32. SONNTAG IM JAHRESKREIS – A – (Mt 25,1-13)
1In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich wird es sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen. 2Fünf von ihnen waren töricht, und fünf waren klug.
3Die törichten nahmen ihre Lampen mit, aber kein Öl, 4die klugen aber nahmen außer den Lampen noch Öl in Krügen mit. 5Als nun der Bräutigam lange nicht kam, wurden sie alle müde und schliefen ein.
6Mitten in der Nacht aber hörte man plötzlich laute Rufe: Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen! 7Da standen die Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen zurecht.
8Die törichten aber sagten zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, sonst gehen unsere Lampen aus. 9Die klugen erwiderten ihnen: Dann reicht es weder für uns noch für euch; geht doch zu den Händlern und kauft, was ihr braucht.
10Während sie noch unterwegs waren, um das Öl zu kaufen, kam der Bräutigam; die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal, und die Tür wurde zugeschlossen. 11Später kamen auch die anderen Jungfrauen und riefen: Herr, Herr, mach uns auf!
12Er aber antwortete ihnen: Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. 13Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.
“Mit dem Himmelreich wird es sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen“ (Mt 25,1)
O mein Jesus, Himmlischer Gefangener! Die Sonne geht gerade unter, die Dunkelheit überflutet die Erde, und Du bleibst allein im Tabernakel der Liebe.
Mir scheint, dass Du wegen der Einsamkeit der Nacht traurig bist, und da Du nicht die Krone deiner Kinder und deiner teuren Bräute hast, die Dir wenigstens in deiner freiwilligen Gefangenschaft Gesellschaft leisten.
O mein Göttlicher Gefangener, auch ich fühle Schmerz im Herzen, da ich von Dir scheiden muss, und ich bin gezwungen, Dir Auf-Wiedersehen zu sagen. Doch was sage ich, o Jesus: niemals mehr Lebewohl! Ich habe nicht den Mut, Dich allein zu lassen.
Abschied mit den Lippen – ja, aber nicht mit dem Herzen, vielmehr lasse ich mein Herz zusammen mit Dir im Tabernakel zurück. Ich werde deine Herzschläge zählen und sie mit meinen Herzschlägen der Liebe vergelten.
Ich werde deine stöhnenden Seufzer zählen und Dich in meinen Armen ruhen lassen, um Dich aufzuheitern. Ich werde aufmerksame Wache bei Dir halten und ganz darauf bedacht sein, Dich vor allem abzuschirmen, was Dich betrüben oder schmerzen könnte – nicht nur, um Dich nie allein zu lassen, sondern um an allen deinen Leiden teilzunehmen.
O Herz meines Herzens! O Liebe meiner Liebe, sei nicht mehr traurig gestimmt, sondern lasse Dich von mir trösten. Ich habe nicht das Herz, Dich betrübt zu sehen.
Während ich Dir mit den Lippen Auf Wiedersehen sage, lasse ich Dir meine Atemzüge, Neigungen, Gedanken, Wünsche und alle meine Bewegungen zurück, damit sie mit ihren ständigen Liebesakten eine Kette bilden. Vereint mit den Deinen werden sie eine Krone um Dich bilden und Dich für alle lieben.
Bist Du nicht zufrieden, o Jesus? Mir scheint, Du sagst ja, nicht wahr? Auf Wiedersehen, o liebender Gefangener – doch bin ich noch nicht zu Ende.
Ehe ich nun weggehe, will Ich auch meinen Leib vor Dir zurücklassen; ich möchte aus meinem Leib und meinem Blut so viele kleine Teilchen machen, um so viele Lampen zu bilden, wie es Tabernakel in der Welt gibt und aus meinem Blut so viele Flämmchen, um diese Lampen anzuzünden.
In jeden Tabernakel möchte ich diese meine Lampe stellen, die sich mit der Lampe des Tabernakels vereint, die ganze Nacht hell vor Dir brennt und Dir sagt: ‚Ich liebe Dich, ich bete Dich an, ich lobpreise Dich, Ich leiste Dir Wiedergutmachung und danke Dir für mich und im Namen aller Seelen.’
Auf Wiedersehen, o Jesus, doch höre auch noch ein anderes Wort: Lass uns einen Vertrag schließen. Und der Vertrag laute, dass wir Uns noch mehr lieben werden; aber damit ich Dich mehr lieben kann, musst Du mir mehr Liebe geben, indem Du mich in deiner Liebe einschließt und begräbst und mich in deiner Liebe leben lässt.
Machen Wir unser Band der Liebe fester. Ich werde erst dann zufrieden sein, wenn Du mir deine Liebe schenkst, damit ich Dich wahrhaft lieben kann.
Auf Wiedersehen, o Jesus! Segne mich, und [durch mich] segne alle.
Drücke mich an dein Herz und nimm mich in deiner Liebe gefangen. Ich verlasse Dich jetzt, indem ich dein Herz küsse. Auf Wiedersehen, o Jesus. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 11; Verabschiedung am Abend bei Jesus im Heiligsten Sakrament)
„Als nun der Bräutigam lange nicht kam…“ (Mt 25, 5)
Ich befinde mich in den Armen des Göttlichen Willens, doch mit einem Dorn im Herzen wegen der Beraubung meines guten Jesus. Ich warte und warte, und das bloße Warten ist das qualvollste Leiden.
Die Stunden scheinen mir wie Jahrhunderte und die Tage endlos; und wenn – was nie geschehen möge – mir ein Zweifel kommt, dass mein teures Leben, mein süßer Jesus, nicht mehr kommen wird, o, dann weiß ich nicht, was mit mir passiert! Ich will mich meiner selbst entledigen, selbst vom Göttlichen Willen, der mich auf dieser Erde gefangen hält, und mich mit raschem Flug zum Himmel erheben.
Doch nicht einmal das ist mir gegeben, da seine Ketten so stark sind, dass sie nicht brechen können: ich fühle mich noch mehr gefesselt, sodass ich kaum daran denken kann und alles mit einer noch stärkeren Hingabe an das Höchste Fiat beschließe.
Als ich so schmachtete und nicht mehr konnte, kehrte mein stets liebenswürdiger Jesus zu seiner kleinen Tochter zurück und zeigte sich mit einer Wunde im Herzen, aus der sich Blut und Flammen ergossen, als wollte Er alle Seelen mit seinem Blut bedecken und in seiner Liebe verbrennen. Dann sagte Er ganz gütig zu mir:
„Mut, meine Tochter! Dein Jesus leidet auch und die Leiden, die Mich am meisten schmerzen, sind die inneren Leiden, die Mich Blut und Flammen verströmen lassen. Doch mein größtes Leiden ist das ständige Warten.
Meine Blicke sind stets auf die Seelen gerichtet, und wenn Ich eine Seele in Sünde gefallen sehe, warte Ich ständig auf ihre Rückkehr zu meinem Herzen, um ihr zu vergeben. Wenn Ich sie nicht kommen sehe, warte Ich mit der Vergebung in meinen Händen.
Dieses Warten lässt mein Leiden wiederaufleben und stellt für Mich eine solche Qual dar, dass Blut und Flammen aus meinem durchbohrten Herzen hervor strömen. Die Stunden und Tage, die Ich warte, scheinen Mir wie Jahre zu sein. O, wie hart ist dieses Warten für Mich!
Gehen Wir weiter: Meine Liebe liebt den Menschen so sehr, dass Ich, wenn Ich ihn ins Dasein rufe, die Zahl der Akte festlege, die er aus Liebe zu Mir tun, wie viele Gebete und gute Werke er verrichten soll.
Dies deshalb, um ihm das Recht zu geben, dass Ich ihn stets liebe und ihm die Gnaden und Hilfen zum Gutestun gewähren möge. Doch die Menschen bedienen sich ihrer, um Mich leidvoll warten zu lassen.
O, wie lange warte Ich von einem Liebesakt zum nächsten, wenn sie Mir überhaupt einen [Liebesakt] schenken! Wie behäbig sind sie im Tun des Guten, im Gebet, wenn sie es überhaupt tun!
Ich warte immer wieder darauf; Ich fühle meine ruhelose Liebe, die Mich sehnsüchtig schmachten lässt, und die für Mich ein so großes innerliches Leiden darstellt, dass Ich, wenn Ich dem Tod unterworfen wäre, ebenso oft gestorben wäre, wie Ich von den Seelen nicht geliebt werde.
Dann ist da das lange Warten im Sakrament meiner Liebe. Ich erwarte alle und zähle sogar die Minuten [,bis sie kommen], aber leider warte Ich auf viele von ihnen vergebens. Andere kommen mit eisiger Kälte, die Mir das größte und härteste Martyrium meines Wartens bereiten.
Wenige sind jene, wo Wir Uns gegenseitig erwarten: nur in diesen fühle Ich Mich erquickt, wie heimgekehrt in ihre Herzen, wo Ich meine Liebe ausgieße und eine Linderung für das harte Martyrium meines ständigen Wartens finde.
Manchen scheint dieses Leiden nichts zu sein, dabei ist es das Höchstmaß und stellt das härteste Martyrium dar. Du kannst es selbst beschreiben, wie viel es dich kostet, auf Mich zu warten, sodass du, wenn Ich dem nicht ein Ende bereiten und dich unterstützen würde, nicht fähig gewesen wärest, es auszuhalten.
Sodann gibt es eine weitere, noch leidvollere Erwartung: die Sehnsucht, der brennende Wunsch, das lange Warten auf das Reich meines Göttlichen Willens.
Seit etwa sechstausend Jahren warte Ich auf die Rückkehr des Menschen in dieses Reich. Ich liebe ihn so sehr, dass Ich wünsche und danach verlange, ihn glücklich zu sehen, doch dazu müssen Wir mit einem einzigen Willen leben: so ist jeder, meinem Willen entgegengesetzte Akt ein Nagel, der Mich durchbohrt.
Doch weißt du, warum? Weil es den Menschen unglücklicher und ihn Mir unähnlicher macht; und wenn Ich Mich selbst im unermesslichen Ozean meiner Glückseligkeit, meine Kinder aber unglücklich sehe – o wie leide Ich da!
Während Ich warte und warte, umgebe und überhäufe Ich sie mit Gnaden und Licht, auf eine Weise, dass sie sich selbst beeilen mögen, ihr Leben gemeinsam mit Mir zu führen, und mit einem einzigen Willen.
Das wird ihr Los verändern: Wir werden die Güter gemeinsam besitzen und ein endloses Glück teilen. Die anderen Leiden erlauben Mir manche Ruhepausen, doch der Schmerz des Wartens hört für Mich nie auf, er hält Mich immer auf dem Wachposten, lässt Mich maßlose Erfindungen anwenden und Erfindungen der Liebe machen, dass Himmel und Erde staunen.
Er lässt Mich so weit gehen, dass Ich den Menschen bitte und anbettle, Mich doch nicht länger warten zu lassen, weil Ich nicht mehr kann und Mich dies zu sehr belastet.
Daher, meine Tochter, vereinige dich mit Mir, um das Reich meines Willens zu erwarten und [vereinige dich] mit all dem langen Warten, das die Menschen Mir auferlegen.
So sind Wir wenigstens zu zweit, und deine Gesellschaft wird Mir in einem so harten Leid eine Erholung bereiten.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 33; 21. Juli 1935)
„Die törichten aber sagten zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, sonst gehen unsere Lampen aus“ (Mt 25,8)
Als ich in meinem gewöhnlichen Zustand war, hörte ich eine Stimme zu mir sprechen:
„Es gibt eine Lampe, an der jeder, der sich ihr nähert, so viele Flammen anzünden kann, wie er will. Und diese kleinen Flammen dienen dazu, eine Ehrenkrone um die Lampe zu bilden und demjenigen Licht zu geben, der sie angezündet hat.“
Ich sagte mir: „Welch schöne Lampe ist das! Sie besitzt so viel Licht und Macht, dass sie immer bleibt, was sie ist und kein Licht verliert, während sie den anderen so viel Licht spendet, wie sie nur wollen. Wer weiß, wer sie besitzt?“
Während ich darüber nachdachte, hörte ich, wie die Stimme wiederholte: „Diese Lampe ist die Gnade, und Gott besitzt sie. Sich ihr zu nähern, bedeutet den guten Willen der Seele, das Gute zu tun, denn aus der Gnade kann man so viele Güter schöpfen, wie man will.
Die kleinen Flammen, die sich um sie herum bilden, sind die verschiedenen Tugenden, die Gott die Ehre geben und zugleich die Seele erleuchten.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 6; 26. September 1904)
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Ich dachte darüber nach, wie es möglich sei, dass mein süßer Jesus, wenn Er dachte, sprach, arbeitete usw., seine Gedanken in jedem geschöpflichen Gedanken, Wort und Werk ausbreitete.
Da bewegte sich mein geliebter Jesus in meinem Inneren und sagte zu mir: „Meine Tochter, darüber braucht man sich nicht zu wundern. In Mir war die Gottheit mit dem grenzenlosen Licht ihres Ewigen Willens, und in diesem Licht erblickte Ich auf einfachste Weise jeden Gedanken, jedes Wort, jeden Herzschlag und Akt der Geschöpfe.
Wenn Ich dachte, brachte das Licht, das Ich enthielt, meinen Gedanken zu jedem Gedanken der Geschöpfe, und so mit meinem Wort und allem Übrigen, was Ich tat und litt.
Siehst du, auch die Sonne besitzt diese Eigenschaft: ihr Licht ist eines, und doch, wie viele werden von ihrem Licht überflutet? Wenn man das ganze Innere des Menschen sehen könnte – die Gedanken, Herzschläge, Affekte – so würde, wie die Sonne jeden mit ihrem Licht überflutet, sie ihr Licht in jedem Gedanken, Herzschlag und allem anderen fließen lassen.
Nun, wenn das Sonnenlicht jedem ihre Wärme und ihr Licht geben kann, ohne von hoch oben in die Tiefe hinabzusteigen, wo sie doch nur ein Schatten meines Lichtes ist, um wieviel mehr kann Ich es tun, der Ich unermessliches und grenzenloses Licht enthalte.
Da mein Göttlicher Wille diese Eigenschaft besitzt, verhält es sich zudem so: wenn die Seele in mein Wollen eintritt, so öffnet sie den Strom des Lichtes, den mein Wille enthält, und mein Licht überflutet alle und bringt den Gedanken, das Wort, den Akt, der in den Strom seines Lichtes eingetreten ist, zu jedem hin.
Deswegen gibt es nichts Erhabeneres, Umfassenderes, Göttlicheres, Heiligeres als das Leben in meinem Wollen – die Generationen seiner Akte sind unzählbar.
Wenn die Seele also weder mit meinem Willen vereint ist noch in Ihn eintritt, dann kann sie weder ihren kleinen Rundgang machen, noch den Strom seines grenzenlosen Lichtes öffnen; so bleibt alles, was sie tut, persönlich und individuell.
Ihr Gut[estun] und ihre Gebete sind wie dieses kleine Licht, das zur Beleuchtung der Zimmer dient und zu schwach ist, um alle Abstellkammern des Hauses zu erleuchten, und noch viel weniger draußen Licht spenden kann; und wenn das Öl, d.h. ihre fortgesetzten Akte fehlen, so verlöscht das kleine Licht und bleibt im Dunkeln.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 16; 2. März 1924)
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… „Meine kleine Tochter meines Willens, es ist wirklich wahr, dass die Seele, die nicht in unserem Willen lebt, Ihn einsam macht und zum Schweigen bringt.
Du sollst wissen, dass jede Seele für Uns eine neue und besondere Arbeit ist und Wir somit Neues zu sagen haben. Lebt sie aber nicht in unserem Willen, fühlen Wir sie ferne von Uns, weil ihr Wille nicht in Unserem ist; so kommen Wir Uns alleingelassen von ihr vor und in unserer Arbeit blockiert.
Wenn Wir sprechen möchten, ist es, als wollten Wir zu Tauben und Stummen reden. Wer also nicht in unserem Willen lebt, ist unser Kreuz, er hindert unseren Schritt, bindet Uns die Arme und reißt unsere schönsten Werke nieder, und Ich, der Ich das WORT bin, muss schweigen!
Nun sollst du wissen, dass die Seele im Stand der Gnade der Tempel Gottes ist. Wenn jedoch die Seele in unserem Willen lebt, macht sich Gott selbst zum Tempel der Seele.
Wie groß ist doch der Unterschied zwischen dem ersten, der Seele als Tempel Gottes und dem letzteren, Gott als Tempel der Seele! Der erste ist ein Tempel, der Gefahren und Feinden ausgesetzt, sowie Leidenschaften unterworfen ist.
Oftmals befindet sich unser Höchstes Sein in diesen Tempeln wie in steinernen Tempeln, um die sich niemand kümmert und die nicht angemessen geliebt werden. Die kleine Lampe ihrer ständigen Liebe, welche die Seele als Huldigung für ihren Gott haben sollte, der in ihr wohnt, verlöscht ohne das reine Öl.
Und wenn sie, was nie geschehen möge, je in schwere Sünde fällt, stürzt unser Tempel ein und wird von Dieben in Beschlag genommen, von unseren und ihren Feinden, die ihn profanieren und verunstalten.
Der zweite Tempel, d.h. Gott als Tempel der Seele, ist keinen Gefahren ausgesetzt. Die Feinde können sich nicht nähern, und die Leidenschaften verlieren ihre Kraft.
Die Seele ist in diesem unserem göttlichen Tempel wie die kleine Hostie, die ihren Jesus in sich konsekriert bewahrt. Mit der unverlierbaren Liebe, die sie schöpft, empfängt und von der sie gespeist wird, bildet sie die kleine lebendige Lampe, die immer brennt, ohne je zu verlöschen.
Dieser unser Tempel nimmt seinen königlichen Platz ein, sein Wille wird erfüllt, und er ist unsere Herrlichkeit und unser Triumph. Was tut nun die kleine Hostie in diesem unserem Tempel? Sie betet, liebt und lebt vom Göttlichen Willen.
Sie ersetzt meine Menschheit auf Erden, nimmt meinen Platz des Leidens ein und ruft die ganze Armee unserer Werke, dass sie unser Gefolge bilden.
Schöpfung und Erlösung besitzt sie als ihr Eigentum und handelt als Kommandantin darüber: bald stellt sie diese wie eine Armee um Uns auf, im Akt des Gebetes und der Anbetung, bald als Heer im Akt, Uns zu lieben und zu verherrlichen.
Doch tut sie immer als Erste das, von dem sie wünscht, dass unsere Werke [es] tun, und endet stets mit ihrem kleinen, Uns so wohlgefälligen Kehrreim, ‚Dein Wille werde erkannt, geliebt und regiere und herrsche auf der ganzen Welt.’
So gehen alle Sehnsüchte, Seufzer, Interessen, Sorgen und Gebete dieser kleinen Hostie, die in unserem göttlichen Tempel lebt, dahin, dass unser Fiat alle umfasse, alle Übel der Geschöpfe beiseitestelle und mit seinem allmächtigen Hauch sich in den Herzen aller den Platz schaffe, um sich zum Leben eines jeden Menschen zu machen.“… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 33; 11. März 1934)
„Seid also wachsam! …“ (Mt 25,13)
… Nun nehme ich meine Rede wieder auf: des Nachts blieb ich allein mit meinem Jesus im Sakrament, und meine Augen waren fest auf die kleine Tabernakeltür gerichtet.
Das ständig flackernde Lämpchen schien zu verlöschen, doch dann lebte es wieder auf, und mein Herz zuckte vor Schreck zusammen, dass Jesus im Dunkeln bleiben könnte. Da regte sich mein stets liebenswürdiger Jesus in meinem Inneren, nahm mich in seine Arme und sprach zu mir:
“Meine Tochter, fürchte dich nicht, denn die Lampe wird nicht ausgehen. Und wenn sie ausgehen sollte, habe Ich dich, eine lebendige Lampe – eine Lampe, die mit ihrem Flackern mehr als das Flackern der Ewig-Licht Lampe, Mir sagt: ‘Ich liebe Dich, ich liebe Dich, ich liebe Dich…’
O wie schön ist das Flackern deines ‘Ich liebe Dich’! Dein Flackern sagt Liebe zu Mir, und wenn du dich mit meinem Willen vereinigst, werden unsere zwei Willen zu einem einzigen. O wie schön ist deine Lampe und das Flackern deines ‘Ich liebe Dich’.
Es kann nicht mit der Lampe verglichen werden, die vor meinem Tabernakel der Liebe brennt. Umso mehr, als mein Göttlicher Wille in dir ist, und du das Flackern deiner ‘Ich liebe Dich’ in der Mitte der Sonne meines FIAT bildest, und Ich sehe und höre nicht eine Lampe, sondern eine Sonne vor Mir brennen.
Meine Gefangene, sei Mir willkommen! Du bist gekommen, deinem Gefangenen Gesellschaft zu leisten. Wir sind beide im Gefängnis, du im Bett und Ich im Tabernakel.
Es ist recht, dass Wir so nahe beisammen sind, zumal der Zweck, der uns im Gefängnis hält, einer ist: der Göttliche Wille, die Liebe, die Seelen. Wie willkommen ist Mir die Gesellschaft meiner Gefangenen!
Wir werden sie gemeinsam empfinden, um das Reich des Höchsten FIAT vorzubereiten. Doch wisse, meine Tochter, dass meine Liebe dir zuvorgekommen ist. Ich habe Mich vorher Selbst als Gefangener in diese Zelle begeben, um auf meine Gefangene und deine süße Gesellschaft zu warten.
Du siehst also, wie meine Liebe als Erste dir entgegengeeilt ist, wie Ich dich geliebt habe und dich liebe, weil Ich in so vielen Jahrhunderten der Gefangenschaft in diesem Tabernakel nie eine Gefangene hatte, die Mir Gesellschaft leisten und Mir so nahe sein würde.
Ich war immer allein, oder höchstens in der Gesellschaft von Seelen, die keine Gefangenen waren, in denen Ich nicht meine eigenen Ketten sah. Nun, schließlich ist die Zeit für Mich gekommen, dass Ich eine Gefangene habe, und sie ständig in meiner Nähe, unter meinen sakramentalen Blicken, habe – eine, welche allein die Ketten meines Göttlichen Willens gefangen halten.
Eine süßere und wohlgefälligere Gesellschaft könnte Ich nicht finden. So werden Wir, während Wir gemeinsam im Gefängnis sind, Uns um das Reich des Göttlichen Willens kümmern und zusammenarbeiten und Uns opfern, um Es den Menschen bekannt zu machen. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 25; 7. Oktober 1928)
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… So setzte ich meine Runden in den Akten des Göttlichen Willens fort. Ich fühlte mich leidend und voller Unrast, die ich nicht beruhigen konnte. Die Minuten schienen mir Jahrhunderte zu sein. Was für eine ewig lange Nacht!
Ich wartete auf das Kommen meines guten Jesus, dass Er mich beruhige. Nach langem Warten schließlich zeigte sich mein guter Jesus ganz bekümmert und sprach voller Güte zu mir:
„Arme Tochter, wie hart ist doch das Wachen, nicht wahr? Wie oft erduldet dein Jesus diese harten und qualvollen Leiden! Wie lange lassen Mich die Geschöpfe wachen! Ich kann sagen, dass Ich stets wache und die Rastlosigkeit meiner Liebe erleide.
Wenn die Seele sündigt, fühle Ich, wie sie meinen Armen entgleitet, und Ich wache. Ich schaue sie an und sehe, wie Dämonen sie umgeben, die feiern und sogar das Gute, das sie getan hat, verspotten.
Das arme Gute, wie sehr wird es mit dem Schlamm der Schuld bedeckt! Da Ich sie noch immer liebe, sende Ich ihr kleine Lichtschimmer und wache. Ich gebe ihr Reue, damit sie sich wieder erhebe und Ich wache.
Die Minuten scheinen Mir wie Jahrhunderte, und Ich kann mich nicht beruhigen, wenn Ich sie nicht in meine Arme zurückkehren sehe … und so wache Ich.
Ich wache stets und spähe ihre Herzschläge und die Gedanken ihres Geistes aus, um in ihr die Erinnerung an meine große Liebe zu wecken, doch leider vergeblich…. und Ich muss weiter warten.
Welch hartes Wachen! Wenn sie zu Mir zurückkehrt, dann ruhe Ich ein wenig, sonst dauert meine Wache an. Wenn eine andere Seele etwas Gutes tun möchte, aber sich damit Zeit lässt und sich nie entschließt, auch dann wache Ich.
Ich trachte sie mit meiner Liebe, mit Inspirationen und sogar mit Verheißungen anzulocken, aber sie kann sich nicht entscheiden und findet so viele Vorwände und Schwierigkeiten, wodurch sie Mich stets wachhält. Wie viele und verschiedenartige Wachen bereiten Mir die Geschöpfe!
Siehe, dies ist der Grund für dein Wachsein, damit du Mir in meinem ständigen Wachen ein wenig Gesellschaft leistest. Leiden Wir darum gemeinsam. Liebe Mich, und Ich werde ein wenig Ruhe in meinem langen Wachen finden.“ …(aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 36; 10. Mai 1938)

