Freitag der 26. Woche im Jahreskreis (Lk 10,13-16)
13In jener Zeit sprach Jesus: Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wenn einst in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen wären, die bei euch geschehen sind – man hätte dort in Sack und Asche Buße getan. 14Tyrus und Sidon wird es beim Gericht nicht so schlimm ergehen wie euch.
15Und du, Kafarnaum, meinst du etwa, du wirst bis zum Himmel erhoben? Nein, in die Unterwelt wirst du hinabgeworfen. 16Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab; wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der mich gesandt hat.
„Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida!“ (Lk 10, 13)
Mein Jesus, mein teures Leben, ich sehe, dass Du schon dabei bist, Dich von Deiner Mama zu trennen, dennoch trennen sich Unsere Willen nicht.
Du gehst fort, um Dein öffentliches Leben zu beginnen, und richtest Deinen Schritt nach Jerusalem, um im Tempel Dein göttliches Wort zu verkündigen und um offen zu sagen, dass Du der Erwartete der Völker bist, der ersehnte Messias.
Wieviel Bedrängnis jedoch erleidet Dein Herz, wieviele Schmerzen! Diejenigen, die Dich anhören – anstatt sich zu Deinen Füßen zu werfen, um Dich als ihren Himmlischen Erlöser zu empfangen – betrachten Dich mit finsteren Augen und entfernen sich murrend, während Du allein bleibst, von der Undankbarkeit jenes Volkes gezwungen, das Brot zu erbetteln und Dich außerhalb der bewohnten Gegend zurückzuziehen.
Du bist allein, allein, und indem Du als Bett nur die Erde hast, als Dach den gestirnten Himmel, verbringst Du die Nacht in Tränen und in Gebeten und flehst für jene, die Dich nicht anerkennen wollen.
Jesus, meine Liebe, komm in meine Arme, um Dich ein wenig zu erquicken; ich will mit Dir weinen und beten, ich will Dir das Gefolge meines „Ich liebe Dich, ich bete Dich an, ich benedeie Dich, ich danke Dir“ anbieten in den Qualen, die Du erduldest, in den Tränen, die Du vergießt, in den Worten, die Du aussprichst und die ungehört bleiben; ich will mein „Ich liebe Dich“ vor, hinter und unter Deine Schritte niederlegen, damit Deine Füße nicht die Härte der undankbaren Erde verspüren, sondern nur die Weichheit meiner Liebe; ich will Dir sagen: „Siehst Du, Jesus, wieviel Du leidest!
Mache, dass Dein Göttlicher Wille unter uns regiere, und Deine Leiden werden unverzüglich aufhören! (aus „Rundgang der Seele im Reich des Göttlichen Willens“ nach den Schriften der Dienerin Gottes Luisa Piccarreta; Sechzehnte Stunde)
„Wer euch hört, der hört mich“ (Lk 10,16)
Da der Beichtvater mir mitgeteilt hatte, dass Monsignore keinen Besuch von Personen bei mir wünscht, damit ich nicht abgelenkt werde, sagte ich zu ihm:
„Sie haben mir diesen Gehorsam mehr als einmal aufgetragen, doch wurde er nie eingehalten; es geht nur für eine kurze Zeit so, und dann ist alles wieder wie vorher. Wenn Sie mir aber im Gehorsam auftragen, nicht mehr zu sprechen, wird mein Schweigen sie alle von mir fernhalten.“
Als ich die hl. Kommunion empfangen hatte, sagte ich zum Herrn: „Wenn es Dir gefällt, möchte ich gerne wissen, wie die Dinge in deinen Augen sind. Du kennst den gewaltsamen Zustand, in dem ich mich befinde, wenn ich mit den Menschen zusammen bin, denn mit Dir allein fühle ich mich wohl.
Ich kann nicht verstehen, warum sie kommen wollen. Ich zeige mich eher ungeschliffen und wende kein Mittel an, um sie anzuziehen, sondern habe eher missfällige Manieren. Ich weiß nicht, warum sie kommen wollen. O, möge der Himmel gewähren, dass ich allein bleiben kann!“
Da sprach Er zu mir: „Meine Tochter, die lautere, nackte und einfache Wahrheit ist der mächtigste Magnet, der die Herzen anzieht und sie disponiert, jedes Opfer aus Liebe zur Wahrheit und zu den Personen, die diese Wahrheit enthüllen, zu bringen.
Wer hat die Märtyrer bereit gemacht, ihr Blut zu vergießen? Die Wahrheit. Wer gab so vielen anderen Heiligen die Kraft, ein reines und ehrenhaftes Leben inmitten so vieler Kämpfe zu führen? Die Wahrheit, und zwar die nackte, einfache und uneigennützige Wahrheit.
Daher wollen die Menschen zu dir kommen. Ach, meine Tochter, wie schwer ist es in diesen traurigen Zeiten, jemanden zu finden, der diese bloße Wahrheit kundtut, sogar unter dem Klerus, den Gottgeweihten und den Frommen!
Ihr Sprechen und Handeln enthält immer etwas Menschliches, oder ein Interesse oder anderes, und die Wahrheit wird wie zugedeckt oder verschleiert geäußert.
So wird die Person, an die sie gerichtet ist, nicht von der nackten Wahrheit berührt, sondern von dem Interesse oder einer anderen menschlichen Absicht, in welche die Wahrheit gehüllt wurde, und sie empfängt nicht die Gnade und die Wirkungen, welche die Wahrheit enthält.
Deshalb werden so viele Sakramente, so viele Beichten vergeudet, profaniert und sind ohne Frucht, obwohl Ich es nicht unterlasse, sie zu erleuchten; doch sie hören Mich nicht, da sie glauben, dass sie ihr Ansehen und die Sympathien verlieren würden, wenn sie so handeln.
Sie denken, dass ihre Natur keine Befriedigung mehr fände, und ihre eigenen Interessen Schaden litten. Doch – wie sehr täuschen sie sich! Denn wer alles aus Liebe zur Wahrheit verlässt, wird in allem Überfluss haben, mehr als die anderen.
Unterlasse es daher nicht, so gut du kannst, diese nackte und einfache Wahrheit mitzuteilen, natürlich immer unter dem Gehorsam dem gegenüber, der dich führt, doch wenn sich die Gelegenheit ergibt, dann gib die Wahrheit kund.“
Alles, was die Nächstenliebe betrifft, habe ich auf verhüllte Art gesagt; und da der Gehorsam mir aufgetragen hat, dass ich alles genau niederschreiben soll, hatte ich den Eindruck, dass ich noch nicht gehorcht hätte.
Als ich Unseren Herrn fragte, sagte Er mir, dass es gut war, wie es ist, denn wer diese Fehler hat, würde es schon verstehen. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 7; 16. September 1906)
„Wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der mich gesandt hat“ (Lk 10,16)
… „Meine Tochter, der Atem, der Herzschlag, der Blutkreislauf der Schöpfung sind unsere Liebe, Anbetung, Herrlichkeit. Wir legten in sie hinein, was Wir in Uns selbst sind.
Unsere Natur ist reinste Liebe und unsere Heiligkeit ist so groß, dass diese Liebe nichts anderes hervorbringt als tiefe Anbetung und immerwährende Verherrlichung unseres Göttlichen Seins. So mussten Wir, als Wir die Schöpfung hervorbrachten, das in sie hineinlegen, was Wir besitzen und nicht etwas, das nicht zu Uns gehörte.
Daher ist der Atem der Schöpfung Liebe, und als Herzschlag wird sie mit neuer Liebe wie mit Perlen geziert, die im Fluss ihres Kreislaufs unaufhörlich wiederholt: ‘Anbetung und Herrlichkeit für unseren Schöpfer.’
Wenn nun die Seele unter den geschaffenen Dingen umhergeht und ihre Liebe in sie hineinlegt, dann gibt sie ihre Liebe und empfängt die Unsere. Diese erzeugt weitere Liebe, welche die Seele von neuem erwartet, um die Liebe der Seele zu empfangen und ihr die eigene zu geben.
So kommt es zu einem Austausch und Wettstreit zwischen der Seele und den geschaffenen Dingen, die sich miteinander vereinen und unserem Höchsten Sein Liebe, Anbetung und Verherrlichung darbringen.
Wenn du also lieben willst, bedenke, dass alle geschaffenen Dinge unsere Vollmacht haben, dir Liebe zu geben, solange sie nur die deine empfangen.
So geht das Fest unserer Liebe zwischen Himmel und Erde ohne Unterbrechung weiter: du wirst die Glückseligkeit unserer Liebe spüren, und dein Atem und Herzschlag wird in dir durch einen Atem der Liebe und einen Herzschlag der Anbetung ausgetauscht werden.
Und in deinem Blut wird immerwährende Herrlichkeit für deinen Schöpfer kreisen. So sollst du wissen, dass unsere Werke voller Leben sind. Unsere Schöpferkraft hat die Eigenschaft, dass sie in alle Werke, die Wir tun, den Lebenskeim hineinlegt und ihn den Menschen mitteilt, die diese [Werke] gebrauchen.
Die Schöpfung ist randvoll mit unseren Schöpfer-Werken. Die Erlösung ist ein endloses Feld, angefüllt mit unseren Taten, die den Menschen das Leben und das Gut bringen sollten, das sie enthalten.
So sind Wir von der Pracht unserer Werke umgeben, aber es schmerzt Uns, dass die Menschen diese Werke nicht annehmen, ja dass sie viele dieser Werke nicht einmal kennen.
Daher sind sie für sie wie tot, da sie [nur] in dem Maß Leben bringen und Früchte des Lebens produzieren, wie die Menschen von ihnen Gebrauch machen.
Wenn Wir so viele vitale Werke und so viele Eigenschaften von Uns [der Gefahr] ausgesetzt sehen, ohne dass sie die Früchte hervorbringen, die sie enthalten, und vielmehr noch die Menschen arm, schwach und ohne das Leben des wahren Guten sehen, schmerzt Uns dies sehr.
Du kannst gar nicht begreifen, in welch leidvolle Lage Uns die Geschöpfe bringen. Wir gleichen einem Vater, der viele Kinder hat. Er bereitet das Essen vor und ist dabei ganz festlich gestimmt im Gedanken, dass seine Kinder nicht hungern müssen, sondern von dem Seinigen essen werden.
Dann richtet er den Tisch, bereitet die Teller mit den diversen Speisen, die er gekocht hat und ruft die Kinder herein, dass sie von den guten Speisen kosten, die er bereitet hat. Diese aber hören nicht auf die Stimme des Vaters und rühren das Mahl nicht an.
Wie groß ist doch der Kummer des Vaters, wenn er sieht, dass sich die Kinder nicht an seinen Tisch setzen und die von ihm bereiteten Speisen nicht essen! Der bloße Blick auf den Tisch voller Speisen schmerzt ihn. So ergeht es Uns, wenn Wir sehen, dass die Geschöpfe sich nicht um die vielen Werke kümmern, die Wir mit so viel Liebe für sie gemacht haben.
Je mehr du also von unseren Gaben nimmst, umso mehr göttliches Leben empfängst du, umso glücklicher machst du Uns und lässt du unsere tiefe Wunde der menschlichen Undankbarkeit abheilen.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 29; 24. April 1931)


