Mittwoch der 27. Woche im Jahreskreis (Lk 11,1-4)
1Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat.
2Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. 3Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen. 4Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung.
„Herr, lehre uns beten“ (Lk 11,1)
Ich opferte gerade meine armen Gebete dem geliebten Jesus auf und fragte mich, für wen es am besten wäre, dass Jesus diese Gebete verwende. Und Er sagte gütig zu mir:
„Meine Tochter, die Gebete, die zusammen mit Mir und mit meinem eigenen Willen verrichtet werden, können sich allen schenken, ohne jemanden auszuschließen; und alle haben daran ihren Anteil und ihre Wirkungen, wie wenn sie für eine Seele allein aufgeopfert worden wären.
Sie wirken jedoch gemäß der Disposition jeder Seele, wie auch bei der Kommunion oder bei meiner Passion: Ich gebe sie allen und jedem einzelnen, aber die Wirkungen sind je nach ihrer Disposition verschieden; und wenn zehn Seelen sie empfangen, so sind die Früchte nicht weniger, als hätten fünf sie empfangen; so beschaffen ist das mit Mir zusammen und mit meinem Willen verrichtete Gebet.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 11; 25. September 1914)
„Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme“ (Lk 11,2)
Ich dachte über alles nach, was mein stets liebenswürdiger Jesus mir über seinen Heiligsten Willen kundtut, und viele Zweifel und Schwierigkeiten tauchten in meinem Geist auf, von denen ich nicht glaube, dass ich sie hier nennen soll. Da bewegte Er sich in meinem Inneren, drückte mich fest an sein Herz und sagte zu mir:
„Geliebte Tochter meines Willens, wisse dies: wenn Ich große Werke tun will, an denen die ganze Menschheitsfamilie Anteil erhalten soll – immer vorausgesetzt, sie will es – ist es meine Gewohnheit, in einem einzigen Geschöpf alle Güter und Gaben zu konzentrieren, die dieses Werk einschließt, damit alle anderen wie aus einer Quelle so viel von diesen Schätzen schöpfen können, wie sie wollen.
Wenn Ich individuelle Werke vollbringe, gebe Ich begrenzte Dinge, wenn Ich indessen Werke tue, die dem allgemeinen Wohl dienen sollen, schenke Ich ohne Begrenzung, wie Ich es beim Erlösungswerk tat:
Um eine Seele [so hoch] zu erheben, dass sie einen Menschen und Gott empfangen könne, musste Ich in ihr alle möglichen und vorstellbaren Güter konzentrieren und sie so hoch erheben, dass Ich den Samen der Väterlichen Fruchtbarkeit selbst in sie hineinlegen konnte; und wie mein Vater im Himmel, als Jungfräulicher, Mich in seinem Schoß mit dem jungfräulichen Samen seiner ewigen Fruchtbarkeit ohne Mitwirkung einer Frau zeugte, und aus demselben Samen der Heilige Geist hervorging, so empfing meine Himmlische Mutter mit diesem ewigen, ganz jungfräulichen Samen der väterlichen Fruchtbarkeit Mich in ihrem jungfräulichen Schoß, ohne Wirken eines Mannes.
Die Heiligste Dreifaltigkeit musste dieser göttlichen Jungfrau von dem Ihren geben, damit sie Mich, den Sohn Gottes empfangen könne. Meine Heilige Mutter hätte Mich nie empfangen können, weil sie keinen Samen hatte.
Da sie nun aus dem menschlichen Stamm war, verlieh ihr dieser Same der ewigen Fruchtbarkeit die Kraft, Mich als Menschen zu empfangen, und da dieser Same göttlich war, empfing sie Mich zugleich als Gott.
Und wie, als der Vater Mich zeugte, zur selben Zeit der Heilige Geist hervorging, so ging, als Ich im Schoß meiner Mutter gezeugt wurde, zugleich die Generation der Seelen hervor, sodass alles, was ab aeterno in der Heiligsten Dreifaltigkeit im Himmel geschah, sich im Schoß meiner teuren Mutter wiederholt. Das Werk war überaus erhaben und unbegreiflich für einen geschaffenen Geist.
Es musste alle Güter und auch Mich selbst [in sich] konzentrieren, damit alle das finden könnten, was sie wollten; da also das Erlösungswerk so groß sein sollte, dass es alle Generationen überwältigt, wünschte Ich so viele Jahrhunderte lang die Gebete, Seufzer, Tränen und Bußübungen der vielen Patriarchen und Propheten und des ganzen Volkes des Alten Testaments – und zwar um sie für den Empfang eines so großen Gutes zu disponieren und Mich zu bewegen, in diesem himmlischen Geschöpf alle Güter zu konzentrieren, die allen zum Nutzen gereichen sollten.
Nun, was trieb dieses Volk zu Gebeten, Tränen usw. an? Die Verheißung des zukünftigen Messias! Diese Verheißung war wie der Same aus so vielen Flehrufen und Tränen, sodass ohne diese Verheißung niemand an die Rettung gedacht noch auf sie gehofft hätte.
Nun, meine Tochter, kommen Wir zu meinem Willen. Glaubst du, dass es eine Heiligkeit wie die anderen Heiligkeiten oder eine Wohltat, eine Gnade wäre, die den anderen fast gleichkommt, die Ich so viele Jahrhunderte lang an den anderen Heiligen und der ganzen Kirche gewirkt habe? Nein, nein! Hier geht es um eine neue Ära, um eine Wohltat, die allen Generationen nützen soll.
Doch muss Ich all diese Schätze zuerst in einer einzigen [Seele] konzentrieren, wie bei der Erlösung, als Ich alles in meiner Mutter konzentrierte – und siehe, wie die Dinge parallel laufen: Damit die Erlösung komme und die Seelen darauf vorbereitet würden, machte Ich die Verheißung des zukünftigen Messias, damit sich die Menschen mit der Hoffnung auf sein Kommen nicht nur vorbereiten, sondern sie auch im zukünftigen Erlöser ihre Rettung finden könnten.
Nun, um die Seelen darauf vorzubereiten, in meinem Willen zu leben, und sie an den Gütern, die Er enthält teilhaben und den Menschen auf den Weg zu seinem Ursprung zurückkehren zu lassen, wie er von Mir geschaffen wurde, wollte Ich als Erster mit folgenden Worten beten, wobei Ich meine Stimme von einem Ende der Erde bis zum anderen und bis in den Himmel hinauf ertönen ließ: „Vater unser im Himmel.“
Ich sagte nicht Mein Vater, sondern Ich nannte Ihn Vater der ganzen Menschheitsfamilie, um Ihn in dem zu verpflichten, was Ich hinzufügen sollte: „Alle sollen deinen Namen heiligen, damit dein Reich auf die Erde komme, und dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.“ Dies war der Zweck der Schöpfung, und Ich bat den Vater um dessen Erfüllung.
Als Ich so zu Ihm betete, gewährte der Vater meine flehentlichen Bitten, und Ich bildete den Samen eines so großen Gutes; damit dieser Same bekannt werde, lehrte Ich die Apostel mein Gebet, und sie übermittelten es der ganzen Kirche, damit, ebenso wie das Volk des zukünftigen Erlösers Rettung in Ihm fand und sich selbst disponierte, den verheißenen Messias aufzunehmen, auf gleiche Weise die Kirche mit diesem von Mir gesätem Samen beten und mein eigenes Gebet oft wiederholen und sich für die Gnade bereiten möge, meinen Himmlischen Vater als ihren Vater zu erkennen und zu lieben, sodass sie verdienen, als seine Kinder geliebt zu werden und die große Wohltat erlangen, dass mein Wille wie im Himmel so auf Erden geschehe.
In diesem Samen und dieser Hoffnung, dass mein Wille im Himmel wie auf Erden geschehe, haben die Heiligen selbst ihre Heiligkeit gegründet, haben die Märtyrer ihr Blut vergossen.
Es gibt kein Gut, das nicht aus diesem Samen stammt; so bittet also die ganze Kirche; und wie die Tränen, die Buße und die Gebete um den Messias auf jene erhabene Jungfrau ausgerichtet waren, die Ich disponieren musste, damit sie ein solches Gut in sich fasse, um ihren Erlöser empfangen zu können – wenn sie auch nicht wussten, wer dies sein würde – so bist jetzt, wenn die Kirche das Vaterunser spricht, genau du es, für die sie betet, damit Ich in dir alles Gute konzentriere, das mein Wille enthält, sowie die Art und Weise, wie der Göttliche Wille auf Erden so wie im Himmel leben soll.
Und obwohl du nicht bekannt bist, bittet und drängt Mich die Kirche als Echo auf mein Gebet: Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden, dass Ich all dieses Gute in einer zweiten Jungfrau konzentriere, damit sie wie eine zweite Erlöserin die gefährdete Menschheit rette, und dass Ich, von meiner unzertrennlichen Liebe und Barmherzigkeit Gebrauch machend, mein eigenes Gebet, das mit dem der ganzen Kirche vereint ist, erhöre und den Menschen zu seinem Ursprung und zum Zweck zurückkehren lasse, wofür Ich ihn geschaffen habe, d.h., dass mein Wille auf Erden geschehe wie im Himmel.
Das Leben in meinem Willen ist genau dies, und alles, was Ich dir offenbare, drängt dich dazu, und Ich bestätige dich darin.
Dies ist das große Fundament, das Ich gerade in deiner Seele lege. Zu diesem Zweck konzentriere Ich [in dir] alle vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Gnaden, die Ich allen Generationen erwiesen habe, ja, Ich verdopple und vervielfache sie noch, denn da mein Wille das Größte, Heiligste, Edelste ist, das weder Anfang noch Ende hat, ist es, damit Ich Ihn in einem Geschöpf deponieren kann, würdig und recht, dass Ich in diesem Geschöpf alle möglichen Güter, unzählige Gnaden, göttliche Reinheit und Adel konzentriere, damit dieser mein Wille dasselbe Gefolge habe wie im Himmel.
Es ist derselbe Wille, der in der Erlösung wirkte und sich dabei einer Jungfrau bedienen wollte – welche Großtaten und Gnadenwunder wirkte Er nicht in ihr?
Mein Wille ist groß, Er enthält alle Güter und handelt in seinem Wirken großmütig, und wenn es darum geht, Werke und Wohltaten für die ganze Menschheit zu vollbringen, setzt Er alle seine Güter aufs Spiel.
Nun will Er sich einer anderen Jungfrau bedienen, um seinen Willen [in ihr] zu konzentrieren, und damit beginnen, bekanntzumachen, dass sein Wille auf Erden wie im Himmel geschehen soll.
Und wenn Er bei der Erlösung kommen wollte, um den verlorenen Menschen zu retten, für seine Sünden Genugtuung zu leisten – wozu der Mensch unfähig war – und um ihm eine Zuflucht zu bereiten und die vielen anderen Güter, welche die Erlösung einschließt, so möchte nun mein Wille noch mehr Liebe offenbaren als bei der Erlösung selbst, indem Er bewirkt, dass Er auf Erden getan werde wie im Himmel.
Mein Wille kommt, um dem Menschen seinen ursprünglichen Zustand wieder zu geben, seinen Adel und den Zweck, wofür er geschaffen wurde; Er kommt, um den Fluss zwischen Sich und dem Willen des Menschen aufzutun, auf eine Art und Weise, dass dieser menschliche Wille von diesem Göttlichen Willen absorbiert und beherrscht wird, und Ihm in sich Leben geben wird.
Dann wird mein Wille auf Erden wie im Himmel herrschen.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 15; 14. April 1923)
„Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist“ (Lk 11, 4)
… „Dann fügte Ich hinzu: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.” So wird auch die Nächstenliebe vollkommen sein, und die Vergebung wird den Stempel des Heroismus tragen, wie Ich ihn auf dem Kreuz ausübte.
Wenn der Mensch das Brot meines Willens gegessen haben wird, wie meine Menschheit es tat, dann werden die Tugenden in meinen Willen absorbiert werden und das Siegel des wahren Heroismus und der göttlichen Tugend empfangen; sie werden wie viele kleine Flüsschen sein, die aus dem Schoß des großen Meeres meines Willens entspringen werden…“ … (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 15; 2. Mai 1923)

