Dienstag der 12. Woche im Jahreskreis (Mt 7,6.12-14)
6In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Gebt das Heilige nicht den Hunden, und werft eure Perlen nicht den Schweinen vor, denn sie könnten sie mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen.
12Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten. 13Geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, das ins Verderben führt, und der Weg dahin ist breit, und viele gehen auf ihm.
14Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng, und der Weg dahin ist schmal, und nur wenige finden ihn.
„Gebt das Heilige nicht den Hunden, und werft eure Perlen nicht den Schweinen vor, denn sie könnten sie mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen“ (Mt 7, 6)
Ich empfand äußerste Bitterkeit wegen der Beraubung meines süßen Jesus. O wie schlecht fühlte ich mich! Ich konnte nicht mehr, doch als ich gleichsam ans Übermaß des Schmerzes gelangt war, bewegte Er sich in meinem Inneren und sprach ganz betrübt zu mir:
„Meine Tochter, Ich bin dabei, zu sehen, wie weit Ich die Grenzen des Reiches meines Willens ausdehnen muss, um es den Geschöpfen zum Besitz zu geben. Ich weiß, dass sie die Grenzenlosigkeit nicht aufnehmen können, die das Reich meines Willens enthält.
Denn als Geschöpfen ist es ihnen nicht gegeben, einen Willen zu durchqueren und zu umfangen, der einem Reich entspricht, das keine Grenzen hat. Da sie erschaffene Wesen sind, sind sie immer beschränkt und begrenzt, doch trotz der Beschränkung disponiere Ich mehr oder weniger Güter [für sie] und die Ausdehnung der Grenzen [der Besitztümer], die sie besitzen sollen – je nach ihrer Bereitschaft.
Daher sehe Ich auf die Nachkommenden und auf deren Dispositionen. Ich betrachte die Gegenwärtigen und ihre Verfügbarkeit, denn die gegenwärtige Generation muss beten, flehen und das Reich des Höchsten FIAT für die Kommenden vorbereiten.
Je nach der Bereitschaft der Kommenden und dem Interesse der Gegenwärtigen dehne Ich die Grenzen meines Reiches aus, denn die Generationen sind so stark untereinander verbunden, dass es immer so geschieht: einer betet, ein anderer bereitet vor, ein anderer erfleht, ein anderer besitzt.
So war es, als Ich zur Erlösung auf die Erde kam: es waren nicht die Gegenwärtigen, die beteten, seufzten, weinten – diese genießen und besitzen sie – sondern es waren jene, die vor meinem Kommen gelebt hatten.
Je nach der Bereitschaft der Gegenwärtigen und den Gebeten und Dispositionen der Vergangenen, dehnte Ich die Grenzen der Güter der Erlösung aus. Deshalb gewähre Ich dann eine Wohltat, wenn sie den Geschöpfen nützlich sein kann.
Doch wenn es ihnen keinen Nutzen bringt, wozu [sollte Ich] es geben? Und diesen Nutzen ziehen sie daraus, wenn sie mehr Bereitschaft haben. Doch weißt du, wann Ich die Grenzen des Reiches des Göttlichen Willens ausdehne?
Immer dann, wenn Ich dir eine neue Kenntnis mitteile, die dieses Reich betrifft. Deshalb werfe Ich, ehe Ich sie dir offenbare, einen Blick auf alle, um ihre Bereitschaft zu prüfen, ob sie ihnen nützlich sein wird oder so, als hätte Ich nichts gesagt.
Wenn Ich sehe, dass sie nicht disponiert sind – wenn Ich meine Grenzen weiter ausdehnen will, um ihnen noch mehr Güter, Freuden und Wonnen zum Besitz zu geben –, bin Ich betrübt und erwarte deine Gebete und Runden in meinem Willen und deine Leiden.
Dies damit Ich die Gegenwärtigen und die Künftigen zu disponiere, und dann komme Ich wieder mit neuen überraschenden Kundgebungen über meinen Willen. Deshalb bin Ich betrübt, wenn Ich nicht zu dir spreche. Mein Wort ist das größte Geschenk, es ist eine neue Schöpfung.
Wenn Ich es nicht aus Mir hervorgehen lassen kann, weil die Geschöpfe nicht zum Empfang bereit sind, fühle Ich in Mir die Last des Geschenkes, das Ich geben will, und – unfähig zu geben – bin Ich betrübt und schweigsam. Umso größer wird mein Kummer, wenn Ich dich Meinetwegen betrübt sehe.
Wenn du wüsstest, wie Ich deine Traurigkeit fühle! Wie sie sich ganz in mein Herz ergießt, da mein Wille sie Mir bis ins Innerste meines Herzens trägt, denn Ich habe nicht zwei [göttliche] Willen, sondern einen: und da dieser in dir herrscht, trägt Er folglich deine Betrübnisse bis in mein Inneres.
Bete deshalb, und möge dein Flug im Höchsten FIAT andauern, damit du erflehst, dass die Geschöpfe sich bereiten, und Ich von neuem spreche.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 20; 2. Oktober 1926)
„Geht durch das enge Tor!“ (Mt 7,6.13)
Ich war weiter in meinem gewöhnlichen Zustand und dachte darüber nach, wie Christus starb, und dass Er auf keine Weise den Tod fürchten brauchte, da Er so mit der Gottheit vereint oder vielmehr in Sie umgewandelt war, dass Er bereits in Sicherheit war, wie wenn jemand in seinem eigenen Palast ist.
Doch wie anders sieht es für die Seele aus! Während ich dies und anderen Unsinn überlegte, kam der gebenedeite Jesus und sagte zu mir: „Meine Tochter, wer mit meiner Menschheit vereint ist, der befindet sich schon an der Pforte meiner Gottheit, denn meine Menschheit ist ein Spiegel für die Seele, aus der die Gottheit in sie (die Seele) reflektiert wird.
Wer sich im Widerschein dieses Spiegels befindet, dessen ganzes Wesen wird natürlicherweise in Liebe umgewandelt, denn, meine Tochter, alles, was aus dem Geschöpf herauskommt, sogar die Bewegungen seiner Augen, seiner Lippen, der Gedanken und alles Übrige – alles sollte Liebe sein und aus Liebe getan werden.
Da mein Wesen ganz Liebe ist, absorbiere Ich, wo immer Ich Liebe finde, alles in Mich selbst, und die Seele wohnt sicher in Mir, wie jemand in seinem eigenen Palast. Welche Angst sollte also die Seele bei ihrem Sterben haben, zu Mir zu kommen, wenn sie schon in Mir ist?“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 6; 23. Juni 1905)
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Ich sprach mit meinem Beichtvater, und er sagte, dass es schwierig sei, gerettet zu werden, da Jesus Christus selbst gesagt hat: ‚Die Tür ist eng, ihr müsst auch bemühen, hier einzutreten.‘
Nachdem ich die Kommunion empfangen hatte, sprach Jesus zu mir: „Wie arm bin Ich doch, für wie kleinlich halten sie Mich! Sag zum Beichtvater: ‚Von ihrer Knausrigkeit her schließen sie auf Meine.
Sie halten Mich nicht für jenes große, unermessliche, unbegrenzte, mächtige Wesen, unendlich in all meinen Vollkommenheiten, das große Menschenmassen durch enge Stellen hindurchgehen lassen kann, mehr als durch die Weite selbst‘.“
Während Er dies sagte, schien ich eine ganz enge Straße zu sehen, die zu einer engen kleinen Tür führte, die aber randvoll von Leuten war, die untereinander wetteiferten, wer schneller voran kam, um dort einzutreten.
Und Jesus fügte hinzu: „Siehst du, meine Tochter, welch große Menschenmenge sich hier vorwärts drängt, und wie sich untereinander wetteifern, wer zuerst ankommt.
In einem Wettbewerb liegt viel Gewinn, denn wäre der Weg breit, dann würde sich niemand beeilen, im Wissen, dass es genug Platz für sie gibt, zu gehen, wann immer es ihnen gefällt; aber während sie sich Zeit lassen, kann der Tod kommen, und wenn sie nicht unterwegs auf der engen Straße sind, wären sie auf der Schwelle zum breiten Tor der Hölle! O, wie nützlich ist diese Enge!
Auch bei euch [Menschen] ist es so: wenn ein Fest oder ein Gottesdienst veranstaltet wird und man weiß, dass es nur wenig Platz gibt, dann beeilen sich viele, und es sind mehr Zuschauer, die dieses Fest oder diese Liturgie genießen; aber wenn bekannt ist, dass es viel Platz gibt, beeilt sich niemand und es sind nur wenige Zuseher, denn da sie wissen, dass es Platz für alle gibt, lassen sie sich Zeit: der eine kommt mittendrin an, der andere zum Schluss und wieder ein anderer dann, wenn alles vorbei ist und kann nichts mehr genießen.
So wäre es gewesen, wenn der Weg zum Heil breit wäre; wenige würden sich beeilen, und das Fest im Himmel wäre nur für wenige gewesen.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 9; 16. März 1910)
„Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng, und der Weg dahin ist schmal, und nur wenige finden ihn“ (Mt 7, 14)
… Wiederholte mir der gebenedeite Jesus den Unterschied zwischen dem Leben für Gott und dem Leben in Gott mit diesen Worten:
„Wenn die Seele für Gott lebt, kann sie Beunruhigungen und Bitterkeit unterworfen sein, sie kann unbeständig sein, die Last der Leidenschaften fühlen, und sich in irdische Dinge mischen.
Doch das Leben in Gott – nein, das ist vollkommen verschieden, denn das wichtigste, damit man sagen kann, dass eine Person in einer anderen Person lebt, ist, dass sie ihre eigenen Gedanken ablegt und jene der anderen Person annimmt, und so was ihren Stil und ihrem Geschmack betrifft, und dass sie sogar ihren Willen aufgibt, um den Willen der anderen anzunehmen.
Damit also eine Seele in der Gottheit lebt und in Ihr wohnen kann, muss sie alles ablegen, was ihr gehört, d.h., sich von allem lösen, die eigenen Leidenschaften zurücklassen; mit einem Wort, alles verlassen, um alles in Gott zu finden.
Nun, wenn sich die Seele nicht nur gelöst hat, sondern sich tief erniedrigt hat, dann wird sie imstande sein, durch die niedrige Tür meines Herzens einzutreten, um in Mir zu leben, entsprechend meiner Art und von meinem eigenen Leben.
Denn obwohl mein Herz unermesslich ist, sodass seine Grenzen endlos sind, ist seine Tür aber äußerst niedrig, und nur jemand, der von allem losgelöst ist, kann darin eintreten.
Dies zu Recht, denn da Ich der Heiligste bin, würde Ich niemals jemandem erlauben, in Mir zu leben, der meiner Heiligkeit fremd ist. Deshalb, meine Tochter, versuche in Mir zu leben und du wirst das Paradies im Vorhinein besitzen.“
Wer kann sagen, wie viel ich von diesem Leben in Gott verstand? Doch dann verschwand Er, und ich blieb im selben Zustand. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 3; 10. Juli 1900)


