15. Sonntag im Jahreskreis – C – (Lk 10,25-37)
25Da stand ein Gesetzeslehrer auf, und um Jesus auf die Probe zu stellen, fragte er ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? 26Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz? Was liest du dort?
27Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst. 28Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach, und du wirst leben.
29Der Gesetzeslehrer wollte seine Frage rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? 30Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halbtot liegen.
31Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter. 32Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter.
33Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid, 34ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn.
35Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme. 36Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde?
37Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso!
„Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst“ (Lk 10,27)
Nachdem Er mich einige Zeit hatte warten lassen, kam mein anbetungswürdiger Jesus diesen Morgen und sagte mir: „Meine Tochter, diesen Morgen will Ich dich vollkommen Mir gleichförmig machen. Ich wünsche, dass du mit meinem eigenen Geist denkst, mit meinen eigenen Augen schaust, mit meinen eigenen Ohren hörst, mit meiner eigenen Zunge sprichst, mit meinen eigenen Händen arbeitest, mit meinen eigenen Füßen gehst und mit meinem eigenen Herzen liebst.“
Danach vereinigte Jesus seine oben erwähnten Sinne[sorgane] mit den meinen, und ich sah, dass Er mir seine eigene Gestalt gab; nicht nur das, sondern Er verlieh mir die Gnade, davon Gebrauch zu machen, wie Er Selbst es tat. Dann fuhr Er fort: „Große Gnaden gieße Ich in dich, Ich empfehle dir, sie gut zu bewahren.“
Und ich: „Ich fürchte sehr, o mein geliebter Jesus, da ich mich selbst als voller Elend erkenne, dass ich, anstatt Gutes zu tun, schlechten Gebrauch von deinen Gnaden machen könnte. Doch was ich am meisten fürchte, ist meine Zunge, die mich oft in der Liebe gegen meinen Nächsten ausgleiten lässt.“
Und Jesus: „Fürchte dich nicht, Ich Selbst werde dich die Art lehren, wie du mit deinem Nächsten sprechen musst. Wenn dir etwas über deinen Nächsten gesagt wird, wirf zuerst einen Blick auf dich selbst und prüfe, ob du desselben Fehlers schuldig bist, und wenn dem so ist und du ihn dann korrigieren möchtest, machst du Mich ungehalten und erregst Anstoß bei deinem Nächsten.
Zweitens, wenn du dich selbst frei von diesem Fehler erkennst, erhebe dich und versuche zu sprechen, wie Ich es getan hätte; so wirst du mit meiner eigenen Zunge sprechen.
Wenn du so tust, wirst du nie in der Liebe zum Nächsten fehlen, sondern mit deinen Worten dir selbst und deinem Nächsten Gutes tun und Mir Ehre und Verherrlichung erweisen.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 2; 12. August 1899)
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Als Er weiterhin nicht kam, versuchte ich, mich der Betrachtung des Geheimnisses der Geißelung zu widmen. Während ich dies tat, sah ich den gebenedeiten Jesus nur kurz, ganz verwundet und blutüberströmt, und Er sagte mir:
„Meine Tochter, die Himmel und die ganze Schöpfung verweisen auf die Liebe Gottes; mein verwundeter Leib macht dich auf die Liebe zum Nächsten aufmerksam; so sehr ist meine Menschheit mit der Gottheit vereinigt, dass Ich aus zwei Naturen eine einzige Person gebildet habe, und die zwei Naturen so in Mir unzertrennlich gemacht habe, denn Ich habe nicht nur die göttliche Gerechtigkeit zufriedengestellt, sondern wirkte auch die Erlösung der Menschen.
Und damit jeder diese Verpflichtung, Gott und seinen Nächsten zu lieben, annehme, machte Ich nicht nur eine einzige daraus, sondern sogar eine göttliche Vorschrift. So sind meine Wunden und mein Blut so viele Zungen, die jeden lehren, wie man einander lieben soll, und dass alle die Pflicht haben, sich um das Heil der anderen zu kümmern.“
Danach nahm Er ein betrübteres Aussehen an und fügte hinzu: „Welch unbarmherziger Tyrann ist die Liebe für Mich, da Ich nicht nur den Lauf meines sterb-lichen Lebens in ständigen Opfern verbrachte, bis Ich ausgeblutet an einem Kreuz starb, sondern Ich hinterließ Mich selbst als immerwährendes Opfer im Sakrament der Eucharistie.
Und nicht nur das, sondern Ich halte alle meine bevorzugten Glieder als lebendige Opfer in beständigen Leiden mit der Rettung der Menschen beschäftigt; so wie Ich dich unter vielen erwählte, um dich aus Liebe zu Mir und den Menschen geopfert zu halten.
Ach, ja! Mein Herz findet keine Atempause noch Ruhe, wenn Es nicht den Menschen findet! Und der Mensch, wie vergilt er es Mir? Mit überaus großem Undank!“ Nach diesen Worten verschwand Er. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 3; 18. Juni 1900)
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Als ich in meinem gewöhnlichen Zustand war, betete ich für bestimmte Bedürfnisse anderer; der gebenedeite Jesus regte sich in meinem Inneren und fragte mich:
„Aus welchem Grund betest du für diese Leute?“
Ich erwiderte: „Herr, und Du, mit welcher Absicht hast Du uns geliebt?“
Er antwortete: „Ich liebe euch, da ihr meine eigene Sache seid, und wenn jemandem ein Gegenstand gehört, fühlt er sich angetrieben, ihn zu lieben – es ist wie eine Notwendigkeit.“
Ich sagte: „Herr, ich bete für diese Menschen, da sie dein Eigentum sind, sonst hätte mich das nicht interessiert.“ Er legte seine Hand auf meine Stirn und drückte sie beinahe, dann fügte Er hinzu:
„Ach, so ist es also, weil sie Mir gehören? Dann ist die Nächstenliebe in Ordnung.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 6; 8. November 1903)
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Ich war wegen des Verlustes meines guten Jesus sehr traurig und leidend; da sah ich Ihn nur kurz, und Er sagte zu mir: „Meine Tochter, deine Seele muss trachten, den Flug eines Adlers beizubehalten, d.h., hoch oben zu leben, über all den niederen Dingen dieser Erde, und so hoch, dass kein Feind ihr schaden kann.
Denn wer hoch oben lebt, kann den Feinden schaden, doch ihm selbst kann kein Schaden zugefügt werden. Und die Seele muss nicht nur hoch oben leben, sondern auch trachten, die Reinheit und Schärfe eines Adlerblickes zu besitzen. Obwohl sie in der Höhe lebt, dringt ihr scharfer Blick in die Göttlichen Dinge ein – nicht im Vorübergehen, sondern sie kaut sie solange, bis sie ihre bevorzugte Nahrung daraus macht, und verachtet alles andere.
Ebenso dringt sie auch in die Bedürfnisse ihrer Nächsten ein und fürchtet sich nicht, in ihre Mitte hinabzusteigen und ihnen Gutes zu tun, und wenn nötig, gibt sie ihr Leben hin. Durch die Reinheit ihres Blickes macht sie aus der Liebe zu Gott und zum Nächsten eine einzige, indem sie alles für Gott richtigstellt.
So muss die Seele sein, wenn sie Mir gefallen will.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 6; 4. März 1904)
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Weiterhin in meiner Betrübnis sagte ich zu mir: ‚Ich erkenne mich nicht mehr, mein süßes Leben, wo bist Du? Was sollte ich tun, um Dich wiederzufinden? Ohne Dich, meine Liebe, finde ich nicht die Schönheit, die mich schmückt, die Stärke, die mich stärkt, das Leben, das mich belebt, mir fehlt alles.
Alles ist Tod für mich, und das Leben selbst ohne Dich ist qualvoller als jeglicher Tod. Ach, es bedeutet ständiges Sterben. Komm, o Jesus, ich kann nicht mehr! O höchstes Licht, komm, lass mich nicht mehr warten. Du lässt mich die Berührungen deiner Hände fühlen, doch wenn ich versuche, Dich zu fassen, entfliehst Du mir.
Du lässt mich deinen Schatten sehen, und während ich in diesem Schatten die Majestät und Schönheit meiner Sonne Jesus anzusehen versuche, verliere ich Schatten und Sonne.
O bitte, hab Mitleid! Mein Herz ist gequält und in Stücke gerissen, ich kann nicht mehr leben. Ach, könnte ich wenigstens sterben!’ Während ich das sagte, kam mein stets liebenswürdiger Jesus kurz und sagte zu mir: „Meine Tochter, Ich bin hier, in dir. Wenn du dich selbst erkennen willst, komm in Mich, und in Mir wirst du dich erkennen.
Wenn du in Mich kommst, um dich zu erkennen, wirst du dich in die Ordnung stellen, denn in Mir wirst du dein Bild finden, von Mir gemacht und Mir ähnlich, du wirst alles finden, was nötig ist, dieses Bild zu bewahren und zu verschönern, und wenn du kommst, dich in Mir zu erkennen, wirst du auch den Nächsten in Mir erkennen, und da du siehst, wie Ich dich liebe und wie Ich den Nächsten liebe, wirst du zum Grad der wahren göttlichen Liebe aufsteigen, und alle Dinge, innerhalb und außerhalb von dir, werden die wahre Ordnung einnehmen, welche die göttliche Ordnung ist.
Wenn du dich aber innerhalb deiner selbst erkennen willst, wirst du dich erstens nicht wahrhaft erkennen, da dir das göttliche Licht fehlt, und zweitens wirst du alle Dinge in Unordnung und gegeneinander stoßend finden: die Armseligkeit, die Schwäche, die Finsternisse, die Leidenschaften und alles Übrige.
Es wird die Unordnung sein, die du innerhalb und außerhalb von dir findest, denn diese Dinge werden nicht nur Krieg gegen dich führen, sondern auch untereinander, um zu sehen, was dich am meisten verletzen kann; und stelle dir selbst vor, in welche Ordnung sie dich mit dem Nächsten versetzen werden.
Und Ich will nicht nur, dass du dich in Mir erkennst, sondern wenn du dich an dich erinnern willst, musst du kommen, um es in Mir zu tun, sonst, wenn du dich ohne Mich an dich erinnern willst, wirst du mehr Schlechtes als Gutes tun.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 11; 2. November 1912)
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… Jesus wird dem Hohenpriester Hannas vorgestellt und von ihm über seine Lehre und seine Jünger ausgefragt. Um den Vater zu verherrlichen, gibt er Antwort über seine Lehre, aber nicht über seine Jünger, um nicht gegen die Liebe zu verstoßen. Sind wir unerschrocken und mutig, wenn es sich darum handelt, den Herrn zu verherrlichen, oder lassen wir uns von der Menschenfurcht besiegen?
Immer sollen wir die Wahrheit sagen, auch vor Personen von hohem Rang. Suchen wir in unseren Reden immer die Ehre Gottes? Ertragen wir alles mit Geduld wie Jesus, um den Herrn zu verherrlichen? Vermeiden wir es, vom Nächsten schlecht zu sprechen, und entschuldigen wir ihn, wenn andere so über ihn reden?
Jesus bewacht unser Herz. Bewachen auch wir das Herz Jesu, auf dass ihm keine Beleidigung zuteilwird, die wir nicht sühnen? Bewachen wir uns selbst in allem so, dass jeder unserer Gedanken, jeder Blick, jedes Wort, jede Neigung, jede Begierde, jeder Schlag unseres Herzens ebenso viele Wächter um Jesus bildet, die sein Herz behüten und alle Beleidigungen von ihm abwehren?
Beten wir darum zu Jesus, dass er über jede unserer Handlungen und über unser eigenes Herz wache… (aus „Die Stundenuhr der Passion Jesu Christi“ nach den Schriften der Dienerin Gottes Luisa Piccarreta; Stunde von 2 bis 3 Uhr: Jesus von Hannas verhört, beschimpft und ins Angesicht geschlagen)
„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst“ (Lk 10, 27)
„Was bewegt dich, meine Tochter, Mich zu bitten, die Geschöpfe nicht zu züchtigen?“
Sofort antwortete ich: „Weil sie deine Abbilder sind, und wenn die Geschöpfe leiden müssen, würdest Du selber leiden.“ Und Jesus sagte seufzend zu mir: „Die Nächstenliebe ist mir so teuer, dass du es nicht begreifen kannst.
Die Liebe ist einfach wie mein Wesen, das, obwohl unermesslich, doch höchst einfach ist, sodass es keinen Ort gibt, wo sie nicht eindringt. So verbreitet sich die Nächstenliebe, einfach wie sie ist, überall; sie achtet nicht darauf, ob einer Freund oder Feind, Bürger oder Fremder ist, sie liebt alle.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 2; 18. März 1899)
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Als ich in meinem gewöhnlichen Zustand war, kam der gebenedeite Jesus nur kurz und sagte zu mir: „Meine Tochter, die wahre Nächstenliebe besteht darin, seinem Nächsten Gutes zu tun, und zwar deshalb, weil er mein Abbild ist. Jede Nächstenliebe, die dieses Umfeld verlässt, kann nicht Nächstenliebe genannt werden.
Wenn die Seele das Verdienst der Nächstenliebe erstrebt, darf sie niemals aus diesem Milieu heraustreten, in allem auf mein Abbild zu blicken. So wahr ist es, dass darin die wahre Nächstenliebe besteht, dass auch meine eigene Nächstenliebe sich nie aus dieser Sphäre hinausbewegt.
Ich liebe das Geschöpf insofern, als es mein Abbild ist, und wenn es dieses mein Abbild durch die Sünde entstellt, ist Mir nicht mehr danach, es zu lieben, sondern Ich verabscheue es.
Ich erhalte die Pflanzen und Tiere nur insoweit, als sie meinen Abbildern dienen; Und das Geschöpf muss sich ganz nach dem Beispiel seines Schöpfers umändern (formen).“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 6; 8. September 1905)
„Ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn. Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme“ (Lk 10, 34+35)
Der Mensch lebte in Ketten, als Sklave des Teufels, verdammt zum ewigen Tod, ohne Hoffnung, wieder zum ewigen Leben aufleben zu können. Alles war verloren und seine Bestimmung zugrunde gegangen.
Diese Mutter lebte im Himmel, vereint mit dem Vater und dem Heiligen Geist, selig und glücklich mit Ihnen; doch es schien, dass sie nicht zufrieden war – sie wollte ihre Kinder um sich, ihre teuren Abbilder, das schönste Werk ihrer Hände.
Während sie nun im Himmel war, waren ihre Augen auf den Menschen gerichtet, der auf Erden verloren war. Sie ist ganz damit beschäftigt, wie sie diese ihre geliebten Kinder retten könne, und da sie sieht, dass diese Kinder die Gottheit auf keine Weise zufrieden stellen können, selbst nicht um den Preis jedes beliebigen Opfers, weil sie Ihr gegenüber in großem Maße unterlegen sind, was tut diese mitleidsvolle Mutter da?
Sie sieht, dass es kein anderes Mittel zur Rettung dieser Kinder gibt, als ihr eigenes Leben zu geben, um das ihre zu retten, und ihr Leid und Elend auf sich zu nehmen und alles zu tun, was sie für sich selbst tun sollten.
Was gedenkt sie zu tun? Diese liebende Mutter stellt sich vor die göttliche Gerechtigkeit mit Tränen in ihren Augen, mit den zartesten Stimmen, mit den machtvollsten Begründungen, die ihr großmütiges Herz ihr diktiert und spricht: „Ich bitte um Gnade für meine verlorenen Kinder, Ich habe nicht das Herz, sie von Mir getrennt zu sehen.
Ich will sie um jeden Preis retten, und obwohl Ich keinen anderen Weg sehe, als mein Leben hinzugeben, will Ich es tun, wenn sie dafür nur das ihre wieder erlangen können.
Was willst Du von ihnen? Wiedergutmachung? Ich werde für sie Ersatz leisten. Verherrlichung, Ehre? Ich verherrliche und ehre Dich für sie. Danksagung? Ich danke Dir für sie. Alles, was Du von ihnen willst, gebe Ich Dir für sie, wenn Ich sie nur bei Mir haben darf, damit sie [mit Mir] herrschen.“
Die Gottheit ist bewegt, als Sie die Tränen und die Liebe dieser mitleidsvollen Mutter sieht, und von ihren starken Argumenten überzeugt, fühlt Sie sich angezogen, diese Kinder zu lieben.
Die Göttlichen Personen weinen gemeinsam über ihr Unglück und beschließen übereinstimmend, dass sie das Opfer des Lebens dieser Mutter annehmen, und voll befriedigt werden, um diese Kinder wieder zu gewinnen.
Kaum ist das Dekret unterzeichnet, steigt sie sofort vom Himmel herab und kommt auf die Erde, legt ihre königlichen Gewänder ab, die sie im Himmel hatte, kleidet sich mit den menschlichen Armseligkeiten, als wäre sie der elendste Sklave und lebt in der äußersten Armut und inmitten unerhörtesten Leiden, unter Schmähungen, die der menschlichen Natur höchst unerträglich sind.
Sie tut nichts anderes als zu weinen und für ihre geliebten Kinder einzutreten. Doch was am meisten bei dieser Mutter und diesen Kinder verwundert, ist dies: während sie diese Kinder so sehr liebt, tun jene das Gegenteil, anstatt diese Mutter mit offenen Armen zu empfangen, die zu ihrer Rettung gekommen ist.
Niemand will sie aufnehmen oder anerkennen, sondern sie lassen sie umherwandern, verachten sie und beginnen Pläne zu schmieden, wie sie diese so zar-te Mutter töten könnten, die sie so leidenschaftlich liebt.
Was wird jene zärtliche Mutter tun, wenn sie diese so geringe Entsprechung ihrer undankbaren Kinder sieht? Wird sie aufhören? Ach, nein! Im Gegenteil, sie entbrennt noch mehr in Liebe zu ihnen und läuft von einem Ort zum anderen, um sie in ihrem Schoß zu vereinen!
O, wie plagt und bemüht sie sich, dass sie sogar Blut schwitzt, nicht nur Wasser! Sie erlaubt sich keinen Augenblick Ruhe, sie ist stets dabei, ihre Erlösung zu bewirken, sie sorgt für all ihre Bedürfnisse, sie schafft Abhilfe für all ihre Übel, die vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen; kurz, es gibt nichts, das sie nicht zu ihrem Wohl ordnet und verfügt.
Doch was tun diese Kinder? Haben sie etwa ihren Undank bereut, mit dem sie sie aufnahmen? Haben sie ihr Denken zugunsten dieser Mutter geändert? Ach nein! Sie blicken sie böse an, entehren sie mit gemeinsten Verleumdungen, bereiten ihr Schande, Schmähungen und Beschämung, schlagen sie mit allen Arten von Geißeln, machen aus ihr eine einzige Wunde, und lassen sie schließlich den schändlichsten Tod sterben, den es geben kann, inmitten grausamer Krämpfe und Schmerzen.
Doch was tut diese Mutter inmitten so vieler Leiden? Wird sie vielleicht diese so liederlichen und arroganten Kinder hassen? Ach, nein – nie! Dann liebt sie sie noch leidenschaftlicher denn je, und bietet ihre Leiden für ihre Erlösung an, und tut ihren letzten Atemzug mit einem Wort des Friedens und der Vergebung.
O, meine schöne Mutter! O teure Hoffnung, wie liebenswürdig bist du in dir selbst – ich liebe dich! Halte mich immer auf deinem Schoß, und ich werde die Glücklichste auf der Welt sein!
Während ich entschlossen bin, meine Rede über die Hoffnung zu beenden, ertönt eine Stimme von überallher um mich herum und sagt: „Die Hoffnung enthält alle Güter, sowohl gegenwärtige als auch zukünftige, und jemand, der auf ihrem Schoß lebt und auf ihre Knie erhoben ist, erhält alles, was immer er will.
Was möchte die Seele? Verherrlichung, Ehre? Die Hoffnung wird ihr die ganze Ehre und größte Glorie auf Erden bei allen Menschen verleihen, und im Himmel wird sie sie ewig verherrlichen. Möchte sie vielleicht Reichtümer?
O! Diese Mutter, die Hoffnung, ist äußerst reich, und was noch mehr ist, indem sie ihren Kindern diese Güter gibt, nehmen ihre Reichtümer nicht im geringsten ab. Zudem sind diese Reichtümer nicht flüchtig und vergänglich, sondern ewig.
Will sie Vergnügen, Befriedigungen? Ach, ja! Diese Hoffnung enthält alle möglichen Freuden und Geschmäcker in sich, die es im Himmel und auf Erden geben kann, sodass ihr niemand je gleichen können wird; und eine Seele, die sich an ihrer Brust nährt, kostet [die Reichtümer] bis zur Sättigung, und wie glücklich und zufrieden ist sie!
Möchte sie gelehrt und weise sein? Diese Mutter Hoffnung enthält die erhabensten Wissenschaften in sich, sie ist die Lehrerin aller Lehrer, und jemand, der sich von ihr belehren lässt, erwirbt die Wissenschaft wahrer Heiligkeit.“
Mit einem Wort, die Hoffnung versorgt uns mit allem; wenn jemand schwach ist, verleiht sie ihm Stärke; wenn jemand befleckt ist, hat die Hoffnung die Sakramente eingesetzt und in ihnen das Bad für seine Sünden bereitet.
Wenn jemand hungrig oder durstig ist, gibt uns diese mitleidsvolle Mutter die schönste und köstlichste Speise, welche aus ihrem wohlschmeckendsten Fleisch besteht, und als Trank ihr kostbarstes Blut. Was kann diese friedenstiftende Mutter der Hoffnung noch mehr tun?
Und wer anderer kommt ihr je gleich? Ach, sie allein hat Himmel und Erde versöhnt, die Hoffnung hat Glaube und Liebe mit sich vereint und jenen unauflöslichen Ring zwischen menschlicher und Göttlicher Natur gebildet. Doch wer ist diese Mutter?
Wer ist diese Hoffnung? Es ist Jesus Christus, der unsere Erlösung wirkte und die Hoffnung des verirrten Menschen darstellt.).“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 2; 14. Oktober 1899)



