20In jener Zeit richtete Jesus seine Augen auf seine Jünger und sagte: Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes. 21Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet satt werden. Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.
22Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, wenn sie euch beschimpfen und euch in Verruf bringen um des Menschensohnes willen. 23Freut euch und jauchzt an jenem Tag; euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht.
24Aber weh euch, die ihr reich seid; denn ihr habt keinen Trost mehr zu erwarten. 25Weh euch, die ihr jetzt satt seid; denn ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet klagen und weinen.
26Weh euch, wenn euch alle Menschen loben; denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.

„Selig seid ihr…“ (Lk 6,20)

… „Meine Tochter, wenn die Seele in meinem Willen handelt, so nehmen ihre Akte den Platz in unserem Göttlichen Wesen ein. Unsere Güte ist so groß, dass sie so viele leere Räume bereithält, um alle menschlichen Akte aufzunehmen, welche die schöpferische Kraft in unserem Willen besitzen.
Sie kommen ganz festlich gestimmt zu ihrem Schöpfer und füllen diese Leerräume auf, die unsere Liebe an einem schönen Platz in Uns bereitet hat, damit Wir konkret behaupten können: ‚Es sind unsere Akte. Was Wir tun, tut auch die Seele.
Nichts von dem, was in unserem Willen getan wird, bleibt außerhalb von Uns, noch könnte es bleiben; sonst wäre es so, als könnte sich unser Leben aufspalten – was nicht sein kann – denn Wir besitzen nicht nur die Untrennbarkeit unseres Höchsten Wesens, sondern auch von allen unseren Akten, und von jenen Seelen, die in unserem Willen leben: Wir haben Plätze bereit für alle, und aus allem bilden Wir einen einzigen Akt.‘
Nun finden diese Akte in Uns nicht nur ihren Ehrenplatz, sondern auch das immerwährende Leben und ihre Ruhe. Und Wir empfinden die Glückseligkeit und Freude, welche die Seele in ihren Akt eingeschlossen hat, da sie diesen in unserem Willen vollbracht hat.
Wir nehmen unser Fiat wahr, das Uns im Akt der Seele liebt, Uns verherrlicht, beglückt und beseligt, wie Wir es verdienen. O, wie glücklich sind Wir! Die Wonne in Uns zu empfinden, ist [unsere] Natur.
Wenn Wir [aber] die Wonne verkosten, welche die Seele Uns geben kann, fühlen Wir uns vergolten für das Werk der Schöpfung. Und scheint es dir unbedeutend, dass Wir der Seele ermöglichen, ihren Schöpfer beglücken zu können?
So groß ist die Freude, die Wir empfinden, dass Wir Uns den Armen des Geschöpfs hingeben, und es in unsere Arme nehmend, in ihm ruhen, und das Geschöpf ruht in Uns.
Unsere Ruhe wird erst dann unterbrochen, wenn Uns das Geschöpf mit seinen weiteren Akten überrascht, damit Wir [sodann] die Seligkeit genießen, die es Uns verschafft.
So tun Wir nichts anderes, als von der Seligkeit zur Ruhe, von der Ruhe zur Seligkeit überzugehen. Glücklich das Geschöpf, das in unserem Göttlichen Willen lebend, Den beglücken kann, Der das Meer unendlicher Freuden und endloser Wonnen besitzt!“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 33; 17. November 1935)

„Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes“ (Lk 6,20)

Ich schreibe aus Gehorsam, aber ich fühle mein Herz brechen wegen der Anstrengung, die ich aufbringen muss; aber – es lebe der Gehorsam, es lebe der Wille Gottes! Ich schreibe, aber ich zittere und weiß selbst nicht, was ich sage; der Gehorsam wünscht, dass ich etwas darüber schreibe, wie ich mich vorbereite und dem gebenedeiten Jesus bei der Kommunion Dank sage.
Ich weiß darüber nichts zu sagen, weil mein süßer Jesus, der meine Unfähigkeit sieht und dass ich zu nichts gut bin, alles selbst tut: Er bereitet meine Seele vor, und Er selbst gibt mir die Danksagung ein, und ich folge Ihm darin.
Nun, die Art und Weise Jesu ist stets unermesslich, und zusammen mit Jesus fühle ich mich auch unermesslich und so, als könnte ich irgendetwas tun; dann zieht sich Jesus zurück, und ich bleibe immer das Dummerchen, das ich bin, die kleine Unwissende, der kleine Bösewicht.
Gerade darum liebt mich Jesus, weil ich die kleine Unwissende bin, und nichts bin und nichts kann; da Er weiß, dass ich Ihn um jeden Preis empfangen möchte, so bereitete Er – um sich selbst keine Schande zu bereiten, wenn Er zu mir kommt, sondern höchste Ehren – selbst meine arme Seele vor, gibt mir seine eigenen Dinge, seine Verdienste, seine Gewänder, seine Werke, seine Wünsche, kurz, ganz sich selbst; wenn nötig, auch das, was die Heiligen getan haben, da alles Ihm gehört; und wenn es nötig ist, gibt Er mir auch das, was seine Heiligste Mama tat.
Und auch ich sage zu allen: „Jesus, verschaffe Dir selbst Ehre, wenn Du in mich kommst; meine Mama und Königin, all ihr Heiligen und Engel, ich bin ganz arm, legt bitte alles, was ihr habt, in mein Herz, nicht für mich, sondern zu Ehren Jesu.“
Und ich fühle, wie der ganze Himmel bei meiner Vorbereitung mithilft. Und dann kommt Jesus zu mir, und mir kommt vor, dass es Ihm sehr gefällt, sich von seinen eigenen Dingen geehrt zu sehen, und manchmal sagt Er zu mir:
„Bravo, bravo, meine Tochter, wie glücklich bin Ich, wie gefällt Mir dies; wo immer Ich in dir hinsehe, finde Ich Dinge, die Meiner würdig sind, alles was Mein ist, ist dein; wie viel Schönes hast du Mich finden lassen!“
Im Wissen, dass ich so ganz arm bin, dass ich nichts getan habe und nichts mir gehört, lache ich über Jesu Freude und sage: „Zum Glück denkt Jesus so! Es reicht mir, dass Er gekommen ist – das genügt mir; es tut nichts zur Sache, dass ich mich seiner eigenen Dinge bedient habe – die Armen müssen von den Reichen [etwas] erhalten“.
Nun, es ist wahr, dass hier und dort in mir mancher Schimmer von der Art und Weise Jesu in der Kommunion zurückbleibt, aber ich kann diese Schimmer nicht zusammenfassen und daraus eine Vorbereitung und eine Danksagung machen, dazu fehlt mir die Fähigkeit; mir scheint, dass ich mich in Jesus selbst vorbereite, und dass ich Jesus mit Ihm selbst danke. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 9; 10. April 1910)

„Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen“ (Lk 6,21)

… Ich erinnere mich undeutlich, dass Jesus an einem anderen Tag, als Er kam, mich die Kostbarkeit des Leidens begreifen ließ, und ich betete darum, dass Er allen Menschen die im Leiden enthaltenen Schätze zu verstehen geben möge. Er sprach zu mir:
„Meine Tochter, das Kreuz ist eine dornige Frucht, die nach außen hin lästig scheint und sticht, doch wenn man einmal die Dornen und die Schale entfernt hat, kommt eine kostbare und wohlschmeckende Frucht zum Vorschein; doch nur wer die lästigen Stiche geduldig erträgt, entdeckt schließlich das Geheimnis der Kostbarkeit und des Wohlgeschmacks dieser Frucht.
Und nur wer dieses Geheimnis entdeckt hat, sieht die Frucht mit Liebe an und geht mit Eifer auf die Suche nach ihr, ohne sich um die Stiche zu kümmern; alle anderen sehen sie mit Verachtung an und schätzen sie gering.“
Ich sagte: „Doch mein guter Herr, was ist jenes Geheimnis, das in der Frucht des Kreuzes enthalten ist?“
Er erwiderte: „Es ist das Geheimnis der ewigen Glückseligkeit, denn in der Frucht des Kreuzes gibt es viele kleine Münzen, die nur in Umlauf sind, um in den Himmel einzugehen, und dass sich die Seele mit diesen Münzen bereichert und ewig glückselig wird.“… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 7; 9. Mai 1907)

„Freut euch und jauchzt an jenem Tag; euer Lohn im Himmel wird groß sein“ (Lk 6,23)

Nachdem ich die heilige Kommunion empfangen hatte, ließ sich mein süßer Jesus voller Freundlichkeit sehen; und da es schien, dass der Beichtvater die Intention der Kreuzigung machte, fühlte meine Natur beinahe einen Widerwillen, sich zu unterwerfen. Mein süßer Jesus sagte mir zur Ermunterung:
„Meine Tochter, wenn die Eucharistie die Anzahlung für die zukünftige Herrlichkeit ist, so ist das Kreuz die Ausbezahlung, mit welcher diese erkauft wird.
Wenn die Eucharistie die Saat ist, die den Verfall verhindert – wie jene aromatischen Kräuter, die die Verwesung verhindern, wenn sie am Leichnam angewendet werden – und der Seele und dem Leib die Unsterblichkeit verleiht, so schmückt das Kreuz sie, und es ist so mächtig, dass, wenn man sich Schulden zugezogen hat, es deren Bürge wird, und es die Wiedergutmachung der Taten des Schuldners sicherer erlangt.
Und nachdem es für jede Schuld genug getan hat, bildet es für die Seele den strahlendsten Thron in der künftigen Herrlichkeit. Ach, ja, das Kreuz und die Eucharistie wechseln sich gegenseitig ab, und eines wirkt mächtiger als das andere.“
Dann fügte Er hinzu: „Das Kreuz ist mein blumenbesätes Bett, nicht deshalb, weil Ich keine furchtbaren Qualen gelitten hätte, sondern weil Ich durch das Kreuz viele Seelen zur Gnade geboren habe, und Ich so viele schöne Blumen blühen sah, die viele himmlischen Früchte hervorbringen würden.
So hielt Ich, da Ich so viel Gutes sah, dieses Bett des Leidens für meine Freude und freute Mich am Kreuz und Leiden. Auch du, meine Tochter, halte die Leiden für Wonnen, und freue dich, an meinem Kreuz gekreuzigt zu sein.
Nein, nein, Ich will nicht, dass du das Leiden fürchtest und gleichsam wie ein Faulpelz handelst. Auf, Mut! Sei tapfer und unterwirft dich von selbst dem Leiden.“
Als Er dies sagte, sah ich meinen guten Schutzengel bereit, mich zu kreuzigen; ich streckte meine Arme selber aus, und der Engel kreuzigte mich. O, wie erfreute sich mein guter Jesus an meinem Leiden! Und wie zufrieden war ich, dass eine so elende Seele wie ich, Jesus Freude bereiten konnte!
Es schien mir eine große Ehre, aus Liebe zu Ihm zu leiden. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 3; 1. Mai 1900)