FEST DES HL. STEPHANUS, ERSTER MÄRTYRER (MT 10,17-22)
17In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Nehmt euch aber vor den Menschen in acht! Denn sie werden euch vor die Gerichte bringen und in ihren Synagogen auspeitschen. 18Ihr werdet um meinetwillen vor Statthalter und Könige geführt, damit ihr vor ihnen und den Heiden Zeugnis ablegt.
19Wenn man euch vor Gericht stellt, macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde eingegeben, was ihr sagen sollt. 20Nicht ihr werdet dann reden, sondern der Geist eures Vaters wird durch euch reden.
21Brüder werden einander dem Tod ausliefern und Väter ihre Kinder, und die Kinder werden sich gegen ihre Eltern auflehnen und sie in den Tod schicken. 22Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden; wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet.
„Ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden“ (Mt 10, 22)
… „Meine Tochter, mein Wille umfängt alles, schließt in sich alle Leiden, alle Martern, alle Schmerzen, die es im Lauf aller Jahrhunderte gibt. Siehe, daher umfing meine Menschheit alles, jedes Leiden, jedes Martyrium der Geschöpfe, da mein Leben nichts anderes war als das Leben des Göttlichen Willens; und dies war angemessen, nicht nur um das Werk der Erlösung zu vollenden, sondern damit Ich Mich zum König, zur Hilfe und Kraft für alle Martern, Schmerzen und Leiden einsetzen konnte.
Wenn Ich in Mir nicht die Quelle aller Martyrien, Schmerzen und Peinen enthielte, wie könnte Ich Mich König von allen nennen, und in Mir die Quelle jeglicher Hilfe, Unterstützung, Kraft und Gnade besitzen, die es bei jedem Leid der Geschöpfe braucht? Es ist nötig zu haben, um zu geben.
Deswegen habe Ich dir so oft gesagt, dass die Mission, eine Seele zum Leben in meinem Willen zu rufen die größte, höchste und erhabenste ist; es gibt keine andere, die ihr gleichkommen könnte.
Die Unermesslichkeit meines Willens wird bewirken, dass alle Martern, Leiden und Schmerzen diese Seele erreichen, mein Wille selbst wird ihr die göttliche Kraft geben, sie zu ertragen, Er wird in ihr die Quelle der Martyrien und Schmerzen bilden, und mein Wille selbst wird sie zur Königin aller Martern, Schmerzen und Leiden bestimmen.
Siehst du, was es bedeutet, in meinem Willen zu leben? Nicht nur ein einziges Martyrium zu erleiden, sondern alle Martyrien, nicht eine Pein und einen Schmerz, sondern alle Peinen und alle Schmerzen. Siehe daher die Notwendigkeit, dass mein Wille für diese Seele das Leben sei, wer würde ihr sonst die Kraft in so vielem Leiden verleihen?
Und wenn dem nicht so wäre, wie könnte man sagen, dass die Seele, die in meinem Willen lebt, die Kraft des Märtyrers ist? Wenn sie in sich nicht die Substanz jenes Leidens enthielte, wie könnte sie sonst Kraft für einen anderen sein? Dann wäre es eine Redensart, eine fantastische Sache, keine Realität.
Ich sehe, dass du erschrickst, das zu hören: nein, fürchte dich nicht: so viele Martyrien, Schmerzen und Leiden werden mit unzählbaren Freuden, Wonnen und Gnaden vergolten werden, deren unerschöpfliche Quelle mein Wille selbst sein wird.
Es ist auch gerecht: wenn mein Wille in der Seele, die in Ihm lebt, die Quelle der Schmerzen als Hilfe für die ganze Menschheitsfamilie formen wird, so ist es auch richtig, dass Er die Quelle der Wonnen und Gnaden bilde, mit diesem Unterschied, dass die Quelle der Schmerzen ein Ende haben wird, denn die Dinge hier unten, wie groß sie auch sein mögen, sind immer begrenzt; die Quelle der Freuden hingegen ist von oben, ist göttlich, und so ist sie ohne Ende.
Fasse also Mut und bleibe auf dem Weg in meinem Willen.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 14; 23. August 1922)
„Wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet“ (Mt 10, 22)
Nachdem ich mich sehr abgemüht hatte, kam der gebenedeite Jesus eine kurze Weile und sprach zu mir:
„Meine Tochter, wenn sich die Seele disponiert, etwas Gutes zu tun, sei es auch nur, ein Ave Maria zu beten, wirkt die Gnade bei der Ausführung jenes Guten mit.
Wenn die Seele im Tun des Guten nicht ausdauernd ist, sieht man klar, dass sie keine Wertschätzung und Beachtung für die empfangene Gabe hat und verspottet die Gnade selbst. Wie viele Übel sind in diese Art des Handelns eingeschlossen: ‚Heute ja, morgen nein‘; ‚es gefällt mir – dann tue ich es‘; ‚es braucht ein Opfer, um dieses Gute zu tun – mir ist nicht danach.’
Es ist ähnlich wie bei einem, der ein Geschenk von einem Herrn erhalten hat: heute akzeptiert er es, morgen schickt er es zurück. Jener Herr sendet es ihm aufgrund seiner Güte noch einmal, doch nachdem diese Person es einige Zeit lang behalten hat, verweigert sie diese Gabe, derer sie müde geworden ist, abermals.
Nun, was wird jener Herr sagen? ‚Es zeigt, dass er meine Gabe nicht schätzt. Sollte er arm werden oder sterben, ich will nichts mehr mit ihm zu tun haben.’ Alles, wirklich alles hängt davon ab, ob mit Ausdauer gearbeitet wird. Die Kette meiner Gnaden ist mit beharrlichen Werken verbunden.
Wenn die Seele hierin einige Eskapaden macht, unterbricht sie diese Kette, und wer kann ihr die Sicherheit geben, dass sie wieder verbunden wird? Meine Pläne vollenden sich nur in denen, die ihre Werke an der Ausdauer festmachen. Vollkommenheit, Heiligkeit – alles, alles geht nur zusammen mit ihr.
Wenn die Seele also Unterbrechungen macht und unregelmäßig arbeitet, wobei ihr Wirken ohne Ausdauer wie ein intermittierendes Fieber ist, vereitelt sie die Pläne Gottes, löst ihre Vollkommenheit auf und verfehlt ihre Heiligkeit.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 6; 29. Oktober 1904)
————–
Mein Flug im Göttlichen Fiat dauert an. Mein armer Geist kann nicht anders, als in seinen unzähligen Akten zu kreisen. Ich fühle, wie eine höhere Macht meinen Geist auf die Werke meines Schöpfers konzentriert, und mein Geist kreist unermüdlich umher.
O, wie viele schöne Überraschungen findet er bald in der Schöpfung, bald in der Erlösung, über die der gebenedeite Jesus selbst erzählt und mir sagt, dass in dem, was mir überraschend scheint, nichts anderes als eine noch größere Erfindung seiner Liebe [verborgen] ist!
Während ich meine Runden im Paradies und in den Zeiten vor seiner Ankunft auf Erden machte, fragte ich mich: ‘Warum wartete Jesus so lange zu, ehe Er kam, um die Menschheit zu erlösen?’ Da bewegte Er sich in meinem Inneren und sagte zu mir:
„Meine Tochter, wenn unsere unendliche Weisheit dem Geschöpf eine Wohltat schenken soll, zählt sie nicht die Zeit, sondern die Akte des Geschöpfes. In der Tat, vor der Gottheit existieren weder Tage noch Jahre, sondern nur ein einziger, nie endender Tag.
Daher bemessen Wir nicht die Zeit, sondern zählen die Akte, die das Geschöpf vollbracht hat. In der Zeit also, die dir so lange erscheint, waren die Akte, die Wir wünschten, um kommen und den Menschen erlösen zu können, noch nicht vollbracht.
Denn nur Akte bestimmen die Gewährung einer Wohltat, nicht die Zeit. Mehr noch, die Menschen zwangen unsere Gerechtigkeit, sie vom Angesicht der Erde zu vertilgen, wie es bei der Flut geschah. Nur Noah verdiente durch seinen Gehorsam gegen unseren Willen und sein lang dauerndes Opfer des Baues der Arche, mit seiner Familie gerettet zu werden.
Durch seine Akte verdiente er auch das Fortbestehen der neuen Generation, aus welcher der verheißene Messias kommen sollte. Ein lang dauerndes und fortgesetztes Opfer besitzt solche Anziehungskraft und hinreißende Kraft auf das höchste Sein, dass Es beschließt, große Güter zu geben und das Leben der Menschheit weiterbestehen zu lassen.
Hätte Noah Uns nicht gehorcht und das Opfer einer so lang dauernden Arbeit gebracht, wäre er in der Flut umgekommen, und somit wären die Welt und die neue Generation zu Ende gegangen. Erkennst du den Wert eines langfristigen und ständigen Opfers?
Es ist so groß, dass man damit sich selbst rettet und neues Leben in den anderen entstehen lässt, sowie auch die Güter, die Wir zu geben beschlossen haben. Für das Reich meines Göttlichen Willens wollte Ich daher dein langes und ständiges Opfer deines so viele Jahre im Bett verbrachten Lebens.
Dein langes Opfer barg dich selbst – mehr als die Arche – im Reich meines Göttlichen Willens und macht zudem meine Güte geneigt, ein so großes Gut zu gewähren, nämlich die Herrschaft meines Willens unter den Menschen.“ … (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 28; 12. März 1930)


