6. Tag der Weihnachtsoktav (Lk 2,36-40)
36In jener Zeit lebte Hanna, eine Prophetin, eine Tochter Penuals, aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hochbetagt. Als junges Mädchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt; 37nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten.
38Zu derselben Stunde trat sie hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. 39Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück. 40Das Kind wuchs heran und wurde stark, erfüllt mit Weisheit, und Gottes Gnade ruhte auf ihm.
„Sie … diente Gott Tag und Nacht“ (Lk 2,37)
(60) … Fühlte ich ein großes Bedürfnis, die heilige Kommunion zu empfangen; während des ganzen Tages und der ganzen Nacht tat ich nichts anderes, als mich darauf vorzubereiten.
Ich konnte wegen des ständigen Pochens meines Herzens keinen Schlaf finden und sprach zu Ihm: „Herr, beeile Dich, ich kann ohne Dich nicht sein. Lass die Stunden schneller verstreichen und die Sonne bald aufgehen, denn ich kann nicht mehr, mein Herz verschmachtet.“
Er selbst machte mir solche liebevollen Einladungen, dass es mir das Herz brach. Er sagte zu mir: „Sieh, Ich bin allein, sorge dich nicht, weil du nicht schlafen kannst – es geht darum, deinem Gott Gesellschaft zu leisten, deinem Bräutigam, der dein Alles ist, der ständig beleidigt wird.
O verweigere Mir bitte diesen Trost nicht, denn in deiner Betrübnis werde Ich dich auch nicht verlassen.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 1)
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… „Meine Tochter, wisse, dass die Seele – wie die Natur Tag und Nacht kennt – auch ihre Nacht, die Morgenröte, den Tagesanbruch, den vollen Mittag und ihren Sonnenuntergang kennt. Die Nacht ruft den Tag, und der Tag die Nacht, man kann sagen, sie rufen einander.
Nun, die Nacht der Seele sind meine Beraubungen, doch wenn sie in meinem Willen lebt, sind es kostbare Nächte – nicht einer lässigen Ruhe oder eines unruhigen Schlafes – nein, nein, sondern es sind Nächte der tätigen Ruhe und des friedvollen Schlafes.
Sieht sie die Nacht kommen, dann gibt sie sich meinen Armen hin, um ihr müdes Haupt an meinem göttlichen Herzen ruhen zu lassen und meine Herzschläge zu vernehmen, um in ihrem Schlaf neue Liebe zu schöpfen und Mir in ihrem Schlaf zu sagen: ‘Ich liebe Dich, ich liebe Dich, o mein Jesus!’
Der Schlaf der Seele, die Mich liebt und in meinem Willen lebt, gleicht dem Schlaf eines kleinen Kindes: wenn ihm die Augen im Schlaf zufallen, ruft es zwischen Wachen und Schlafen: ‘Mama, Mama!’
Es braucht zum Schlafen so dringend ihre Arme und ihre Mutterbrust, dass das erste Wort nach seinem Aufwachen, das Wort ‘Mama’ ist, und das erste Lächeln, der erste Blick der Mutter gelten.
So ist die Seele, die in meinem Willen lebt, wie das kleine Kind: sobald die Nacht kommt, sucht sie Den, den sie liebt, um neue Kraft und neue Liebe zu schöpfen, um Mich noch mehr zu lieben. O, wie schön ist ihr Anblick, wenn sie im Schlaf nach Jesus verlangt, Ihn ersehnt und nach Ihm seufzt!
Dieses Verlangen, diese Sehnsucht und diese Seufzer rufen die Dämmerung, bilden die Morgenröte und lassen den vollen Tag anbrechen, der die Sonne herbeiruft; und Ich gehe auf, und bilde in der Seele den Lauf des Tages und seinen vollen Mittag.
Doch du weißt, meine Tochter, dass die Dinge hier auf der Erde sich abwechseln. Nur im Himmel ist stets helllichter Tag, da meine Gegenwart unter den Seligen immer währt. So siehst du, dass Ich Mich aufmache, wegzugehen – doch weißt du, wo Ich bleibe? In deinem Inneren.
Nachdem Ich deine Seele mit den Unterweisungen im Licht meiner Gegenwart belehrt habe, damit du sie gut begreifst und sie dir als Nahrung und Arbeit während des Tages dienen, ziehe Ich Mich zurück und bilde den Sonnenuntergang.
Während der kurzen Nacht in dir verborgen, mache Ich Mich zum Protagonisten und Zuschauer aller deiner Akte. Während es für dich Nacht zu sein scheint, ist es für Mich die schönste Ruhe, dass Ich, nachdem Ich zu dir gesprochen habe, in meinem eigenen Wort ruhe.
Die Akte, die du tust, dienen Mir als Wiegenlieder, als Erholung, Schutz und liebliche Erquickung in meinen Liebesqualen.
Lass Mich daher handeln, Ich weiß, wann dir und Mir, in deiner Seele Nacht oder Tag nötig sind. Ich wünsche in dir immerwährenden Frieden, so dass Ich [in dir] tun kann, was Ich will.
Wenn du nicht im Frieden bleibst, fühle Ich Mich in meiner Arbeit gestört und kann meine Pläne nur unter Schwierigkeiten und nicht mit Leichtigkeit ausführen.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 29; 4. Oktober 1931)
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… Wird Dich mein „Ich liebe Dich“ nie allein lassen; ich werde Nacht und Tag nahe bei Dir bleiben; und wenn ich Dich bekümmert, betrübt, schmachtend vor Liebe sehen werde, beten und weinen wegen der Einsamkeit, die Dein Göttlicher Wille erleidet, dann werde ich Dich trösten mit dem Ruf meines „Ich liebe Dich“!
Du fühlst den Schmerz lebhaft, nicht nur weil Dein Göttlicher Wille nicht unter den Geschöpfen regiert, sondern weil Er von ihnen gleichsam verbannt wird.
Deine Heiligste Menschheit weint daher und fleht im Namen der ganzen Menschheitsfamilie, dass beide, der Göttliche Wille und der menschliche, sich miteinander wieder versöhnen und miteinander verschmelzen.
O Jesus, ich mache mir Deine Tränen zu Eigen, Deine Gebete, ich ergreife Besitz von den Qualen Deines brennenden Herzens und, indem ich sie mit meinem „Ich liebe Dich“ verflechte, forme ich süße Ketten der Liebe, um Dich zu zwingen, mir das Reich Deines Göttlichen Willens auf Erden zu gewähren!
Höre, mein Leben, es sind die Schläge Deines Herzens selbst, Deine Seufzer selbst, es sind Deine Tränen, Deine Gebete und Deine Leiden, die das Reich Deines Fiat wollen und erflehen.
Daher, wenn Du mich nicht erhören willst, erhöre wenigstens Dich selbst und, während Du die Wüste verlässt, versichere mir, dass bald das Reich Deines Willens auf die Erde kommen wird… (aus „Rundgang der Seele im Reich des Göttlichen Willens“ nach den Schriften der Dienerin Gottes Luisa Piccarreta; fünfzehnte Stunde)
„Kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück“ (Lk 2,39)
… Dann folgte ich meinem Göttlichen FIAT und machte meine Runden in Ihm. Als ich zum Haus von Nazareth gelangte, wo mein liebenswürdiger Jesus sein verborgenes Leben geführt hatte, und seinen Akten folgte, sagte ich zu Ihm:
„Meine Liebe, es gibt keinen Akt, den Du tust, dem mein „Ich liebe Dich” nicht nachfolgt, um Dich mittels deiner Akte um das Reich deines Willens zu bitten.
Mein „Ich liebe Dich” folgt Dir überall, in den Schritten, die Du tust, in den Worten, die Du sprichst, im Holz, das Du hämmerst; und während Du das Holz bearbeitest, hämmerst Du das menschliche Wollen, damit es zunichtewerde und dein Göttliches Wollen unter den Menschen auferstehe.
Mein „Ich liebe Dich” fließt im Wasser, das Du trinkst, in der Speise, die Du zu Dir nimmst, in der Luft, die Du einatmest, in den Strömen der Liebe, die zwischen Dir und deiner Mama und dem heiligen Josef fließen, in den Gebeten, die Du verrichtest, in deinem feurigen Herzschlag, im Schlaf, den Du genießt.
O, wie gerne wäre ich Dir nahe, um Dir ins Ohr zu flüstern: „Ich liebe Dich, ich liebe Dich, gib, dass dein Reich komme!“ Als ich nun mit meinen „Ich liebe Dich” eine Krone um alle Akte Jesus bilden wollte, bewegte Er sich in meinem Inneren und sagte zu mir:
„Meine Tochter, mein ganzes verborgenes Leben, so lang es war, beinhaltete nichts anderes, als dass Ich das Reich meines Göttlichen Willens auf die Erde zurückrief.
Ich wollte in Mir alle Akte wieder herstellen, welche die Geschöpfe in Ihm verrichten sollten, um sie ihnen dann zu reichen, und Ich wollte dies gemeinsam mit meiner Mutter tun.
Ich wünschte Sie stets zusammen mit Mir in meinem verborgenen Leben, um dieses Reich zu errichten. Zwei Personen hatten dieses Reich meines Göttlichen FIAT zerstört, nämlich Adam und Eva; zwei andere, Ich und die Erhabenheit der Höchsten Königin, sollten es wiederherstellen.
So dachte Ich zuerst an das Reich meines Göttlichen Willens, denn der menschliche Wille war der erste gewesen, der meinen Willen mit dem Rückzug aus Ihm beleidigt hatte. Alle anderen Beleidigungen kamen in zweiter Ordnung, als Folge des ersten Aktes.
Es ist der menschliche Wille, der das Leben oder der Tod der Geschöpfe ist, ihre Seligkeit oder ihre Tyrannei und das Unglück, in das er sie stürzt. Er ist ihr guter Engel, der sie zum Himmel führt, oder er verwandelt sich in einen Dämon und stürzt sie in die Hölle.
Das ganze Übel, wie auch das ganze Gute, liegt im Willen, da er gleichsam die in das Geschöpf gelegte Quelle des Lebens ist, aus der Freuden, Seligkeit, Heiligkeit, Friede, Tugenden hervorsprudeln, oder auch Fontänen von Unglück, Elend, Sünden, Kriegen emporschießen, die alle Güter zerstören.
Daher kümmerte Ich Mich in diesem verborgenen Leben von gut dreißig Jahren zuerst um das Reich meines Willens, und dann in meinem kurzen, knapp dreijährigen öffentlichen Leben um die Erlösung.
Während Ich bei der Bildung des Reiches meines Göttlichen FIAT immer die Himmlische Mutter bei Mir hatte, handelte Ich im öffentlichen Leben ohne ihre – zumindest körperliche – Gegenwart.
Ich setzte nämlich Mich selbst als König des Reiches meines FIAT ein, und die Hl. Jungfrau als Königin, damit Ich das erste und Sie dann das [zweite] Fundament des Reiches sei, das vom menschlichen Willen zerstört worden war.
Du siehst also, dass das Reich meines Göttlichen Willens aus Notwendigkeit, zu Recht und konsequenterweise mit meiner Ankunft auf Erden in erster Priorität gebildet wurde.
Ich hätte auch die Erlösung nicht bewerkstelligen können, wenn Ich meinem Himmlischen Vater nicht für den ersten Akt der Beleidigung Genugtuung geleistet hätte, der Ihm von den Geschöpfen zugefügt wurde. Daher ist das Reich meines Willens [schon] begründet, und es bleibt nur mehr [übrig], Es bekannt zu machen.
So tue Ich also nichts anderes, als gemeinsam mit dir meinen Akten, die Ich verrichtet habe, zu folgen und sie dir zu reichen, um dieses Reich zu bilden, wie auch deine Akte zu begleiten, damit in ihnen das Fundament meiner Akte ströme.
Ich wache darüber, dass dein Wille kein Leben habe, damit mein Wille frei sei. Mit einem Wort, Ich handle an dir wie an einer zweiten Mutter: Ich rufe alle Akte zurück, die Ich gemeinsam mit der Hl. Jungfrau getan habe und hinterlege sie in dir.
Sei deshalb aufmerksam, um in allem meinem Willen nachzufolgen.” (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 23; 11. März 1928)

