31In jener Zeit kamen die Mutter Jesu und seine Brüder; sie blieben vor dem Haus stehen und ließen ihn herausrufen. 32Es saßen viele Leute um ihn herum, und man sagte zu ihm: Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und fragen nach dir.
33Er erwiderte: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder? 34Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herumsaßen, und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder. 35Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.

„Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter“ (Mk 3, 35)

Diesen Morgen kam mein süßester Jesus ganz festlich und trug einen Strauß höchst anmutiger Blumen in seinen Händen; Er begab Sich in mein Herz, und bald umkränzte Er sein Haupt mit diesen Blumen, bald hielt Er sie in seinen Händen, voller Vergnügen und Wohlgefallen.
Als Er mit diesen Blumen feierte, wobei es schien, als hätte Er einen großen Gewinn gemacht, wandte Er sich mir zu und sagte mir: „Meine Geliebte, an diesem Morgen bin Ich gekommen, um alle Tugenden in deinem Herzen in Ordnung zu bringen.
Die anderen Tugenden können getrennt voneinander bleiben, doch die Nächstenliebe bindet und ordnet alles. Nur dies will Ich in dir tun – die Liebe ordnen.“
Ich sprach zu Ihm: „Mein einziges und alleiniges Gut, wie kannst Du das tun, da ich so schlecht und voller Fehler und Unvollkommenheiten bin? Wenn die Liebe Ordnung ist, sind diese Fehler und Sünden nicht Unordnung, die meine Seele ganz durcheinanderbringen und auf den Kopf stellen?“
Und Jesus: „Ich werde alles reinigen, und die Nächstenliebe wird alles in Ordnung bringen. Überdies, wenn Ich eine Seele an den Leiden meiner Passion teilnehmen lasse, können keine schweren Sünden da sein, höchstens einige unfreiwillige lässliche Fehler, doch meine Liebe, die Feuer ist, wird alles verzehren, was in deiner Seele unvollkommen ist.“
So schien es, dass Jesus mich reinigte und alles in mir ordnete; dann goss Er gleichsam ein Flüsschen aus Honig von seinem Herzen in meines, und mit diesem Honig betaute Er mein ganzes Inneres, so, dass alles, was in mir war, geordnet, vereinigt und mit dem Kennzeichen der Nächstenliebe versehen wurde.
Danach fühlte ich, wie ich aus mir heraustrat und zusammen mit meinem geliebten Jesus in das Himmelsgewölbe eintrat. Es schien alles in Feststimmung zu sein – Himmel, Erde und Fegefeuer.
Alle waren überflutet von einer neuen Freude und Jubel. Viele Seelen verließen das Fegefeuer und erreichten den Himmel wie Lichtblitze, um dem Fest unserer Königin Mama beizuwohnen.
Auch ich drängte mich durch die unermessliche Menge von Engeln, Heiligen und Seelen aus dem Fegefeuer, die bereits diesen neuen Himmel besetzten, der so unermesslich war, dass die Himmel, die wir sehen, verglichen mit diesem, mir wie ein kleines Loch schienen; umso mehr, als Ich dies[en Himmelspaziergang] im Gehorsam gegen den Beichtvater tat.
Doch als ich umherging und schaute, konnte ich nichts als eine hell strahlende Sonne sehen, die ihre Strahlen verbreitete, die mich ganz durchdrangen, dass ich wie ein Kristall wurde, sodass die kleinen Flecken sehr klar zutage traten, wie auch die unendliche Distanz, die zwischen Schöpfer und Geschöpf existiert.
Umso mehr, da jeder dieser Strahlen seine eigene Prägung hatte: manche zeugten von der Heiligkeit Gottes, einige von der Reinheit, manche von der Macht, von der Weisheit und allen anderen Tugenden und Eigenschaften Gottes.
So fühlte sich die Seele, ihre eigene Nichtigkeit, ihre Armseligkeiten und ihre Armut erkennend, vernichtet, und anstatt zu schauen fiel sie mit dem Gesicht zu Boden nieder, vor dieser Ewigen Sonne, der niemand gegenüberstehen (ins Angesicht schauen) kann.
Doch was noch mehr ist, um das Fest unserer Königin Mama zu sehen, musste aus dem Inneren dieser Sonne aus schauen, so sehr schien die Heiligste Jungfrau in Gott versenkt; so konnte man, wenn man von anderer Stelle aus schauen wollte, nichts sehen.
Als ich mich nun in diesem Zustand der Vernichtung vor dieser Göttlichen Sonne befand, sprach das Jesuskind, das die Königin Mama in ihren Armen hielt, zu mir: „Unsere Mama ist im Himmel; dir verleihe Ich die Aufgabe, als meine Mutter auf Erden zu handeln.
Und da mein Leben ständig der Verachtung, der Armut, den Leiden, und der Verlassenheit von den Menschen unterworfen ist, und meine Mama, als sie auf Erden war, meine treue Gefährtin in all diesen Leiden war – nicht nur das, sie versuchte auch, Mir in allem Erleichterung zu verschaffen, soweit ihre Kräfte es erlaubten – so wirst auch du, als Mutter an Mir handelnd, Mir treue Gesellschaft leisten in all meinen Schmerzen und an Meiner Stelle leiden, so viel du kannst; und wo du nicht hinreichst, wirst du versuchen, Mir wenigstens eine Erquickung zu bereiten.
Wisse jedoch, dass Ich dich ganz auf Mich ausgerichtet will. Ich werde sogar auf deinen Atem eifersüchtig sein, wenn du ihn nicht für Mich tust; und wenn Ich sehe, dass du nicht die ganze Absicht darauf richtest, Mich zufrieden zu stellen, werde Ich dir keinen Frieden und keine Ruhe geben.“
Dann begann ich, an Ihm das Amt seiner Mutter zu versehen; doch wie viel Aufmerksamkeit war nötig, um Ihn zufrieden zu stellen! Um Ihn zufrieden zu sehen, durfte man nicht einmal einen Blick an eine andere Stelle richten.
Bald wollte Er schlafen, bald wollte Er trinken, bald mit Zärtlichkeiten erfreut werden, und ich hatte bereit zu sein für alles, was Er wollte; bald sagte Er: „Meine Mama, mein Kopf tut weh – o bitte, erleichtere Mich!“ und sofort untersuchte ich sein Haupt, fand einige Dornen und entfernte sie; dann legte ich meinen Arm unter seinen Kopf, um Ihn ruhen zu lassen.
Während ich Ihn ruhen lassen wollte, richtet Er sich ganz plötzlich auf und sprach: „Ich fühle eine Last und ein Leiden an meinem Herzen, dass Ich mich zum Sterben fühle. Schau doch nach, was da drinnen ist.“
Und als ich in das Innere seines Herzens schaute, fand ich alle Werkzeuge seiner Passion darin; ich entfernte sie eines nach dem anderen und brachte sie in meinem Herzen unter.
Als ich dann sah, dass es Ihm besserging, begann ich Ihn zu liebkosen und zu küssen und sprach zu Ihm: „Mein einziger und alleiniger Schatz, Du lässt mich nicht einmal das Fest Unserer Königin Mama mitverfolgen, noch die ersten Gesänge hören, welche die Engel und die Heiligen sangen, als sie ins Paradies eintrat.“
Und Jesus: „Das erste Lied, das sie meiner Mama sangen, war das „Gegrüßet seist du Maria“, denn im Ave Maria sind die schönsten Lobpreisungen und größten Ehren enthalten, und die Freude, die sie empfand, als sie zur Mutter Gottes gemacht wurde, wird erneuert.
Beten Wir es daher gemeinsam zu ihrer Ehre, und wenn du ins Paradies kommst, werde Ich es dich so vorfinden lassen, als hättest du es zusammen mit den Engeln und Heiligen zum ersten Mal im Himmel gesungen.“ So sprachen Wir den ersten Teil des „Ave Maria“ gemeinsam.
O, wie zart und bewegend war es, unsere Heiligste Mama gemeinsam mit ihrem geliebten Sohn zu grüßen! Jedes Wort, das Er ihr sagte, trug ein unermessliches Licht, durch das man viele Dinge über die Bedeutung der Heiligsten Jungfrau begreifen konnte.
Doch wer kann alle aufzählen, besonders wegen meiner Unfähigkeit? Deshalb übergehe ich sie im Schweigen. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 2; 15. August 1899)

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Jesus will mich weiterhin als seine Mutter handeln lassen. E ließ Sich als ein überaus zartes kleines weinendes Kind sehen, und um sein Weinen zu stillen, begann ich, Ihn in meinen Armen haltend, für Ihn zu singen.
Wenn ich sang, hörte Er zu weinen auf, wenn nicht, begann Er wieder zu weinen. Ich hätte gerne darüber geschwiegen, was ich gesungen habe, erstens, weil ich mich nicht an alles erinnere, denn ich war außerhalb von mir, und man kann sich dann kaum an alle Dinge erinnern, die geschehen, und auch weil ich glaube, dass es Unsinn ist.
Doch Frau Gehorsam, die zu unverschämt ist, will nicht nachgeben, und es genügt, wenn einer tut, was sie will, denn sie ist sogar mit Unsinn zufrieden.
Ich weiß nicht, sie sagen, Frau Gehorsam wäre blind, doch mir scheint sie eher ganz Auge zu sein, denn sie blickt auf die geringsten Dinge, und wenn man nicht tut, wie sie sagt, wird sie so dreist, dass sie einem keine Ruhe lässt.
Um also von dieser schönen Herrin Gehorsam in Frieden gelassen zu werden – denn wenn man ihr gehorcht, ist sie so gut, dass man alles durch sie erhält, was immer man auch will – werde ich sagen, woran ich mich von meinem Gesang noch erinnere:
„Kleines Kind, du bist klein und stark, von Dir erhoffe ich allen Trost; kleines Kind, zart und schön, Du bezauberst sogar die Sterne; Kleines Kind, stiehl mir das Herz Um es mit Deiner Liebe zu füllen; Kleines Kind, zartes Kleines, mache auch aus mir ein kleines Kind; kleines Kind, Du bist ein Paradies, o Bitte! Lasse mich kommen um mich an Deinem ewigen Lächeln zu erfreuen.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 2; 16. August 1899)

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… Danach setzte ich meine Akte in der Erlösung fort und hielt dort an, als mein bezauberndes Jesuskind in Ägypten war, und meine Himmlische Mama Ihn in ihrer armen Wiege schaukelte und gerade seine Kleidchen anfertigte.
Ich begab mich in die Nähe der Königin Mutter und ließ mein „Ich liebe Dich” im Faden für das kleine Gewand Jesu fließen, ich schaukelte die Wiege, damit mein Himmlisches Kind einschlafe, wobei ich Ihm meine liebenden Wiegenlieder sang und Ihn um das Göttliche FIAT bat.
Als es aber schien, dass Er seine Augen schloss und einschlafe, sah ich zu meiner Überraschung, wie Er sein Köpfchen hob, auf die Göttliche Mama und auf mich blickte und in zärtlichstem Ton sprach:
„Meine zwei Mamas, meine Mama und die kleine Tochter meines Willens: mein Göttlicher Wille vereint sie innig für Mich und bewirkt, dass beide an Mir als Mutter handeln. Warum ist die Himmlische Königin eine wahre Mutter für Mich? Weil Sie das Leben meines Göttlichen FIAT besaß.
Dieses allein konnte Ihr den Keim der Göttlichen Fruchtbarkeit verleihen, damit Ich in ihrem Schoß empfangen werde und ihr Sohn sei.
Ohne meinen Göttlichen Willen könnte Sie auf keine Weise meine Mutter sein, da niemand anderer, weder im Himmel noch auf Erden, diesen Keim der Göttlichen Fruchtbarkeit besitzt, die nichts Geringeres bedeutet, als den Schöpfer im Geschöpf empfangen werden zu lassen.
Du siehst also, mein Göttlicher Wille bildete eine Mutter für Mich und machte Mich zu ihrem Sohn. Jetzt ist Er dabei, seine kleine Tochter zu meiner Mama zu machen und lässt sie Mich in der Nähe meiner ersten Mutter finden.
Sie soll die Akte meines Willens wiederholen, sie miteinander verknüpfen und Ihn um sein Reich anflehen, und Ihn daher seinen Göttlichen Keim und die Fruchtbarkeit des FIAT VOLUNTAS TUA in den Geschöpfen wiederholen lassen. Nur mein Wille allein vermag alles und kann Mir alles geben.”
Dann schloss Er die Augen zum Schlaf und wiederholte im Schlaf: „Meine zwei Mamas, meine zwei Mütter”. Wie zärtlich und bewegend waren diese Worte, wie verwundete es das Herz, zu sehen, wie Er den Schlaf unterbrach und sprach: ‘Meine zwei Mamas…’.
O Göttlicher Wille, wie liebenswert, machtvoll und bewundernswert bist Du! Ach, steige in die Herzen aller herab und lege deinen Göttlichen Samen in sie hinein, damit dein fruchtbarer Same dein Reich bilde und Dich wie im Himmel so auf Erden herrschen lasse! (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 24; 2. September 1928)