„Kommt alles darauf an, dass die Seelen unseren Willen besitzen“
„Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird“ (Joh 15,11)
„Meine Tochter, unser Höchstes Sein besitzt die Quelle der Glückseligkeit, daher konnten aus Uns keine Dinge oder Wesen hervorgehen, die nicht glücklich wären. So besitzt die ganze Schöpfung eine solche Fülle an Glück, dass sie der ganzen Erde vollkommenes irdisches Glück schenken kann. Daher erfreute sich Adam der Fülle des Glücks, alle Dinge ließen Ströme von Freuden und Wonnen auf ihn herabregnen. Und in seinem Inneren schloss er, da er meinen Willen besaß, Meere der Befriedigung, der Seligkeiten und endlosen Freuden ein. Für ihn war innen und außen alles Glückseligkeit. Als er sündigte und sich meinem Willen entzog, trennte sich die Freude von ihm. Alle geschaffenen Dinge zogen die Freuden, die sie in sich bargen, in ihren Schoß zurück und gaben dem Menschen nur die nötigen Mittel, nicht wie einem Eigentümer, sondern wie einem undankbaren Diener.
Du siehst also, dass die Unglückseligkeit weder aus Uns hervorging, noch Wir sie geben konnten, da Wir keine besaßen; und was man nicht hat, kann man unmöglich geben. So war es die Sünde, die im Menschen den Samen des Unglücks, des Schmerzes und aller Übel säte, die ihn innerlich und äußerlich umgeben. Als dann die Himmlische Herrin auf die Erde kam und danach meine Heiligste Menschheit, begann die ganze Schöpfung zu feiern, lächelte Uns vor Freude zu und begann erneut, auf Uns Freuden und Glück herabströmen zu lassen. Als Wir ins Freie traten, liefen sie Uns entgegen, verneigten sich und ließen über Uns Freuden und Glück herabkommen. Die Sonne schenkte Uns die Wonnen ihres Lichtes, erfreute unseren Blick mit ihren mannigfaltigen Farben, gab Uns voll Freude die Küsse ihrer Liebe, die sie besaß und breitete sich ehrfürchtig in Anbetung unter unseren Schritten aus.
Der Wind regnete auf Uns die Freuden seiner Frische und entfernte mit seinen Windstößen von Uns die faulige Luft so vieler Sünden. Die Vögel umgaben Uns, um Uns mit ihren Trillern und Liedern zu erfreuen. Wie viel schöne Musik machten sie Uns, sodass Ich ihnen sogar befehlen musste, sich von Mir zu entfernen und in die Luft aufzufliegen, um ihrem Schöpfer zu huldigen! Die Erde erblühte unter meinen Schritten, um Mich mit ihrem großen Blumenschmuck zu erfreuen, und als Ich ihr befahl, Mir keine derartige Bezeigung zu machen, gehorchte sie Mir. Die Luft brachte Mir die Freuden unseres allmächtigen Atems – denn wenn der Mensch atmete, dann schenkten Wir ihm Leben, indem Wir ihn mit göttlichen Freuden und Wonnen überhäuften; und wenn Ich atmete, fühlte Ich unsere Freuden und Wonnen erneuert, die Wir bei der Erschaffung des Menschen erfuhren.
So gab es keine geschaffenen Dinge, die nicht die Freuden, die sie besaßen, ausströmen lassen wollten, nicht nur um Mich zu beglücken, sondern um Mir als ihrem Schöpfer Huldigung und Ehre darzubringen. Ich opferte sie meinem Vater im Himmel auf, um Ihm die Herrlichkeit, Ehre, Huldigung und Liebe für so viel Pracht und wunderbare Werke zu geben, die Wir in der Schöpfung aus Liebe zum Menschen vollbracht hatten. Nun, meine Tochter, diese Freuden in den geschaffenen Dingen existieren immer noch. Wie die Schöpfung von Uns mit solchem Glanz, solcher Pracht und mit der Fülle des Glücks gemacht wurde, so hat sie nichts verloren. Wir warten nämlich auf unsere Kinder, die Söhne und Töchter unseres Willens, die mit Recht die Freuden und irdische Glückseligkeit genießen werden, welche die ganze Schöpfung besitzt.
Ich könnte sagen, dass sie aus Liebe zu diesen immer noch existiert, und die Menschen – wenn auch nicht die Fülle des Glücks – so doch wenigstens die lebensnotwendigen Dinge genießen. Dass die Schöpfung nach so viel menschlicher Undankbarkeit und so vielen schaudererregenden Sünden immer noch existiert, spricht von der Gewissheit des Reiches meines Willens auf Erden; es wird nämlich der Mensch, der meinen Willen besitzt, sich befähigen, die Freuden der Schöpfung zu empfangen und Uns die Herrlichkeit, Liebe und Vergeltung für all das darzubringen, was Wir für ihn getan haben. Er wird fähig werden, alles mögliche und vorstellbare Gute zu wirken, das ein Geschöpf nur tun kann.
Daher kommt alles darauf an, dass die Seelen unseren Willen besitzen, denn dies war der Ursprung der ganzen Schöpfung, einschließlich des Menschen: alles war unser Wille, alle lebten eingeschlossen in Ihm und fanden in Ihm, was sie wollten: Freuden, Friede, vollkommene Ordnung, alles stand zu ihrer Verfügung. Als sie vom Ursprung abgerückt waren, veränderten alle Dinge ihr Aussehen: Das Glück verwandelte sich in Schmerz, die Stärke in Schwachheit, die Ordnung in Unordnung, der Friede in Krieg. Armer Mensch ohne meinen Willen! Er ist der wahrhaft Blinde, der arme Gelähmte, und wenn er etwas Gutes tut, dann ist alles Mühsal und Bitterkeit. Alle Dinge finden, wenn sie sich vom Ursprung her ableiten lassen, aus dem sie ihre Existenz hatten, den Weg, den festen Schritt und den glücklichen Ausgang der Werke oder des Guten, die sie unternommen haben.
Wenn sie den Ursprung verlieren, werden sie verdreht, schwanken, verirren sich auf dem Weg und können schließlich nichts bewirken; und wenn sie scheinbar etwas bewirken, dann ist es armselig (mitleiderregend). Auch in den menschlichen Dingen ist es so: wollte der Lehrer dem Schüler [nur] die Konsonanten und nicht die Vokale beibringen, so würde der Ärmste, da es in jedem Wort und in allen Schrifttexten, von der geringsten bis zur höchsten Wissenschaft, Selbstlaute gibt, nie lesen lernen. Und wenn er es wollte, würde er verrückt werden. Wer hat all dieses Übel verursacht? Die Entfernung vom Ursprung der Wissenschaft, welche die Vokale sind. Ach, meine Tochter! Solang der Mensch nicht zu seinem Ursprung zurückkehrt und nicht wieder in meinen Göttlichen Willen eintritt, wird das Werk meiner Schöpfung zerbrochen und entstellt sein.
Armer Mensch, ohne die ersten Vokale meines Göttlichen Willens! Wie viel Licht Ich ihm auch verleihen und zu ihm sprechen mag, so wird er Mich nicht verstehen, weil ihm der Ursprung und die ersten Vokale fehlen, um meine Lehren über mein Fiat lesen zu können. Daher ist er ohne Grundlage, ohne Fundament, ohne Lehrer, ohne Verteidigung. So groß ist sein Schwachsinn, dass er seinen armseligen Zustand nicht erkennt. Deshalb fleht er auch nicht darum, wieder in meinen Willen einzutreten, um die ersten Vokale zu lernen, mit denen er von Gott erschaffen worden war, um sich die wahre Himmelswissenschaft weiter aneignen zu können und sich so sein ganzes irdisches und himmlisches Glück zu bereiten.
Deshalb flüstere Ich stets ans Ohr seines Herzens: ‚Mein Kind, tritt wieder in meinen Willen ein! Komm zurück zu deinem Ursprung, wenn du Mir ähnlich sein willst und wünschst, dass Ich dich als meinen Sohn, meine Tochter anerkenne.‘ O wie schmerzt es, Kinder zu haben, die Mir nicht ähnlich sind, die unedel, arm, heruntergekommen, unglücklich sind – und warum all das? Weil sie das große Erbe des Himmlischen Vaters zurückgewiesen haben und Mich zwingen, über ihr Los zu weinen. Tochter, bete, dass alle meinen Willen anerkennen, und du, anerkenne und schätze Ihn, liebe Ihn mehr als dein eigenes Leben und lasse Ihn dir auch nicht einen Augenblick lang entgehen.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 34; 2. August 1937)
