2. ADVENTSSONNTAG – A (Mt 3, 1-12)
„Bereitet dem Herrn den Weg!“ (Mt 3, 3)
… „Kleine Tochter meines Willens, wie schön ist dies! Das Geschöpf kann keine größere Ehre empfangen, als in meinen Willen eingelassen zu werden. Die Augenblicke, die kleinsten Akte, die in Ihm getan werden, umfassen Jahrhunderte, und sind, da sie göttlich sind, von solcher Macht erfüllt, dass man alles tun kann, was man mit ihnen tun will, und alles erlangen kann. Das Göttliche Sein bleibt in diesen Akten [gleichsam] gefesselt, da es seine Akte sind, und muss ihnen den Wert geben, den sie verdienen. Überdies sollst du wissen, dass die in meinem Willen getanen Akte die Pfade bilden, auf denen die Seelen in Ihn eintreten sollen. Diese Wege sind sehr notwendig; würden nicht zuvor heroische Seelen, die in Ihm leben, auftreten und die Hauptstraßen seines Reiches ausbauen, so würden die Menschengeschlechter die Wege nicht finden und nicht wissen, wie sie es anstellen sollen, in meinen Willen einzutreten.
Meine Tochter, beim Aufbau einer Stadt werden zuerst die Wege angelegt, die die Ordnung festlegen, die eine Stadt haben muss. Dann werden die Fundamente zu ihrer Errichtung gelegt. Würden keine Wege, Ausgänge und nötigen Verbindungen angelegt, bestünde die Gefahr, dass sich die Einwohner anstelle einer Stadt ein Gefängnis zusammenbauen, denn ohne Ausstattung mit Wegen finden sie keinen Ausgang. Du siehst also, wie notwendig die Wege sind.
Nun, diese Stadt ohne Wege ist der menschliche Wille, der in seinem Gefängnis eingesperrt, alle Wege zur himmlischen Stadt meines Göttlichen Willens verschlossen hat. Die Seele nun, die in Ihn eintritt, bricht das Gefängnis ab, reißt die unglückliche Stadt ohne Wege und Ausgänge nieder. Und der Göttliche Baumeister zeichnet in der Macht meines Willens [mit der Seele] den Plan der Stadt, ordnet [den Bau von] Straßen [an], errichtet die Verbindungswege. Als unübertrefflicher Künstler agierend, gestaltet Er die neue Zitadelle der Seele mit solcher Meisterhaftigkeit, dass Er die Verbindungswege für den Eintritt weiterer Seelen und die Konstruktion so vieler Zitadellen schafft, dass Er daraus ein Reich aufbauen kann. Die erste wird das Vorbild für die anderen sein.
Du siehst also, wozu die in meinem Willen getanen Akte dienen. Sie sind so notwendig für Mich, dass Mir ohne sie der Weg fehlen würde, um Ihn zur Herrschaft gelangen zu lassen. Darum wünsche Ich dich immer in meinem Willen; verlass Ihn niemals, wenn du deinen Jesus glücklich machen willst.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 33; 4. März 1934)
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… „Meine Tochter, alles, was meine Mutter und Ich bei der Erlösung taten, bezweckte als erstes, dass mein FIAT auf Erden regieren möge. Es wäre weder würdig noch wahre Liebe gewesen, noch großer Edelmut, und noch viel weniger das Wirken eines Gottes, Der Ich war, wenn Ich in die Welt gekommen wäre und den Geschöpfen nur das Geringere hätte geben sollen und wollen, nämlich die Mittel, um sich zu retten – und nicht das Größere, was mein Wille war. Mein Wille enthält nämlich nicht nur die Heilmittel, sondern alle möglichen Güter, die es im Himmel und auf Erden gibt, und nicht nur die Rettung und die Heiligkeit, sondern dieselbe Heiligkeit, die die Seele zur Heiligkeit ihres Schöpfers selbst erhebt.
O wenn du in jedes Gebet eindringen könntest, in jeden Akt, jedes Wort und Leid meiner unzertrennlichen Mutter, du würdest darin das FIAT finden, das Ich mit Seufzern ersehnte und erflehte. Wenn du in jeden Tropfen meines Blutes eindringen könntest, in jeden meiner Herzschläge, Atemzüge, Schritte, Werke, Schmerzen und Tränen, du würdest darin das FIAT finden, Das darin die Vorherrschaft hatte, und das Ich für die Seelen mit Seufzern ersehnte und erflehte. Doch während das vorrangige Ziel [Gottes bei der Schöpfung] das FIAT war, musste sich meine Güte zum nachrangigen Zweck [der Erlösung] herablassen. Er musste es gleichsam wie ein Lehrer machen, der, während er die höchsten Wissenschaften besitzt und edle und erhabene, seiner würdige Lehren geben könnte, sich dazu herablassen muss, Lektionen über das ABC [in himmlischen Dingen] zu geben.
Da seine Schüler quasi alle Analphabeten sind, kann er erst nach und nach zu seinem ersten Zweck gelangen, nämlich die Lektionen der Wissenschaft, die er besitzt, zu erteilen, um weitere Lehrer aus ihnen zu machen, die eines solchen Meisters würdig sind. Wollte sich dieser Lehrmeister nicht herablassen, Lektionen auf niedrigerem Niveau zu geben, sondern hätte gleich seine hohe Wissenschaft gelehrt, so hätten die Schüler, weil Analphabeten, ihn nicht verstanden und von so viel unbekannter Wissenschaft verwirrt, ihn verlassen. Und hätte Ich Mich nicht zu meinen Schülern herabgelassen, wäre es Mir wie einem armen Lehrer ergangen, dem die Genugtuung versagt geblieben wäre, den Schülern die kleinen und großen Schätze seines eigenen Wissens weitergeben zu können.
Nun, meine Tochter, als Ich auf die Erde kam, waren die Menschen alle Analphabeten bezüglich der Dinge des Himmels. Wenn Ich zu ihnen vom FIAT sprechen hätte wollen und vom wahren Leben in Ihm, wären sie unfähig gewesen, dies zu verstehen. Da die Mehrzahl von ihnen verkrüppelt, blind und krank waren und nicht wussten, wie sie sich Mir nähern sollten, musste Ich Mich durch den Schleier meiner Menschheit herablassen, welche jenes FIAT verhüllte, das Ich ihnen schließlich geben wollte. Ich musste Mich mit ihnen verbrüdern und mit allen verbinden, um die ersten Grundlagen, das ABC des Höchsten FIAT lehren zu können. Und alles, was Ich lehrte, tat und litt, diente keinem anderen Zweck, als den Weg, das Reich und die Herrschaft meines Willens vorzubereiten.
Dies ist die gewohnte Vorgehensweise bei unseren Werken, die geringeren Dinge als vorbereitenden Akt für die größeren Dinge zu tun. Habe Ich es bei dir nicht genauso gemacht? Zu Beginn habe Ich sicher nicht mit dir über das Höchste FIAT gesprochen, noch von der Höhe der Heiligkeit, die Ich dich in meinem Willen erreichen lassen wollte. Ich habe dir auch kein Wörtchen gesagt über die größere Sendung, zu der Ich dich berief, sondern behandelte dich wie ein kleines Kind, das den Gehorsam, die Liebe zum Leiden, die Losschälung von allen, den Tod des eigenen Ich zu lehren Mir gefiel. Und als du dich darauf eingelassen hast, freute Ich Mich, denn Ich sah in dir den Platz vorbereitet, wo Ich mein FIAT und die erhabenen Lehren, die meinen Willen betrafen, hinterlegen konnte.
So war es bei der Erlösung: alles wurde zu dem Zweck getan, dass das FIAT von neuem im Menschen herrschen könne wie damals, als Wir ihn aus unseren schöpferischen Händen hervorgehen ließen. Wir haben in unseren Werken keine Eile, denn Wir haben nicht nur die Jahrhunderte, sondern die ganze Ewigkeit zu unserer Verfügung, deshalb gehen Wir langsam vor, jedoch zu unserem Triumph. Zuerst treffen Wir Vorbereitungen und dann führen Wir es aus. Nicht, dass Ich mit meiner Rückkehr in den Himmel nicht mehr dieselbe Macht hätte, als wäre Ich weiterhin auf der Erde geblieben. Meine Macht ist stets dieselbe, ob Ich im Himmel bin oder auf der Erde. Berief und erwählte Ich nicht meine Mutter, als Ich in meiner himmlischen Heimat war? So habe Ich dich mit derselben Macht, der niemand widerstehen kann, für das ersehnte FIAT berufen und auserwählt. Ja, Ich sage dir vielmehr, um dies erlangen zu können, hast du noch größere und wichtigere Dinge zu deiner Verfügung, die meine geliebte Mutter nicht hatte. Deshalb bist du seliger, denn sie hatte keine Mutter noch deren Werke als Hilfe, noch jene des ersehnten Erlösers, sondern nur das Gefolge der Akte der Propheten, Patriarchen und der Gerechten des Alten Testaments und der großen vorhergesehenen Güter des zukünftigen Erlösers.
Du jedoch hast eine Mama und alle ihre Werke als Hilfe, hast die Hilfen, Leiden, Gebete, und das – nicht vorhergesehene, sondern [schon] vollbrachte – Leben deines Erlösers selbst. Es gibt kein Gut und keine Gebete, die in der Kirche verrichtet worden sind und verrichtet werden, an denen du nicht teilhättest, um dir darin zu helfen, das ersehnte FIAT zu erlangen. So hatte alles, was Ich, die Himmelskönigin und alle Guten getan haben, als ersten Zweck die Erfüllung meines Willens, deshalb ist alles mit dir, um die Erfüllung dieses Zweckes zu erflehen. Sei deshalb aufmerksam: Ich werde mit dir sein, auch meine Mutter. Du wirst nie allein dabei sein, den Triumph unseres Willens zu ersehnen.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 19; 28. März 1926)

