29In jener Zeit sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. 30Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war.
31Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, um Israel mit ihm bekanntzumachen. 32Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb.33Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. 34Das habe ich gesehen, und ich bezeuge: Er ist der Sohn Gottes.

„Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt“ (Joh 1,29)

… Mein Jesus! Während ich an deinem Herzen ruhe, gib auch mir die Speise, die du den Aposteln gegeben: die Speise der Liebe, die Speise deines göttlichen Wortes, die Speise deines göttlichen Willens. O verweigere sie mir nicht, die du selbst so sehnlichst geben möchtest, damit in mir sich dein Leben bilde. Mein höchstes Gut! So nahe bei dir, sehe ich, dass die Speise, die du im Verein mit deinen lieben Jüngern genießt, ein Lamm ist.
Dieses Lamm ist ein Sinnbild. Wie in ihm durch die Gewalt des Feuers kein Lebenssaft mehr vorhanden ist, so musst auch du, das mystische Lamm Gottes, durch die Gewalt der Liebe verzehrt werden.
Nicht ein Tropfen deines Blutes wird für dich übrigbleiben, da du es ja aus Liebe zu uns vergießt. So tust du nichts, mein Jesus, was nicht lebendig dein schmerzvolles Leiden vor Augen stellt, das du beständig in deinem Geiste, in deinem Herzen und in allem gegenwärtig hast.
Daraus ziehe ich die Lehre, dass du mir niemals die Speise deiner Liebe versagen wirst, wenn ich das Gedächtnis deines Leidens meinem Geiste und meinem Herzen gegenwärtig halte. Wie danke ich dir, o Jesus!
Kein Akt geht aus dir hervor, der mich dir nicht gegenwärtig hätte und nicht bestrebt wäre, mir eine besondere Gunst zu erweisen. Deswegen bitte ich dich, dass dein Leiden stets in meinem Geiste, in meinem Herzen, in meinen Blicken, in meinen Schritten, in meinen Schmerzen sei, damit ich dich immer mir gegenwärtig finde, wo ich mich auch rege und bewege, innerlich oder äußerlich.
Erweise mir aber auch die Gnade, dass ich nie vergesse, was du für mich getan und gelitten hast. Diese Gnade sei mir die Magnetnadel, welche mein ganzes Wesen anzieht, in dich hineinzieht und mich niemals mehr von dir entfernen lässt. (aus „Die Stundenuhr der Passion Jesu Christi“ nach den Schriften der Dienerin Gottes Luisa Piccarreta; Stunde von 19 bis 20 Uhr: Das gesetzliche Abendmahl)

“Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb“ (Joh 1, 32)

„Meine Tochter, Adam im Stande der Unschuld wie auch meine himmlische Mutter besaßen die Einheit des Lichtes meines Willens, nicht aus eigener Kraft, sondern vermöge der von Gott mitgeteilten Kraft. Meine Menschheit hingegen besaß sie aus eigener Kraft, weil in ihr nicht nur die Einheit des Lichtes des höchsten Willens, sondern das Ewige Wort war.
Und da Ich vom Vater und vom Heiligen Geist untrennbar bin, geschah die wahre und vollkommene Bilokation, da Ich, während Ich im Himmel verblieb, in den Schoß meiner Mutter herabstieg. Da der Vater und der Heilige Geist untrennbar von Mir sind, stiegen auch sie gemeinsam mit Mir herab und blieben zur gleichen Zeit in den Himmelshöhen.“…
… „Meine Tochter, der Vater und der Heilige Geist stiegen, da sie unzertrennlich von Mir sind, zusammen mit Mir herab, und Ich verblieb mit Ihnen im Himmel, aber der Auftrag, genugzutun, zu leiden und den Menschen zu erlösen, wurde von Mir übernommen.
Ich, der Sohn des Vaters, übernahm den Teil, Gott mit dem Menschen wieder zu versöhnen. Unsere Gottheit war unantastbar und konnte nicht die geringste Pein erleiden: es war meine Menschheit, die auf untrennbare Weise mit den Drei Göttlichen Personen vereint, sich in die Gewalt der Gottheit begab, unerhörte Leiden litt und in göttlicher Weise genugtat.
Und da meine Menschheit nicht nur die Fülle meines Willens als eigene Kraft besaß, sondern das Wort Selbst, und – als Folge der Untrennbarkeit – den Vater und den Heiligen Geist, so war sie in vollkommener Weise sowohl über Adam im Stande der Unschuld als auch über meine Mutter selbst erhaben. Denn was in ihnen Gnade war, war bei Mir Natur.
Diese mussten von Gott das Licht, die Macht, die Schönheit schöpfen; in Mir aber war die Quelle, aus der Licht, Schönheit, Gnade usw. hervorsprudelte. So groß war also der Unterschied, in Mir, wo der göttliche Wille Natur war, und in meiner Mutter Selbst, wo Er Gnade war, dass Sie angesichts meiner Menschheit in den Schatten gestellt wurde.
So sei also aufmerksam, meine Tochter! Dein Jesus hat die sprudelnde Quelle, die dir stets etwas mitzuteilen hat, und du hast immer etwas entgegen zu nehmen.
Wie viel Ich dir auch über meinen Willen erzählen kann, Ich habe dir stets noch mehr zu sagen, und es wird dir weder das kurze Leben der Verbannung noch die ganze Ewigkeit genügen, um dich die lange Geschichte meines Höchsten Willens kennenlernen zu lassen und dir die großen Wunder aufzuzählen, die es in Ihm gibt.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 19; 31. Mai 1926)