurückweist.
Die Güte dieses Königs ist aber so groß, dass er trotz so viel Undankbarkeit diese Million nicht zurückzieht; er lässt sie weiterhin in Umlauf in der Hoffnung, dass andere Generationen die Wohltat in Empfang nehmen, welche die anderen zurückgewiesen haben, und er so die Ehre für das Gute empfängt, das er seinem Reich erwiesen hat.
So mache Ich es. Meine Liebe, die von Mir entströmt ist, werde Ich nicht zurückziehen, sie wird fortfahren, umherzuirren, ihr Schluchzen wird andauern, bis sie Seelen findet, die diese meine Liebe bis zum letzten Cent annehmen, damit mein Weinen aufhört und Ich die Verherrlichung für die Mitgift der Liebe empfangen möge, die Ich zum Wohl der Geschöpfe hervorgebracht habe.
Doch weißt du, wer die Glücklichen sind, die das Schluchzen der Liebe stillen werden? Die Seelen, die in meinem Wollen leben: sie werden die ganze, von den anderen Generationen zurückgewiesene Liebe nehmen, und mit der Macht meines schöpferischen Willens werden sie sie vervielfachen, so oft sie wollen, wie viele Geschöpfe sie zurückgewiesen haben.
Dann wird ihr Schluchzen aufhören, und stattdessen wird man Freudenseufzer hören, und die zufrieden gestellte Liebe wird den Glücklichen alle Güter und Wonnen mitteilen, die die anderen nicht gewollt haben.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 14; 4. Februar 1922)

„Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was dir Frieden bringt“ (Lk 19, 42)

… „Ist jeder in meinem Willen getane Akt ein Bote des Friedens, der von der Erde zum Himmel geht, um Frieden zwischen Himmel und Erde zu stiften.
Jedes über meinen Willen ausgesagte Wort trägt das Band des Friedens; und die Seele, die kommt, um in Ihm zu leben, empfängt als erstes Gut die Bande des Friedens zwischen sich und Uns und fühlt sich wie einbalsamiert in unserem Göttlichen Frieden.
Mit diesem Band des Friedens fühlt sich die Seele in der Lage, Frieden zwischen Himmel und Erde zu stiften. Alles ist Friede in ihr: friedvoll sind ihre Worte, Blicke und Bewegungen.
O, wie oft stellt sie mit einem einzigen Wort den Frieden zwischen Uns und den Seelen her! Ein einziger sanfter und friedvoller Blick von ihr verwundet Uns und lässt Uns die Geißeln in Gnaden verwandeln!
So sind all ihre Akte nichts anderes als Bande des Friedens, Friedensboten, die den Friedenskuss von den Menschen zu Gott und von Gott zu den Menschen bringen.
Je mehr die Seele in unserem Willen lebt, umso tiefer wird sie mit unserer Göttlichen Familie vertraut; sie gleicht sich immer mehr unseren Handlungsweisen an und erfährt unsere Geheimnisse.
Sie wird Uns noch ähnlicher, Wir lieben einander immer mehr, und sie bringt Uns dazu, dass Wir ihr stets neue Gnaden und Liebesüberraschungen geben. Sie ist wie ein Familienmitglied in unserem Haus, ja sie isst sogar an unserem Tisch, schläft auf unseren Knien.
Ohne sie können Wir nicht leben, unser Wille bindet sie so sehr an Uns und macht sie Uns liebenswert und anziehend, dass Wir nicht ohne sie sein können, noch sie ohne Uns.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 36; 30. November 1938)

„Du hast die Zeit der Gnade nicht erkannt“ (Lk 19,44)

… „Wenn du wüsstest, wie schwer es für Mich ist, Gerechtigkeit zu üben, und wie sehr Ich das Geschöpf liebe! Die ganze Schöpfung ist für Mich wie der Leib für die Seele, wie die Haut für die Frucht.
Ich bin in ständigem unmittelbarem Akt mit dem Menschen, doch die geschaffenen Dinge verbergen Mich, wie der Körper die Seele verbirgt.
Ohne die Seele jedoch hätte der Körper kein Leben, so würden, wenn Ich mich aus den geschaffenen Dingen zurückzöge, alle ohne Leben bleiben. In allen geschaffenen Dingen besuche Ich also den Menschen, berühre ihn und verleihe ihm das Leben: Ich bin verborgen im Feuer und besuche den Menschen mit der Wärme.
Wäre Ich nicht darin, so wäre das Feuer ohne Wärme, es wäre ein gemaltes und lebloses Feuer; aber während Ich den Menschen im Feuer besuche, erkennt er Mich nicht und begrüßt Mich nicht. Ich bin im Wasser und suche ihn auf, wenn Ich seinen Durst lösche.
Wenn Ich nicht darin wäre, könnte das Wasser keinen Durst löschen, sondern wäre ein totes Wasser. Und während Ich ihn besuche, geht er an Mir vorüber ohne sich auch nur vor Mir zu verneigen.
Ich bin in der Speise verborgen und besuche den Menschen, indem Ich ihm die Substanz, die Kraft, den Geschmack verleihe. Wenn Ich nicht darin wäre, bliebe der Mensch trotz der Speise hungrig, und doch kehrt er Mir, während er sich von Mir nährt, den Rücken zu.
Ich bin in der Sonne verborgen und besuche ihn gleichsam in jedem Augenblick mit meinem Licht, doch vergilt er Mir undankbar mit ständigen Beleidigungen.
In allen Dingen besuche Ich ihn: in der Luft, die er einatmet, in der duftenden Blume, im Windhauch, der ihn erfrischt, im Donnerschlag, in allem; unzählig sind meine Besuche.
Siehst du, wie sehr Ich ihn liebe? Und da du in meinem Willen bist, bist du bei Mir, um gemeinsam mit Mir den Menschen zu besuchen und ihm das Leben zu geben. Fürchte dich also nicht, wenn du manchmal mit der Gerechtigkeit mitwirkst.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 14; 12. Mai 1922)

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Ich folgte dem Göttlichen Willen in seinen Akten, sowohl in der Schöpfung wie in der Erlösung. Ich sah, dass alle eine Verbindung mit dem menschlichen Willen hatten, damit der Göttliche seinen Platz haben möge.
Und da viele menschlichen Akte meinem Willen nicht den ersten Platz einräumten und es somit versäumten, die Heiligkeit des Göttlichen Aktes zu empfangen, dachte ich mir: ‚Wie schwierig ist es, dass das Höchste Fiat sein Reich in den Akten der Menschen ausbreitet, da sie nicht einmal den Göttlichen Akt, der in ihnen strömt, zu erkennen scheinen und Ihn somit weder schätzen, noch Ihm die geschuldete Vorherrschaft geben.
Die Akte der Menschen erscheinen vielmehr wie ein Volk ohne König und ohne Ordnung. Und viele sind Feinde der Göttlichen Akte, die ihnen das Leben geben wollen, das sie nicht erkennen, obwohl es in ihnen strömt. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 32; 10. September 1933)

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Ich bin in den Armen meines liebenswürdigen Jesus, Der mich so sehr mit seinem Heiligen Willen umgibt, dass ich nicht ohne Ihn leben könnte.
Ich fühle Den in mir, Der mit seiner lieblichen Herrschaft über mein ganzes Inneres herrscht und sich mit unbeschreiblicher Liebe zum Leben meines Gedankens, meines Herzschlages und Atems macht. Er denkt, pocht, atmet zusammen mit mir und scheint mir zu sagen:
‚Wie glücklich bin Ich, dass du das Leben deines Gedankens, deines Herzschlages, von allem in dir fühlst und erkennst, dass Ich es bin! Du fühlst Mich in dir, und Ich fühle dich in Mir. Wir sind beide glücklich, zu zweit nur eine einziges zu tun.
So ist es mein Wille, dass das Geschöpf fühlt und weiß, dass Ich mit ihm bin, Mich zu allen seinen Akten herabneige und sie gemeinsam mit ihm vollbringe, um ihm die Ähnlichkeit mit meinem Leben und meinen Göttlichen Akten zu verleihen.
Wie schmerzt es Mich, wenn sie Mich beiseite stellen und meine Herrschaft nicht anerkennen, und dass Ich wirklich Der bin, Der ihr Leben darstellt!’ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 33; 31. Mai 1935)