22In jener Zeit kamen Jesus und seine Jünger nach Betsaida. Da brachte man einen Blinden zu Jesus und bat ihn, er möge ihn berühren. 23Er nahm den Blinden bei der Hand, führte ihn vor das Dorf hinaus, bestrich seine Augen mit Speichel, legte ihm die Hände auf und fragte ihn: Siehst du etwas?
24Der Mann blickte auf und sagte: Ich sehe Menschen; denn ich sehe etwas, das wie Bäume aussieht und umhergeht. 25Da legte er ihm nochmals die Hände auf die Augen; nun sah der Mann deutlich. Er war geheilt und konnte alles ganz genau sehen. 26Jesus schickte ihn nach Hause und sagte: Geh aber nicht in das Dorf hinein!

„In jener Zeit kamen Jesus und seine Jünger nach Betsaida. Da brachte man einen Blinden zu Jesus und bat ihn, er möge ihn berühren“ (Mk 8,22)

… So schwamm ich weiter im Lichtmeer des Göttlichen Fiat. Ich war gleichsam im Licht ertränkt, und seine Kenntnisse waren so zahlreich, dass ich wegen meiner Kleinheit nicht wusste, welche ich ergreifen oder wo ich sie hinlegen sollte, daher verschwanden sie im Licht selbst.
Ich war überrascht und brachte kein Wort heraus; da fügte Jesus, mein guter Lehrer, hinzu: „Meine Tochter, mein Wille sammelt alle seine Werke ein. In seinem Licht verbirgt und verteidigt Er all seine Werke und bringt sie in Sicherheit.
Wie viel tut dieses Licht nicht, um den Menschen, das schönste Werk unserer Schöpferhände in Sicherheit zu bringen, damit er wieder schön und bemerkenswert werde, wie Wir ihn hervorbrachten?
Er nimmt die Seele in seinen Lichtschoß auf und erfüllt sie mit so viel Licht, dass alle ihre Übel verschwinden. Ist sie blind, dann verleiht Er ihr die Sicht durch das Licht; ist sie stumm, schenkt Er ihr durch das Licht das Wort.
Das Licht erfasst die Seele von allen Seiten: es macht sie hörend, wenn sie taub ist, richtet sie auf, wenn sie hinkt, macht sie durch das Licht schön, wenn sie hässlich ist.
Keine Mutter tut so viel, wie mein Göttlicher Wille, um sein Geschöpf schön zu machen und wiederherzustellen. Seine Waffen sind aus Licht, da es keine Macht gibt, die das Licht nicht in sich birgt und kein Gut, das es nicht besitzt.
Was täte eine Mutter nicht alles, die ein schönes Kind zur Welt gebracht hat, das die Mutter mit seiner Schönheit entzückt und glücklich macht? Durch einen Unglücksfall wird nun der Sohn blind, stumm, taub und gelähmt.
Die arme Mutter sieht ihren Sohn an und erkennt ihn nicht mehr. Sein erloschenes Auge kann sie nicht mehr sehen, seine silberhelle Stimme, die sie vor Freude überraschte, wenn er Mama rief, hört sie nicht mehr.
Seine kleinen Füße, die in ihren Schoß eilten, kann er nur mühsam nachziehen. Dieser Sohn ist der durchbohrendste Schmerz für eine arme Mutter. Was würde sie nicht alles tun, wenn sie wüsste, dass ihr Kind wieder sein ursprüngliches Aussehen erhielte?
Sie würde die ganze Welt umrunden, wenn sie dies erlangen könnte und gäbe mit Freuden ihr eigenes Leben hin, wenn sie ihren Sohn nur wieder so schön sehen könnte, wie sie ihn geboren hatte.
Doch es liegt nicht in der Macht der armen Mutter, ihrem Sohn die erste Schönheit zurückzugeben, so wird er stets ihr Kummer und der stechendste Dorn ihres Mutterherzens bleiben.
Auch der Mensch wurde, als er seinen Willen tat, blind, stumm und lahm. Unser Wille beweint ihn mit den Tränen des brennenden Lichtes unserer Liebe. Doch während die Mutter nichts für ihr verkrüppeltes Kind tun kann, fehlt es meinem Göttlichen Willen nicht an Macht.
Er wird, zärtlicher als eine Mutter, sein Kapital an Licht zur Verfügung stellen, welches alle Güter und die Schönheit des Menschen wiederherzustellen vermag. Er ist die zärtliche Mutter, der Liebhaber und Wächter über das Werk seiner Hände, das Er mehr als den teuersten Sohn zur Welt brachte.
Er wird nicht die ganze Welt, sondern alle Jahrhunderte durchwandern, um die machtvollen Heilmittel aus [jenem] Licht vorzubereiten und zu geben, das neu belebt, umwandelt, aufrichtet und verschönert.
Dann erst wird Er innehalten, wenn Er das Werk seiner Schöpferhände [zurück] in seinem mütterlichen Schoß sieht, so schön wie es hervorgegangen ist, damit Er sich für das viele Leid schadlos halte und sich immerdar an ihm erfreue.
Sind die vielen Wahrheiten über meinen Willen etwa keine Heilmittel? Jede Mitteilung und jedes Wort von Mir ist eine Festung, die Ich um die Schwäche des menschlichen Willens baue, eine Speise, die Ich bereite, ein Köder, ein Geschmack, ein Licht, damit der Mensch das verlorene Sehvermögen wiedererlange.
Sei daher aufmerksam und verliere nichts von dem, was dir mein Wille mitteilt, denn zu gegebener Zeit wird alles nützlich sein – nichts wird verlorengehen. Glaubst du, dass Er nicht über jedes einzelne Wort von Ihm Buch führt? Er zählt alles und verliert nichts.
Und wenn Er in deiner Seele seinen Lehrstuhl errichtet hat, um seine Wahrheiten zu deponieren, so hat Er sich doch den ersten Lehrstuhl in sich selbst vorbehalten, als den größten Schatz, der Ihm gehört. Solltest du also ein Ihn betreffendes Wort oder eine Mitteilung verlieren, so bewahrt Er in sich schon das Original.
Was nämlich meinen Göttlichen Willen betrifft, das besitzt unendlichen Wert und kann daher nicht dem Verlust unterworfen sein und ist es in der Tat nicht. Vielmehr bewahrt mein Wille in den göttlichen Archiven eifersüchtig seine Wahrheiten.
Lerne daher auch du, eifersüchtig und wachsam zu sein, und seine heiligen Lehren wertzuschätzen.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 30; 12. Januar 1932 (2. Teil))

„Da legte er ihm nochmals die Hände auf die Augen; nun sah der Mann deutlich“ (Mk 8,25)

… „Meine Tochter, alles, was meine Mutter und Ich bei der Erlösung taten, bezweckte als erstes, dass mein FIAT auf Erden regieren möge. Es wäre weder würdig noch wahre Liebe gewesen, noch großer Edelmut, und noch viel weniger das Wirken eines Gottes, Der Ich war, wenn Ich in die Welt gekommen wäre und den Geschöpfen nur das Geringere hätte geben sollen und wollen, nämlich die Mittel, um sich zu retten – und nicht das Größere, was mein Wille war.
Mein Wille enthält nämlich nicht nur die Heilmittel, sondern alle möglichen Güter, die es im Himmel und auf Erden gibt, und nicht nur die Rettung und die Heiligkeit, sondern dieselbe Heiligkeit, die die Seele zur Heiligkeit ihres Schöpfers selbst erhebt.
O wenn du in jedes Gebet eindringen könntest, in jeden Akt, jedes Wort und Leid meiner unzertrennlichen Mutter, du würdest darin das FIAT finden, das Ich mit Seufzern ersehnte und erflehte.
Wenn du in jeden Tropfen meines Blutes eindringen könntest, in jeden meiner Herzschläge, Atemzüge, Schritte, Werke, Schmerzen und Tränen, du würdest darin das FIAT finden, Das darin die Vorherrschaft hatte, und das Ich für die Seelen mit Seufzern ersehnte und erflehte.
Doch während das vorrangige Ziel [Gottes bei der Schöpfung] das FIAT war, musste sich meine Güte zum nachrangigen Zweck [der Erlösung] herablassen. Er musste es gleichsam wie ein Lehrer machen, der, während er die höchsten Wissenschaften besitzt und edle und erhabene, seiner würdige Lehren geben könnte, sich dazu herablassen muss, Lektionen über das ABC [in himmlischen Dingen] zu geben.
Da seine Schüler quasi alle Analphabeten sind, kann er erst nach und nach zu seinem ersten Zweck gelangen, nämlich die Lektionen der Wissenschaft, die er besitzt, zu erteilen, um weitere Lehrer aus ihnen zu machen, die eines solchen Meisters würdig sind.
Wollte sich dieser Lehrmeister nicht herablassen, Lektionen auf niedrigerem Niveau zu geben, sondern hätte gleich seine hohe Wissenschaft gelehrt, so hätten die Schüler, weil Analphabeten, ihn nicht verstanden und von so viel unbekannter Wissenschaft verwirrt, ihn verlassen.
Und hätte Ich Mich nicht zu meinen Schülern herabgelassen, wäre es Mir wie einem armen Lehrer ergangen, dem die Genugtuung versagt geblieben wäre, den Schülern die kleinen und großen Schätze seines eigenen Wissens weitergeben zu können.
Nun, meine Tochter, als Ich auf die Erde kam, waren die Menschen alle Analphabeten bezüglich der Dinge des Himmels. Wenn Ich zu ihnen vom FIAT sprechen hätte wollen und vom wahren Leben in Ihm, wären sie unfähig gewesen, dies zu verstehen.
Da die Mehrzahl von ihnen verkrüppelt, blind und krank waren und nicht wussten, wie sie sich Mir nähern sollten, musste Ich Mich durch den Schleier meiner Menschheit herablassen, welche jenes FIAT verhüllte, das Ich ihnen schließlich geben wollte.
Ich musste Mich mit ihnen verbrüdern und mit allen verbinden, um die ersten Grundlagen, das ABC des Höchsten FIAT lehren zu können. Und alles, was Ich lehrte, tat und litt, diente keinem anderen Zweck, als den Weg, das Reich und die Herrschaft meines Willens vorzubereiten.
Dies ist die gewohnte Vorgehensweise bei unseren Werken, die geringeren Dinge als vorbereitenden Akt für die größeren Dinge zu tun. Habe Ich es bei dir nicht genauso gemacht?
Zu Beginn habe Ich sicher nicht mit dir über das Höchste FIAT gesprochen, noch von der Höhe der Heiligkeit, die Ich dich in meinem Willen erreichen lassen wollte. Ich habe dir auch kein Wörtchen gesagt über die größere Sendung, zu der Ich dich berief, sondern behandelte dich wie ein kleines Kind, das den Gehorsam, die Liebe zum Leiden, die Losschälung von allen, den Tod des eigenen Ich zu lehren Mir gefiel.
Und als du dich darauf eingelassen hast, freute Ich Mich, denn Ich sah in dir den Platz vorbereitet, wo Ich mein FIAT und die erhabenen Lehren, die meinen Willen betrafen, hinterlegen konnte…“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 19; 28. März 1926)