WEIHNACHTEN – HOCHFEST – AM MORGEN (Lk 2,15-20)
15Als die Engel von den Hirten in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Lasst uns nach Betlehem gehen, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr kundgetan hat! 16So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.
17Als sie es sahen, erzählten sie von dem Wort, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war. 18Und alle, die es hörten, staunten über das, was ihnen von den Hirten erzählt wurde. 19Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen.
20Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für alles, was sie gehört und gesehen hatten, so wie es ihnen gesagt worden war.
„So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag“ (Lk 2, 16)
Ich meditierte über die Geburt des Jesuskindes und betete darum, dass Er komme und in meiner armen Seele geboren werde. Um Ihm zu huldigen und Ihn im Akt seiner Geburt zu begleiten, versenkte ich mich in den Heiligen Göttlichen Willen.
In allen geschaffenen Dingen fließend, wollte ich Himmel, Sonne, Sterne, Meer, Erde und alles mit meinem ‘Ich liebe Dich’ beseelen. Ich wollte alles Geschaffene im Akt der Geburt Jesu gleichsam in Erwartung versetzen, damit Ihm alles beteuern möge: ‘Ich liebe Dich’ und ‘Wir wollen das Reich deines Willens auf Erden’.
Als ich dies tat, schien mir, dass die ganze Schöpfung ganz aufmerksam auf den Akt der Geburt Jesu achtete. Als nun das teure Jesuskind aus dem Schoß seiner Himmlischen Mutter trat, sagten alle, der Himmel, die Sonne, und sogar das kleine Vögelchen wie im Chor: ‘Ich liebe Dich’ und ‘Wir wollen das Reich deines Willens auf Erden’.
Mein ‘Ich liebe Dich’ im Göttlichen Willen floss in allen Dingen, in denen der Göttliche Wille sein Leben hatte, und daher huldigten alle der Geburt ihres Schöpfers. Das neugeborene Kind warf sich ganz zitternd in meine Arme und sagte zu mir:
“Welch schönes Fest hat die kleine Tochter meines Willens Mir bereitet! Wie schön ist der Chor aller geschaffenen Dinge, die Mir beteuern ‘Ich liebe Dich’ und die Herrschaft meines Willens wünschen! Wer in Ihm lebt, der kann Mir alles geben und alle Kunstgriffe anwenden, um Mich glücklich zu machen und Mich zum Lächeln zu bringen, sogar mitten unter Tränen. Deshalb habe Ich auf dich gewartet – auf eine Überraschung der Liebe von dir kraft meines Göttlichen Willens.
Denn du sollst wissen, dass mein Leben auf Erden aus nichts anderem bestand als aus Leiden, Arbeiten und allen Vorbereitungen, die dem Reich meines Göttlichen Willens dienen sollten, das ein Reich der Seligkeit und des Besitzes sein muss.
So werden meine Arbeiten erst dann ihre volle Frucht bringen und sich für Mich und für die Geschöpfe in Süßigkeiten, Freuden und Besitz verwandeln.”… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 25; 25. Dezember 1928)
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… „St. Josef und ich füllten ein wenig Heu in die Krippe, und ich gab ihn aus meinen mütterlichen Armen und legte ihn hinein. Entzückt von der Schönheit des Göttlichen Kindes verblieb ich den Großteil der Zeit kniend vor ihm; ich ließ all den Ozeanen der Liebe freien Lauf, die der Göttliche Wille in mir gebildet hatte, um ihm unaufhörliche Akte der Liebe, der Anbetung und des Dankes zu schenken.
Und was machte der Himmlische Knabe in der Krippe? Einen andauernden Akt der Hingabe an den Willen des Himmlischen Vaters, der auch der Seine war.
Er seufzte, wimmerte, weinte, schluchzte und rief alle voll Liebe zu sich: „Kommt alle herbei, meine Kinder; aus Liebe zu euch bin ich für den Schmerz und die Tränen geboren.
Kommt alle, um das Übermaß meiner Liebe zu sehen! Gebt mir Obdach in euren Herzen!“ Die einfachen Hirten waren die Ersten, die dem göttlichen Ruf folgten.
Sie verließen ohne Zögern die Herden und kamen, um ihn anzubeten, und allen schenkte er unter Tränen sein Lächeln der Liebe und seinen sanften Blick.
Jetzt ein Wort an dich, meine Tochter: Du kannst dir leicht vorstellen, dass es meine ganze Freude war, meinen lieben Sohn Jesus auf meinem Schoß zu halten, aber der Göttliche Wille ließ mich verstehen, dass ich ihn in die Krippe legen sollte, damit er allen zu Verfügung stehe; jeder, der wollte, sollte ihn liebkosen und küssen und in die Arme nehmen können, als gehörte er ihm.
Er war der kleine König alles, daher hatte jeder das Recht, sich Jesus anzueignen wie eines süßen Unterpfandes der Liebe.
Um den Höchsten Willen zu erfüllen, beraubte ich mich daher dieser unschuldigen und heiligen Freuden und begann mit Werken und Opfern mein Amt als Mutter auszuüben, nämlich allen meinen geliebten Jesus zu schenken.
Meine Tochter, der Göttliche Wille ist fordernd und will alles, auch das Opfer der heiligsten Dinge, und je nach den Umständen, das größte Opfer, sich des Heilandes selbst zu berauben; das dient aber zur größeren Ausbreitung des Reiches des Göttlichen Willens und um das Leben Jesu selbst in den Seelen zu vermehren.
Der Heroismus und das Opfer eines Geschöpfes, das sich aus Liebe zu Jesus seiner beraubt, hat so großen Wert und solche Macht, dass sie ein neues Leben Jesu in den Seelen erschaffen können, eine neue Möglichkeit der Einwohnung Jesu in den Seelen. Sei daher aufmerksam, meine Tochter, und verweigere dem Göttlichen Willen nie etwas, unter welchem Vorwand auch immer”. (aus „Die Jungfrau Maria im Reich des Göttlichen Willens“ nach den Schriften der Dienerin Gottes Luisa Piccarreta: 22. Tag)
„Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war“ (Lk2, 17)
Als ich mich in meinem gewohnten Zustand befand, kam mein anbetungswürdiger Jesus, und da Er mich ganz widerwillig sah, seine Worte kundzutun und niederzuschreiben, sagte Er mit einem imposanten Eindruck, der mich erzittern ließ, zu mir:
„Meine Tochter, mein Wort ist schöpferisch, und wenn Ich spreche, um eine Wahrheit bekanntzumachen, die Mir angehört, sind das nichts anderes als neue göttliche Schöpfungen, die Ich in der Seele bewirke.
Als Ich den Himmel mit einem einzigen FIAT schuf, breitete Ich die Himmel aus und übersäte ihn mit Milliarden von Sternen, so dass es keinen Teil der Erde gibt, von dem aus man diesen Himmel nicht sieht; und wenn er nicht von jedem Punkt aus gesehen werden könnte, wäre das eine Unehre für die schöpferische Macht, und man könnte sagen, dass die Schöpferkraft nicht die Macht hätte, sich überallhin auszudehnen; in gleicher Weise sind meine Wahrheiten mehr als der Himmel, den Ich allen, von einem Ende der Erde zum anderen, bekannt machen und sie wie viele Sterne von Mund zu Mund gehen lassen möchte, um den Himmel der Wahrheiten zu schmücken, den Ich bekanntgemacht habe.
Wenn das Geschöpf meine Wahrheiten verbergen wollte, wäre es, als wollte es Mich daran hindern, den Himmel zu erschaffen, und wenn es diese geheim hielte, würde es Mich verunehren, wie wenn eine Person eine andere daran hindern wollte, den Himmel, die Sonne und alle von Mir geschaffenen Dinge zu betrachteten, um Mich nicht bekannt zu machen.
Ach, meine Tochter, die Wahrheit ist Licht, und das Licht dehnt sich von selbst aus, doch damit es sich ausdehne, muss es bekannt gemacht werden, und das Übrige wird es aus sich selbst heraus tun. Ansonsten bliebe es unterdrückt, ohne die Wohltat, erleuchten und den Weg gehen zu können, den es will.
Sei deshalb aufmerksam und hindere Mich nicht daran, das Licht meiner Wahrheiten auszubreiten!” (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 13; 30. Januar 1922)
„Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach“ (Lk 2, 19)
… „Dies geschah bei der Erlösung: Die Übel wurden nicht von der Erde verbannt, sondern nahmen mehr denn je überhand.
Da jedoch die Erhabene Königin auf die Erde kam, das Geschöpf, das einen Göttlichen Willen in sich besaß, der den ganzen Wert des Gutes der Erlösung in sich einschloss, betrachtete Ich, ohne auf die anderen, noch auf ihre Übel zu sehen, den Wert dieses Himmlischen Geschöpfs, der ausreichte, um meine Herabkunft auf die Erde zu erflehen. Im Hinblick auf Sie allein, die unsere Vorrechte und den Wert eines Göttlichen und unendlichen Willens besaß, schenkte und gestaltete Ich das Reich der Erlösung unter den Menschen.
Als Ich daher die Wohltat der Erlösung verfügte, wollte Ich in meiner Mutter ihren ganzen Wert [den Wert der Erlösung] vorfinden und in ihrem Mutterherzen alle Güter in Sicherheit bringen, die meine Ankunft unter den Geschöpfen beinhalten sollte. Sodann gewährte Ich das Gut, um das die himmlische Herrin Mich bat.
Ich machte es wie ein Fürst, der mit dem Ziel weiterer Eroberungen fortziehen muss: Er wählt den Getreuesten, vertraut ihm seine Geheimnisse an, legt den gesamten Wert der für den geplanten Eroberungszug nötigen Ausgaben in seine Hände. Und indem er sich diesem allein anvertraut, von dem er weiß, dass er den ganzen Wert der ersehnten Eroberungen kennt, zieht er triumphierend und siegessicher fort.
So handle auch Ich: wenn Ich den Geschöpfen eine Wohltat erweisen möchte, vertraue Ich Mich zuerst einem einzigen an, lege den ganzen Wert jener Wohltat in dieses hinein, und dann gewähre Ich als eine Gewissheit das Gut, um das diese Seele Mich für die anderen Geschöpfe bittet…“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 23; 14. Dezember 1927)
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Danach setzte ich meinen Rundgang im FIAT fort, um alles zu begleiten, was Jesus in der Erlösung getan hatte und dachte mir: „Wie gerne hätte ich das getan, was die Höchste Mutter an Ihm getan hat, als Sie mit Jesus zusammen war!
Sicherlich folgte Sie all seinen Akten und ließ sich nichts entgehen.“ Doch als ich dies und anderes erwog, fügte mein stets liebenswürdiger Jesus hinzu:
„Meine Tochter, gewiss entging meiner Mutter nichts, denn alles, was Ich tat und litt, hallte als ein tiefes Echo auf dem Grunde ihrer Seele wider.
Sie erwartete so aufmerksam das Echo meiner Akte, dass dieses Echo zusammen mit allem, was Ich tat und litt, in Ihr eingeprägt blieb.
Die Höchste Königin sandte ihr Echo in das Meine aus und ließ es im Grund meines Inneren widerhallen, sodass zwischen Ihr und Mir Ströme, Meere des Lichtes und der Liebe flossen, die sich in einander entluden. Ich hinterlegte alle meine Akte in ihrem Mutterherzen.
Ich wäre nicht zufrieden gewesen, wenn Ich Sie nicht stets bei Mir gehabt und nicht ihr ständiges Echo vernommen hätte, das in dem Meinen widerhallte und Mich bewog, sogar meine Herzschläge und Atemzüge in Ihr niederzulegen.
Genauso wäre Ich nicht zufrieden, wenn Ich nicht schon seit damals dich gehabt hätte, die du all meinen Akten in meinem Göttlichen Willen folgen solltest. Ich habe meine Akte nämlich schon von dieser Zeit an in dir hinterlegt und das Echo meiner Mutter in die Tiefe deiner Seele weitergeleitet.
Ich betrachtete in den langen Jahrhunderten das Echo meiner Mutter in dir, um das Reich meines Göttlichen Willens zu verwirklichen.
Daher fühlst du dich gleichsam angezogen, meinen Akten zu folgen: es ist ihr mütterliches Echo, das in dir widerhallt; und Ich nehme die Gelegenheit wahr, dies in der Tiefe deines Inneren zu hinterlegen, um dir die Gnade zu verleihen, mein Ewiges FIAT in dir herrschen zu lassen.” (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 24; 26. April 1928)
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„… Indem dieses Himmlische Mädchen unseren Göttlichen Willen in ihrer Seele unversehrt bewahrte, ohne je den eigenen zu tun, erwarb Sie alle Rechte des unschuldigen Adam vor ihrem Schöpfer und die Oberherrschaft über die ganze Schöpfung zurück.
Daher fühlten sich alle in Ihr neu geboren, und Wir erblickten im kleinen Herzen dieser Heiligen Jungfrau, alle Samen der menschlichen Generationen.
So erwarb die Menschheit durch Sie die verlorenen Rechte zurück, und somit war ihre Geburt die schönste und herrlichste Geburt.
Von ihrer Geburt an schloss Sie alle Generationen wie zwischen zwei Flügel, in ihr mütterliches kleines Herz ein, als Kinder, die in ihrem jungfräulichen Herzen wieder geboren wurden, um sie zu wärmen, zu beschützen, sie großzuziehen und mit dem Blut ihres Mutterherzens zu nähren.
Das ist der Grund, warum diese zärtliche Himmlische Mutter die Geschöpfe so sehr liebt, weil alle in Ihr wieder geboren sind und Sie das Leben ihrer Kinder in ihrem Herzen verspürt.
Was kann unser Wille nicht alles tun, wo Er herrscht und sein Leben besitzt? Er schließt alles und jeden in die Seele ein [, die in Ihm lebt] und bewirkt, dass sie Gutes zu allen bringt.
So fühlen alle unter ihrem blauen Mantel den mütterlichen Flügel ihrer Himmlischen Mutter und finden in ihrem Mutterherzen ihr kleines Plätzchen, wo sie Zuflucht finden.” (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 26; 8. September 1929)
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Meine Hingabe im Göttlichen Fiat dauert an. Mein zarter Jesus zeigte sich entweder in meinem Herzen oder im Schoß der Himmlischen Mama als ganz kleiner Säugling, aber ganz winzig, bezaubernd schön und voller Liebe. Sein Angesicht ist nass von Tränen: Er weint, weil Er geliebt werden möchte, und sagt schluchzend zu mir:
„Ach, ach, warum werde Ich nicht geliebt? Ich will in den Seelen die ganze Liebe erneuern, die Ich in meiner Menschwerdung hatte, doch finde Ich niemanden, dem Ich sie geben könnte.
Als Ich Mensch wurde, hatte Ich meine königliche Mutter, die Mir den Raum darbot, wo Ich meine Liebe ausgießen konnte und in ihrem mütterlichen Herzen all die Liebe empfing, die Mir die Geschöpfe verweigert hatten.
Ach, Sie war die Schatzwalterin meiner zurückgewiesenen Liebe, die süße Gesellschaft meiner Leiden, und ihre glühende Liebe trocknete meine Tränen! Die größten Werke können nicht allein getan werden, sondern es sind mindestens zwei oder drei als Verwahrer und Unterhalt (Nahrung) für das Werk selbst nötig.
Die Werke können ohne Nahrung nicht überleben, sonst würden sie riskieren, gleich bei der Entstehung zugrunde zu gehen. Das ist so wahr, dass Wir bei der Schöpfung Drei Göttliche Personen waren, als Wir sie schufen, und danach schufen Wir den Menschen als den Verwahrer unseres Werkes.
Nicht zufrieden damit – da die Werke allein keine Seligkeit bringen – schenkten Wir ihm die Gesellschaft der Frau. Bei der Menschwerdung wirkten die Drei Göttlichen Personen zusammen und in meiner Gesellschaft, ja sie waren vielmehr unzertrennlich von Mir – wobei noch die Himmelskönigin dazu kam.
Gerade Sie war die göttliche Verwahrerin aller Schätze der Menschwerdung. Du siehst also, wie notwendig Mir für die Ausführung meiner Werke die Gesellschaft eines Geschöpfes ist, das sich Mir zur Verfügung stellt, um das große Gut zu erhalten, das Ich ihm geben will.
Willst du also meine zweite Mama sein? Willst du das große Gut der Erneuerung meiner Menschwerdung empfangen, als Ausstattung (Mitgift) des Reiches meines Göttlichen Fiat?
Auf diese Weise werde Ich zwei Mütter haben: die erste ließ Mich das Reich der Erlösung errichten; die zweite wird Mich das Reich meines Göttlichen Willens aufbauen lassen.”
Da legte Er seine kleinen Händchen auf mein Gesicht und sprach unter Liebkosungen zu mir: „Meine Mama! Meine Mama! Die mütterliche Liebe übertrifft alle Arten der Liebe; so wirst du Mich mit der unübertrefflichen Liebe einer Mutter lieben.”
Danach schwieg Er und wollte in meinen Armen gewiegt werden. Dann fügte Er hinzu: „Meine Tochter, jetzt sollst du wissen, wohin Mich das Übermaß meiner Liebe führte. Als Ich vom Himmel auf die Erde herabstieg, führte sie Mich in ein ganz enges und dunkles Gefängnis, welches der Schoß meiner Mama war.
Doch meine Liebe war noch nicht befriedigt: in eben diesem Kerker errichtete sie Mir ein weiteres Gefängnis, welches meine Menschheit war, die meine Gottheit einkerkerte. Das erste Gefängnis dauerte neun Monate für Mich, das zweite Gefängnis meiner Menschheit gut dreiunddreißig Jahre.
Doch meine Liebe blieb nicht stehen; am Ende des Kerkers meiner Menschheit bildete sie für Mich das Gefängnis der Eucharistie, den kleinsten Kerker – eine kleine Hostie, in die sie Mich mit Menschheit und Gottheit einkerkerte.
Ich musste Mich damit zufriedengeben, dort wie tot zu sein, ohne einen Atemzug, eine Bewegung, einen Herzschlag vernehmen zu lassen – und das nicht nur wenige Jahre lang, sondern bis zur Vollendung der Jahrhunderte.
So schritt Ich von Kerker zu Kerker – sie sind unzertrennlich von Mir, und Ich kann daher der Göttliche Häftling, der Himmlische Gefangene genannt werden. In den ersten zwei Kerkern ließ Ich durch die Intensität meiner Liebe das Reich der Erlösung heranreifen.
Im dritten Kerker der Eucharistie bringe Ich das Reich meines Göttlichen Fiat zur Reifung. Deswegen also berief Ich dich in das Gefängnis deines Bettes, damit Wir, die beiden Gefangenen, in unserer Einsamkeit zusammengewachsen, gemeinsam die Wohltat des Reiches meines Willens heranreifen lassen.
Wenn Ich für die Erlösung eine Mutter brauchte, so brauche Ich auch eine Mutter für das Reich meines Fiat. Meine fordernde Liebe wollte diese Mutter als Gefangene, um sie zu meiner Verfügung zu haben.
Deshalb werde Ich dein Gefangener sein, nicht nur in der kleinen Hostie, sondern auch in deinem Herzen. Und du wirst meine teure Gefangene sein, die ganz darauf bedacht ist, Mich anzuhören und die Einsamkeit meiner langen Gefangenschaft zu beenden.
Obwohl Wir Gefangene sind, werden Wir glücklich sein, weil Wir das Reich des Göttlichen Willens zur Reifung bringen werden, um es den Geschöpfen zu geben.” (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 27; 22. Dezember 1929)


