Freitag der 5. Woche im Jahreskreis (Mk 7,31-37)
31In jener Zeit verließ Jesus das Gebiet von Tyrus wieder und kam über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das Gebiet der Dekapolis. 32Da brachte man einen Taubstummen zu Jesus und bat ihn, er möge ihn berühren.
33Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel; 34danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Taubstummen: Effata!, das heißt: Öffne dich!
35Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit, und er konnte richtig reden. 36Jesus verbot ihnen, jemand davon zu erzählen. Doch je mehr er es ihnen verbot, desto mehr machten sie es bekannt.
37Außer sich vor Staunen sagten sie: Er hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.
„Da brachte man einen Taubstummen zu Jesus und bat ihn, er möge ihn berühren“ (Mk 7,32)
Ich folgte meinem süßen Jesus in seinem öffentlichen Leben, und als ich an die vielen Krankheiten der Menschen dachte, die Jesus heilte, fragte ich mich:
„Warum hat sich die menschliche Natur so verändert, dass die Menschen sogar stumm, taub, blind wurden, mit Wunden bedeckt und vielen anderen Übeln behaftet? Wenn der menschliche Wille das Böse tat – warum litt auch der Körper so viel?“ Da bewegte sich mein süßer Jesus in meinem Inneren und sagte zu mir:
„Meine Tochter, du musst wissen, dass das Leibliche nichts Böses tat, sondern alles Böse tat der menschliche Wille. Doch da Adam vor dem Fall in seiner Seele das volle Leben meines Göttlichen Willens besaß, kann man sagen, dass er randvoll davon war, bis zum Überfließen nach außen.
So gab der menschliche Wille kraft des Meinen, Licht nach außen ab, verströmte alle Wohlgerüche seines Schöpfers, Düfte der Schönheit, Heiligkeit und vollen Gesundheit, Düfte der Reinheit und Stärke, die wie viele leuchtende Wolken aus dem Inneren seines Willens hervortraten.
Sein Leib wurde durch diese Ausströmungen so schön, dass es eine Freude war, ihn schön, vital, leuchtend, völlig gesund, mit einem hinreißenden Liebreiz zu sehen.
Als Adam nun sündigte, blieb der menschliche Wille allein und hatte niemanden mehr, der in ihm das Licht und die mannigfaltigen Düfte ausbreitete, die [nach außen] durchschienen und die Seele und den Leib bewahrten, wie sie von Gott erschaffen worden waren.
Stattdessen begannen aus dem Inneren des menschlichen Willens dichte Wolken aufzusteigen, verderbte Luft, Gerüche von Schwachheit und Armseligkeit, sodass auch der Körper seine Frische und Schönheit verlor, geschwächt wurde und allen Übeln unterworfen war.
So nahm der Leib auch an den Übeln des menschlichen Willens teil, wie er am Guten teilgenommen hatte. Wenn also der menschliche Wille geheilt wird, indem er wieder das Leben meines Göttlichen Willens empfängt, werden auch alle Übel der menschlichen Natur wie durch einen Zauber nicht mehr aufleben.
Geschieht dasselbe etwa nicht, wenn die Menschen in einer verdorbenen, schlechten, stickigen Luft leben? Wie viele Übel werden nicht verschärft, wenn der Gestank sogar den Atem nimmt und bis in die Eingeweide vordringt, bis zu dem Punkt, ansteckende Übel hervorzurufen, die zum Tod führen?
Wenn schon die äußere Luft so viele Probleme bereiten mag, so kann die neblige und zersetzende Luft des menschlichen Willens noch viel Schlimmeres anrichten, die aus dem Inneren des Geschöpfs, aus dem Grund seines ganzen Wesens kommt.
Betrachte zudem das anschauliche Beispiel der Pflanzen. Wie oft war ein Garten, eine blühende Wiese die Festfreude des Bauern wegen der Hoffnung auf eine reiche Ernte und die vielen schönen Früchte, die er ernten sollte.
Aber es genügte ein Nebel, um die Bäume zu entlauben und alle Früchte abfallen zu lassen, eine etwas frostige Luft, um das blühende Feld in Trauer zu kleiden, schwarz werden und verderben zu lassen und den armen Bauern zu betrüben!
Wenn die Luft gut ist, teilt sie das Leben des Guten mit, ist sie schlecht, teilt sie das Leben des Schlechten und den Tod selbst mit. Die Ausströmungen der Luft kann man, wenn sie gut ist, Leben nennen, ist sie schlecht, kann man sie Tod für die armen Geschöpfe nennen.
Wenn du wüsstest, wie sehr Ich in meinem öffentlichen Leben litt, als sich Blinde, Stumme, Leprakranke usw. vor Mir zeigten, da Ich in ihnen alle Ausdünstungen des menschlichen Willens erkannte.
Ich sah, wie der Mensch ohne meinen Willen in der Seele und im Körper verunstaltet wird, weil nur mein FIAT die Kraft hat, unsere Werke so unversehrt, frisch und schön zu bewahren, wie sie aus unseren Schöpferhänden hervorgegangen sind.”… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 24; 7. Juli 1928)
—————
… Es ist immer ein rührendes Schauspiel, um Dich Blinde, Stumme, Taube, Krüppel, Lahme, Aussätzige zu sehen. All dieses menschliche Elend durchbohrt Dein Göttliches Herz und lässt Es erschaudern.
O wie bricht Dir das Herz, jene menschliche Natur in Elend verwandelt zu sehen, die so schön und so vollkommen aus Deinen schöpferischen Händen hervor gegangen ist! Es ist der vom rechten Weg abgekommene Wille, der, indem er seine schlimmsten Wirkungen hervorbringt, die Menschheit so unglücklich macht.
Ich flehe Dich an, meine Liebe, gib, dass Dein Fiat zurückkehre, um mitten unter uns zu regieren und schlage die Unglückseligkeit in die Flucht, die der menschliche Wille verursacht hat!
Ich lasse mein „Ich liebe Dich“ in dem Akt fließen, durch den Du den Blinden die Sicht verschaffst, damit alle Menschen die Kenntnis Deines Göttlichen Willens erlangen.
Wie viele Blinde gibt es, die Deinen Göttlichen Willen nicht bemerken! O, wie bitte ich Dich von Herzen, allen die Gnade zu gewähren, Deinen Heiligsten Willen zu erkennen und zu befolgen!
Ich sehe, meine Liebe, dass Du mit der Kraft Deiner Stimme den Tauben das Gehör schenkst.
Mein „Ich liebe Dich“ fließt im Ton Deines Befehls und bittet Dich, den vielen, die Deinem Göttlichen Willen gegenüber taub sind, das Gehör wiederherzustellen.
Du löst den Stummen die Zunge, und ich – niedergeworfen zu Deinen Füßen – umfasse Deine Knie und flehe Dich an, die Zungen zu lösen, die Dein Göttliches Fiat nicht auszusprechen wissen, damit alle Menschen ohne Unterschied die Sprache Deines anbetungswürdigen Willens sprechen. (aus „Rundgang der Seele im Reich des Göttlichen Willens“ nach den Schriften der Dienerin Gottes Luisa Piccarreta; Siebzehnte Stunde)
„Er hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen“ (Mk 7, 37)
Ich folgte dem Göttlichen Willen in seinen Akten, und mein geliebter Jesus folgte mir mit seinem Blick, um zu beobachten, ob ich alle seine Werke besuchte, und sagte zu mir:
„Meine Tochter, Ich schaue gerade, ob du alle meine Hoheitsgebiete aufsuchst. Du musst wissen, dass die Schöpfung mein Territorium ist, die Erlösung beinhaltet hinzugefügte Territorien.
Ja, meine Kindheit, meine Tränen und Wimmern als Kleinkind, meine Gebete, meine Werke, meine Schritte, mein verborgenes und öffentliches Leben sind ebenso viele Räume von Mir, die Ich in meinen Territorien errichtete.
Es gibt nichts, was Ich tat, und kein Leid, das Ich litt, das Ich nicht dazu benutzte, um die Grenzen der göttlichen Hoheitsgebiete auszudehnen und sie dann den Geschöpfen zu schenken.
Nun beobachte Ich jeden Tag, ob wenigstens die kleine Tochter meines Willens alle meine Gebiete aufsucht und in jedes meiner Zimmer eintritt. Wenn Ich dich deinen Rundgang beginnen sehe, um die Sonne zu besuchen, die Sterne, den Himmel, das Meer und alle geschaffenen Dinge, fühle Ich, dass meine Territorien, die Ich mit so viel Liebe gemacht und den Geschöpfen gegeben habe, nicht verlassen sind.
Es gibt wenigstens einen, der sie besucht, und wenn er sie besucht, bedeutet es, dass er sie liebt und das Geschenk angenommen hat. So warte Ich mit Sehnsucht darauf, dass du deine Besuche in Betlehem fortsetzt, wo Ich geboren wurde, dass du meine Tränen aufsuchst, meine Leiden, meine Schritte, meine Werke, die Wunder, die Ich tat, die Sakramente, die Ich einsetzte, meine Passion, mein Kreuz, mit einem Wort, alles.
Ich mache dich aufmerksam, wenn dir etwas entgeht, damit du deinen kleinen Besuch machst, und sei es nur wie im Vorübergehen. O, wie bin Ich glücklich, dass meine Zimmer alle besucht werden!
Meine Tochter, welch ein Schmerz ist es, zu geben und dafür nicht anerkannt zu werden, geben zu wollen, und niemand ist da, der das Gute nimmt, das man schenken möchte! Weißt du, was Ich tue?
Wenn Ich dich ganz allein Runden machen sehe, um alle meine Gebiete und Zimmer zu besuchen, gebe Ich dir alle Güter, die es in ihnen gibt, sodass Ich das, was Ich den anderen geben sollte, in dir konzentriere. So gebe Ich dir alles, und du gibst Mir alles.
Denn um der Seele alles geben zu können, muss Ich alles in ihr finden, und sie muss, um Mir alles geben zu können, alles besitzen. Wer alles hat, hat die Fassungskraft, Mir alles zu geben und alles zu empfangen.”… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 22; 9. August 1927)


