1In jener Zeit ging Jesus zum Ölberg. 2Am frühen Morgen begab er sich wieder in den Tempel. Alles Volk kam zu ihm. Er setzte sich und lehrte es.
3Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte 4und sagten zu ihm: Meister, diese Frau wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt.
5Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Nun, was sagst du? 6Mit dieser Frage wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn zu verklagen. Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde.
7Als sie hartnäckig weiterfragten, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie. 8Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde.
9Als sie seine Antwort gehört hatten, ging einer nach dem anderen fort, zuerst die Ältesten. Jesus blieb allein zurück mit der Frau, die noch in der Mitte stand. 10Er richtete sich auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt?
11Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!

„Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben…“ (Joh 8, 5)

… „Meine Tochter, mein Wille ist alles und enthält alles, und zudem ist Er Anfang, Mitte und Ziel des Menschen. Deshalb gab Ich ihm bei der Erschaffung keine Gesetze, noch setzte Ich Sakramente ein, sondern gab dem Menschen nur meinen Willen, denn dieser war, da der Mensch am Anfang meines Willens stand, mehr als ausreichend, damit er alle Mittel zur Erlangung einer nicht [bloß] geringen Heiligkeit, sondern der Erhabenheit einer Göttlichen Heiligkeit, vorfinde, und sich so im Hafen seiner Bestimmung finde.
Dies bedeutet, dass der Mensch nichts als nur meinen Willen benötigen sollte, um in Ihm auf überraschende, wunderbare und mühelose Weise alles zu seiner zeitlichen und ewigen Seligkeit und Heiligkeit zu finden.
Und wenn Ich ihm nach vielen Jahrhunderten nach seiner Erschaffung ein Gesetz gab, so deshalb, weil der Mensch seinen Ursprung verloren, und somit die Mittel und das Ziel aus den Augen verloren hatte.
So war das Gesetz nicht Anfang, sondern ein Mittel. Da Ich aber sah, dass der Mensch trotz meines ganzen Gesetzes verloren war, setzte Ich bei meinem Kommen auf die Erde die Sakramente als stärkere und mächtigere Mittel zu seiner Rettung ein. Doch wie viel Missbrauch und wie viele Profanierung!
Wie viele gebrauchen das Gesetz und die Sakramente selbst, um noch mehr zu sündigen und in die Hölle zu stürzen, während es doch allein mein Wille ist – welcher der Anfang, die Mitte und das Ziel ist – mit dem sich die Seele in Sicherheit bringt und zu Göttlicher Heiligkeit aufsteigt und auf vollständige Weise das Ziel erreicht, wofür sie geschaffen wurde, und es [in meinem Willen] nicht den Schatten einer Gefahr gibt, dass sie Mich beleidige.
So ist der sicherste Weg allein mein Wille, und selbst die Sakramente können, wenn sie nicht in der Ordnung meines Willens empfangen werden, als Mittel der Verdammung und des Verderbens dienen.
Deshalb bestehe Ich so sehr auf meinem Willen, denn wenn die Seele im Prinzip meines Willens steht, werden die Mittel vorteilhaft sein, und sie wird die in ihnen enthaltenen Früchte empfangen; ohne Ihn jedoch können selbst die Sakramente Gift sein, die sie in den ewigen Tod führen.” (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 17; 10. Juni 1924)

„Mit dieser Frage wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn zu verklagen. Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde“ (Joh 8,6)

… „Meine Tochter, der Schmerz, der Mich in meiner Passion am meisten durchbohrte, war die Affektiertheit der Pharisäer, die Gerechtigkeit heuchelten und die Ungerechtesten waren; sie täuschten Heiligkeit, Regeltreue und Ordnung vor, und waren die Verkommensten, außerhalb jeder Regel und in völliger Unordnung.
Und während sie vorgaben, Gott zu ehren, gaben sie sich selbst die Ehre, ihrem eigenen Interesse, der eigenen Bequemlichkeit; deshalb konnte das Licht nicht in sie eintreten, weil ihre affektierten Verhaltensweisen ihnen die Türen dazu versperrten, und die Heuchelei war der Schlüssel, der, zweimal umgedreht, sie im Tod verschloss und hartnäckig auch den geringsten Lichtschimmer verhinderte, dass sogar Pilatus, ein Götzenanbeter, mehr Licht fand als die Pharisäer selbst, weil alles, was er tat und sagte, nicht von der Heuchelei herrührte, sondern höchstens von der Angst.
Und Ich fühle Mich mehr zum pervertiertesten Sünder hingezogen, der nicht heuchelt, als zu jenen, die besser sind, jedoch falsch.
O, wie ekelt Mich jemand an, der scheinbar das Gute tut, heuchelt, gut zu sein, betet, doch in sich das Böse und sein Eigeninteresse hegt; und während die Lippen beten, ist sein Herz weit weg von Mir, und in demselben Akt, wo er Gutes tut, denkt er daran, seine eigenen brutalen Leidenschaften zu befriedigen.
Außerdem ist der heuchlerische Mensch in dem Guten, das er scheinbar tut und sagt, nicht fähig, den anderen Licht zu vermitteln, da er diesem die Türen versiegelt hat. So handeln diese Seelen als inkarnierte Teufel, die oft unter dem Anschein des Guten die Menschen anziehen.
Wenn sie dieses Gute sehen, lassen sich die Menschen hineinziehen, doch wenn sie am besten Weg sind, lassen sie sie in noch schwerere Sünden fallen.
O, wie viel sicherer sind die Versuchungen unter dem Erscheinungsbild der Sünde, als jene unter dem Anschein des Guten! So ist es sicherer, mit niederträchtigen Leuten zu tun zu haben als mit guten, aber heuchlerischen Personen.
Wie viel Gift verbergen diese nicht, wie viele Seelen vergiften sie nicht? Wenn es keine Heuchelei gäbe und alle sich zu erkennen geben würden als das, was sie sind, würde die Wurzel des Bösen vom Angesicht der Erde entfernt und allen würden die Augen geöffnet werden.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 13; 22. November 1921)

„Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie“ (Joh 8,7)

… „Meine Tochter, die Züchtigung ist groß, und doch rühren sich die Völker noch nicht, vielmehr sind sie fast gleichgültig dem gegenüber, als müssten sie einer tragischen Szene beiwohnen und nicht einer Realität.
Anstatt einmütig zu kommen und zu meinen Füßen zu weinen und um Barmherzigkeit und Verzeihung zu flehen, sind sie eher darauf gespannt zu hören, was geschieht.
Ach, Tochter, wie groß ist die menschliche Treulosigkeit!…“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 11; 25. Mai 1915)

———————–

… Wieder ein anderes Mal möchte ich, während ich mich im Göttlichen Willen versenke, alle Beleidigungen beklagen, die meinem Gott zugefügt werden, und ich nehme meinen Rundgang in diesem unermesslichen Raum wieder auf um jeden Schmerz zu finden, den mein Jesus wegen aller Sünden hatte; ich eigne ihn mir an und gehe überall hin, an die entlegensten und geheimsten Orte, an die öffentlichen Orte, zu allen bösen menschlichen Akten, um wegen aller Beleidigungen [Reue]Schmerz empfinden; und für jede Sünde möchte ich gern – indem ich in mir den ganzen Schmerz über alle Sünden vereinige – in allen Bewegungen aller geschaffenen Dinge rufen: „Vergebung! Vergebung!“
Es gibt keine Beleidigung Gottes, und sei es die leichteste, deretwegen ich keinen Reueschmerz verspüren würde und für die ich nicht um Vergebung bitte!
Und damit alle dieses mein Flehen um Vergebung für alle Sünden hören, drücke ich es dem Grollen des Donners auf, damit der Schmerz, meinen Gott beleidigt zu haben, in allen Herzen donnert; „Verzeihung!“ im Blitzschlag, schmerzvolle Reue im Pfeifen des Windes, damit er allen „Reue und Flehen um Vergebung!“ zurufe, und im Läuten von den Kirchtürmen „Reue und Vergebung!“
Mit einem Wort, so ist es bei allem. Dann bringe ich meinem Gott den Reueschmerz aller dar, flehe Ihn um Vergebung für alle an und sage: „Großer Gott, lasst euren Willen auf die Erde herabsteigen, damit die Sünde keinen Platz mehr habe!
Es ist nur der menschliche Wille, der so viele Beleidigungen hervorbringt, dass die Erde mit Sünden überschwemmt scheint, aber euer Wille wird alles Bösen vernichten; daher bitte ich Euch, stellt die kleine Tochter eures Willens zufrieden, die nichts anderes wünscht, als dass euer Wille erkannt und geliebt werde und in allen Herzen herrsche.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 17; 10. Mai 1925)

————————

… Nach diesen Worten verschwand Er. Ich fuhr also fort, mich in den Göttlichen Willen zu versenken und erweckte [Reue]Leid über jede, meinem Jesus zugefügte Beleidigung, vom ersten bis zum letzten Menschen, der auf die Erde kommen wird; während ich Reue erweckte, bat ich um Vergebung und sprach:
„Mein Jesus, meine Liebe, es genügt mir nicht, Leid zu erwecken und Dich um Vergebung zu bitten, sondern ich möchte gern jegliche Sünde vernichten, damit Du niemals mehr beleidigt wirst.” Da bewegte sich Jesus in meinem Inneren und sprach zu mir:
„Meine Tochter, Ich empfand einen besonderen Schmerz für jede Sünde, und über meinem Schmerz hing die Vergebung für den Sünder. Dieser mein Schmerz ist nun in meinem Willen wie in der Schwebe und erwartet den Sünder, wenn er Mich beleidigt, damit, wenn er bereut, Mich beleidigt zu haben, mein Schmerz herabsteige, um sich gemeinsam mit dem seinen zu betrüben und ihm sogleich die Vergebung zu schenken.
Doch wie viele beleidigen Mich und betrüben sich nicht darüber? So bleiben mein Schmerz und meine Vergebung in meinem Willen in der Schwebe und wie isoliert.
Danke, meine Tochter, danke, dass du in meinen Willen kommst, um meinem Schmerz und meiner Vergebung Gesellschaft zu leisten; fahre nur fort, in meinem Willen umher zu gehen, mache dir meinen Schmerz zu eigen und rufe bei jeder Beleidigung aus: „Schmerz! Vergebung!“, damit Ich nicht allein bin, der die Betrübnis empfindet und die Vergebung erfleht, sondern die Gesellschaft der kleinen Tochter meines Willens habe, die sich mit Mir betrübt.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 18; 21. Oktober 1925)

————————

… „Meine Tochter, mein Göttlicher Wille macht das Geschöpf einfach und so total leer von allem, was nicht zu meinem Willen gehört, dass vom menschlichen Wesen nichts übrigbleibt als ein Komplex an Einfachheit: einfach ist der Blick, das Wort, das Benehmen, die Schritte.
Man kann in der Person das Siegel der Göttlichen Einfachheit wie in einem Spiegel sehen. So wird es unter der Herrschaft meines Göttlichen Willens auf Erden keine Heuchelei und Unaufrichtigkeit mehr geben, die man als Ursprung alles Bösen bezeichnen kann.
Indessen wird die Einfachheit als Ursprung eines jeden wahren Gutes, das wahre Merkmal sein, das auf die Herrschaft des Göttlichen Willens hindeutet.
Du sollst nun wissen, dass unsere Liebe zur Seele, die sich von unserem Göttlichen Fiat beherrschen lässt, so groß ist, dass alles, was sie nach unserem Wunsch tun soll, zuerst in Gott selbst gebildet wird, und dann in die Seele übergeht.
Und da unsere beiden Willen eins sind, bewahrt sie dies als ihren eigenen Akt und wiederholt ihn für Uns, so oft Wir wollen…“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 27; 6. November 1929)