Freitag der 6. Woche im Jahreskreis (Mk 8,34-38.9,1)
34In jener Zeit rief Jesus die Volksmenge und seine Jünger zu sich und sagte: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. 35Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten. 36Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? 37Um welchen Preis könnte ein Mensch sein Leben zurückkaufen? 38Denn wer sich vor dieser treulosen und sündigen Generation meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er mit den heiligen Engeln in der Hoheit seines Vaters kommt. 1Und er sagte zu ihnen: Amen, ich sage euch: Von denen, die hier stehen, werden einige den Tod nicht erleiden, bis sie gesehen haben, dass das Reich Gottes in seiner ganzen Macht gekommen ist.
„Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Mk 8, 34)
Ich setzte meine Akte im Göttlichen Willen fort und überlegte: ‘Wie kann man wissen, ob das Göttliche Fiat im Geschöpf regiert? Habe ich das Glück, dass Er in meiner armen Seele herrscht, oder nicht?’
Als ich darüber nachsann, sprach mein guter Jesus zu mir: „Die Bewegung ist das Kennzeichen des Lebens. Wo keine Bewegung ist, kann kein Leben sein. Deshalb ist das Zeichen, ob das Geschöpf meinen Willen besitzt, dass es im Inneren seiner Seele meinen Willen allein als primäre Bewegung von allem wahrnimmt, was in ihr vonstattengeht.
Da Er nämlich die primäre Bewegung ist, wird Er in der Seele, in der Er herrscht, seine primäre göttliche Bewegung verspüren lassen, von der alle inneren und äußeren Akte wie vom Zentrum der primären Bewegung meines Göttlichen Willens abhängen.
So wird Er die primäre Bewegung, das Befehlswort, der Befehlshaber und Herrscher sein, sodass jeder Akt in Erwartung der primären Bewegung sein wird, damit er sich bewegen und wirken kann. Nimmt nun die Seele in ihren Akten die erste Bewegung meines Willens wahr, zeigt dies an, dass Er in ihr regiert.
Fühlt sie aber in ihrer ersten Bewegung eine menschliche Absicht, ihr eigenes Vergnügen, natürliche Befriedigungen oder Freude daran, anderen zu gefallen, so wird mein Wille nicht nur nicht herrschen, sondern wird vom König zum Diener.
Als solcher muss Er der Seele in ihren Akten dienen, da der Mensch keinen Akt tun kann, in dem mein Göttlicher Wille nicht mitwirkt, entweder als Herrscher über die Seele oder als ihr Diener.
Wisse, meine Tochter, dass der Pass für den Eintritt in mein Reich der entschiedene Wille[nsentschluss] ist, nie den eigenen Willen zu tun – selbst um den Preis des eigenen Lebens und jeglichen Opfers.
Dieser entschiedene, aber wahre Akt, ist wie die Unterschrift der Seele unter den Pass für die Abreise in das Reich meines Göttlichen Willens. Während die Seele ihre Unterschrift für die Abreise setzt, unterzeichnet Gott den Pass, um die Seele aufzunehmen.
Diese letztere Unterschrift wird so große Bedeutung haben, dass sich alle Himmelsbewohner aufmachen und der Seele entgegengehen, um sie im Reich des Göttlichen Fiat aufzunehmen, in dem sie [selbst] leben.
Sie werden ganz Aug und Ohr für jene Seele auf der Erde sein, die denselben Willen als Leben und Herrscher hat, den sie im Himmel haben. Doch der Pass allein reicht nicht.
Die Seele muss die Sprache, die Umgangsweisen und Gewohnheiten dieses Göttlichen Reiches studieren, sie muss lernen, welche Wahrheiten, Vorrechte, Schönheiten und Werte mein Wille in sich birgt; sonst wäre die Seele wie eine Fremde, die weder Liebe empfangen noch geliebt werden könnte.
Würde sich die Seele nicht opferbereit dem Studium eben jener Sprache der Bewohner dieses so heiligen Reiches widmen und sich nicht an ihre Umgangsformen anpassen, dann wird sie einsam sein; denn wenn man sie nicht versteht, wird man ihr aus dem Weg gehen – und die Einsamkeit macht niemanden glücklich.
Außerdem muss sie vom Studium zur praktischen Ausübung des Gelernten fortschreiten, sodass sie nach längerer Zeit der Praxis schließlich zum Bürger des Reiches meines Göttlichen Willens erklärt wird.
Erst dann wird sie alle Wonnen verkosten, die in einem so heiligen Reich zu finden sind. Ja, sie werden vielmehr ihre eigenen Besitztümer sein, und sie wird das Recht erwerben, darin wie in ihrem Heimatland zu leben.“… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 29; 13. Juli 1931)
„Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten“ (Mk 8, 35)
Ich war weiterhin in meinem armseligen Zustand, da schien es, dass Er öfter als einmal kam, und ich schien Ihn als Kind zu sehen, wie von einem Schatten umgeben.
Er sagte zu mir: „Tochter, empfindest du nicht die Frische meines Schattens? Ruhe darin aus, dann wirst du Erholung finden.“
Wir schienen gemeinsam in seinem Schatten zu ruhen, und ich fühlte mich in seiner Nähe wieder ganz gestärkt. Dann fuhr Er fort: „Meine Geliebte, wenn du Mich liebst, möchte Ich, dass du weder in dich, noch außerhalb von dir blickst, noch darauf schaust, ob du warm oder kalt bist, ob du viel oder wenig tust, ob du leidest oder dich freust.
All das muss in dir vernichtet werden und du sollst deine Augen allein darauf richten, ob du für Mich so viel tust, wie du kannst und alles, um Mir zu gefallen.
Die anderen Gesinnungen können Mir nicht gefallen, so hoch, erhaben und betriebsam sie auch sein mögen, noch meine Liebe zufriedenstellen.
O wie viele Seelen verfälschen die wahre Andacht und profanieren die heiligsten Werke mit ihrem eigenen Willen, indem sie immer sich selbst suchen!
Und wenn die Seele auch in den heiligen Dingen ihre eigene Art und ihren Geschmack und ihre eigene Befriedigung sucht und somit sich selbst findet, flüchtet sie vor Gott und findet Ihn nicht.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 6; 31. Juli 1904)

