Freitag der 11. Woche im Jahreskreis (Mt 6,19-23)
19In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen, 20sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen. 21Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.
22Das Auge gibt dem Körper Licht. Wenn dein Auge gesund ist, dann wird dein ganzer Körper hell sein. 23Wenn aber dein Auge krank ist, dann wird dein ganzer Körper finster sein. Wenn nun das Licht in dir Finsternis ist, wie groß muss dann die Finsternis sein!
„Sammelt euch Schätze im Himmel“ (Mt 6,20)
Als ich mich in meinem gewöhnlichen Zustand befand, sah ich meinen anbetungswürdigen Jesus mit einem Kreuz in der Hand, ganz voller weißer Perlen. Er gab es mir zum Geschenk und legte es auf meine Brust, worauf es in mein Herz wie in einen Raum hinein sank. Dann sagte Er zu mir:
„Meine Tochter, das Kreuz ist ein Schatz, und der sicherste Ort, wo man diesen wertvollen Schatz aufbewahren kann, ist die eigene Seele, d.h., es ist dann ein sicherer Ort, wenn die Seele mit Geduld, Ergebung und den anderen Tugenden disponiert ist, diesen Schatz anzunehmen, denn die Tugenden sind wie so viele Schlüssel, die ihn verwahren, um ihn nicht zu verschwenden oder Dieben auszusetzen.
Wenn nämlich insbesondere der goldene Schlüssel der Geduld fehlt, wird dieser Schatz viele Diebe anziehen, die ihn stehlen und vergeuden.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 7; 11. August 1906)
—————
Ich war weiter in meinem gewohnten Zustand und dachte an das enorme Gewicht, das Jesus beim Tragen des Kreuzes verspürte und sagte in meinem Inneren: „Herr, auch das Leben ist eine Last – und was für eine Last, besonders wenn Du, mein Höchstes Gut, abwesend bist!“ Da kam Er und sprach zu mir:
„Meine Tochter, es stimmt, dass das Leben eine Last ist, aber wenn der Mensch diese Last mit Mir trägt und er entdeckt, dass er diese Last am Ende seines Lebens bei Mir abladen kann, wird er sehen, dass sich dieses Gewicht in einen Schatz verwandelt hat, in dem er Edelsteine, Pretiosen, Brillanten und alle möglichen Reichtümer findet, die ihn in Ewigkeit glücklich machen.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 8; 7. Februar 1908)
„Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz“ (Mt 6,21)
… „Meine Tochter, der freie Raum ist mein Wille, dem nicht entsprochen wurde, und der dir zur Verfügung gestellt wird, damit er mit so vielen [göttlichen] Akten gefüllt werde, welche die Geschöpfe getan hätten, wenn sie alle unseren Willen vollbracht hätten.
Dieser unermessliche leere Raum, den du siehst, und der unseren Willen repräsentiert, ging aus unserer Gottheit hervor zum Wohle der ganzen Schöpfung, um alles und alle glücklich zu machen: Deshalb war es gleichsam eine logische Konsequenz, dass alle Seelen diesen freien Raum mit der Erwiderung ihrer Akte und der Hingabe ihres Willens an ihren Schöpfer füllen sollten, und da sie es nicht taten und Uns dadurch mit der schwersten Beleidigung betrübten, die man sich vorstellen kann, beriefen Wir dich zu einer besonderen Sendung, damit diese Leere vergolten werde und mit dem erfüllt werde, was die anderen Uns hätten geben sollen.
Und dies ist der Grund, weshalb Wir dich zuerst mit einer langen Kette von Gnaden (Anmerkung von Dr. Joseph Iannuzzi, Dissertation: Nota bene: Die „Kette von Gnaden“ die Jesus hier anspricht, ist abhängig von der beständigen und beharrlichen Mitarbeit der Seele. „Alles, ja alles hängt davon ab, wie beharrlich die Seele wirkt. Meine Kette von Gnaden ist an ausdauernde (Mit)Arbeit gebunden. Wenn die Seele also dem nun ausweicht, unterbricht sie diese Kette, und wer kann ihr die Sicherheit geben, dass sie wieder zusammengefügt wird? Meine Pläne verwirklichen sich nur in Seelen, die ihre Werke mit Ausdauer, Vollkommenheit und Heiligkeit besiegeln, alles, alles hängt an der Beharrlichkeit.
Wenn aber die Seele wankelmütig und ohne Beständigkeit – wie ein intermittierendes Fieber – wirkt, vereitelt sie Gottes Pläne, macht seine Werke der Vervollkommnung bedeutungslos und verfehlt ihre Heiligkeit (L. Piccarreta, Band VI, 29. Oktober 1904). Wenn wankelmütige Seelen gerettet werden, wie viel Arbeit werden dann die Flammen des Fegefeuers an ihnen leisten müssen!, ebd., Band VII, 30. Januar 1906) disponierten und dich dann fragten, ob du in unserem Willen leben willst; und du hast mit einem festen und unabänderlichen Ja akzeptiert, indem du deinen Willen an unseren Thron bandest, ohne ihn weiterhin kennen zu wollen, da der menschliche und der göttliche Wille sich nicht miteinander versöhnen, noch zusammen leben können.
So existiert dieses Ja, d.h. dein Wille, fest an unseren Thron gebunden. Daher wird deine Seele wie ein kleines Mädchen gleichsam vor die höchste Majestät hingezogen, da dein Wille, der schon Uns gehört und zu Uns aufsteigt, dir vorausgeht, und du fühlst unseren Willen, der dich wie ein mächtiger Magnet anzieht; und anstatt deinen Willen anzusehen, beschäftigst du dich nur damit, Uns all deine Aktivitäten in unserem Willen zu bringen (wörtl.: all das auf unseren Schoß zu bringen, was du in unserem Willen tun konntest), und legst Uns unseren eigenen Willen in den Schoß, als die größte Verehrung, die Uns gebührt, und als wohlgefälligste Vergeltung.
So versetzen Uns deine Gleichgültigkeit gegen deinen eigenen Willen, den du schon aus dem Blick verloren hast, und unser Wille, der allein in dir lebt, in Festfreude. Deine in unserem Willen getanen kleinen Akte bringen Uns die Freuden der ganzen Schöpfung, sodass es scheint, dass alles Uns zulächelt und alle geschaffenen Dinge Uns feiern. Und wenn Wir sehen, wie du von unserem Thron hinabsteigst, ohne deinen Willen, der wie verloren ist in dem Unseren, auch nur anzusehen, und auf die Erde zurückkehrst und unseren Willen mitbringst, bereitet Uns dies unendliche Freude.
Deswegen sage Ich stets zu dir: ‚Sei aufmerksam in unserem Willen‘, denn in Ihm gibt es viel zu tun, und je mehr du tust, umso mehr festliche Freude wirst du Uns darbringen, und unser Wollen wird sich in Strömen in dich und außerhalb von dir ergießen.” (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 17; 10. Mai 1925)
—————
… Mein armer Geist verlor sich weiterhin im Göttlichen Willen, und mein stets liebenswürdiger Jesus fügte hinzu:
„Meine gesegnete Tochter, mein Göttlicher Wille verwahrt alles, was Wir, sowie die Geschöpfe je getan haben; nicht einmal ein Gedanke entgeht Ihm, weder ein Wort, noch die größten oder kleinsten Werke, Schritte, Herzschläge, Atemzüge, Leiden – alles hält Er in Sich verwahrt. So nehmen all deine Akte ihren Platz in meinem Willen ein, und du kannst nichts verbergen.
In der Tat, mit seiner Unermesslichkeit hüllt Er dich ein, mit seiner Macht wirkt Er alles, was du tust. Und mit seinen göttlichen HerrscherRechten besitzt, kennt und bewahrt Er das gesamte Wirken der Menschengeschlechter und ist Herr über ihre Belohnung und Strafe, je nach ihren Verdiensten.
Seine Güte und Macht sind beide so groß: wie Er weder einen Stern noch einen Lichttropfen der Sonne, noch einen Wassertropfen im Meer verliert, so kann Er auch nicht einen einzigen Gedanken des Geschöpfs verlieren; selbst wenn Er ihn verlieren wollte, kann Er es nicht, denn seine Allsicht fände ihn in seinem Willen im Akt.
O, wenn die Geschöpfe begriffen, dass ein Göttlicher Wille alle ihre Gedanken und Taten zur Aufbewahrung empfängt, wie würden sie darauf achten, dass alles heilig und recht sei!
Sie würden diesen Höchsten Willen als Leben all ihrer Akte anrufen, die sie vollbringen; und zwar, damit diese Akte nicht streng gerichtet würden, damit sie ja in eben diesem Willen als seine Akte und Wirkungen verwahrt blieben, die niemand zu beurteilen sich erkühnen kann, sondern wie Akte eines Göttlichen Willens belohnt würden, der im Geschöpf wirkt!
Wie der Göttliche Wille der Verwahrer von allen und allem ist, so ist der menschliche Wille das ‚Depot‘ aller Gedanken, Worte, Werke, Schritte usw. des Menschen. Er verliert keinen seiner Akte, sondern diese bilden eine Einheit mit seinem Willen, und alle Gedanken, Worte und Leiden bleiben mit unauslöschlichen Buchstaben in ihm eingeschrieben und besiegelt.
Vielleicht ist sich das Gedächtnis nicht über alles bewusst und hat schon vieles vergessen, doch der Wille verbirgt alles und verliert nichts, sodass er der Verwahrer und Träger all seiner Akte ist. So ist der Göttliche Wille Verwahrer und Träger von allen und allem, und der menschliche Wille ist der individuelle Verwahrer und Träger seiner selbst.
Wie herrlich werden der Triumph, die Ehre und Glorie einer Seele in der Ewigkeit sein, die heilig gedacht und gehandelt hat! Und wie beschämt wird jener sein, der in seinem menschlichen Wollen Sünden, Leidenschaften und unwürdige Werke hinterlegt hat und sich sein eigenes Verderben bereiten wird!
Ist das verübte Böse sehr schwerwiegend, wird die Seele in die Flammen der Hölle stürzen; ist es weniger schwer, wird sie die Flammen der Läuterung ertragen müssen, die mit Feuer und Schmerz diesen verschmutzten menschlichen Willen reinigen, aber ihr weder das Gute noch die unterlassenen heiligen Werke ersetzen können.
Sei deshalb aufmerksam, da alles gezählt und aufgeschrieben wird. Mögen weder du noch Wir etwas verlieren; jeder Gedanke, jedes Wort wird sein unverlierbares Leben besitzen und wie treue und unzertrennliche Freunde der Seele sein.
Deshalb musst du dir heilige und gute Freunde schaffen, damit sie dir Frieden, Glück und ewige Herrlichkeit bereiten können.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 32; 19. März 1933)


