Dienstag der 6. Woche im Jahreskreis (Mk 8,14-21)
14In jener Zeit hatten die Jünger vergessen, bei der Abfahrt Brote mitzunehmen; nur ein einziges hatten sie dabei. 15Und er warnte sie: Gebt acht, hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und dem Sauerteig des Herodes!
16Sie aber machten sich Gedanken, weil sie kein Brot bei sich hatten. 17Als er das merkte, sagte er zu ihnen: Was macht ihr euch darüber Gedanken, dass ihr kein Brot habt? Begreift und versteht ihr immer noch nicht? Ist denn euer Herz verstockt?
18Habt ihr denn keine Augen, um zu sehen, und keine Ohren, um zu hören? Erinnert ihr euch nicht: 19Als ich die fünf Brote für die Fünftausend brach, wie viele Körbe voll Brotstücke habt ihr da aufgesammelt? Sie antworteten ihm: Zwölf.
20Und als ich die sieben Brote für die Viertausend brach, wie viele Körbe voll habt ihr da aufgesammelt? Sie antworteten: Sieben. 21Da sagte er zu ihnen: Versteht ihr immer noch nicht?
„Gebt acht, hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und dem Sauerteig des Herodes!“ (Mk 8, 15)
… „Meine Tochter, wie der Sauerteig die Kraft hat, das Brot zu durchsäuern, so ist mein Wille der Sauerteig in den Akten des Geschöpfs. Wenn die Seele meinen Göttlichen Willen in ihre Akte ruft, so bleiben sie von Ihm durchsäuert (fermentiert) und bilden das Brot des Reiches meines Willens.
Nun reicht die Hefe aber nicht aus, um viel Brot herzustellen, sondern es braucht [auch] eine Menge Mehl sowie jemanden, der Mehl und Hefe vermischt.
Es ist Wasser nötig, das verbindende Element zur Verknetung von Mehl und Hefe, damit der Sauerteig fermentieren kann und das Mehl diese durchsäuernde Kraft empfängt. Dann braucht man Feuer, um dieses Brot zu backen, damit es eine nährende und verdauliche Speise wird.
Braucht man für die Zubereitung nicht mehr Zeit und mehr Akte, als es zu essen? Das Opfer besteht in seiner Herstellung, gegessen wird es sofort und dabei verkostet man den Geschmack des Opfers.
So ist also, meine Tochter, der Sauerteig meines Göttlichen Fiat nicht ausreichend, der nur die Kraft hat, deine Akte zu fermentieren, sie vom menschlichen Willen zu entleeren und in das Brot des Göttlichen Willens umzuwandeln.
Es braucht vielmehr fortgesetzte Akte und Opfer, und zwar für eine lange Zeit, sodass mein Wille mit seiner durchsäuernden Kraft all diese Akte fermentiert, um viel Brot herzustellen und es für die Kinder seines Reiches bereit und in Reserve zu halten.
Wenn alles bereitet ist, müssen Wir nur noch die [nötigen] Ereignisse beschließen, und das ist leichter und wird schneller geschehen, da es in unserer Macht steht, die Zweitursachen zu bewegen, um das zu tun, was Wir wollen.
Tat Ich bei der Erlösung nicht dasselbe? Meine langen dreißig Jahre des verborgenen Lebens waren wie die Hefe, in der alle meine Akte fermentiert wurden, um das große Erlösungswerk zu bilden und zu durchsäuern.
Das kurze öffentliche Leben und meine Passion waren mein durchsäuertes Brot, das mein Göttlicher Wille in meinen Akten bereitete und durchsäuerte.
Dies brach Ich allen als Brot und gab es ihnen zum Essen, damit alle das Brot der Erlösten empfangen und die nötige Kraft erwerben, sich zu retten.
Mache dir daher keine Sorgen, sondern tue deine Pflicht und lasse dir keinen Akt entgehen, dem du nicht die Hefe meines Willens hinzufügst, damit dein Wesen von Ihm fermentiert wird, und Ich werde an alles Übrige denken.” (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 29; 10. Mai 1931)
„Was macht ihr euch darüber Gedanken, dass ihr kein Brot habt? Begreift und versteht ihr immer noch nicht?“ (Mk 8,17)
Da mein stets liebenswürdiger Jesus nicht gekommen war und ich sehr betrübt war, kam während des Gebetes ein Gedanke in meinen Geist: „Ist dir noch nie der Gedanke gekommen, dass du verloren gehen könntest?“
Ich denke wirklich nie daran, und war ein wenig überrascht; aber der gute Jesus, der mich in allem bewacht, regte sich sofort in meinem Inneren und sagte zu mir:
„Meine Tochter, dies sind wahre Absonderlichkeiten, die meine Liebe sehr betrüben; wenn eine Tochter zum Vater sagt: ich bin nicht Tochter für dich, du willst mir nicht den Teil deines Erbes geben, du willst mir keine Speise geben, du willst mich nicht im Hause behalten, und wenn sie sich betrübte und klagte, was würde der arme Vater sagen?
Absonderlichkeit! Diese Tochter ist verrückt! Und mit aller Liebe würde er zu ihr sagen: „Aber sage mir, wenn du nicht meine Tochter bist, wessen Tochter bist du?
Du lebst unter meinem eigenen Dach, isst an meinem eigenen Tisch, ich kleide dich mit meinem Geld, das ich dir mit meinem Schweiß verschafft habe, wenn du krank bist, stehe ich dir bei und beschaffe die Mittel, um dich zu heilen, warum also zweifelst du daran, dass du mir Tochter bist?“
Mit größerem Recht könnte Ich zu dem, der an meiner Liebe zweifelt und fürchtet, verloren zu gehen, sagen: „Wie? Ich gebe dir mein Fleisch zur Speise, du lebst in allem von Mir, wenn du krank bist, heile Ich dich durch die Sakramente, wenn du beschmutzt bist, wasche Ich dich mit meinem Blut, Ich kann sagen, dass Ich gleichsam zu deiner Verfügung stehe, und du zweifelst daran?
Willst du Mich betrüben? Und dann sage Mir: liebst du jemand anderen? Anerkennst du irgend jemand anderen als anderen Vater? Wer sagt dir, dass du nicht meine Tochter bist? Und wenn dem nicht so ist, warum willst du dich grämen und Mich betrüben?
Genügen nicht die Bitterkeiten, die die anderen Mir bereiten? Willst auch du meinem Herzen Leiden zufügen?“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 12; 12. Mai 1917)
„Erinnert ihr euch nicht …?“ (Mk 8,18)
An diesem Morgen befand ich mich außerhalb meines Leibes und erblickte meinen letzten, verstorbenen Beichtvater; er war von vielen Personen umgeben, die ihm ganz aufmerksam und wie hingerissen zuhörten, und er redete und redete und wurde so entflammt, dass er auch die anderen entflammte.
Ich näherte mich, um zu hören, was er sagte, und zu meiner Überraschung hörte ich ihn all das wiederholen, was mein gebenedeiter Jesus mir gesagt hatte – seine Feinheiten der Liebe und Jesu Herablassung gegen mich; als er von den Kunstgriffen der Liebe Jesus zu mir sprach, strahlte er Licht aus, dass nicht nur er in dieses Licht umgewandelt wurde, sondern auch seine Zuhörer.
Ich war verwundert und sagte mir: „Der Beichtvater hat nicht nur zu seinen Lebzeiten den anderen die Belange meiner Seele mitgeteilt, sondern auch nach dem Tod tut er es, im nächsten Leben….”
Ich wartete darauf, dass er zu reden aufhöre, um mich an ihn wenden und ihm einige meiner Schwierigkeiten kundtun zu können, doch er hörte nicht auf – und ich befand mich wieder in mir selbst.
So folgte ich meinem geliebten Jesus nach meiner Gewohnheit in seiner Passion nach, bemitleidete Ihn, leistete Wiedergutmachung und machte mir seine Leiden zu eigen.
Da bewegte sich Jesus in meinem Inneren und sprach zu mir: „Meine Tochter, welch großes Gut gewinnt die Seele, wenn sie sich an Mich erinnert und alles betrachtet, was Ich in meinem Leben getan, gelitten und gesagt habe!
Indem sie Mich bemitleidet und sich alle meine Intentionen zu eigen macht, und sich – eine nach der anderen – an meine Leiden, Werke und Worte erinnert, ruft sie diese in sich selbst und legt sie wohlgeordnet in ihrer Seele nieder, sodass sie schließlich die Früchte meiner Taten, Leiden und Worte erntet.
Dies bringt in der Seele eine Art göttlicher Feuchtigkeit hervor, über welcher die Sonne meiner Gnade mit Freuden aufsteigt und kraft dieser Feuchtigkeit den himmlischen Tau bildet.
Dieser Tau ziert nicht nur die Seele auf wunderbare Weise, sondern hat die Kraft, die Strahlen der sengenden Sonne der göttlichen Gerechtigkeit zu mildern, wenn diese auf Seelen trifft, die vom Feuer der Sünde verbrannt sind, und diese [Seelen] schlagen und noch mehr verbrennen und ausdörren möchte.
Dieser göttliche Tau mäßigt ihre Strahlen und bedient sich dieser [Strahlen], damit ein segensreicher Tau herabkomme und die Menschen nicht gezüchtigt werden, und macht sich zur lebenspendenden Feuchtigkeit, damit sie nicht austrocknen.
O welch wunderbares Symbol dafür ist die Natur: wenn die Pflanzen nach einem glühendheißen Sonnentag am Vertrocknen sind, so genügt eine feuchte Nacht, dass die Sonne, wenn sie von neuem aufgeht, über dieser Feuchtigkeit den Tau bildet, und anstatt sie zugrunde gehen zu lassen, dient ihre Glut dazu, sie fruchtbar zu machen und ihre Früchte zur vollen Reifung zu bringen.
Noch wunderbarer geschieht dies in der übernatürlichen Ordnung. Die Erinnerung ist der Anfang jegliches Guten und stellt für die Seele so viele Schlückchen dar, die ihr Leben spenden.
Wenn etwas Gutes – wenn Dinge vergessen werden, verlieren sie für die Seele ihre lebenspendende Kraft, ihre Anziehungskraft, den Dank, die Entsprechung, die Wertschätzung, die Liebe, den Wert.
Diese Erinnerung bringt nicht nur im Leben den Ursprung eines jeden Gutes hervor, sondern auch nach dem Tod den Ursprung der Glorie. Hast du nicht deinen verstorbenen Beichtvater gehört, wie er mit Freuden über die Gnaden redete, die Ich dir erwiesen habe?
Das war deshalb, weil er in seinem Leben danach trachtete, sie anzuhören und sich auf sie besann; sein Inneres wurde davon bis zum Überfließen erfüllt.
Und jetzt, wie viel Gutes brachte ihm dies nicht im anderen Leben? Für ihn ist es wie eine Quelle des Guten, die zum Wohle der anderen überfließt.
Je mehr sich die Seele also an das erinnert, was Mir gehört, an die Gnaden und Lehren, die Ich ihr gegeben habe, umso stärker wächst in ihr die Quelle meiner Güter, die schließlich zum Wohle der anderen überfließen, da die Seele sie nicht mehr fassen kann.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 16; 1. Juni 1924)
„Erinnert ihr euch nicht: Als ich die fünf Brote für die Fünftausend brach, wie viele Körbe voll Brotstücke habt ihr da aufgesammelt?“ (Mk 8, 18-19)
… „Meine Tochter, wenn sich die Seele an das entsinnt und das ehrt und verherrlicht, was ihr Schöpfer aus Liebe zu ihr geschaffen und ihr Erlöser zu ihrer Rettung getan hat, und alles, was alle Heiligen getan haben, wird sie zur Beschützerin all dieser Akte.
Der Himmel, die Sonne und die ganze Schöpfung fühlen sich von jener Seele beschützt. Mein ganzes Erdenleben, meine Leiden und Tränen finden in der Seele eine Zuflucht und fühlen sich behütet.
Die Heiligen finden im Gedenken der Seele nicht nur einen Schutz, sondern ihre eigenen Akte werden unter den Menschen wieder lebendig und erneuert, mit einem Wort, sie spüren, wie sie in ihren Akten wieder lebendig werden.
O wie viele schöne Werke und Tugenden bleiben in dieser niedrigen Welt wie verschüttet, weil sich niemand an sie erinnert und sie ehrt! Die Erinnerung ruft die vergangenen Werke zurück und macht sie gleichsam gegenwärtig.
Doch weißt du, was dann geschieht? Es kommt zu einem Austausch: die Seele wird mit ihrem Gedenken zur Beschützerin [der Werke], und alle Werke von Uns, die Schöpfung, Erlösung und alle Taten der Heiligen machen sich zu Beschützern ihrer Beschützerin.
Sie stellen sich zum Schutz und zur Verteidigung um die Seele auf und bewachen sie; und während alle unsere Werke, all meine Leiden und alle Werke und Tugenden meiner Heiligen Zuflucht und Schutz bei der Seele suchen, wetteifern sie darin, sie abwechselnd als Ehrenwache um sie herum vor allem und allen zu verteidigen.
Außerdem kannst du ihnen keine größere Ehre erweisen, als sie dafür zu benützen, in jedem Akt um das Reich des Göttlichen Willens zu bitten, weil sie sich dann als Botschafter zwischen Himmel und Erde für ein so heiliges Reich berufen und gesandt fühlen.
Du musst wissen, dass alles dem Reich des Göttlichen Fiat dienen muss – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wenn du dich an unsere Werke, Tugenden und die Akte aller erinnerst und durch sie um dieses Reich bittest, dann fühlen sich alle in seinen Dienst genommen und wie sie sich in diesem Reich einbringen können, nehmen ihren Dienst auf und begeben sich an ihren Ehrenplatz.
So sind deine Rundgänge notwendig, weil sie der Vorbereitung des Reiches des Göttlichen Willens dienen. Sei also aufmerksam und fahre damit fort.” (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 30; 24. Februar 1932)


