Die vollkommensten Beispiele für das Leben im Göttlichen Willen: Die Himmelskönigin und die Schöpfung. – Die Jungfrau übertraf alle im Leiden.

Ich dachte bei mir: „Wenn mein süßer Jesus von seinem Willen spricht, verbindet Er es sehr oft mit der erhabenen Himmelskönigin oder der Schöpfung.
Er scheint so große Freude daran zu haben, von der einen oder anderen zu sprechen, dass Er Gelegenheiten, Vorwände, Erfindungen sucht, um zu offenbaren, was sein Heiligster Wille sowohl in der Himmlischen Mutter wie auch in der Schöpfung wirkt.“
Da regte sich mein liebenswürdiger Jesus in meinem Inneren, drückte mich ganz zärtlich an sich und sprach: „Meine Tochter, wenn Ich so handle, habe Ich gute Gründe dafür: du sollst wissen, dass mein Wille nur in der Schöpfung und in meiner Himmlischen Mutter immer unversehrt blieb und sein freies Wirkungsfeld hatte.
Da Ich dich berufen sollte, in meinem Willen wie eine von ihnen zu leben, musste Ich sie dir daher als Beispiel und Vorbild, das du nachahmen sollst, vor Augen führen.
Damit Ich also Großes tun kann, auf eine Art, dass alle jenes Gut wahrnehmen können – außer sie wollen es nicht – ist das Erste, dass mein Wille in unversehrter Weise in der Seele handeln können muss.
Betrachte die Schöpfung; wie ist mein Wille in ihr unversehrt! Da Er unversehrt ist, bleibt sie stets an ihrem Platz und enthält die Fülle jener Wohltaten, mit denen sie erschaffen wurde und bewahrt sich stets neu, edel, rein, frisch und kann allen das Gute mitteilen, das sie besitzt.
Aber das Schöne ist, dass sie, während sie sich allen schenkt, nichts verliert, und immer so ist, wie sie von Gott erschaffen wurde.
Was hat die Sonne verloren, indem sie der Erde so viel Licht und Wärme spendet? Nichts. Was hat der blaue Himmel verloren, wenn er in der Atmosphäre ausgebreitet ist?
Die Erde, wenn sie so viele verschiedene Pflanzen hervorbringt? Nichts. Und so ist es mit allen von Mir geschaffenen Dingen.
O, wie besingt die Schöpfung in wunderbarer Weise jenen Ausspruch, der von Mir gesagt wird: ‚Er (Gott) ist immer alt und immer neu!‘
So ist mein Wille in der Schöpfung also Mittelpunkt des Lebens, Er ist Fülle des Guten, Ordnung und Harmonie; alle von Ihm gewollten Dinge hält Er an ihrem Platz.
Wo könntest du ein schöneres Beispiel, ein vollkommeneres Bild des Lebens in meinem Willen finden, wenn nicht in der Schöpfung? Daher rufe Ich dich, inmitten der geschaffenen Dinge wie eine Schwester von ihnen zu leben.
So sollst du im Höchsten Willen zu leben lernen, damit auch du an deinem von Mir gewollten Platz bleiben kannst und Ich in dir die Fülle der Wohltaten einschließen kann, die mein Wille in dir einschließen möchte, damit – wer es nur will, von jenen Schätzen nehmen könne.
Da du mit Vernunft begabt bist, musst du alle erschaffenen Dinge übertreffen und ihrem Schöpfer an Liebe und Ehre für jedes einzelne Ding vergelten, als wären alle vernunftbegabt.
So wirst du also Ersatz leisten für die ganze Schöpfung, und sie wird dir als Spiegel dienen, in dem du dich betrachten kannst, um das Leben in meinem Willen nachahmen zu können, damit du dich nicht von deinem Platz wegbegibst.
Sie wird für dich eine Führerin und Lehrerin sein, indem sie dir die erhabensten und vollkommensten Lehren über das Leben in meinem Willen erteilen wird.
Aber jene, die alles übertrifft, ist meine Himmlische Mutter. Sie ist der neue Himmel, die glänzendste Sonne, der leuchtendste Mond, die blühendste Erde. Alles, alles schließt Sie in sich ein.
Und wenn jedes erschaffene Ding die Fülle der je eigenen von Gott erhaltenen Wohltaten einschließt, so schließt meine Mutter alle Güter insgesamt ein, weil Sie mit Vernunft begabt ist, und da mein Wille unversehrt in Ihr lebt, nahm die Fülle der Gnade, des Lichtes, der Heiligkeit jeden Augenblick zu.
Jeder Akt, den Sie vollbrachte, waren Sonnen, Sterne, die mein Wille in Ihr formte. So übertraf Sie also in allem die Schöpfung, und mein in Ihr unversehrter und andauernder Wille wirkte das Größte und erflehte den ersehnten Erlöser.
Daher ist meine Mutter Königin inmitten der Schöpfung, weil Sie alles übertraf, und mein Wille fand in Ihr die Nahrung ihrer Vernunft, die Sie unversehrt und andauernd in Ihm leben ließ.
Es herrschte die höchste Übereinstimmung, Sie reichten sich gegenseitig die Hand. Es gab keine Faser ihres Herzens, kein Wort, keinen Gedanken, über die mein Wille nicht sein Leben innehatte.
Und was kann ein Göttlicher Wille nicht tun? Alles! Es gibt keine Macht, die Ihm mangelt, es gibt nichts, was Er nicht tun könnte.
So kann man sagen, dass meine Mutter alles tat, und all das, was die anderen nicht tun konnten noch alle zusammen je tun werden können, hat Sie allein getan. Wundere dich also nicht, wenn Ich dich hinweise auf die Schöpfung und auf die erhabene Königin.
Ich muss dir nämlich die vollkommensten Beispiele zeigen, wo mein Wille immerwährendes Leben innehat, und wo Er nie ein Hindernis für sein göttliches Wirkungsfeld gefunden hat, um Dinge wirken zu können, die Seiner würdig sind.
Meine Tochter, wenn du also willst, dass mein Höchstes Fiat wie im Himmel regiere – und das ist das Größte, was Uns für die Menschengeschlechter zu tun bleibt – dann mache, dass mein Wille seinen Platz als Herrscher in dir einnehme und dort unversehrt und andauernd lebe.
Um alles Übrige sei nicht besorgt: weder um deine Unfähigkeit, noch um die Umstände, noch um die neuen Dinge, die in deiner Umgebung auftauchen können, denn wenn mein Wille in dir regiert, werden sie als Materie und Nahrung dienen, damit mein Fiat seine Erfüllung finde.“
Danach dachte ich mir: „Es ist wahr, dass meine Königin und Mutter das größte Opfer gebracht hat, das kein anderer gebracht hat, indem Sie nämlich ihren Willen in der Tat nicht kennen wollte, sondern nur denjenigen Gottes.
Und damit umfing Sie alle Schmerzen und Leiden, bis zum Heroismus des Opfers, den eigenen Sohn zu opfern, um den Höchsten Willen zu erfüllen.
Aber als Sie dieses Opfer einmal gebracht hat, dann war alles, was Sie nachher litt, die Wirkung ihres ersten Aktes, und Sie hatte auch nicht wie wir in den verschiedenen Situationen, bei unvorhergesehenen Begegnungen und unerwarteten Verlusten zu kämpfen.
Für uns heißt es immer kämpfen, bis das eigene Herz blutet, aus Furcht, dass wir unserem menschlichen Willen, der stets Krieg führt, nachgeben.
Wie aufmerksam muss man sein, dass der höchste Wille immer seinen Ehrenplatz und die Oberherrschaft über alles behalte, und oft wird das Ringen härter als das Leiden selbst!“
Aber als ich dies erwog, regte sich mein liebenswürdiger Jesus in meinem Inneren und sprach zu mir: „Meine Tochter, du irrst dich: dieses größte Opfer meiner Mutter war nicht ein einziges, sondern es waren so schwere und viele, als meine und ihre Existenz Schmerzen, Leiden, Umständen und Begegnungen ausgesetzt waren.
Die Leiden in Ihr wurden immer verdoppelt, weil meine Leiden mehr als ihre Leiden waren. Und außerdem hat meine Weisheit die Führung bei meiner Mutter nicht geändert: bei jedem Leid, das Sie treffen sollte, fragte Ich Sie immer, ob Sie es annehmen wollte, damit Ich von Ihr jenes Fiat wiederholen hörte, in jedem Leid, in allen Umständen und auch in jedem ihrer Herzschläge.
Jenes Fiat klang für Mich so süß, lieblich und harmonisch, dass Ich es in jedem Augenblick ihres Lebens wiederholen hören wollte und Ich Sie daher stets fragte: „Mama, willst du dies tun? Willst du diese Pein leiden?“
Mein Fiat brachte Ihr die Meere der Schätze, die Es enthält und ließ Sie die Heftigkeit des Leidens, das Sie akzeptierte, begreifen.
Indem Sie in göttlichem Licht erfasste, was Sie nach und nach leiden sollte, bereitete Ihr dies ein solches Martyrium, dass es das Ringen, das die Menschen durchmachen, unendlich übertraf.
Denn da in Ihr der Keim der Schuld fehlte, fehlte der Keim des Ringens (Kampfes), und mein Wille musste eine andere Erfindung ausdenken, um zu bewirken, dass Sie im Leiden nicht geringer als die anderen Geschöpfe war.
Da Sie nämlich zu Recht den Anspruch der Königin der Schmerzen erringen sollte, musste Sie alle Geschöpfe zusammen im Leiden übertreffen.
Wie oft hast nicht du selbst es erfahren: während du keinen Kampf gespürt hast, ließ dich mein Wille die Leiden begreifen, denen Er dich unterwarf, und du warst versteinert von der Gewalt des Schmerzes.
Während du im Leid vernichtet bliebst, warst du das kleine Lämmchen in meinen Armen, bereit, andere Leiden anzunehmen, die mein Wille dir auferlegen wollte. Ach, hast du nicht mehr gelitten als im Kampf selbst?
Das Ringen ist Zeichen heftiger Leidenschaften, während mein Wille – wenn Er den Schmerz bringt – die Unerschrockenheit verleiht, und mit der Kenntnis der Intensität des Leidens schenkt Er diesem Schmerz ein solches Verdienst, das nur ein Göttlicher Wille geben kann.
Wie Ich also bei dir tue, dass Ich bei allem, was Ich von dir will, dich zuerst frage, ob du willst und akzeptierst, so tat Ich bei meiner Mutter, damit das Opfer immer neu sei.
Dadurch sollte Ich auch Gelegenheit haben, Mich mit dem Geschöpf zu unterhalten, mit ihm Umgang zu haben und mein Wille sollte sein göttliches Wirkungsfeld im menschlichen Willen haben.“
Während ich nun schrieb, was oben geschrieben steht, konnte ich nicht weiter fortfahren, da mein Geist durch einen schönen und wohlklingenden Gesang, der von einem nie gehörten Klang begleitet war, seiner Sinne beraubt wurde.
Dieser Gesang rief alle zur Aufmerksamkeit und harmonierte mit der ganzen Schöpfung und der himmlischen Heimat.
All dies schreibe ich im Gehorsam. Als ich den Gesang vernahm, sprach mein Jesus zu mir: „Meine Tochter, höre wie schön er ist! Dieser Klang und Gesang ist ein neues Lied, von den Engeln vorgetragen als Huldigung, Verherrlichung und Ehre zur Vermählung des Göttlichen Willens mit deinem menschlichen Willen.
So groß ist die Freude des ganzen Himmels und der ganzen Schöpfung, dass sie diese nicht mehr in sich einschließen können, und daher klingen und singen.“
Nach diesen Worten befand ich mich in mir selbst. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 19; 28. April 1926)