Donnerstag der 11. Woche im Jahreskreis (Mt 6,7-15)
7In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. 8Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet.
9So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt, 10dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde.
11Gib uns heute das Brot, das wir brauchen. 12Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben.
13Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen. 14Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben.
15Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.
„Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde“ (Mt 6,10)
Mein armer Geist erfährt den süßen Zauber der strahlenden Sonne des Ewigen Fiat, das so viele berührende Szenen in mir entfaltet, dass alle, wenn ich sie beschreiben könnte, wie ich sie sehe, diesen süßen Zauber erleben und im Chor sagen würden: „Wir wollen den Göttlichen Willen tun.”
Doch ach, ich bin stets die kleine Unwissende, die nur stammelnd etwas zu sagen vermag. Als ich aber das große Gut dieses Göttlichen Willens verstand, und wie wir in seinen riesigen Wellen aus Licht, unaussprechlicher Schönheit und unerreichbarer Heiligkeit schwimmen, dachte ich mir: ‘Wie ist es möglich, dass ein so großes Gut nicht bekannt ist?
Während wir in ihm schwimmen, kennen wir die große Wohltat nicht, die uns umgibt und uns innen und außen um-hüllt und uns Leben spendet; und nur weil wir es nicht kennen, können wir die wunderbaren Wirkungen all der großen Güter nicht genießen, die ein so heiliger Wille in sich schließt!
O Allmächtiges Fiat, enthülle Dich doch, und das Angesicht der Erde wird neu! Warum gefiel es zudem Unserem gebenedeiten Herr nicht, vom Anbeginn der Schöp-fung an die vielen wunderbaren Dinge zu offenbaren, die dieser Heiligste Wille tun und den Geschöpfen geben will?’
Während sich mein Geist wie entzückt im süßen Bann des Göttlichen Willens verlor, zeigte sich Jesus, meine Liebe, mein Leben, der Himmlische Lehrer, der mich mit seinen wunderschönen Worten über seinen eigenen Willen fasziniert und sagte zu mir:
„Meine kleine Tochter meines Willens, das Geschöpf kann weder der Seele noch dem Leibe nach ohne meinen Göttlichen Willen leben. Da Er der erste Akt des Lebens des Geschöpfes ist, ist das Geschöpf in dieser Situation, dass es entweder Seinen Akt des kontinuierlichen Lebens von meinem Willen aufnimmt, oder gar nicht existieren kann.
Da der Mensch dazu erschaffen wurde, um in der Überfülle der Güter dieses Göttlichen Willens, seines geliebten Erbes, zu leben, wurde er dazu erschaffen, von [dem] Uns[rigen] und in unserem Hause zu leben, wie ein Sohn mit seinem Vater.
Wie könnte er sonst unser Vergnügen, unsere Freude und Seligkeit sein, wenn er nicht in unserer Nähe und zusammen mit Uns in unserem Göttlichen Willen lebte? Ein Sohn in weiter Ferne kann nicht die Freude seines Vaters, sein Lächeln, seine Unterhaltung und seine vertraute Konversation bilden.
Entfernt voneinander, kann man nicht gemeinsam spielen oder glücklich lächeln, sondern die bloße [Tatsache der] Distanz unterbricht die Liebe und macht traurig, weil man sich nicht am Geliebten erfreuen kann.
Du siehst also, der Mensch wurde erschaffen, um vertraut mit Uns, in unserem Haus und in unserem eigenen Willen zu leben, um Uns unsere Freuden und immerwährende Glückseligkeit zu sichern, wie auch die seinen.
Doch obwohl der Mensch, unser Sohn, im Haus seines Vaters glücklich war, rebellierte er und verließ sein väterliches Haus. Indem er den eigenen Willen tat, verwirkte er das Lächeln seines Vaters und Seine reinen Freuden.
Da er aber nicht ohne die Mitwirkung unseres Göttlichen Willens leben konnte, handelten Wir als Vater und gaben ihm den gesetzlichen Pflicht-Anteil unseres Göttlichen Willens; und zwar nicht mehr als Leben, das ihn auf Seinem Schoß trug, um ihn glücklich und heilig zu machen, sondern als Mit-Beteiligten, der ihn am Leben erhalten sollte; nicht um ihn glücklich zu machen wie früher, sondern um ihm die unbedingt notwendigen Dinge zu reichen – und je nachdem, wie er sich verhalten würde. Ohne meinen Göttlichen Willen kann es kein Leben geben.
Mein Göttliches Fiat ist deshalb so wenig bekannt, weil die Menschen bloß den gesetzlichen Pflichtteil kennen, und oft anerkennen sie nicht einmal diesen gesetzlichen Anteil zur Gänze.
Wer nämlich von diesem Pflichtteil lebt, lebt nicht im Haus seines Vaters, sondern ist weit weg von Ihm. Und oft ist es sogar so, dass er den gesetzlichen Anteil, den er erhalten hat, mit unwürdigen Akten vergeudet.
Wundere dich also nicht, dass über meinen Göttlichen Willen wenig bekannt ist, wenn man nicht in Ihm lebt und nicht in ständigem Kontakt mit Ihm ist, um sein Leben zu empfangen, das glücklich und heilig macht.
Dabei ist Er der Seele so nahe, dass Er seine Geheimnisse eröffnet und kundtut, wer Er ist, was Er dem Geschöpf geben kann, und wie sehr Er sich danach sehnt, es auf Seinem Schoß zu halten, um in ihm Sein Göttliches Leben zu bilden; zumal sich der Mensch, indem er den eigenen Willen tat, zum Diener degradierte und kein Erbe mehr war.
Und ein Diener hat keinen Anspruch auf das Erbe seines Herrn, sondern [nur] auf den armseligen Lohn, um mit Müh und Not sein Leben führen zu können. So kann man, meine Tochter, sagen: mit dir habe Ich die Türen geöffnet, damit du eintrittst und in unserem Hause, in unserem Göttlichen Willen lebst.
Als Wir dich bei Uns behielten, offenbarten Wir dir so vieles über unseren Göttlichen Willen – nicht als gesetzlichen Pflichtteil, sondern als unserer glücklichen Erbin.” Dann fügte Er noch hinzu:
„Meine Tochter, in dem Wenigen, was in der ganzen Weltgeschichte über meinen Göttlichen Willen geschrieben steht, haben sie – da sie nur den gesetzlichen Anteil kannten – von Ihm nur das aufgeschrieben, was sie von meinem Fiat nach dem Sündenfall wussten; welche Beziehungen Er mit den Geschöpfen hat, obwohl diese Ihn beleidigen und nicht in Unserem Haus leben.
Über die Beziehungen zwischen meinem Fiat und dem unschuldigen Adam vor dem Sündenfall jedoch haben sie nichts geschrieben. Wie hätten sie auch darüber schreiben können, wenn niemand in meinem Göttlichen Willen wie in seinem eigenen Haus lebte?
Wie könnten sie seine Geheimnisse und das große Wunder kennen, welches das aktive Leben eines Göttlichen Willens im Geschöpf wirken kann? So konnten und können sie von meinem Göttlichen Fiat zwar aussagen, dass Es alles verfügt, dass Es befiehlt und mitwirkt.
Doch zu erklären, wie mein Göttlicher Wille in sich selbst, in seinem Haus wirkt, die Macht seiner Unermesslichkeit zu beschreiben, die in einem Augenblick alles tut und miteinbezieht – sowohl im Geschöpf wie in Sich selbst – dies ist eine Wissenschaft, die der Mensch bisher noch nicht gekannt hat.
Es konnte nur aufgrund einer [Selbst]Offenbarung meines Göttlichen Fiat aufgeschrieben werden. Und zwar von einer Seele, die unser Wille berief, in unserem Haus als unsere Tochter zu leben, in unserer Nähe, in meinem Willen, und nicht in der Ferne, sodass Wir Uns mit ihr unterhalten konnten und ihr somit unsere vertrautesten Geheimnisse zur Kenntnis brachten.
Hätten Wir die Beziehungen unseres Willens zum Geschöpf offenbaren wollen, aber das Geschöpf würde nicht in Ihm leben, so hätte diese Seele Uns nicht verstehen können.
Unsere Worte wären für sie wie ein fremder und unverständlicher Dialekt gewesen.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 27; 11. Februar 1930)
—————
Das Meer des Göttlichen Willens murmelt immer und schlägt oft heftige Wellen, um die Geschöpfe zu bestürmen, sie in seine liebenden Wellen einzuhüllen und ihnen sein Leben zu geben; aber mit solchem Nachdruck und liebendem Scharfsinn, als würde Er uns arme Geschöpfe brauchen, dass man erstaunt darüber ist.
O, wie wahr ist es, dass Gott allein Uns zu lieben vermag! Als nun mein Geist in diesem Meer aufging, überraschte mich mein guter Jesus mit seinem kurzen Besuch und sagte zu mir:
„Meine gesegnete Tochter meines Willens, hast Du gesehen, wie süß das Flüstern des Meeres meines Willens war? Und die Seelen, die in Ihm leben, tun ebenfalls nichts anderes als gemeinsam in diesem Meer zu rauschen.
Sie, die der vollkommene Widerhall meines Fiat sind, murmeln unaufhörlich: „Liebe, Herrlichkeit, Anbetung“, doch auf einfache Weise: wenn sie atmen, murmeln sie Liebe, wenn ihr Herz pocht, wenn das Blut in den Adern kreist, wenn sie denken, sich bewegen, in allem murmeln sie Liebe, Liebe, Herrlichkeit für unseren Schöpfer.
Wenn sie meinen Willen in ihre Akte rufen, bilden sie die ungestümen Wellen, um Gott und die Geschöpfe darin einzuhüllen, damit alle, der Himmel und die Erde, einen einzigen Willen vollbringen.
Ein Akt in meinem Willen kann ein heftiger Wind sein, der mit seiner Kraft die Leidenschaften, die Schwächen, die schlechten Gewohnheiten, die faulige Luft der Sünde fortbläst und ausmerzt und mit den Tugenden, der göttlichen Kraft, den heiligen Gewohnheiten, der heiligmachenden Luft meines Willens ersetzt.
Ein Akt in meinem Willen kann eine universelle Luft sein, die Tag und Nacht, überall und in alle eindringend, sich einatmen lassen kann, um ihr Leben und ihre Heiligkeit einzuflößen, die ungesunde Luft des menschlichen Willens zu beseitigen und mit der heilsamen Luft meines Fiat zu ersetzen.
Somit werden die Seelen von dieser göttlichen Luft besänftigt, gleichsam balsamiert, neu belebt und geheilt.
Ein Akt in meinem Fiat kann eine Himmlische Atmosphäre sein, die alle Werke in sich einschließt, selbst die Schöpfung, mit der Kraft unserer Werke unsere Gottheit bestürmt und Uns drängt, den Seelen Gnaden und Geschenke zu gewähren, sodass sie fähig werden, das Reich unseres Willens aufzunehmen.
Ein Akt in unserem Willen kann solche Wunder in sich schließen, dass die Seele nicht fähig ist, seinen ganzen Wert zu erfassen.“
Jesus verstummte, und ich blieb wie eingetaucht in dieses Meer und fühlte mich irgendwie in die Himmlische Heimat versetzt, inmitten dreier Lichtkreise.
An der Spitze von ihnen war die Himmelskönigin an einer Stelle, und Unser Herr an der anderen, von bezaubernder Schönheit und unbeschreiblicher Liebe.
In ihrer Mitte war eine Vielzahl von Seelen, alle in das Licht umgewandelt, in dem sie lebten und heranwuchsen, doch beschützt, geleitet und genährt von Jesus und der Himmlischen Mutter.
Wie viele schöne Überraschungen konnte man sehen! Diese Seelen besaßen die Ähnlichkeit und das Leben ihres Schöpfers, und mein süßer Jesus und seine Mutter sprachen zu mir:
„Diese Lichtkreise, die du siehst, sind Symbol der Heiligsten Dreifaltigkeit, und die Seelen sind jene, die das Reich des Göttlichen Willens bilden werden.
Dieses Reich wird im Schoß der Gottheit geformt werden, und die Herrscher dieses Reiches werden die Mutter und der Sohn sein, die es eifersüchtig behüten. Du siehst also, wie gewiss dieses Reich kommen wird.
Es ist bereits gebildet, denn in Gott sind die Dinge so, als wären sie schon geschehen. Bete daher, dass das, was im Himmel ist, sich auf Erden verwirkliche.“… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 34; 25. Juli 1937)


