HL. FRANZ VON ASSISI – Gedenktag – (Mt 11, 25-30)
25In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. 26Ja, Vater, so hat es dir gefallen.
27Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. 28Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.
29Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. 30Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.
„Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen“ (Mt 11,28)
Ich begleitete meinen süßen Jesus in seinen Leiden der Passion, und Er ließ sich sehen und sagte zu mir:
„Meine Tochter, die Schuld kettet die Seele an und hindert sie am Tun des Guten: der Geist empfindet die Kette der Sünde und wird daran gehindert, das Gute zu begreifen, der Wille fühlt die Kette, die ihn einwickelt und fühlt sich stumpf, und anstatt das Gute zu wollen, will er das Böse; das gefesselte Verlangen fühlt seine Flügel, um zu Gott zu fliegen, gestutzt.
O, wie erregt der Anblick des von seinen eigenen Sünden gefesselten Menschen mein Mitleid! Deshalb war das erste Leid, das Ich in der Passion erdulden wollte, die Ketten: Ich wollte gefesselt sein, um den Menschen von seinen Ketten zu lösen. Die Ketten, die Ich erlitt, verwandelten sich, sobald sie Mich berührten, in Ketten der Liebe, die, als sie den Menschen berührten, die seinen verbrannten und zerbrachen und ihn mit meinen liebenden Ketten fesselten.
Meine Liebe wirkt, sie kann nicht unwirksam bleiben. Deshalb bereitete Ich für alle und für jeden einzelnen das, was nötig war, um sie wiederherzustellen, zu heilen und von neuem zu schmücken. Alles tat Ich, damit, wenn die Seele sich entscheidet, sie alles bereit und zu ihrer Verfügung vorfindet.
So halte Ich meine Ketten bereit, um die ihren zu verbrennen; die Fetzen meines Fleisches, um ihre Wunden zu bedecken und sie mit Schönheit zu zieren, mein Blut, um ihr das Leben zurückzugeben. Alles halte Ich für jeden bereit und in Reserve, was er braucht, doch meine Liebe will sich schenken und möchte wirken. Ich fühle eine Sehnsucht, eine unwiderstehliche Kraft, die Mir keine Ruhe lässt, wenn Ich nicht gebe, und weißt du, was Ich tue?
Wenn Ich sehe, dass niemand etwas nimmt, konzentriere Ich meine Ketten, die Stücke meines Fleisches und mein Blut in dem, der sie wünscht und Mich liebt, und übersäe ihn mit Schönheit, indem Ich ihn mit den Ringen der Ketten meiner Liebe schmücke und sein Gnadenleben verhundertfache, und so kann sich meine Liebe ergießen und beruhigt sich.“
Doch während Er dies sagte, sah ich, dass seine Ketten, die Fetzen seines Fleisches und sein Blut, über mich flossen, und Er freute sich daran, sie an mir anzubringen und mich über und über mit Juwelen zu schmücken. Wie gut ist Jesus, Er sei stets gepriesen! Dann kehrte Er zurück und fügte hinzu:
„Meine Tochter, Ich empfinde das Bedürfnis, dass das Geschöpf sich in Mir ausruht, und Ich Mich in ihm, doch weißt du, wann das Geschöpf in Mir ruht, und Ich in ihm? Wenn sein Intellekt an Mich denkt und Mich versteht, ruht es im Intellekt seines Schöpfers, und die des Schöpfers findet ihre Ruhe im geschaffenen Geist.
Wenn der menschliche Wille sich mit dem Göttlichen Willen vereint, umarmen sich die beiden Willen und ruhen gemeinsam. Wenn die menschliche Liebe sich über alle geschaffenen Dinge erhebt, und nur ihren Gott liebt, welche schöne Ruhe finden Gott und die Seele beiderseits! Wer Ruhe schenkt, der findet sie.
Ich mache Mich zum Bett der Seele und halte sie im süßesten Schlaf in meinen Armen gefesselt. Daher komm und ruhe an meiner Brust.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 14; 18. März 1922)
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… „Kleine Tochter meines Willens, jede Wahrheit, die Ich dir über mein Fiat offenbare, lässt dich ein weiteres Stück in Ihm wachsen, ist ein weiterer ‚Happen‘, um dir Kraft zu geben, dich zu wärmen und noch mehr in Ihm zu bestärken. Es ist ein neuer Schluck, den du aus dem unermesslichen Meer meines Willens trinkst, es ist ein weiterer Göttlicher Besitz, den du erwirbst. Nun musst du wissen, dass Wir dir für jeden weiteren Akt, den du in Ihm tust, unsere Himmlische Tafel decken: wenn du liebst, nährt Er dich mit unserer Liebe; wenn du so weit kommst, Uns zu verstehen, nährt Er dich mit unserer Weisheit und schenkt dir so viele schöne Neuheiten und Kenntnisse über deinen Schöpfer!
So wird dein Gott zu deiner bevorzugten Speise und nährt dich bei allem, was du tust, bald mit unserer Macht, bald mit unserer Güte, bald mit unserer Milde, mit unserer Stärke, Barmherzigkeit und unserem Licht. Deshalb absorbiert Uns die menschliche Begrenztheit, wenn sie in unserem Ewigen Willen lebt, Schluck für Schluck, Häppchen um Häppchen. Da das Geschöpf nämlich klein ist, kann es, auch wenn es so viel nimmt, wie einem Geschöpf nur möglich ist, nicht alles zugleich aufnehmen, was es von unserem Göttlichen Sein aufnehmen sollte; zumal es dazu dient, Uns gegenseitig glücklich zu machen: Wir beim Geben und das Geschöpf beim Empfangen. Wir geben von dem Unsrigen, und das Geschöpf schenkt Uns seine Kleinheit. Wir bearbeiten es nach unserem Wunsch, und es ist bereit, Uns an sich wirken zu lassen.
Es ist dieser beiderseitige Austausch, das gegenseitige Zusammenwachsen, das Miteinander-Sprechen, das unsere schönsten Werke bildet, und Wir entfalten das Leben unseres Willens im Geschöpf. Von Nichts kommt nichts, daher müssen Wir aktiv sein, sprechen, Uns verständlich machen, arbeiten, um die schöne Statuen heranzubilden, die unser Leben wiederholen. Wenn Wir also jemanden finden, der Uns anhören und sich Uns hingeben möchte, um [Gnaden] zu erhalten, dann halten Wir nichts von dem zurück, was Wir für die Seelen tun können und zu tun vermögen.
Nun, meine Tochter, wenn die Seele sich mit unserem Fiat ernährt hat, sodass sie keine andere Speise mehr kennt, und die Kette ihrer Akte gebildet hat, die alle mit den Kennzeichen der Göttlichen Tugenden gesiegelt sind, dann bleibt Gott in seinen Göttlichen Tugenden in der Seele ‚gefangen‘. Wenn sie dann liebt, ist es Gott, der die Macht seiner Liebe, seiner Güte, Heiligkeit usw. in den Akten der Seele zur Schau stellt.
Die Macht, die mittels dieser Akte, die Gott in der Seele vollbringt, zutage tritt, ist daher so groß, dass sie Himmel und Erde erfüllt und über allen Seelen schwebt. Sie erfüllt sie mit seiner machtvollen Liebe, überwältigt sie und lässt sie den Kuss des Göttlichen Willens empfangen, in einer Weise, dass die Menschheitsfamilie seine Macht und Liebe fühlt, die herrschen möchte; zumal ihnen diese Rechte von Gott gewährt werden, der in einem Geschöpf verborgen ist, das zu ihrer menschlichen Rasse gehört: diese Rechte werden sie nicht aberkennen können, außer einigen Treulosen, die jedoch meine Macht zu überwältigen und zu besiegen vermag. Lass Mich also das Werk meines Willens in dir vollenden, widersetze dich in nichts, und Wir werden beide über seine Herrschaft in den anderen Seelen froh sein.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 34; 10. Mai 1937)
„Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele“ (Mt 11,29)
Ich war weiterhin in meinem gewöhnlichen Zustand, als ich den gebenedeiten Jesus nur kurz sah, der zu mir sagte: „Meine Tochter, wahre Liebe vergisst sich selbst und lebt für die Interessen, die Leiden und für alles, was zu der geliebten Person gehört.“
Ich fragte: „Herr, wie kann man sich selbst vergessen, wenn wir das „Ich“ so stark fühlen? Es ist ja nicht etwas, das weit weg von uns oder getrennt von uns ist, dass man es leicht vergessen könnte.“
Jesus erwiderte, dass genau hierin das Opfer der wahren Liebe liege – während man sich also selbst hat, muss man von all dem leben, was zur geliebten Per-son gehört.
Mehr noch, wenn man an sich selbst denkt, muss diese Erinnerung dazu dienen, sich noch mehr abzumühen, wie man sich für den geliebten Gegenstand ver-zehren kann.
Wenn der Geliebte sieht, dass sich die Seele ganz Ihm schenkt, wird Er sie gut zu belohnen wissen, indem Er sich Selbst ihr ganz schenkt und sie von seinem Göttlichen Leben leben lässt. Wer daher alles vergisst, findet alles.
Außerdem muss man den Unterschied sehen zwischen dem, was man vergisst und was man findet: Man vergisst das Hässliche und findet das Schöne, man vergisst die Natur und findet die Gnade, man vergisst die Leidenschaften und findet die Tugenden, man vergisst die Armut und findet den Reichtum, man vergisst die Torheit und findet die Weisheit, man vergisst die Welt und findet den Himmel.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 6; 10. November 1903)

