Freitag der 16. Woche im Jahreskreis (Mt 13,18-23)
18In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Hört, was das Gleichnis vom Sämann bedeutet. 19Immer wenn ein Mensch das Wort vom Reich hört und es nicht versteht, kommt der Böse und nimmt alles weg, was diesem Menschen ins Herz gesät wurde; hier ist der Samen auf den Weg gefallen.
20Auf felsigen Boden ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt, 21aber keine Wurzeln hat, sondern unbeständig ist; sobald er um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird, kommt er zu Fall.
22In die Dornen ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort zwar hört, aber dann ersticken es die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum, und es bringt keine Frucht. 23Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt dann Frucht, hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach.
„Hört, was das Gleichnis vom Sämann bedeutet“(Mt 13, 18)
… „Meine gute Tochter, betrübe dich deswegen nicht. Du sollst wissen, dass man eine Wahrheit lieben muss, damit man sie erkennt. Die Liebe erzeugt den Appetit, der Appetit den Geschmack, und der Geschmack erweckt den Hunger, damit man sich an einer Speise, d.h. an meinen Wahrheiten, satt isst und deren Substanz gründlich zerkaut.
Das gute Zerkauen erleichtert die Verdauung, sodass man sich im Besitz der großen Wohltat fühlt, die meine Wahrheit in sich birgt und hervorbringt.
Dann verschwinden die Zweifel, und die Schwierigkeiten lösen sich wie Schnee in der glühenden Sonne auf. Nun, wenn sie die Wahrheiten kaum gestreift haben, ohne dass sie – durch ein gründliches Studium und eine Liebe, die den Appetit weckt – davon gegessen haben, so verwundert es nicht, dass sie Zweifel und Schwierigkeiten vorbringen!
O, viel besser wäre es, wenn sie, statt Urteile abzugeben, bekannt hätten: ‘Das ist keine Speise für uns, wir wollen sie nicht essen‘! Doch man weiß ja, dass meine Wahrheiten mehr Platz in den einfachen, als in den gebildeten Herzen finden.
So war es auch bei meiner Erlösung: zu meinem Leidwesen folgte Mir nicht ein einziger von den Gelehrten, sondern meine Jünger waren alle arm, unwissend und einfach.
Du musst wissen, dass meine Wahrheiten wie Samen sind, die Ich, der himmlische Landwirt, weiterhin in die Seelen ausstreue, und wenn Ich aussäe, wird es mit Sicherheit auch eine Ernte geben.
Oft gleiche Ich einem armen Sämann, der seinen Samen in die Erde streut. Diese hat aber wegen mangelnder Feuchtigkeit nicht die Kraft, den Samen aufzuzehren.
So kann sie ihn nicht abbauen und in Erde verwandeln, um aus der aus dem Samen absorbierten Substanz dem armen Bauern das Zehn-, Zwanzig- und Hundertfache der Saat zu schenken, die sie aufgenommen hat.
Ein andermal wird die Erde bei der Ausbringung der Saat wegen fehlendem Regen über dem Samen hart, und die Substanz des Samens, den die Erde einschließt, findet keinen Weg, den lebendigen Halm heraussprießen zu lassen; so muss sich der arme Bauer in Geduld üben, bis er die Früchte seiner Samen ernten kann.
Mit der Aussaat hat er jedoch schon den ersten Schritt getan und kann darauf hoffen, dass vielleicht ein Regenguss kommt und der Erde Feuchtigkeit spendet; da die Erde die Substanz seiner Samen besitzt, wird sie die Saat aufsprießen lassen oder die harte Kruste durchbrechen und auflockern und so den Weg für die Reproduktion seines Samens bereiten.
Obwohl die Erde also nicht sofort das Vielfache der aufgenommenen Samen hervorbringt, kann dem Sämann je nach der Zeit, den Umständen, dem Regen dennoch eine überaus reichliche Ernte zuteilwerden, die seine Erwartungen übertrifft.
Wenn nun der Bauer trotz aller Schwierigkeiten mit der Erde auf eine überfließende Ernte hoffen kann, umso mehr dann Ich, der himmlische Bauer, der Ich aus meinem göttlichen Schoß so viele Samen himmlischer Wahrheiten auf den Grund deiner Seele gesät habe, mit deren Ernte Ich die ganze Welt anfüllen werde.
Glaubst du wirklich, dass Ich wegen der Zweifel und Schwierigkeiten einiger, die wie trockene, harte und unempfindliche Erde sind, nicht meine überreichliche Ernte einbringen soll?
Da irrst du dich, meine Tochter! Zeiten, Personen und Umstände ändern sich, und was heute schwarz scheint, kann morgen als weiß angesehen werden; oft nämlich erkennen diese armen, bemitleidenswerten Wesen nur entsprechend ihrer Veranlagung und gemäß ihrem weit- oder kurzsichtigen Intellekt.
Alles liegt aber darin beschlossen, dass Ich schon die Samen ausgesät habe – und das Notwendigste, Substantiellste und Interessanteste war die Offenbarung meiner Wahrheiten.
Habe Ich meine Arbeit getan, so ist der hauptsächliche Teil schon vollbracht; Ich habe die Erde deiner Seele für die Aussaat meines Samens gefunden, und das Restliche wird von selbst kommen.
Die Zweifel, Schwierigkeiten und Leiden gleichen dem Brennholz und dem Feuer, dessen sich der arme Bauer für die Zubereitung der geernteten Samen zu seinem Mahl bedient.
So können sie auch Mir und dir als Sonnen für die Heranreifung meiner Samen in den Herzen dienen; es nützt auch als Brennholz und Feuer, um den Menschen meine Wahrheiten nicht bloß mit Worten, sondern mit Akten und dem Opfer des Feuers des eigenen Lebens zu schenken, um die Samen [der Wahrheiten] zu verkochen, in die köstlichste Speise zu verwandeln und die Menschen damit zu nähren.
Meine Tochter, hätte Ich auf das Gerede über Mich und auf die Widersprüche gegen meine Wahrheiten hören wollen, die Ich auf Erden offenbarte, so hätte Ich weder die Erlösung bewerkstelligt noch mein Evangelium verkündet. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 31; 24. Februar 1933)
„Auf felsigen Boden ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt, aber keine Wurzeln hat, sondern unbeständig ist; sobald er um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird, kommt er zu Fall“ (Mt 13, 20+21)
Ich war in meinem gewohnten Zustand, als der gebenedeite Jesus kurz kam und zu mir sagte:
„Meine Tochter, die Zaghaftigkeit drängt die Gnade zurück und hemmt die Seele. Eine ängstliche Seele ist niemals gut für große Werke, weder für Gott, noch für den Nächsten, noch für sich selbst.
Eine zaghafte Seele gleicht einem, dem die Beine gebunden sind: da er nicht frei gehen kann, blickt er ständig auf sich und auf die Anstrengung, die er beim Gehen machen muss. Die Zaghaftigkeit lässt die Augen stets nach unten, nie in die Höhe richten.
Die Kraft zum Wirken schöpft sie nicht aus Gott, sondern aus sich selbst, und wird daher schwächer, anstatt stärker zu werden. Wenn die Gnade [in dieser Seele] etwas aussät, geht es ihr wie dem armen Landmann, der wenig oder nichts erntet, nachdem er sein kleines Feld besät und bearbeitet hat.
Die mutige Seele hingegen tut an einem Tag mehr, als die zaghafte in einem Jahr.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 8; 12. Februar 1908)
„Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt dann Frucht, hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach“ (Mt 13, 23)
Ich fühlte mich leidend, mehr als üblich, da kam mein anbetungswürdiger Jesus kurz und sprach zu mir:
„Meine Tochter, das Kreuz ist das Saatgut der Tugend; und wie einer, der aussät, zehn-, zwanzig-, dreißig- und sogar hundertfach erntet, so vervielfältigt das Kreuz, da es Same ist, die Tugenden und Vollkommenheiten und verschönert sie auf wunderbare Weise.
Je mehr sich also die Kreuze um dich herum türmen, umso mehr Samen der Tugend werden in deine Seele gestreut.
Anstatt dich daher zu betrüben, wenn ein neues Kreuz auf dich zukommt, solltest du dich vielmehr freuen und daran denken, dass du weiteres Saatgut erwirbst, mit dem du deine Krone bereichern und sogar vollenden kannst.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 6; 28. Januar 1905)


