Mittwoch der 24. Woche im Jahreskreis (Lk 7,31-35)
31In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Mit wem soll ich also die Menschen dieser Generation vergleichen? Wem sind sie ähnlich? 32Sie sind wie Kinder, die auf dem Marktplatz sitzen und einander zurufen: Wir haben für euch auf der Flöte gespielt, und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht geweint.
33Johannes der Täufer ist gekommen, er isst kein Brot und trinkt keinen Wein, und ihr sagt: Er ist von einem Dämon besessen. 34Der Menschensohn ist gekommen, er isst und trinkt; darauf sagt ihr: Dieser Fresser und Säufer, dieser Freund der Zöllner und Sünder! 35Und doch hat die Weisheit durch alle ihre Kinder recht bekommen.
„Wir haben für euch auf der Flöte gespielt, und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht geweint“ (Lk 7, 32)
… Als ich mich in meinem gewohnten Zustand befand, ließ sich mein stets liebenswürdiger Jesus ganz bekümmert erblicken, sein Atem war wie Feuer, und mich an sich drückend sagte Er zu mir: „Meine Tochter, Ich möchte eine Erleichterung für meine Flammen, Ich will meine Liebe ausgießen, doch meine Lie-be wird von den Geschöpfen zurückgewiesen.
Du musst wissen, dass Ich bei der Erschaffung des Menschen aus meiner Gottheit eine bestimmte Menge an Liebe entströmen ließ, die als primäres Leben für die Menschen dienen sollte, damit sie bereichert, unterstützt und gestärkt würden und Hilfe hätten in allen ihren Bedürfnissen.
Doch der Mensch weist diese Liebe zurück, und meine Liebe wandert umher, seitdem der Mensch erschaffen wurde; und sie geht umher, ohne jemals stehenzubleiben: von dem einem abgewiesen, eilt sie zum nächsten, um sich zu schenken, und wenn sie abgewiesen wird, bricht sie in Schluchzen aus.
So bringt der Mangel an Übereinstimmung die Liebe zum Weinen und Seufzen. Während also meine Liebe umherwandert und eilt, um sich zu schenken, bricht sie, wenn sie einen Schwachen und Armen sieht, in Schluchzen aus und spricht zu ihm:
„Ach, würdest du mich nicht umherirren lassen und hättest du mir ein Obdach in deinem Herzen gegeben, so wärest du stark gewesen und es würde dir nichts fehlen!”
Wenn sie einen sieht, der in Sünde gefallen ist, bricht sie in Schluchzen aus: „Ach, hättest du mir Zutritt zu deinem Herz gegeben, so wärest du nicht gefallen!”
Für einen anderen, den sie von Leidenschaften getrieben und vom Schlamm der Erde beschmutzt sieht, weint die Liebe und wiederholt ihm schluchzend: „Ach, hättest du meine Liebe genommen, dann hätten die Leidenschaften kein Leben über dir, die Erde würde dich nicht berühren und meine Liebe dir in allem genügen!”
So hat die Liebe für jedes Übel des Menschen, ob klein oder groß, einen tränenreichen Seufzer und fährt fort, umherzuwandern und sich dem Menschen zu geben.
Und wenn sich im Garten von Getsemani alle Sünden vor meiner Menschheit zeigten, so trug jede Sünde das Schluchzen meiner Liebe; und alle Schmerzen meiner Passion, jeder Geißelhieb, jeder Dorn, jede Wunde waren begleitet vom Schluchzen meiner Liebe, denn wenn der Mensch geliebt hätte, hätte nichts Böses kommen können.
Der Mangel an Liebe hat alle Übel keimen lassen und auch meine Leiden selbst. Als Ich den Menschen schuf, machte Ich es wie ein König, der sein Reich glücklich machen will: er nimmt eine Million und bringt sie in Umlauf, damit jeder, der will, davon nehmen möge.
Doch wie viel auch im Umlauf ist, kaum jemand nimmt einige Cent davon. Nun ist der König gespannt darauf zu erfahren, ob die Völker das Gut annehmen, das er ihnen bereiten möchte, und er fragt, ob seine Million aufgebraucht ist, um weitere Millionen auszugeben, und man antwortet ihm: „Majestät, kaum einige Cent haben sie genommen.“
Der König empfindet Schmerz, wenn er hört, dass sein Volk seine Gaben weder annimmt noch sie schätzt. Er begibt sich also mitten unter seine Untergebenen, da sieht er den einen von Lumpen bedeckt, den anderen mit Gebrechen, dort einen, der hungert, vor Kälte zittert, obdachlos ist,… und der König bricht in seinem Schmerz in Schluchzen aus und sagt:
„Ach, wenn sie mein Geld genommen hätten, würde ich niemanden sehen, der mir, von Lumpen bedeckt, Schande bereitet, sondern nur gut Gekleidete, keine Gebrechlichen, sondern Gesunde; Ich würde keinen Darbenden sehen, der beinahe vor Hunger stirbt, sondern Satte.
Wenn sie mein Geld genommen hätten, wäre niemand obdachlos, sie hätten sich leicht einen Raum errichten können, um dort Zuflucht zu finden.“ Mit einem Wort: für jeden Missstand, den er in seinem Reich sieht, hat er einen Schmerz, eine Träne, und er grämt sich um seine Million, welche die Undankbarkeit des Volkes zurückweist.
Die Güte dieses Königs ist aber so groß, dass er trotz so viel Undankbarkeit diese Million nicht zurückzieht; er lässt sie weiterhin in Umlauf in der Hoffnung, dass andere Generationen die Wohltat in Empfang nehmen, welche die anderen zurückgewiesen haben, und er so die Ehre für das Gute empfängt, das er seinem Reich erwiesen hat.
So mache Ich es. Meine Liebe, die von Mir entströmt ist, werde Ich nicht zurückziehen, sie wird fortfahren, umherzuirren, ihr Schluchzen wird andauern, bis sie Seelen findet, die diese meine Liebe bis zum letzten Cent annehmen, damit mein Weinen aufhört und Ich die Verherrlichung für die Mitgift der Liebe empfangen möge, die Ich zum Wohl der Geschöpfe hervorgebracht habe.
Doch weißt du, wer die Glücklichen sind, die das Schluchzen der Liebe stillen werden? Die Seelen, die in meinem Wollen leben: sie werden die ganze, von den anderen Generationen zurückgewiesene Liebe nehmen, und mit der Macht meines schöpferischen Willens werden sie sie vervielfachen, so oft sie wollen, wie viele Geschöpfe sie zurückgewiesen haben.
Dann wird ihr Schluchzen aufhören, und stattdessen wird man Freudenseufzer hören, und die zufrieden gestellte Liebe wird den Glücklichen alle Güter und Wonnen mitteilen, die die anderen nicht gewollt haben.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 14; 4. Februar 1922)
„Und doch hat die Weisheit durch alle ihre Kinder recht bekommen“ (Lk 7, 35)
Nachdem der Beichtvater einige Zweifel vorgebracht hatte, sah ich, als der gebenedeite Jesus kam, den Beichtvater zusammen mit Ihm, und Er sprach zu ihm:
„Mein Wirken stützt sich stets auf die Wahrheit, und obwohl es unter Rätseln verdunkelt scheint, kann man dennoch nichts anders behaupten, als dass es die Wahrheit ist. Und obwohl das Geschöpf mein Wirken nicht mit Klarheit versteht, vernichtet dies die Wahrheit nicht, sondern lässt noch klarer erkennen, dass es eine Göttliche Art des Wirkens ist.
Denn da das Geschöpf begrenzt ist, kann es das Unendliche nicht umfassen und begreifen; es kann höchstens ein paar Schimmer verstehen und umfassen, wie etwa die vielen Dinge, die von Mir in den Schriften ausgesagt wurden, und meine Art des Wirkens in den Heiligen – wurde dies vielleicht in aller Klarheit begriffen?
O, wie viel blieb dunkel und rätselhaft! Und doch, wie viele Geister von Gelehrten und Wissenschaftlern haben sich abgemüht, sie auszulegen? Was haben sie schon verstanden?
Man kann sagen, eigentlich gar nichts, verglichen mit dem, was zu wissen noch geblieben ist. Doch tut das etwa der Wahrheit Abbruch? Überhaupt nicht, im Gegenteil, es lässt sie noch mehr aufleuchten.
Deshalb muss dein Augenmerk darauf ruhen, ob hier wahre Tugend ist, und ob man in allen Dingen spürt, dass die Wahrheit anwesend ist, wenn sie auch manchmal verdunkelt ist; und was das Übrige betrifft, muss man ruhig und in heiligem Frieden bleiben.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 4; 27. Juli 1901)
———————
… „Niemand kann der Wahrheit widerstehen, noch kann der Mensch behaupten, dass es nicht die Wahrheit ist. Wie boshaft und dumm einer auch wäre, er kann nicht sagen, dass das Weiße schwarz und das Schwarze weiß ist, dass Licht Finsternis und Finsternis Licht ist.
Doch nur wer die Wahrheit liebt, der nimmt sie an und setzt sie in die Tat um, während einer, der sie nicht liebt, von ihr beunruhigt und gemartert wird.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 6; 16. Januar 1906)
———————
… „Meine Tochter, die Geschöpfe fragen bei fast allen Ereignissen, die geschehen, immer wieder: „Und warum? Warum? Warum? Warum diese Krankheit? Warum dieser Seelenzustand? Warum diese Züchtigung?“ Und so viele andere ‚Warum‘.
Die Erklärung für das ‚Warum‘ wird nicht auf Erden geschrieben, sondern im Himmel, und dort werden sie alle lesen. Weißt du, was das ‚Warum‘ ist? Es ist der Egoismus, der ständig die Eigenliebe nährt. Weißt du, wo das ‚Warum‘ entstanden ist? In der Hölle; wer der erste war, der es aussprach? Ein Teufel.
Die Auswirkungen des ersten ‚Warum‘ waren der Verlust der Unschuld im Garten Eden selbst, der Krieg der unversöhnlichen Leidenschaften, der Ruin so vieler Seelen, die Übel des Lebens; die Geschichte des Warum ist lang. Es genügt, wenn Ich dir sage, dass es kein Übel in der Welt gibt, das nicht den Stempel des ‚Warum‘ trägt. Das ‚Warum‘ vernichtet die Göttliche Weisheit in der Seele.
Und weißt du, wo das ‚Warum‘ begraben werden wird? In der Hölle, um die Verdammten in Ewigkeit ruhelos zu machen, ohne ihnen Frieden zu gewähren. Die Kunst des ‚Warum‘ ist es, die Seelen zu bekriegen, ohne ihnen jemals Waffenruhe zu gewähren. “(aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 8; 30 Januar 1909)


