26. Sonntag im Jahreskreis – C – (Lk 16,19-31)
19In jener Zeit sprach Jesus: Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte. 20Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war.
21Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Statt dessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren. 22Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben.
23In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß. 24Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir, und schick Lazarus zu mir; er soll wenigstens die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer.
25Abraham erwiderte: Mein Kind, denk daran, dass du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafür getröstet, du aber musst leiden. 26Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, so dass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte.
27Da sagte der Reiche: Dann bitte ich dich, Vater, schick ihn in das Haus meines Vaters! 28Denn ich habe noch fünf Brüder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen.
29Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören. 30Er erwiderte: Nein, Vater Abraham, nur wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren.
31Darauf sagte Abraham: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.
„In jener Zeit sprach Jesus: Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte“ (Lk 16,19)
… Dann fuhr Er fort: „Von dir will Ich die vollkommene Übereinstimmung mit meinem Willen, sodass dein Wille in dem Meinen vernichtet ist, und absolute Loslösung von allem – sodass Ich will, dass alles Irdische wie Mist und Fäulnis von dir betrachtet wird, vor dem jemand schon beim bloßen Hinsehen Abscheu empfindet.
Und dies deshalb, weil selbst dann, wenn jemand nicht an diesen irdischen Dingen hängt, er sie aber um sich hat und auf sie schaut, diese bereits Schatten auf die himmlischen Dinge werfen und die Erfüllung dieser mystischen Vermählung verhindern, die Ich dir verheißen habe.
Mehr noch, Ich will, dass du Mich in der Armut nachahmst, so wie Ich arm war: du musst dich in diesem Bett als eine kleine Arme betrachten; die Armen sind mit allem, was sie haben, zufrieden, und sie danken zuerst Mir, und dann ihren Wohltätern.
So mache es du mit allem, was dir gegeben wird, ohne um dieses oder jenes zu bitten, denn es könnte in deinem Geist ein Hindernis sein, sondern ergib dich mit heiliger Gleichgültigkeit, ohne zu denken, ob es dir Gutes oder Schlechtes bringt, dem Willen der anderen.“… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 1; (68))
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Als ich mich in meinem gewohnten Zustand befand, dachte ich an den Schmerz, den mein süßer Jesus im Garten von Getsemani litt, als sich vor seiner Heiligkeit alle unsere Sünden zeigten. Und Jesus sagte ganz betrübt in meinem Inneren:
„Meine Tochter, mein Schmerz war groß und für den geschaffenen Geist unbegreiflich, besonders, als Ich den menschlichen Intellekt verunstaltet sah, das schöne Abbild von Mir, das Ich im Intellekt reproduzierte, nicht mehr schön, sondern hässlich und schrecklich.
Ich stattete ihn mit Willen, Intellekt und Gedächtnis aus: im ersten erstrahlte mein Himmlischer Vater, der ihm als ersten Akt seine Macht, Heiligkeit und Erhabenheit mitteilte, durch welche Er den menschlichen Willen erhob, indem Er ihn mit seiner eigenen Heiligkeit, Macht und seinem Adel erfüllte, und alle Ströme zwischen Ihm und dem menschlichen Willen offen ließ, damit dieser sich immer mehr mit den Schätzen meiner Gottheit bereichern konnte.
Zwischen dem menschlichen Willen und dem Göttlichen gab es weder Dein noch Mein, sondern alles war gemeinsam, in gegenseitiger Übereinstimmung. Die Seele war unser Abbild, unser eigenes Ding, sodass sie Uns andeutete; unser Leben sollte daher das der Seele sein, und deshalb bildete Ich als ersten Akt ihren Willen frei und unabhängig, wie als erster Akt, der Wille meines Himmlischen Vaters war.
Doch wie wurde dieser Wille entstellt! Von der Freiheit, die er hatte, wurde er zum Sklaven der niedrigsten Leidenschaften. Ach, es ist der Wille, welcher der Anfang aller Übel des Menschen ist! Er ist nicht wieder zu erkennen! Wie ist er von seinem Adel herabgesunken, er ist ekelhaft anzusehen!
Nun, beim zweiten Akt wirkte Ich, der Sohn Gottes, mit und stattete den Menschen mit Vernunft aus: Ich teilte ihm meine Weisheit mit und die Wissenschaft von allen Dingen, damit er durch ihre Kenntnis im Guten genießen und sich erfreuen könne. Doch, ach, welche Lasterhöhle ist der Intellekt des Menschen! Des Intellekts bediente er sich, um seinen Schöpfer zu verleugnen.
Und als dritter Akt sodann, wirkte der Heilige Geist mit und stattete ihn mit dem Gedächtnis aus, damit er sich an so viele Wohltaten erinnere und er somit in ständigen Liebesströmen, in ständigen Beziehungen sein könne. Die Liebe sollte ihn krönen, ihn umfangen und sein ganzes Leben gestalten.
Doch wie sehr wird die Ewige Liebe betrübt! Dieses Gedächtnis erinnert sich an Vergnügungen, an Reichtümer und sogar an Sünden, und die Heiligste Dreieinigkeit wird aus den Gaben hinausgeworfen, die Sie ihrem Geschöpf gegeben hat. Mein Schmerz war unbeschreiblich beim Anblick der Verunstaltung der drei Kräfte im Menschen.
Wir hatten unseren Königspalast in ihm gestaltet, und er hatte Uns daraus verjagt.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 14; 8. April 1922)
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Dort erwarten dich neue Peinen. Die Soldaten ziehen dich abermals aus, reißen dir die Kleider vom Leib und die Krone vom Haupt. Ach, du seufzt bei dieser rohen Behandlung. Denn mit der Krone reißen sie dir auch die Dornen aus und mit deinen Kleidern Stücke deines wunden Fleisches weg, das angeklebt war. Die Wunden brechen wieder auf, das Blut rieselt auf die Erde, und deine Qualen sind so groß, dass du mehr tot als lebendig erscheinst. Aber niemand wird zum Mitleid bewegt, mein höchstes Gut! Im Gegenteil, mit tierischer Wut setzen sie dir aufs Neue die Krone aufs Haupt und drücken sie mit Schlägen ein. Die Qualen, die du empfindest, sind so entsetzlich, dass nur die Engel zu sagen vermöchten, was du leidest. Erschaudernd wenden sie ihre Blicke von dir ab, die Engel des Friedens weinen.
Mein der Kleider beraubter Jesus! Lass mich dich erwärmen, denn ich sehe, dass du zitterst und kalter Schweiß deinen Leib bedeckt. Wie gerne würde ich mein Leben und mein Blut hingeben, das deine zu ersetzen, das du ja vergossen hast, um uns allen das Leben zu geben. Nun schaust du mich mit trüben, halb erloschenen Augen an. Mir ist, als sprächest du zu mir: „Mein Kind, wie viel kosten mich die Seelen! Hier ist der Ort, wo ich alle erwarte, um sie zu retten; wo ich die Sünden jener sühnen will, die sich unter das Tier erniedrigen und so hartnäckig ihren Sünden ergeben sind, dass sie nicht mehr leben können, wenn sie mich nicht beleidigen. Ihre Vernunft ist verblendet, und sie sündigen wie Wahnsinnige.
Wenn sie mir die Kleider vom Leib reißen, sühne ich für jene, die Prunkgewänder und schamlose Kleider tragen, sühne die Sünden gegen die Züchtigkeit und für jene, die so sehr an Reichtum, Ehre und Lustbarkeiten hängen, dass sie aus ihnen den Gott ihres Herzens machen. O gewiss, ein jedes dieser Vergehen lässt mich den Tod empfinden. Wenn ich nicht sterbe, geschieht es deswegen, weil das Wollen des ewigen Vaters den Augenblick meines Todes für jetzt noch nicht festgelegt hat.“ Mein entblößter Jesus, während ich mit dir Sühne leiste, bitte ich dich, mich von allen irdischen Neigungen zu entblößen und nicht zuzulassen, dass eine einzige sündhafte Neigung in mein Herz eindringe.
Wache über ihm, umgib es mit deinen Leiden wie mit einer Einfriedung und erfülle es mit deiner Liebe. Mein Leben sei nichts anderes als die Wiederholung deines Lebens. So bekräftige mit deinem Segen meine Entäußerung, segne mich von ganzem Herzen und gib mir die Kraft, deiner schmerzvollen Kreuzigung beiwohnen zu können, um mit dir stets ans Kreuz geheftet zu sein. (aus „Die Stundenuhr der Passion Jesu Christi“ nach den Schriften der Dienerin Gottes Luisa Piccarreta; Stunde von 10 bis 11 Uhr: Jesus nimmt das Kreuz auf die Schulter. Gang auf den Kalvarienberg. Jesus fällt unter dem Kreuz und wird seiner Kleider beraubt)
„Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war“ (Lk 16,20)
Als ich mich nach meinem anbetungswürdigen Jesus sehnte, kam Er in dem Aussehen, das Er hatte, als seine Feinde Ihn ohrfeigten, sein Gesicht mit Spucke bedeckten und Ihm die Augen verbanden. Mit bewundernswerter Geduld erlitt Er alles; mehr noch, Er schien sie nicht einmal zu beachten, so sehr war Er auf sein Inneres gerichtet, um auf die Frucht zu sehen, welche diese Leiden hervorbringen würden. Ich bewunderte alles mit Staunen, und Jesus sagte mir:
„Meine Tochter, in meinem Tun und Leiden sah Ich nie nach außen, sondern stets nach innen; und da Ich die Frucht erblickte, wollte Ich, was immer es war, nicht nur leiden, sondern alles mit Sehnsucht und Begierde leiden. Ganz im Gegensatz dazu sieht der Mensch, wenn er Gutes tut, nicht auf das Innere der Arbeit, und da er ihre Frucht nicht sieht, wird es ihm schnell langweilig, alles wird ihm lästig, und oft vernachlässigt er das Gutestun. Wenn er leidet, verliert er leicht die Geduld; und wenn er Böses tut, tut er dies, da er nicht auf das Innere des Bösen schaut, mit Leichtigkeit.“
Dann fügte Er hinzu: „Die Geschöpfe wollen sich nicht überzeugen lassen, dass das Leben von verschiedenen Umständen begleitet wird, bald von Leiden, bald von Trost. Doch sogar die Pflanzen und Blumen geben ihnen ein Beispiel davon, da sie Winden, Schnee, Hagel und Hitze unterworfen sind.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 4; 9. November 1902)
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Ich war weiterhin in meinem gewöhnlichen Zustand, da sah ich den gebenedeiten Jesus kurz, und Er sagte zu mir:
„Meine Tochter, für jeden kleinsten Genuss, den sich die Seele in diesem Leben aus Liebe zu Mir versagt, werde Ich ihr ein weiteres Paradies im nächsten Leben geben; so bedeutet eine Befriedigung weniger hier unten ein weiteres Paradies dort oben. Stelle dir ein wenig vor, wie viele Beraubungen du in diesen zwanzig Jahren im Bett, meinetwegen erlitten hast, und wie viele zusätzliche Paradiese Ich dir im Himmel dafür schenke!“
Als ich das hörte, sagte ich: „Mein Gut, was sagst Du? Ich fühle mich geehrt und fast als Schuldnerin Dir gegenüber, weil Du mir die Gelegenheit gegeben hast, mich aus Liebe zu Dir zu berauben, und Du sagst mir, dass Du mir ebenso viele Paradiese geben wirst?“
Und Er fügte hinzu: „Genauso ist es.“ Deo Gratias. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 7; 10. August 1906)
„Auch der Reiche starb und wurde begraben…“ (Lk 16, 22)
Mein armes Herz, verwundet von Liebe und durchbohrt von deinen Leiden, kann ohne dich nicht leben. Darum suche und finde ich dich abermals vor Pilatus. Welch erschütterndes Schauspiel! Die Himmel erschaudern, die Hölle erzittert vor Furcht und Wut zugleich. Leben meines Herzens, mein Auge kann dich nicht sehen, ohne dass ich dem Tode nahe komme. Aber deine hinreißende Liebe nötigt mich trotzdem, dich anzuschauen, um deine Leiden in vollem Maß begreifen zu können. Und ich betrachte dich unter Seufzern und Tränen. Jesus, du bist noch deiner Kleider beraubt. Anstatt mit einem Gewand, sehe ich dich mit Blut bekleidet. Dein Fleisch hängt dir in Stücken vom Leib, deine Gebeine sind bloßgelegt, dein heiligstes Antlitz ist nicht mehr zu erkennen. Die Dornen sind bis in die Augen in dein Haupt eingedrungen. Ich sehe nur Blut, das zur Erde rinnt und ein blutiges Bächlein hinter deinen Schritten zurücklässt.
Man erkennt dich nicht mehr, so bist du zugerichtet, auf der tiefsten Stufe der Demütigung und am höchsten Grad der Leiden angekommen. Ach, ich kann deinen Anblick kaum mehr ertragen! O ich möchte dich der Gewalt des Pilatus entreißen, dich in meinem Herzen verschließen, um dir Ruhe zu gönnen. Wie gern möchte ich deine Wunden mit deiner Liebe heilen, mit deinem Blut die ganze Welt überschwemmen, um alle Seelen hineinzutauchen und als Siegesbeute deiner Leiden zu dir zu führen. Geduldigster Jesus, kaum vermagst du durch die Dornen mich anzuschauen, um zu mir zu sprechen: „Mein Kind, komm in diese meine gefesselten Arme, neige dein Haupt an meine Brust, und du wirst die heftigsten und bittersten Schmerzen empfinden. Das, was du an meiner Menschheit von außen siehst, ist nur das Überschäumen meiner inneren Qualen.
Achte auf die Schläge meines Herzens, und du wirst erkennen, dass ich sühne für die Ungerechtigkeiten vieler Befehlshaber, für die Unterdrückung der Armen und der Unschuldigen, die den Schuldigen nachgesetzt werden. Ich sühne für den Hochmut jener, die, um ihre Würden, ihre Stellung, ihre Reichtümer behaupten zu können, nicht davor zurückschrecken, jedes Gesetz mit Füßen zu treten und dem Nächsten Unrecht zuzufügen, weil sie ihr Auge dem Licht der Wahrheit verschließen. Mit diesen meinen Dornen möchte ich ihren stolzen Herrschaftsdünkel zerstückeln und durch die Vertiefungen, die sie in meinem Haupte bilden, mir den Weg zu ihrem Geist bahnen, um in ihm alles im Geist der Wahrheit in Ordnung zu bringen.
Stehe ich so tief gedemütigt vor diesem ungerechten Richter, so will ich dadurch alle begreifen lassen, dass die Tugend allein jene Würde verleiht, die den Menschen zum König über sich selbst macht. Ich will allen Befehlshabern die Lehre geben, dass nur die Tugend, verbunden mit einem geraden Sinn, allein würdig und fähig macht, andere zu leiten und zu regieren. Alle Würden ohne Tugend sind hingegen gefährliche und beweinenswerte Gaben. Meine Tochter, lass dir meine Sühneakte zu Herzen gehen und fahre fort, auf meine Leiden zu achten.“ (aus „Die Stundenuhr der Passion Jesu Christi“ nach den Schriften der Dienerin Gottes Luisa Piccarreta; Stunde von 9 bis 10 Uhr: Jesus mit Dornen gekrönt, verspottet und verhöhnt. Ecce homo! Von Pilatus zum Tode verurteilt)
„Abraham erwiderte: Mein Kind, denk daran, dass du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafür getröstet, du aber musst leiden…“ (Lk 16,25)
Ich fühle mich von den ewigen Wellen des Göttlichen Wollens gleichsam fortgerissen und spüre seine ständige Bewegung, die als Leben stets murmelt – doch was murmelt Es? Es murmelt Liebe und gibt allen Liebe.
Es murmelt und beseligt, Es murmelt und stärkt, murmelt und spendet Licht, murmelt und gibt allen Leben, erhält alle und bildet den Akt aller, erfüllt alles, umhüllt und verbirgt alles in sich selbst, um sich allen zu geben und alles zu erhalten. O Macht des Göttlichen Wollens!
Wie gerne würde ich Dich doch als Leben in der Seele besitzen, um von Dir zu leben und kein anderes Leben als das Deine zu kennen! Doch, o wie ferne bin ich davon! Zu viel braucht es, um so weit zu kommen, im Göttlichen Willen zu leben.
Als ich dies erwog, überraschte mich mein guter Jesus, mein geliebtes Leben, und sagte voller Güte zu mir: „Meine gesegnete Tochter, sag Mir, was willst du? Möchtest du, dass mein Wille in dir als Leben regiere und lebe? Wenn du es wirklich willst, ist alles getan.
In der Tat, unsere Liebe und der brennende Wunsch, dass die Seele unseren Willen als Leben besitze und von Ihm lebe, sind so groß, dass unser Wille, sobald die Seele dies wirklich will, den menschlichen Willen mit unserem Höchsten Willen erfüllt, um hier sein Leben zu bilden und in der Seele wie in seinem eigenen Mittelpunkt zu leben.
Wisse, dass der Göttliche und der menschliche Wille zwei geistliche Kräfte sind: der Göttliche ist unermesslich und besitzt unerreichbare Macht, der menschliche ist eine kleine Macht, doch wenn auch klein, hat er seine Macht.
Da nun beide spirituell sind, kann sich der eine in den anderen ergießen und können sie beide ein einziges Leben bilden. Die ganze Macht liegt im Wollen, und da der menschliche Wille eine geistliche Macht ist, hat er einen Platz, um in seinen Willen das Gute hineinstellen zu können, das er möchte, und auch das Böse.
Was also der Wille möchte, das befindet sich in ihm selbst: Wünscht er Selbstschätzung, Ehre, Liebe zu den Vergnügungen und Reichtümern, dann wird sich in seinem Wollen das Leben der Selbstschätzung, der Ehre, das Leben des Genusses, der Reichtümer befinden; wenn er die Sünde will, wird auch die Sünde ihr Leben [in der Seele] bilden; umso mehr wird dann eine Seele, die in Wahrheit das Leben unseres Willens in dem ihren haben möchte – was Wir mit so vielen Seufzern wünschen und anordnen – die große Wohltat erlangen, unseren Willen als Leben zu besitzen.
Wäre das nicht so, dann wäre die Heiligkeit des Lebens in meinem Willen eine schwierige und fast unmögliche Heiligkeit. Ich kann aber weder schwierige Dinge lehren, noch will Ich Unmögliches. Es ist vielmehr meine Gewohnheit, dem Geschöpf die beschwerlichsten Dinge und die härtesten Opfer, soweit es ihm möglich ist, zu erleichtern.
Wenn nötig, gebe Ich von dem Meinen dazu, damit die kleine Macht seines Wollens unterstützt wird, Hilfe erfährt und von der unbesiegbaren Macht meines Willens belebt wird. So mache Ich das Gute leicht und auch das Leben meines Willens, welches die Seele besitzen möchte.
Meine Liebe ist so groß, dass Ich, um es der Seele noch leichter zu machen, in das Ohr ihres Herzens flüstere: ‚Wenn du wirklich dieses Gute tun willst, werde Ich es gemeinsam mit dir tun. Ich werde dich nicht allein lassen, sondern dir meine Gnade, meine Kraft, mein Licht, meine Heiligkeit zur Verfügung stellen. Wir werden zu zweit das Gute tun, das du besitzen willst.’
Deshalb braucht es nicht allzu viel, um von meinem Willen zu leben. Das ‚allzu viel’ liegt [nur] im Willen. Wenn die Seele sich entschließt und es fest und ausdauernd will, hat sie bereits meinen Willen besiegt und sich Ihn zu Eigen gemacht. O, wie viel kann der menschliche Wille in sich einschließen, da er eine spirituelle Macht ist, die viel einsammelt und nichts verliert!
Er gleicht dem Licht der Sonne: Wie viele Dinge schließt die Sonne doch ein, während man nichts anderes sieht als Licht und Glut. Und doch birgt sie fast unzählige Güter in sich; man erkennt, dass ihr Licht beim Auftreffen auf die Erde Wunderbares mitteilt, obwohl man bloß Licht sieht. So ist der menschliche Wille: wie viele Güter kann er doch einschließen, wenn er will!
Er kann Liebe, Heiligkeit, Licht, Wiedergutmachung, Geduld, alle Tugenden einschließen, ja selbst seinen Schöpfer. Da er eine geistliche Macht ist, hat er die Potenz und die Fassungskraft, alles einzuschließen, was er will. Und er hat nicht nur die Macht, das Gute einzuschließen, das er möchte, sondern sich dabei auch in das Gut umzuwandeln, das er in sich birgt.
So verwandelt sich der menschliche Wille in die Natur des Guten, das er wünscht. Obwohl er viele Dinge nicht tut, die er wirklich will, bleiben sie aber im Willen wie [wenn sie] getan [worden wären]. Und man sieht, dass er bei einer günstigen Gelegenheit, jenes Gute zu tun, das er wünschte, nun jenes Gute, das er seit so langer Zeit tun wollte – da er das Leben jenes Gutes besitzt – mit Bereitschaft, mit ganzer Liebe, ohne an einem Punkt zu zögern, vollbringt.
Ein Symbol dafür ist wieder die Sonne: wenn sie weder Samen noch Blumen antrifft, kann sie weder die Wohltat der Reifung des Samens noch der Färbung der Blumen weitergeben. Doch sobald sie diese mit ihrem Licht zu berühren vermag, teilt sie, da sie das Leben dieses Gutes besitzt, dem Samen sogleich die Reifung, und den Blumen die Färbung mit.
Der menschliche Wille besitzt mit unauslöschlichen Buchstaben [eingeschrieben] all das, was er tut und was er tun will; und wenn das Gedächtnis auch vergisst, so verliert der Wille nichts, sondern enthält den Aufbewahrungsort, das Depot all seiner Akte, ohne dass er etwas verlieren kann. Daher kann man sagen, dass der ganze Mensch im Willen [begründet] ist.
Ist dieser heilig, dann sind auch die gleichgültigsten Dinge für ihn heilig. Wenn er schlecht ist, verwandelt sich für ihn vielleicht auch das Gute in einen perversen Akt. Wenn du also wirklich meinen Göttlichen Willen als Leben willst, braucht es dazu nicht allzu viel, umso mehr, als es der Meine ist, der mit dem deinen vereint, es will.
Dies ist eine Macht, die alles vermag, und auf deiner Seite wird man an den Taten sehen, ob du dich in allen Dingen als Besitzerin eines Göttlichen Willens verhältst. Sei daher aufmerksam, meine Tochter, und lasse deinen Flug im Höchsten Fiat stets andauern.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 33; 19. März 1935)

