Über die Unbefleckte Empfängnis. Die Prüfung, der die Jungfrau unterzogen wurde.

Ich dachte über die Unbefleckte Empfängnis meiner erhabenen Königin und Mutter nach.
In meinen Geist strömten die Vorzüge, Schönheiten und Wunder ihrer Unbefleckten Empfängnis, ein Wunder, das alle anderen Wunder Gottes in seiner ganzen Schöpfung übertrifft.
Als ich darüber meditierte, sagte ich mir: „Groß ist das Wunder der Unbefleckten Empfängnis, doch meine Himmlische Mama hatte keine Prüfung in ihrer Empfängnis, alles war ihr wohlgesinnt, sowohl von Seiten Gottes wie auch seitens ihrer von Gott so glücklich, heilig und bevorzugt erschaffenen Natur… worin bestand also ihr Heroismus und ihre Prüfung?
Wenn die Engel im Himmel nicht von der Prüfung ausgenommen waren, noch Adam im Garten Eden, sollte allein die Königin aller von der schönsten Aureole ausgeschlossen sein, welche die Prüfung auf ihr erhabenes Haupt als Königin und als Mutter des Sohnes Gottes setzen sollte?“
Da bewegte sich mein liebenswürdiger Jesus in meinem Inneren und sprach zu mir: „Meine Tochter, niemand kann für Mich ohne Prüfung akzeptabel sein.
Hätte es keine Prüfung gegeben, hätte Ich eine Sklavin als Mutter gehabt, die nicht frei gewesen wäre, und die Sklaverei tritt weder in unsere Beziehungen noch unsere Werke ein, noch kann sie an unserer freien Liebe teilhaben.
Meine Mutter hatte ihre erste Prüfung vom ersten Augenblick ihrer Empfängnis an. Sobald ihre Vernunft den ersten Akt tat, erkannte sie einerseits ihren menschlichen Willen und andererseits den Göttlichen Willen und war frei, einem der beiden Willen anzuhangen.
Ohne einen Augenblick zu verlieren, und im Bewusstsein des ganzen Ausmaßes des Opfers, das sie brachte, schenkte sie Uns ihren Willen, ohne ihn jemals mehr kennen zu wollen, und Wir gaben ihr den Unseren als Geschenk.
In diesem Austausch der gegenseitigen Willenshingabe ergossen sich alle Vorzüge, Schönheiten, Wunder und unermesslichen Gnadenmeere in die Unbefleckte Empfängnis des privilegiertesten aller Geschöpfe.
Es ist stets der Wille, den Ich gewöhnlich prüfe. Alle Opfer, auch der Tod, würden Mir, wenn sie nicht vom Willen des Menschen auf Mich gerichtet wären, Ekel bereiten und nicht einmal eines Blickes von Mir gewürdigt werden.
Doch willst du wissen, welches das größte von Uns gewirkte Wunder in diesem so heiligen und schönen Geschöpf war, und was den größten Heroismus darstellte, den niemand, niemand erreichen wird können?
Ihr Leben begann sie mit unserem Willen, sie folgte Ihm und erfüllte ihr Leben in Ihm. So kann man sagen, dass sie unseren Willen von dem Augenblick an erfüllte, wo sie begann [in Ihm zu handeln], und dort begann, wo sie [ihre Akte in Ihm] vollendete.
Unser größtes Wunder war, dass sich in jedem ihrer Gedanken, Worte, Atemzüge, Herzschläge, Bewegungen und Schritte unser Wille über sie ergoss, und sie Uns den Heroismus eines Gedankens darbot, eines Wortes, eines Atemzuges, eines göttlichen, ewigen Herzschlages, der in ihr wirkte.
Dies erhob sie so hoch, dass sie aus Gnade das wurde, was Wir von Natur aus sind. Alle ihre anderen Vorrechte und Privilegien, selbst ihre Unbefleckte Empfängnis wären ein absolutes Nichts vor diesem großen Wunder gewesen; ja gerade dies bestärkte sie vielmehr und machte sie stabil und stark für ihr ganzes Leben.
Mein Wille, der sich ständig über sie ergoss, machte sie der göttlichen Natur teilhaftig, und da sie Ihn beständig aufnahm, wurde sie stark in der Liebe, stark im Schmerz – einzigartig unter allen. Es war dieser unser in ihr wirkender Wille, der das WORT auf die Erde herabzog und den Samen der göttlichen Fruchtbarkeit bildete, damit sie einen Menschen und Gott ohne menschliches Zutun empfangen könne.
Er machte sie würdig, Mutter ihres eigenen Schöpfers zu sein. Deshalb bestehe Ich immer auf meinem Willen, denn Er bewahrt die Seele schön – so wie sie aus unseren Händen hervorging und lässt sie wie die originale Nachbildung ihres Schöpfers heranwachsen.
Wie viele große Werke und Opfer jemand auch vollbringen mag, so weise Ich sie zurück, wenn mein Wille nicht in ihnen ist, und anerkenne sie nicht – sie sind keine Speise für Mich.
Und die schönsten Werke ohne meinen Willen werden zur Nahrung für den menschlichen Willen, für die Selbstschätzung und die Gier des Geschöpfes.” (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 17; 8. Dezember 1924)