24In jener Zeit brach Jesus auf und zog von dort in das Gebiet von Tyrus. Er ging in ein Haus, wollte aber, dass niemand davon erfuhr; doch es konnte nicht verborgen bleiben. 25Eine Frau, deren Tochter von einem unreinen Geist besessen war, hörte von ihm; sie kam sogleich herbei und fiel ihm zu Füßen.
26Die Frau, von Geburt Syrophönizierin, war eine Heidin. Sie bat ihn, aus ihrer Tochter den Dämon auszutreiben. 27Da sagte er zu ihr: Lasst zuerst die Kinder satt werden; denn es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen.
28Sie erwiderte ihm: Ja, du hast recht, Herr! Aber auch für die Hunde unter dem Tisch fällt etwas von dem Brot ab, das die Kinder essen. 29Er antwortete ihr: Weil du das gesagt hast, sage ich dir: Geh nach Hause, der Dämon hat deine Tochter verlassen.
30Und als sie nach Hause kam, fand sie das Kind auf dem Bett liegen und sah, dass der Dämon es verlassen hatte.

„Sie bat ihn…“ (Mk 7,26)

Nachdem ich meinen üblichen Rundgang im Höchsten Willen gemacht hatte, bat ich den guten Jesus im Namen seiner Schöpfung und Erlösung, im Namen aller, vom ersten bis zum letzten Menschen, im Namen der erhabenen Königin und im Namen all dessen, was Sie tat und litt, dass das Höchste Fiat bekannt werde, damit sich sein Reich in vollem Triumph und in voller Herrschaft festige.
Aber während ich das tat, dachte ich bei mir: „Wenn Jesus es Selbst will und so sehr liebt, dass sein Reich unter den Menschen errichtet werde, warum will Er, dass man mit solcher Eindringlichkeit darum betet? Wenn Er will, kann Er es ohne so viele ständige Akte gewähren.“
Da bewegte sich mein süßer Jesus in meinem Inneren und sagte zu mir: „Meine Tochter, mein Höchstes Sein besitzt das vollkommene Gleichgewicht, und verbleibt auch so, wenn Es den Geschöpfen meine Gnaden und Gaben schenkt.
Umso mehr wenn Es dieses Reich des Höchsten Fiat gewährt, welches das größte Geschenk ist, das Ich am Anfang der Schöpfung schon gegeben hatte, und das der Mensch mit so großer Undankbarkeit zurückgewiesen hat.
Scheint es dir gering zu sein, dass der Schöpfer dem Menschen einen Göttlichen Willen mit allen Gütern, die Er enthält, zur Verfügung stellt – und nicht für eine Stunde oder einen Tag, sondern für das ganze Leben?
Dass der Schöpfer im Geschöpf seinen anbetungswürdigen Willen hinterlegt, um mit ihm seine Ähnlichkeit teilen zu können, seine Schönheit, seine unendlichen Meere der Reichtümer, Freuden und Wonnen ohne Ende?
Und nur mit dem Besitz unseres Willens, konnte der Mensch die Rechte auf Gemeinsamkeit, auf Ähnlichkeit und auf alle Güter seines Schöpfers erwerben. Ohne Ihn kann es keine Gemeinschaft mit Uns geben, und wenn er sich irgendetwas nimmt, so sind es kaum kleine verblühte Stückchen von Uns und Krümel unserer unendlichen Güter.
Der Mensch hatte nun eine so große Gabe, eine solch unermessliche Glückseligkeit, ein Recht auf göttliche Ähnlichkeit mit dem Erwerb des Adels unserer Kindschaft zurückgewiesen.
Meinst du etwa, dass es dann eine einfache Angelegenheit wäre, dass die göttliche Souveränität, ohne darum gebeten worden zu sein und ohne dass sich jemand Gedanken darüber macht, wie er dieses Reich des Höchsten Fiat erhalten könne, dieses den Geschöpfen gewähre?
Es wäre eine Wiederholung der Geschichte, die sich im irdischen Eden ereignete, und vielleicht noch schlimmer. Außerdem würde sich unsere Gerechtigkeit zu Recht dem widersetzen.
So ist alles, was Ich dich tun lasse – die ständigen Rundgänge im Höchsten Willen, deine unaufhörlichen Gebete um die Herrschaft meines Willens, dein seit so langen Jahren geopfertes Leben, wo du weder den Himmel noch die Erde kennst, auf das einzige Ziel gerichtet, dass mein Reich komme – wie so viele Stützen, die du vor meine Gerechtigkeit hinstellst, damit sie ihre Rechte abtrete.
Indem sie mit allen unseren Eigenschaften ins Gleichgewicht kommt, möge sie es nun für gerecht erachten, dass das Reich des Höchsten Fiat den Menschengeschlechtern wieder zurückerstattet werde.
So geschah es bei der Erlösung: hätte unsere Gerechtigkeit nicht die Gebete, Seufzer, Tränen und Bußübungen der Patriarchen, der Propheten und aller Gerechten des Alten Testaments und außerdem eine jungfräuliche Königin vorgefunden, die unseren Willen unversehrt besaß, die sich alles mit so vielen eindringlichen Gebeten zu Herzen nahm, indem sie die ganze Aufgabe der Genugtuung für das gesamte Menschengeschlecht auf sich nahm, dann hätte unsere Gerechtigkeit niemals die Herabkunft des ersehnten Erlösers zu den Menschen gewährt.
Sie wäre unerbittlich geblieben und hätte zu meinem Kommen auf Erden ein entschiedenes ‚Nein‘ gesagt. Und wenn es darum geht, das Gleichgewicht unseres Höchsten Seins aufrecht zu halten, so ist da nichts zu machen.
Wer hat nun bis jetzt jemals mit Interesse und Nachdruck und mit dem Opfer seines eigenen Lebens darum gebetet, dass das Reich des Höchsten Fiat auf Erden komme und triumphiere und herrsche? Niemand.
Es stimmt zwar, dass die Kirche das Vater Unser betet, seit Ich auf die Erde kam, in dem darum gebetet wird, dass mein Reich komme, damit mein Wille wie im Himmel so auf Erden geschehe. Aber wer denkt schon an die Bitte, die er ausspricht?
Man kann sagen, dass die ganze Bedeutung einer derartigen Bitte in meinem Willen verblieb, und die Geschöpfe sie nur rezitieren, um sie zu rezitieren, ohne sie zu verstehen und ohne wirkliches Interesse daran, das zu erlangen, worum sie bitten.
Daher, meine Tochter, ist alles im Geheimen verborgen, während man auf Erden lebt, alles erscheint mysteriös; und wenn man etwas erkennt, ist es so spärlich, dass der Mensch über alles, was Ich in meinen Werken durch den Schleier der Geschöpfe hindurch wirke, immer etwas auszusetzen hat.
Er fragt schließlich sogar: ‚Und warum ist dieses Gut, sind diese Erkenntnisse nicht früher mitgeteilt worden, während es so viele große Heilige gab?‘
Aber in der Ewigkeit wird es keine Geheimnisse geben. Ich werde alles enthüllen und alle meine Dinge und Werke mit Gerechtigkeit sichtbar machen, und dass diese [Gerechtigkeit] niemals geben konnte, wenn im Geschöpf nicht genügende Akte vorhanden gewesen wären, um das schenken zu können, was die Höchste Majestät geben wollte.
Es stimmt zwar, dass alles, was das Geschöpf tut, meine Gnade ist, aber diese selbe Gnade will die Stütze der Bereitschaft und des guten Willens im Geschöpf vorfinden.
Um also das Reich meines Willens auf Erden wiederherzustellen, bedarf es der ausreichenden Akte des Geschöpfes, damit mein Reich nicht in der Luft bleibt, sondern herabsteige, um über eben diesen Akten des Geschöpfes – die von ihm verrichtet wurden, um ein solch großes Gut zu erlangen – Gestalt anzunehmen.
Siehe, daher dränge Ich dich so sehr, den Rundgang in all unseren Werken, in Schöpfung und Erlösung, zu machen, damit du den Anteil deiner Akte vollbringst, dein „Ich liebe Dich“, deine Anbetung, deine Erkenntlichkeit, dein ‚Danke‘ auf alle unsere Werke.
Sehr oft habe Ich dies gemeinsam mit dir getan, und nachdem du deinen Rundgang in unserem Willen beendet hast, hast du als Vollendung deinen Kehrreim vorgebracht, der Uns so wohlgefällig ist: ‚Höchste Majestät, deine kleine Tochter kommt vor Dich, auf deine väterlichen Knie, um Dich um dein Fiat und um dein Reich zu bitten und darum, dass es von allen erkannt werde.
Ich bitte Dich um den Triumph deines Willens, damit Er über alle herrsche und regiere. Nicht ich allein bin es, die Dich darum bittet, sondern mit mir zusammen sind deine Werke, ja dein eigener Wille: daher bitte ich Dich im Namen aller und flehe ich Dich an um dein Fiat.‘
Wenn du wüsstest, wie einnehmend dieser dein Reim für unser Höchstes Sein ist! Wir vernehmen, wie Uns alle unsere Werke bitten, und unser eigener Wille selbst anfleht. Himmel und Erde beugen die Knie, um von Uns das Reich des ewigen Willens zu erbitten.
Wenn du dieses Reich also willst, fahre mit deinen Akten fort, damit du durch das Erreichen der festgesetzten Anzahl erlangen mögest, was du mit so großer Eindringlichkeit ersehnst.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 19; 13. September 1926)

„Ja, du hast recht, Herr! Aber auch für die Hunde unter dem Tisch fällt etwas von dem Brot ab, das die Kinder essen“ (Mk 7,28)

Diesen Morgen kam der gebenedeite Jesus nur kurz und sagte zu mir:
„Meine Tochter, die Demut ist eine Blume ohne Dornen, und da sie ohne Dornen ist, kann man sie in die Hand nehmen, an sich drücken, hinlegen, wo man will, ohne Angst vor Belästigung oder Stichen.
So ist die demütige Seele. Man kann sagen, dass sie nicht die Stiche der Fehler hat, und da sie nicht sticht, kann man mit ihr tun, was man will; da sie keine Dornen hat, sticht oder behelligt sie andere natürlich nicht. Denn die Dornen gibt nur einer weiter, der sie besitzt. Wer jedoch keine hat, wie könnte er sie geben?
Nicht nur das, sondern die Demut ist eine Blume, die die Sicht stärkt und klärt. Mit ihrer Klarheit versteht sie es, sich von den Dornen selbst fernzuhalten.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 6; 24. Februar 1905)

„Weil du das gesagt hast, sage ich dir: Geh nach Hause, der Dämon hat deine Tochter verlassen“ (Mk 7,29)

Diesen Morgen war ich in einem derartigen Zustand der Selbstvernichtung, bis ich so weit kam, mich widerwärtig und lästig zu finden. Mir schien, ich wäre das verabscheuungswürdigste Wesen, das man finden könnte. Ich sah mich wie ein kleiner Wurm, der sich warf und wand, doch immer dort im Schmutz blieb, unfähig, einen Schritt zu tun.
O Gott, welch menschliches Elend! Obwohl ich so viele Gnaden empfangen habe, bin ich immer noch so schlecht! Mein guter Jesus, stets gütig mit dieser elenden Sünderin, kam und sagte mir:
„Verachtung deiner selbst ist dann lobenswert, wenn sie gut mit dem Geist des Glaubens bekleidet ist; doch wenn sie nicht mit dem Geist des Glaubens umhüllt ist, kann sie dir, anstatt dir Gutes zu tun, Schaden zufügen.
Tatsächlich wärest du, dich so zu sehen wie du bist, unfähig, irgendetwas Gutes zu tun, ohne Vertrauen, bedrückt, würdest nicht wagen, einen Schritt auf dem Weg des Guten zu tun.
Aber wenn du dich an Mich lehnst, d.h., dich mit dem Geist des Glaubens kleidest – wirst du dich selbst kennen und verachten, und zugleich, indem du Mich kennst, voll Vertrauen sein, alles mit Meiner Hilfe tun können. Und so, wenn du auf diese Weise handelst, wirst du entsprechend der Wahrheit deinen Weg gehen.“
Wie viel Gutes bewirkten diese Worte Jesu in meiner Seele! Ich verstand, dass ich in meine Nichtigkeit eintreten musste und wissen, wer ich bin, doch ich durfte hier nicht stehen bleiben, sondern gleich nachdem ich mich erkannt habe, muss ich in das unermessliche Meer Gottes eintauchen und dort Halt machen, um alle Gnaden zu schöpfen, die meine Seele benötigt; sonst ermattet meine Natur, und der Dämon wird sich um Mittel umsehen, um mich in das Misstrauen zu stürzen.
Der Herr sei stets gepriesen, und möge alles zu seiner Ehre sein! (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 2; 26. Mai 1899)

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… „Meine Tochter, nur mit den Kleinen kann man umgehen, wie man will; nicht jene, die an menschlicher Vernunft klein sind, sondern die klein, aber erfüllt von göttlicher Vernunft sind.
Ich allein kann sagen, dass Ich demütig bin, denn im Menschen sollte das, was Demut heißt, sich eher Selbsterkenntnis nennen; und wer sich nicht selbst kennt, geht bereits in der Unwahrheit.“
Jesus blieb für Minuten still, und ich stand da und betrachtete Ihn. Währenddessen sah ich eine Hand, die ein Licht trug, welche in meinem Inneren die intimsten verborgenen Orte durchsuchte, um zu sehen, ob in mir Selbsterkenntnis und Liebe zur Erniedrigung, Demütigung und Schmach zu finden sei.
Jenes Licht fand einen Leerraum in meinem Inneren, und ich sah auch, dass er mit Demütigungen und Beschämung gefüllt werden sollte nach dem Beispiel des gebenedeiten Jesus. O, wie viel ließen mich dieses Licht und dieses heilige Angesicht, das vor mir war, verstehen!
Ich sagte zu mir selbst: „Ein Gott, aus Liebe zu mir erniedrigt und gedemütigt, und ich, eine Sünderin, ohne diese Ehrenzeichen! Ein Gott, beständig und fest im Ertragen so vieler Beleidigungen, sodass Er sich nicht einmal ein klein wenig bewegt, um diesen ekelhaften Speichel abzuschütteln!
Ach, mir wird sein Inneres vor dem Angesicht Gottes und sein Äußeres vor den Menschen gezeigt, und doch könnte Er, wenn Er wollte, sich selbst befreien, denn nicht die Ketten fesseln Ihn, sondern sein fester Wille, die Menschheit um jeden Preis retten zu wollen.
Und ich? Und ich? Wo sind meine Demütigungen, wo die Festigkeit und Beständigkeit im Tun des Guten aus Liebe zu meinem Jesus und aus Liebe zu meinem Nächsten? Ach, wie verschieden sind wir als Opfer – ich und Jesus! Ach, wir sehen uns überhaupt nicht ähnlich!“
Während mein kleines Gehirn sich in diesen Überlegungen verlor, sagte mir mein anbetungswürdiger Jesus: „Nur meine Menschheit war erfüllt von Schmach und Demütigungen, bis sie sogar nach außen überflossen.
Deshalb zittern Himmel und Erde vor meinen Tugenden, und die Seelen, welche Mich lieben, gebrauchen meine Menschheit als eine Treppe, um höherzusteigen und ein paar kleine Tröpfchen meiner Tugenden aufzulecken. Sage mir nun: „Angesichts meiner Demut, wo ist die deine?
Ich allein kann mich rühmen, die wahre Demut zu besitzen. Meine, mit meiner Menschheit vereinte Gottheit, könnte bei jedem Schritt, in Worten und Werken Wunder tun; hingegen schloss Ich Mich willentlich in den Umkreis meiner Menschheit ein, Ich zeigte Mich als der Ärmste und ging so weit, mich unter die Sünder zu mischen.
Ich hätte das Erlösungswerk in kürzester Zeit vollbringen können, sogar mit einem einzigen Wort; doch wollte Ich im Lauf vieler Jahre, mit vielen Bedrängnissen und Leiden, Mir die Armseligkeiten des Menschen zu eigen machen.
Ich wollte Mich selbst in vielen Akten üben, damit der Mensch vollkommen erneuert und auch in den niedrigsten Werken vergöttlicht würde. Tatsächlich, als sie von Mir geübt worden sind, der Ich Gott und Mensch war, empfingen sie neuen Glanz und erhielten das Merkmal von göttlichen Werken.
Meine, in meiner Menschheit verborgene Gottheit wollte sich zu solcher Niedrigkeit herablassen und sich dem Lauf der menschlichen Handlungen unterwerfen, während Ich mit einem einzigen Willensakt unendliche Welten erschaffen hätte können.
Sie wollte das Elend und die Schwächen der anderen fühlen, als wären sie Ihre eigenen, und wollte meine Menschheit mit allen Sünden der Menschen vor der Göttlichen Gerechtigkeit bedeckt sehen, die dafür die Strafe abzuzahlen hatte – um den Preis unerhörter Leiden und mit dem Vergießen meines ganzen Blutes.
So übte Ich ununterbrochene Akte von tiefer und heroischer Demut. Hier siehst du, o Tochter, den unermessliche Unterschied zwischen meiner Demut und der Demut der Geschöpfe – sogar jener aller meiner Heiligen – welche vor meinem Angesicht nur ein Schatten ist; denn das Geschöpf ist immer ein Geschöpf und weiß nicht, wie Ich es weiß, wie groß das Gewicht der Sünde ist.
Wenn auch heroische Seelen nach meinem Beispiel sich selbst anboten, die Leiden anderer zu leiden, so sind ihre Leiden nicht verschieden von denen der anderen Geschöpfe; sie sind nichts Neues für sie, denn sie sind aus demselben Lehm gemacht.
Zudem ist der bloße Gedanke, dass diese Leiden die Ursache für neue Gewinne sind und Gott verherrlichen, eine große Ehre für sie. Überdies ist das Geschöpf in den Umkreis eingeschränkt, in welchen Gott es gesetzt hat, und es kann nicht aus diesen Grenzen heraustreten, in die sie von Gott limitiert wurde.
O, wenn es in ihrer Macht wäre, Dinge zu tun oder ungeschehen zu machen, wie vieles mehr würden sie noch tun – jeder würde die Sterne erreichen!
Doch meine vergöttlichte Menschheit hatte keine Grenzen, sondern schränkte sich freiwillig in sich selbst ein, und damit wurden alle meine Werke wie mit einem Band mit heroischer Demut umflochten.
Dieser Mangel an Demut war die Ursache von allen Übeln gewesen, welche die Erde überfluteten; und durch das Üben dieser Tugend musste Ich alle Güter von der Göttlichen Gerechtigkeit herabziehen.
Ach ja, keine Zugeständnisse von Gnaden kommen von meinem Thron, wenn nicht mittels der Demut, noch kann man eine Eintrittskarte von Mir erhalten, die nicht die Unterschrift der Demut trägt. Kein Gebet erhören meine Ohren, und nichts bewegt mein Herz zu Mitleid, wenn es nicht in den Duft des Wohlgeruchs der Demut gehüllt ist.
Wenn es die Seele nicht fertigbringt, diesen Keim von Ehre und [Selbst-]schätzung in sich zu zerstören – und er wird vernichtet, wenn man so weit kommt, Verachtung, Demütigung, Verlegenheit zu lieben – wird sie ein Dornengeflecht um ihr Herz fühlen und eine Leere in ihrem Herzen wahrnehmen, die ihr stets Unbehagen verschafft und sie meiner Heiligsten Menschheit sehr unähnlich macht.
Wenn sie nicht so weit kommt, Demütigungen zu lieben, wird sie sich höchstens selbst ein wenig erkennen können, doch wird sie nicht vor Mir leuchten, bekleidet mit dem schönen und sympathischen Gewand der Demut.“
Wer kann beschreiben, wie viele Dinge ich über diese Tugend verstand, und den Unterschied zwischen Selbsterkenntnis und Demut?

Nun, hier ist der Unterschied zur Demut, obwohl mir scheint, dass Selbsterkenntnis und Demut Schwestern sind, die aus demselben Schoß geboren wurden, und man kann nie demütig sein, wenn man sich selbst nicht kennt.
Ein anderes Beispiel: es gibt einen Reichen, der aus Liebe zur Demut seine vornehmen Gewänder ablegt und sich mit armseligen Lumpen bedeckt. Er lebt unbekannt und offenbart niemandem, wer er ist.
Er mengt sich unter die Ärmsten, lebt mit den Armen, als wäre er einer von ihnen und macht aus Schmähungen und Erniedrigungen seine Freuden. Hier ist die schöne Schwester der Selbsterkenntnis, d.h. die Demut.
Sowohl im ersten Beispiel von den zwei Armen wie auch im Beispiel des Reichen sieht man, wie die Selbsterkenntnis ohne Demut schadet und zu nichts nützt, wenn sie aber Demut hervorbringt, ist sie überaus kostbar. Ach ja, die Demut zieht die Gnade an.
Demut bricht die stärksten Ketten, welche die Sünden sind. Demut überwindet jede Mauer der Trennung zwischen der Seele und Gott, und bringt sie zu Ihm zurück.
Demut ist eine kleine Pflanze, doch stets grün und blühend, nicht den Würmern ausgesetzt, die sie anfressen könnten; noch werden Winde, Hagel oder Hitze fähig sein, ihr zu schaden oder sie im Geringsten welken zu lassen.
Obwohl sie die kleinste Pflanze ist, bringt die Demut sehr hohe Zweige hervor, die sogar in den Himmel eindringen und das Herz Unseres Herrn umranken; und nur die Zweige aus dieser kleinen Pflanze haben freien Zugang zu diesem anbetungswürdigen Herz.
Die Demut ist der Anker des Friedens in den Seestürmen dieses Lebens. Demut ist das Salz, welches alle Tugenden würzt und die Seele vor der Verderbnis der Sünde bewahrt.
Demut ist das kleine Gras, das auf den Wegen sprießt, die von den Reisenden beschritten werden; wenn es zertreten wird, verschwindet es, doch bald kann man es wieder sprießen sehen, schöner als vorher.
Demut ist wie eine zarte Veredlung, welche die wilde Pflanze zart macht. Demut ist der [Sonnen]Untergang der Schuld. Demut ist die Neugeborene der Gnade. Demut ist wie der Mond, der uns in der Finsternis der Nacht dieses Lebens führt.
Demut ist wie der kluge Händler, der es wohl versteht, mit seinen Reichtümern Geschäfte zu machen und nicht einen Cent der Gnade verschwendet, der ihm gegeben wurde. Demut ist der Schlüssel zur Himmelstür, sodass niemand eintreten kann, wenn er diesen Schlüssel nicht in guter Verwahrung hält.
Schließlich – ansonsten würde ich nie aufhören und es würde zu lange werden – ist die Demut das Lächeln Gottes und des ganzen Himmels und das Wehklagen der ganzen Hölle. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 3; 12. Januar 1900)