25In jener Zeit als viele Menschen Jesus begleiteten, wandte er sich an sie und sagte: 26Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein.
27Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. 28Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen?
29Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertigstellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten 30und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen.
31Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt? 32Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden. 33Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.

„Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein“ (Lk 14, 26)

Nachdem ich sehr zu kämpfen hatte, ließ sich der gebenedeite Jesus in meinem Inneren sehen und sagte: „Gehen Wir nachschauen, ob Mich die Geschöpfe lieben?“
Und ich: „Sicher werden sie Dich lieben, da Du das liebenswerteste Wesen bist; wer wäre so verwegen, Dich nicht zu lieben?“ Und Er: „Gehen Wir, dann wirst du sehen, was sie tun.“ So machten Wir Uns auf, und als Wir an einem Ort mit vielen Menschen ankamen, streckte Er seinen Kopf aus meinem Inneren und sprach jene Worte, die Pilatus gesprochen hatte, als er Ihn dem Volk zeigte: ‚Ecco Homo’ (‚Hier ist der Mensch’). Ich verstand, dass diese Worte bedeuten, dass sie gefragt wurden, ob sie den Herrn als ihren König wollten, und Er die Herrschaft in ihren Herzen, ihrem Geist und ihren Werken habe. Und sie antworteten: „Nehmt Ihn weg, wir wollen Ihn nicht, vielmehr, kreuzigt Ihn, damit jede Erinnerung an Ihn zerstört werde.“ O, wie oft wiederholten sich diese Szenen!
So sagte der Herr zu jedem: „Ecce Homo“. Da erhob sich ein Gemurmel und eine Verwirrung. Manche sagten: „Ich will Ihn nicht als meinen König, ich möchte Reichtümer“, andere wollten Vergnügen, Ehre, Würden und viele andere Dinge. Mit Schauder hörte ich ihre Stimmen, und der Herr sagte zu mir: „Hast du gesehen, wie niemand Mich will? Und doch ist dies noch nichts; wenden Wir Uns dem religiösen Stand zu und schauen Wir, ob sie Mich wollen.“ Da befand ich mich unter Priestern, Bischöfen, gottgeweihten Frauen und Frommen, und mit klangvoller Stimme wiederholte Jesus: „Ecce Homo!“.
Und jene sagten: „Wir lieben Ihn, doch wir wollen auch unsere Bequemlichkeit“, andere: „Wir wollen Ihn, doch zusammen mit unseren Interessen“, wieder andere antworteten: „Wir lieben Ihn, doch zugleich mit Wertschätzung und Ehre; was tut ein Gottgeweihter ohne Wertschätzung?“ Andere erwiderten: „Wir wollen Ihn, doch zusammen mit einigen Befriedigungen durch die Geschöpfe; wie kann man allein leben, und ohne dass uns jemand Befriedigung verschafft?“ Manche gingen soweit, dass sie zumindest im Sakrament der Beichte eine Befriedigung wollten, doch allein wollte Ihn fast niemand haben, und es fehlte auch nicht einer, der sich um Jesus Christus überhaupt nicht kümmerte.
Da sprach Er ganz betrübt zu mir: „Meine Tochter, ziehen Wir Uns zurück; hast du gesehen, wie niemand Mich will oder höchstens zusammen mit etwas, das ihm gefällt? Ich bin damit nicht zufrieden, denn wahre Herrschaft ist es, wenn man alleine regiert.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 4; 6. März 1903)

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Diesen Morgen kam der gebenedeite Jesus nicht, und ich befand mich außerhalb meines Körpers und ging auf der Suche nach meinem höchsten und einzigen Gut immer wieder umher. Da ich Ihn nicht fand, fühlte sich meine Seele jeden Augenblick wie zum Sterben. Doch was meine Qual noch steigerte, war das Empfinden, dass ich zu sterben glaubte und doch nicht starb, denn wenn ich sterben könnte, hätte ich mein Ziel erreicht, immer im Mittelpunkt, in Gott, zu sein.
O Trennung, wie bitter und leidvoll bist du, keine Pein ist mit dir vergleichbar! O Beraubung Gottes, du zehrst auf, durchbohrst, bist ein zweischneidiges Schwert, das an einer Seite schneidet und an der anderen brennt; der Schmerz, den du zufügst, ist unermesslich, wie Gott unermesslich ist!
Während ich umherwanderte, fand ich mich im Fegefeuer, und mein Kummer und meine Tränen schienen die Leiden dieser armen Seelen, die ihres Lebens, d.h. Gottes beraubt sind, noch zu steigern. Unter ihnen schienen mehrere Priester zu sein, und einer von ihnen schien mehr zu leiden als die anderen. Dieser sprach zu mir:
„Meine schweren Leiden kommen daher, dass ich im Leben sehr an familiären Interessen hing, an irdischen Dingen und manch eine Anhänglichkeit an gewisse Personen hatte. Das verursacht dem Priester einen solch großen Schaden, dass sich ein Panzer aus schmutzbedecktem Eisen bildet, der ihn wie ein Gewand umhüllt, und nur das Feuer des Fegefeuers und das Feuer der Beraubung Gottes können diesen Panzer vernichten, wobei im Vergleich zur Beraubung Gottes das erste Feuer verschwindet. O, wie sehr leide ich! Meine Leiden sind unaussprechlich. Bete, bete für mich.“
Ich fühlte mich noch mehr gemartert und befand mich in meinem Körper. Später sah ich kurz den Schatten des gebenedeiten Jesus, und Er sprach zu mir: „Meine Tochter, was suchtest du? Für dich gibt es keine anderen Erleichterungen und Hilfen als Mich allein.“
Er verschwand wie ein Lichtstrahl, und ich blieb zurück und sagte: „Ach, Er selbst sagt mir, dass Er allein alles für mich ist! Und doch hat Er den Mut, mich allein zu lassen und Seiner beraubt.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 6; 30. Juli 1904)

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Danach dachte ich an den Kummer, als meine schmerzhafte, im Herzen durchbohrte Mutter sich von Jesus trennte und ihn tot im Grab zurückließ, und ich dachte mir: „Wie ist es möglich, dass Sie so viel Kraft hatte, Ihn zu verlassen?
Es stimmt zwar, dass Er tot war, doch war es immerhin der Leib Jesu. Wieso wurde Sie nicht eher von ihrer Mutterliebe verzehrt, als dass Sie einen einzigen Schritt weg von jenem verstorbenen Leib tun konnte?
Welcher Heroismus, welche Stärke!“ Da bewegte sich mein süßer Jesus in meinem Inneren und sagte zu mir: „Meine Tochter, willst du wissen, wieso meine Mutter die Kraft hatte, Mich zu verlassen?
Das ganze Geheimnis der Kraft lag in meinem Willen, der in Ihr herrschte. Sie lebte im Göttlichen, nicht im menschlichen Willen, darum besaß Sie unermessliche Kraft.
Wisse vielmehr, als meine durchbohrte Mutter Mich im Grab zurückließ, hielt mein Wille Sie in zwei unermesslichen Meeren versenkt: das eine war das des Schmerzes, und das andere, ausgedehntere, das der Freude und Seligkeiten.
Während das des Schmerzes Ihr alle Martyrien bereitete, verlieh Ihr das der Freuden, alle Wonnen, und ihre einzigartige, schöne Seele folgte Mir in die Vorhölle und wohnte dem Fest bei, das Mir alle Patriarchen, Propheten, ihr Vater, ihre Mutter und unser lieber heiliger Joseph bereiteten.
Die Vorhölle wurde durch meine Anwesenheit zum Paradies, und Ich konnte nicht anders als Jene, die in meinen Leiden unzertrennlich von Mir war, an diesem ersten Fest der Geschöpfe teilhaben zu lassen.
Ihre Freude war so groß, dass sie die Kraft hatte, sich von meinem Leib zu trennen, sich zurückzuziehen und die Vollendung meiner Auferstehung als Vollendung der Erlösung zu erwarten.
Die Freude stützte sie im Schmerz, und der Schmerz stützte sie in der Freude. Wer meinen Willen besitzt, dem kann es weder an Kraft noch an Macht noch an Freude fehlen, sondern er hat alles zu seiner Verfügung. Erfährst du das nicht an dir selbst, wenn du Meiner beraubt bist, und du dich verzehrt fühlst?
Das Licht des Göttlichen FIAT bildet in dir sein Meer der Glückseligkeit und gibt dir das Leben.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 21; 16. April 1927)