Mittwoch der 7. Osterwoche (Joh 17,6a.11b-19)
6aIn jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast.
11bHeiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir. 12Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt.
13Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben. 14Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin.
15Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. 16Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.
17Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. 18Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. 19Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.
„Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen…“ (Joh 17,11)
Als ich in meinem gewöhnlichen Zustand war, fühlte ich mich wegen der Beraubung meines gebenedeiten Jesus sehr bedrückt. Da kam Er ganz kurz und sagte zu mir:
„Meine Tochter, alle anderen Tugenden bilden im Geschöpf eine Mauer von gewisser Höhe, doch die Mauer der Seele, die im Willen Gottes lebt, ist eine so hohe und tiefe Mauer, dass man weder ihre Tiefe noch ihre Höhe erkennen kann, sie ist ganz aus purem und massivem Gold, keinem Unheil ausgesetzt, denn da diese Mauer im Göttlichen Wollen ist, d.h., in Gott, bewacht Er sie selbst, und gegen Gott kommt keine Macht auf.
Während die Seele in diesem Göttlichen Wollen lebt, wird sie mit einem Licht bekleidet, das Dem ganz ähnlich ist, in Dem sie lebt, so wird sie auch im Himmel mehr als alle anderen erstrahlen, sodass sie sogar für die Heiligen selbst Anlass zu größerer Glorie ist.
Ach, meine Tochter, denke ein wenig darüber nach, welche Atmosphäre von Frieden und Gutem allein die Worte ‚Wille Gottes’ enthalten!
Beim bloßen Gedanken daran, in dieser Atmosphäre leben zu wollen, fühlt sich die Seele bereits verwandelt, eine göttliche Atmosphäre umgibt sie, sie spürt, wie sich ihr menschliches Sein verliert und fühlt sich vergöttlicht: war sie ungeduldig, wird sie geduldig, war sie hochmütig, wird sie demütig, gefügig, liebevoll, gehorsam.
Mit einem Wort, die da arm war, wird reich, und schon erheben sich alle anderen Tugenden, um diese hohe Wand, die keine Begrenzung hat, wie eine Krone zu umgeben.
Denn wie Gott keine Grenzen hat, so bleibt auch die Seele verloren in Gott, sie verliert ihre eigenen Grenzen und gewinnt jene des Willens Gottes.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 7; 12. Februar 1906)
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Ich setzte meinen gewohnten Zustand fort, da kam mein stets liebenswürdiger Jesus. Ich war sehr betrübt wegen der ständigen Drohungen von noch schlimmeren Züchtigungen und wegen seiner Beraubungen, und Er sprach zu mir:
„Meine Tochter, erhebe dich, gräme dich nicht zu sehr, mein Wille macht die Seele glücklich, auch inmitten schwerer Stürme, ja vielmehr erhebt sie sich dermaßen in die Höhe, dass die Stürme sie nicht berühren können, obwohl sie sie sieht und hört.
Der Ort, wo sie wohnt, ist keinen Unwettern ausgesetzt, sondern immer heiter und die Sonne lacht, denn ihr Ursprung ist im Himmel, ihr Adel ist göttlich, ihre Heiligkeit ist in Gott, wo sie von Gott selbst bewacht wird.
Eifersüchtig auf die Heiligkeit jener Seele, die in meinem Willen lebt, wache Ich über sie im Innersten meines Herzens und sage: „Niemand soll sie berühren, denn mein Wille ist unantastbar und heilig, und alle müssen meinem Willen Ehre erweisen.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 12; 6. August 1917)
„Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen“ (Joh 17,11b)
Meine Hingabe an den Göttlichen Willen dauert an, obgleich unter dem Alptraum der Beraubungen meines süßen Jesus. Mein armes Herz ist so gemartert und unruhig, weil es Den nicht findet, Der es seine himmlische Luft einatmen und mit dem Leben seines eigenen Herzschlags pochen lässt!
Mein Jesus, mein Leben, hast Du mir nicht selber gesagt, dass ich deine göttliche Luft atmen und in ihr leben möge; und dass Du mein Leben in deinem Herzschlag bildest, damit mein Leben in dem Deinen aufgelöst sei und von deinem Herzschlag lebe, und daher von deiner Liebe, von deinen Leiden und ganz von Dir selbst?
Doch als mein armes Herz seinen Kummer über die Entbehrung meines geliebten Jesus ergoss, spürte ich, wie Er sich in meinem Inneren fühlbar bewegte. Mit klarer Stimme klangen seine Worte an mein Ohr, die mit unbeschreiblicher Zärtlichkeit sagten:
„Heiliger Vater, Ich bitte Dich für meine Kinder und für all jene, die Du Mir gegeben hast und die Ich als die Meinen erkenne. Mit diesen meinen Armen drücke Ich sie an Mich, damit sie vor dem Sturm beschützt und in Sicherheit seien, der dabei ist, sich gegen meine Kirche zu entfesseln.”
Dann fügte Er hinzu: „Meine Tochter, wie viel Gesinnungswechsel wird es geben, wie viele Masken werden demaskiert! Ich konnte ihre Heuchelei nicht mehr ertragen.
Meine Gerechtigkeit war erfüllt mit so viel Verstellung, und daher konnten sie die Maske nicht mehr behalten, die sie aufgesetzt hatten. Bete daher mit Mir, dass jene, die meiner Ehre dienen sollen, in Sicherheit bleiben, und jene, die meine Kirche treffen wollen, verwirrt werden.”
Jesus verstummte und mein armer Geist sah so viel Unheilbringendes und Tragisches. Als ich betete, wiederholte Jesus, mein höchstes Gut:
„Meine Tochter, um anderen etwas Gutes mitzuteilen, muss man selbst die Fülle jenes Gutes besitzen, denn durch den Besitz lernt die Seele die Wirkungen [dieses Gutes] und dessen Substanz kennen, und wie man dieses Gut praktisch erwirbt.
Somit wird sie es den andere einflößen und die Schönheiten, Vorrechte und Früchte aufzählen können, welche dieses Gut hervorbringt.
Hat die Seele jedoch kaum einen Schluck von einem Gut oder einer Tugend erworben, so wird sie nicht in der Tiefe die Fülle dieser Tugend erkennen.
Will sie nun anfangen, die anderen darüber zu belehren, so wird sie weder den großen Nutzen der Tugend wiedergeben noch die Praxis des Erwerbs dieser Tugend zeigen können.
Sie wird einem Kind gleichen, das kaum die Vokale gelernt hat und sich als Lehrer über andere aufspielen, erheben möchte. Armes Kind, es wird einen ‚Spott-Lehrer‘ abgeben, da es keine weiteren Belehrungen zu geben vermag!
Deswegen haben sich die wahren Heiligen zuerst selbst mit Liebe, mit göttlichen Kenntnissen, unbesiegbarer Geduld und anderem angefüllt.
Als sie so ausgefüllt waren, dass sie nicht mehr in sich fassen konnten, teilten sie den Völkern den Überfluss aus den Gütern mit, die sie besaßen. Ihr Wort war Feuer und Licht. Sie lehrten nicht auf oberflächliche Weise, sondern auf eine praktische und substantielle Weise das Gute, das sie besaßen.
Das ist der Grund, warum so viele als Lehrer handeln wollen und dennoch nichts Gutes bewirken: da ihnen nämlich die ausreichende Nahrung fehlt.
Wie könnten sie dann andere ernähren?“… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 29; 16. Juni 1931)
„Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind“ (Joh 17, 19)
Ich opferte mich beim Heiligen Messopfer zusammen mit Jesus auf, damit auch ich seine Konsekration selbst an mir erfahren könne; da bewegte Er sich in meinem Inneren und sprach zu mir:
„Meine Tochter, tritt in meinen Willen ein, damit Ich dich in allen Hostien finden könne, nicht nur in den gegenwärtigen, sondern auch in den zukünftigen, und so wirst du mit Mir so viele Konsekrationen an dir erfahren, als Ich erfahre.
In jede Hostie lege Ich ein Leben von Mir hinein, und als Vergeltung dafür will Ich ein anderes. Aber wie viele geben es Mir nicht! Andere empfangen Mich, und Ich schenke Mich ihnen, aber sie schenken sich Mir nicht, und meine Liebe leidet, wird blockiert, gleichsam erstickt und bleibt ohne Vergeltung.
Komm daher in meinen Willen, um alle Konsekrationen an dir geschehen zu lassen, die an Mir geschehen, und Ich werde in jeder Hostie als Vergeltung dein Leben vorfinden; dies wird nicht nur geschehen, solange du auf Erden weilst, sondern auch wenn du im Himmel bist.
Denn da du in Vorwegnahme in meinem Willen schon auf Erden konsekriert worden bist, wirst du, so wie auch Ich bis zum letzten Tag die Konsekrationen an Mir erfahren werde, sie auch an dir erfahren, und Ich werde bis zum jüngsten Tag in deinem Leben meine Vergeltung finden.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 12; 28.5.1920)


