27In jener Zeit ging Jesus mit seinen Jüngern in die Dörfer bei Cäsarea Philippi. Unterwegs fragte er die Jünger: Für wen halten mich die Menschen? 28Sie sagten zu ihm: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für sonst einen von den Propheten.
29Da fragte er sie: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Messias! 30Doch er verbot ihnen, mit jemand über ihn zu sprechen.
31Dann begann er, sie darüber zu belehren, der Menschensohn müsse vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er werde getötet, aber nach drei Tagen werde er auferstehen. 32Und er redete ganz offen darüber. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe.
33Jesus wandte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus mit den Worten zurecht: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.

„Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ (Mk 8,29)

An diesem Morgen erschien mein liebenswürdiger Jesus, umgeben von einem Licht; Er blickte mich so durchdringend an, dass ich mich vernichtet fühlte und er sprach zu mir: „Wer bin Ich, und wer bist du?“
Diese Worte drangen mir bis ins Mark meiner Gebeine, und ich sah den unendlichen Abstand zwischen dem Unendlichen und dem Endlichen, zwischen dem Alles und dem Nichts. Nicht nur das, ich sah auch die Schlechtigkeit dieses Nichts, und wie es sich selbst mit Schmutz bedeckt hat.
Es schien mir wie ein Fisch, der im Wasser schwimmt; so schwamm meine Seele in Fäulnis, inmitten von Würmern und vielen anderen schaudererregenden Dingen. O Gott, was für ein widerlicher Anblick! Meine Seele wäre gerne vor dem Anblick des dreimal heiligen Gottes geflohen, doch mit zwei weiteren Worten bindet Er mich; und diese sind: „Was ist meine Liebe zu dir? Und wie vergiltst du Mir dafür?“
Während ich nun bei den ersten Worten voller Schrecken vor seiner Gegenwart fliehen wollte, fand ich mich bei diesen zweiten Worten – „was ist meine Liebe zu dir?“ in seine Liebe versenkt und von allen Seiten von ihr gefesselt, sodass mein Dasein also ein Erzeugnis seiner Liebe war; wenn diese Liebe endete, würde ich nicht länger existieren.
Es schien mir, dass die Schläge meines Herzens, meine Intelligenz, und sogar mein Atem, ein Erzeugnis seiner Liebe seien. Ich schwamm in ihr, und sogar wenn ich fliehen wollte, schien mir dies unmöglich, denn seine Liebe umgab mich überall.
Meine Liebe schien dann wie ein kleiner Wassertropfen, der ins Meer geworfen wurde, der verschwindet und nicht mehr unterschieden werden kann. Wie viele Dinge verstand ich, doch wenn ich alles sagen wollte, würde es zu lang werden.
Dann verschwand Jesus, und ich blieb ganz verwirrt zurück. Ich sah mich voller Sünden und flehte in meinem Inneren um Vergebung und Erbarmen. Nach kurzer Zeit kam mein einziges Gut zurück; ich fühlte mich ganz getränkt mit Bitterkeit und Kummer über meine Sünden, und Er sagte mir: „Meine Tochter, wenn eine Seele überzeugt ist, dass sie Böses tat, indem sie Mich beleidigte, versieht sie bereits den Dienst der Magdalena, die meine Füße in ihren Tränen badete, sie mit Balsam salbte und mit ihrem Haar trocknete.
Wenn die Seele beginnt, in sich hinein zu blicken und das Böse sieht, das sie getan hat, bereitet sie ein Bad für meine Wunden. Im Erkennen des Bösen erfährt sie Bitterkeit und empfindet Kummer darüber, und so kommt sie dazu, meine Wunden mit einem ganz auserlesenen Balsam zu salben.
Aus dieser Erkenntnis heraus will die Seele Wiedergutmachung leisten, und ihre vergangene Undankbarkeit sehend, fühlt sie die Liebe zu einem Gott in sich aufkommen, der so gut zu ihr ist, und sie würde ihr Leben hingeben, um ihre Liebe zu beweisen; und das sind die Haare, die sie, wie viele goldene Ketten, an meine Liebe binden.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 2; 28. Oktober 1899)

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Meine kleine Intelligenz wandert stets im unermesslichen Meer des Göttlichen Willens umher und kann kaum einige Tröpfchen von den vielen Wahrheiten und unzähligen Schönheiten behalten, die zu Ihm gehören.
O, unerreichbarer, liebenswürdiger und anbetungswürdiger Wille – wer wird je das ‚Alles‘ wiedergeben können, das Du bist, und deine lange und ewige Geschichte zu erzählen vermögen?
Weder Engel noch Heilige besitzen ausreichende Worte, um von Dir zu reden, und noch weniger ich, die ich die kleine Unwissende bin und über einen so heiligen Willen nur stammeln kann. Als sich mein Geist im Göttlichen Fiat verlor, ließ sich mein liebenswürdiger Jesus sehen und sagte zu mir:
“Meine Tochter, nur dein Jesus kann ausreichende Worte haben, um zu dir über meinen Ewigen Willen zu sprechen, denn meiner göttlichen Natur nach bin Ich der Wille Selbst.
Doch Ich muss meine Rede[weise] einschränken, da deine kleine Fassungskraft nicht alles, was Ihn betrifft, erfassen, verstehen und einschließen kann. Und Ich muss mich damit begnügen, dir kleine Tropfen über Ihn zu erkennen zu geben, weil dein erschaffener Geist sein unermessliches und unerschaffenes Meer nicht fassen kann.
Diese Lichttröpfchen verwandle Ich in Worte, um Mich deiner kleinen Fassungskraft anzupassen und dich somit etwas von meinem unbeschreiblichen und unmessbaren Fiat verstehen zu lassen.
Es genügt, wenn Ich dir sage, dass mein Göttlicher Wille alles ist und alles einschließt. Würde nur ein Beistrich von all dem, was existiert, in Ihm fehlen, so könnte Er nicht das ‘Alles’ genannt werden.
Damit nun die Seele in mein Fiat eintreten kann, muss sie sich von allem leer machen und sich auf diesen Punkt reduzieren, dort wo ihr Schöpfer sie aus dem Nichts gerufen und ihr die Existenz verliehen hat, [und sich auf die Weise reduzieren], wie die schöpferische Macht meines Göttlichen Willens sie erschuf: schön, leer an allem und nur vom Leben Dessen erfüllt, der sie erschaffen hatte.
So wird die Seele, die sich erneut von der schöpferischen Macht meines Fiat erfüllen lässt, wiederum vom Licht und von der Glut meines Fiat leer gemacht.
Und mein Fiat wird sie wieder so schön machen, wie sie aus dem Nichts hervortrat, und ihr gestatten, im ‚Alles‘ meines Willens zu leben. In Ihm wird die Seele das ‘Alles’ einatmen, sie wird sich ganz als Heiligkeit, als Liebe und Schönheit empfinden, weil das ‘Alles’ meines Göttlichen Fiat sie in seinem Meer behält, wo ihr ‘Alles’ zur Verfügung steht.
Nichts wird ihr [bloß] zur Hälfte oder in kleinen Ausmaßen gegeben werden, denn wer das ‘Alles’ ist, kann sich ganz schenken, und nicht nur „maßgerecht“ (abgemessen). Nur in meinem Willen kann die Seele sagen: ‘Ich besitze alles, ja das ‘Alles’ gehört sogar mir.“
Wer hingegen nicht in meinem Göttlichen Willen lebt, der kann, da sein Wesen nicht unter der Herrschaft einer schöpferischen Macht steht, weder die ganze Fülle eines Göttlichen Lebens besitzen, noch wird er seine Seele bis zum Rand mit Licht, Heiligkeit und Liebe ausgefüllt fühlen.
Diese [Eigenschaften] fließen sogar nach außen über und bilden Meere um die Seele herum, und diese hat das Gefühl, dass alles ihr gehört. Diese Seele nun, die nicht in meinem Willen lebt, wird höchstens kleine göttliche Partikel fühlen, den Eindruck von Gnade, von Liebe, von Heiligkeit – aber nicht alles.
Daher ist nur die Seele, die in meinem Fiat lebt, die einzige, die das Glück hat, sich im Wunder ihrer Erschaffung zu bewahren und die Rechte innezuhaben, die Überfülle der Güter ihres Schöpfers zu besitzen und in dieser zu leben.“… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 26; 20. September 1929)

„Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen“ (Mk 8,33)

Ich befand mich in meinem gewohnten Zustand, da sprach mein stets liebenswürdiger Jesus zu mir:
„Meine Tochter, Ich möchte das wahre ‚Verzehrt-werden‘ in dir, aber nicht in der Phantasie, sondern ein wirkliches, aber in einfacher und durchführbarer Art und Weise. Stell dir vor, es kommt dir ein Gedanke, der nicht für Mich ist: du musst ihn vernichten und ihn durch den göttlichen ersetzen, und so hast du die Aufzehrung des menschlichen Gedankens durchgeführt und das Leben des göttlichen Gedankens erlangt.
Wenn das Auge etwas ansehen will, das Mir missfällt oder sich nicht auf Mich bezieht, und die Seele tötet sich ab, so hat sie das menschliche Auge ‚verzehrt‘ und das Auge des göttlichen Lebens errungen, und so ist es mit allem Übrigem deines Wesens.
O, wie fühle Ich diese neuen göttlichen Leben in Mir strömen, die an all meinem Wirken teilnehmen! Ich liebe diese neuen Leben so sehr, dass Ich Mich aus Liebe zu ihnen allem beuge.
Jene Seelen sind die Ersten vor Mir, und wenn Ich sie segne, werden durch sie die anderen gesegnet. Sie sind die erst-gesegneten, erst-geliebten, und durch sie werden die anderen gesegnet und geliebt.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 11; 21. Mai 1913)