7In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. 8Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet.
9So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt, 10dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde.
11Gib uns heute das Brot, das wir brauchen. 12Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben. 13Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen.
14Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben. 15Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

„Unser Vater…” (Mt 6, 7)

… „Und wenn mein FIAT VOLUNTAS TUA ‚wie im Himmel so auf Erden‘ erfüllt sein wird, dann wird die volle Erfüllung des zweiten Teiles des Vater Unser eintreten, nämlich der Bitte Unser tägliches Brot gib uns heute.
Ich betete: „Vater Unser, im Namen aller bitte Ich Dich jeden Tag um drei Arten von Brot: zunächst um das Brot deines Willens, das noch mehr ist als das [materielle] Brot, denn während dieses nur zwei oder dreimal am Tag benötigt wird, ist das Brot deines Willens hingegen in jedem Augenblick und allen Lagen nötig.
Vielmehr darf es nicht nur Brot sein, sondern wie balsamische Luft, die das Leben und den Kreislauf des göttlichen Lebens im Geschöpf spendet. Vater, wenn Du dieses Brot deines Willens nicht reichst, werde Ich nie alle Früchte meines Sakramentalen Lebens ernten können, welches das zweite Brot ist, um das Wir Dich jeden Tag bitten.
O, wie unbehaglich fühlt sich mein Sakramentales Leben, weil nicht das Brot deines Willens die Seelen ernährt, sondern das verdorbene Brot des menschlichen Willens sich in ihnen befindet! O, wie ekelt Mich davor! Wie fliehe Ich es!
Wenn Ich auch zu den Seelen gehe, kann Ich ihnen doch nicht die Früchte, die Güter, die Wirkungen und die Heiligkeit mitteilen, da Ich unser Brot nicht vorfinde; und wenn Ich etwas gebe, dann nur in kleinem Ausmaß, je nach ihrer Disposition, doch nicht all die Güter, die Ich enthalte.
Mein Leben im Sakrament wartet geduldig darauf, dass der Mensch das Brot des Höchsten Willens zu sich nehme, um ihm alle Schätze meines Sakramentalen Lebens geben zu können.“
Siehst du also, wie das Sakrament der Eucharistie – und nicht nur dieses – sondern alle Sakramente, die Ich eingesetzt und meiner Kirche vermacht habe, alle Früchte bringen werden, die sie enthalten, und sodann volle Erfüllung finden werden, wenn unser Brot, d.h., der Wille Gottes ‚wie im Himmel so auch auf Erden‘ geschehen wird? Dann bat Ich um das dritte, d.h., das materielle Brot. Warum konnte Ich sagen: „Unser tägliches Brot gib uns heute?“
Ich konnte dies tun im Hinblick darauf, dass, wenn der Mensch unseren Willen tun würde, das Unsrige ihm gehören würde, und der Vater das Brot seines Willens, das Brot meines Sakramentalen Lebens, und das tägliche Brot des natürlichen Lebens, nicht mehr unrechtmäßigen, widerrechtlichen und bösen Kindern zu geben hätte, sondern rechtmäßigen, guten Kindern, die die Güter des Vaters gemeinschaftlich besitzen werden.
Daher sagte Ich: ‚Gib uns unser Brot‘. Dann werden die Menschen das gesegnete Brot essen, alles um sie herum wird ihnen zulächeln, die Erde und der Himmel werden den Stempel der Harmonie ihres Schöpfers tragen.
Dann fügte Ich hinzu: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.”
So wird auch die Nächstenliebe vollkommen sein, und die Vergebung wird den Stempel des Heroismus tragen, wie Ich ihn auf dem Kreuz ausübte.
Wenn der Mensch das Brot meines Willens gegessen haben wird, wie meine Menschheit es tat, dann werden die Tugenden in meinen Willen absorbiert werden und das Siegel des wahren Heroismus und der göttlichen Tugend empfangen; sie werden wie viele kleine Flüsschen sein, die aus dem Schoß des großen Meeres meines Willens entspringen werden.
Und wenn Ich hinzufügte: „Und führe uns nicht in Versuchung” … – wie könnte Gott den Menschen je in Versuchung führen? – so war dies, weil der Mensch immer Mensch und frei in sich selbst ist, da Ich ihm nie die bei seiner Erschaffung verliehenen Rechte nehme; und er, erschrocken und in Furcht vor sich selbst, ruft schweigend und betet, ohne es mit Worten auszudrücken: „Gib uns das Brot deines Willens, damit wir alle Versuchungen zurückweisen können, und befreie uns in der Kraft dieses Brotes von allem Bösen. Amen.“
Du siehst also, wie alle Güter des Menschen ihre Verknüpfung und enge Verbindung des Wortes von Mir „Lasset Uns den Menschen machen nach unserem Abbild und Gleichnis” wiederfinden, den Wert eines jeden seiner Akte, die Wiederherstellung der verlorenen Güter, die Unterschrift und Versicherung, dass ihm die verlorene irdische und himmlische Glückseligkeit zurückgegeben wird. Es ist daher so notwendig, dass mein Wille ‚wie im Himmel so auf Erden‘ geschehe, dass Ich kein anderes Interesse hatte, noch ein anderes Gebet lehrte, als das Vater Unser.
Und die Kirche, die treue Ausführerin und Verwahrerin meiner Lehren, hat es stets auf ihren Lippen und wiederholt es bei jedem Anlass, und alle – Gebildete und Unwissende, Kleine und Große, Priester und Weltleute, Könige und Untergebene – bitten Mich, dass mein Wille geschehe ‚wie im Himmel so auf Erden‘.“ … (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 15; 2. Mai 1923)

„Unser Vater im Himmel“ (Mt 6,9)

… An einem anderen Tag, indem Er gleichsam wie im Flug an mir vorbeigezogen war, blieb mir eine Erleuchtung im Geist: dass der gebenedeite Jesus, so wie Er über unserem Haupt den Himmel ausgebreitet hat, auch einen Himmel in unserer Seele ausdehnte: ja mehr noch, nicht nur einen, sondern mehrere.
So ist also unser Intellekt ein Himmel, ein Himmel ist unser Blick, Himmel ist das Wort, die Handlung, das Verlangen, das Gefühl, das Herz; während sich der äußere Himmel jedoch nicht verändert, die Sterne weder ab- noch zunehmen, sind die Himmel in unserem Inneren Veränderungen unterworfen; wenn also der Himmel unseres Verstandes heiligmäßig denkt, so bilden sich, wenn die Gedanken sich formen, die Sterne, die Sonnen, die schönen Kometen, und sobald unser Engel sie gebildet sieht, nimmt er sie und setzt sie an den Himmel unseres Intellekts; und wenn der Himmel unserer Geistes heilig ist, ist der Blick heilig, das Wort, das Verlangen, der Herzschlag.
So sind also die Blicke Sterne, das Wort ist Licht, das Verlangen ist ein Komet, der sich ausbreitet, der Herzschlag ist Sonne, und jeder der Sinne schmückt seinen Himmel.
Wenn hingegen der Geist schlecht ist, bildet sich nichts Schönes, sondern es breitet sich eine solche Finsternis aus, dass sie die anderen Himmel alle verdunkelt; so schickt der Blick Blitze der Ungeduld, das Wort donnert Flüche, die Wünsche schleudern Pfeile der rohen Leidenschaften, das Herz entlässt aus seinem Inneren einen verheerenden Hagel über alle Werke des Geschöpfes.
Arme Himmel! Wie dunkel, wie mitleiderregend sind sie!“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 12; 11. Juli 1919)

„Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde“ (Mt 6,10)

Als ich in meinem gewöhnlichen Zustand war, kam mein anbetungswürdiger Jesus ganz kurz und sagte zu mir: „Meine Tochter, als Ich auf die Erde kam, war meine Menschheit mein Himmel; und wie man am Himmel die Vielzahl der Sterne, die Sonne, den Mond, die Planeten und weite Räume sehen kann, alle wohlgeordnet – ein Bild des Himmels, der oben existiert, wo alles geordnet ist – so sollte meine Menschheit, die mein Himmel ist, die Ordnung der Gottheit, die in Ihr wohnte, durchscheinen lassen, d.h. die Tugenden, Macht, Gnade, Weisheit und Anderes.
Als der Himmel meiner Menschheit nach meiner Auferstehung in den [empyreischen] Himmel aufstieg, sollte mein Himmel auf dieser Erde [dennoch] weiter existieren, und zwar in den Seelen, die meiner Gottheit eine Wohnung bereiten; in ihnen wohnend, gestalte ich meinen Himmel und lasse auch nach außen die Ordnung der Tugenden durchstrahlen, die im Inneren enthalten sind.
Welche Ehre für das Geschöpf, seinem Schöpfer den Himmel darzureichen! Doch wie viele verweigern ihn Mir! Und du, willst du nicht mein Himmel sein? Sag Mir, dass du es willst!“
Ich sagte: „Herr, ich will nichts anderes, als in deinem Blut, in deinen Wunden, in deiner Menschheit, in deinen Tugenden erkannt zu werden. Allein darin will ich erkannt werden, um dein Himmel zu sein und bei allen unbekannt zu sein.“
Er schien meinen Vorschlag anzunehmen und verschwand. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 6; 18. November 1904)

—————–

Mein stets liebenswürdiger Jesus fährt fort, Mir von seinem Heiligsten Willen zu erzählen: Er scheint mir wie ein wahrer Lehrmeister, der – während Er seinen Schüler anscheinend nichts mehr zu lehren hat, stattdessen in Wirklichkeit nur ruht, um von neuem tätig zu werden, damit er noch erhabenere Lehren erteile, um die Aufmerksamkeit des Jungen zu fesseln und Liebe und Verehrung zu erwecken.
Als Er nun kam, sprach Er zu mir: „Meine Tochter, wie viele Wunder beinhaltet mein im Geschöpf wirkender Höchster Wille! Sobald die Seele diesen Heiligen Willen in sich eintreten lässt und sie in Ihn eintritt, und Ihn in allem, auch den allerkleinsten Dingen wirken lässt, stellt sie sich sofort in den Fluss zwischen dem innerhalb der Göttlichen Personen wirkenden Willen und Ihrem selben Willen, der im Geschöpf wirkt.
Wenn Sie also lieben oder Liebe schenken wollen, finden Sie einen Ort, wo Sie diese Liebe deponieren können, weil an einem Punkt der Erde Ihr im Geschöpf wirkender Wille vorhanden ist, der diese Liebe aufnehmen kann; und ihr Wille – bis in den Schoß der Gottheit wieder aufsteigend, und gleichsam zweigeteilt, im Geschöpf und in der Gottheit, während Er stets einer ist – erstattet der Gottheit, in göttlicher Weise von Seiten des Geschöpfes, die Vergeltung Ihrer Liebe.
Und siehe da, die ewige Liebe stellt sich in den Fluss zwischen dem Himmel und der Erde, steigt ohne irgendein Hindernis auf und nieder: es gibt jemanden, der diese Liebe aufbewahren kann. Ihr eigener, im Geschöpf wirkender Wille wird sie eifersüchtig bewachen.
Wenn also meine Gottheit ihre Schönheit, ihre Wahrheiten, ihre Macht und unendlichen Gnaden aus sich heraustreten lassen will, hat Sie einen Ort, wo Sie diese niederlegen kann: in Ihren eigenen Willen selbst, der im Geschöpf wirkt.
Der Strom ist aufgetan; mein Wille wird [immer darin Schritt halten,] eifersüchtig meine Schönheit, meine Wahrheiten, meine Macht [zu] bewachen und Mir für meine unendlichen Gnaden Dank [zu] sagen.
Nun werde Ich um nichts mehr betrogen werden, sondern in vollkommener Harmonie zwischen meinem im Geschöpf wirkenden Willen und jenem des Himmels sein. Wie viele weitere Dinge werde Ich noch bekanntmachen!
Meine zurückgedrängte Liebe wird frei sein, wenn sie meine Ablagestätte gebildet hat, und die Ströme zwischen Himmel und Erde werden stets geöffnet sein.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 14; 24. Oktober 1922)

—————–

… „Meine gesegnete Tochter, in meiner Himmlischen Heimat herrscht der einzige und universelle Akt: einer ist der Wille aller, sodass der eine will, was der andere will. Keiner ändert seine Handlung oder seinen Willen, vielmehr empfindet jeder Selige meinen Willen wie sein eigenes Leben.
Es macht die Substanz der Glückseligkeit des ganzen Himmels aus, dass alle nur einen einzigen Willen besitzen, zumal mein Wille unterbrochene Akte weder tut noch tun kann, sondern [nur] kontinuierliche und universelle.
Da Er im Himmel in vollem Triumph und mit vollständiger Herrschaft regiert, spüren alle sein universelles Leben gleichsam als ihre Natur und sind mit all den Gütern, die Er besitzt, bis zum Rand angefüllt.
Unterschiede kann es höchstens in ihrer Fassungskraft geben, und je nach dem Guten, das sie im Leben getan haben. Doch niemand kann weder den Willen, noch die Handlung, noch die Liebe verändern.
Die Macht meines Göttlichen Willens hält alle Seligen absorbiert, vereint und mit Sich ‚verschmolzen‘, als wären sie alle nur ein einziger. Doch glaubst du etwa, dass sich nur im Himmel sein universeller Akt ausdehnt und sein pulsierendes Leben, das sich jedem Geschöpf mitteilt? Nein!
Was Er im Himmel tut, das tut Er auch auf Erden. Er ändert weder seine Handlung noch die Handlungsweise. Sein universeller Akt erstreckt sich zu allen Pilgerseelen.
Wer in Ihm lebt, verspürt sein göttliches Leben, seine Heiligkeit, seinen unerschaffenen Herzschlag, der sich zum Leben der Seele machend, mit seiner unaufhörlichen Bewegung sich stets und endlos in sie ergießt.
Die glückliche Seele, die Ihn in sich herrschen lässt, fühlt Ihn überall, innen und außen: sein universeller Akt umgibt sie von allen Seiten, sodass sie meinen Willen nicht verlassen kann.
Da Er ständig geben möchte, ist sie stets damit beschäftigt, zu empfangen, sodass sie, auch wenn sie wollte, keine Zeit hat, etwas anderes zu tun oder zu denken. So kann die Seele behaupten und überzeugt sein, dass sie auf Erden so lebt, wie man im Himmel lebt.
Es ist bloß ein anderer Ort, aber eine ist die Liebe, einer der Wille, eine die Handlung. Doch weißt du, wer das Leben des Himmels in seiner Seele, den universellen Akt und die einzigartige Kraft meines Willens nicht fühlt?
Die Seele, die sich nicht von Ihm beherrschen lässt! Wenn sie Ihn nicht frei regieren lässt, bewirkt sie, dass sich Handlung, Liebe und Wille in jedem Augenblick ändern. Doch es ist nicht mein Wille, der sich ändert – da Er sich nicht ändern kann – sondern die Seele, die sich ändert.
Da sie nämlich im menschlichen Willen lebt, hat sie weder Kraft noch Kapazität, um den universellen und einzigen Akt meines Willens aufzunehmen.
Die Ärmste fühlt sich unbeständig, nicht beharrlich im Guten und gleicht einem hohlen Schilfrohr, das nicht einmal einem leichten Windhauch standhalten kann.
Die verschiedenen Umstände, Begegnungen und Menschen treiben sie wie ein Wind umher, sodass sie bald dies, bald jenes tut, einmal dieses liebt, einmal jenes.
So sieht man sie mal traurig, mal fröhlich, bald voller Eifer und bald ganz kalt, mal den Tugenden zugeneigt, mal den Leidenschaften. Mit einem Wort, wenn die Gegebenheit aufhört, dann hört auch der Akt in ihnen auf.
O menschlicher Wille, wie schwach, wankelmütig und arm bist du ohne meinen Willen, weil dir das Leben des Guten fehlt, das deinen Willen beseelen sollte.
Daher bist du fern vom Leben des Himmels! Meine Tochter, es gibt weder eine größere Ungnade noch ein beweinenswerteres Übel, als den eigenen Willen zu tun.“ … (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 32; 10. November 1933)