„Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land, und es ging ihm sehr schlecht“ (Lk 15, 14)

Ich versenkte mich nach meiner Gewohnheit im heiligen Willen Gottes, und als sich vor meinem Geist dieser unermesslich große leere Raum des Höchsten Heiligsten Willens auftat, überlegte ich: „Wie kann es je sein, dass dieser freie Raum mit der Erwiderung menschlicher Akte angefüllt wird, die in diesem anbetungswürdigen Göttlichen Willen getan wurden? Dazu müssten alle Schranken (Hindernisse) des menschlichen Willens entfernt werden, die den Eintritt in diese ewige und himmlische Sphäre des höchsten Willens verhindern, in der Gott diese Akte anscheinend erwartet, damit der Mensch zu seinem Ursprung zurückkehre, in die Ordnung der Schöpfung und in jene ersten Schritte und Pfade, wo er seinen Anfang hatte.
Und doch sieht man in der Welt nichts Neues, das gut wäre: die Sünden sind so, wie sie waren, vielmehr wird es noch schlimmer; und wenn man von manchen religiösen Erweckung[sbewegung]en hört, von lauteren Werken katholischer Kreise, so scheinen einige bloß überdeckt (kaschiert) von diesem Guten, andere tragen den Anschein des Guten – doch tief drinnen, in der Substanz, sind Laster und Leidenschaften vorhanden, die noch mehr als früher zu beweinen sind. Und in Gott betrachtet, o, wie widersprechen sie dem reinsten ewigen Göttlichen Willen! Wie könnte der Mensch also wie mit einem einzigen Schlag alle Laster ertöten und allen Tugenden das Leben geben, was erforderlich wäre, um in dieser Sphäre des höchsten Willens zu leben? Denn beim Leben im Göttlichen Willen gibt es keine Kompromisse oder ein zwischen Tugenden und Lastern gespaltenes Leben, sondern man muss alles opfern, um alles in den Willen Gottes umzuwandeln. Der menschliche Wille und das [rein] menschliche darf kein Leben mehr haben, sondern dürfen nur existieren, damit sich der Wille Gottes in ihnen erfülle und Gott sein Leben in uns entfalten kann.“ Während ich nun über dies und ähnliches nachdachte, unterbrach der süße Jesus meine Gedanken und sagte zu mir:
„Und doch wird es so sein, meine Tochter. Dieser unermessliche leere Raum meines Willens wird von den Akten der Menschen angefüllt werden, die in meinem Willen verrichtet werden. Der Göttliche Wille ist aus dem ewigen Schoß des Höchsten Wesens zum Wohle des Menschen hervorgegangen. Dieser unser Wille trat in einem einzigen Akt aus Uns hervor, um den Menschen so sehr zu überwältigen, dass er keinen Ausweg mehr finde. Dann vervielfältigte Er sich in so viele unzählige Akte, um ihn zu umgeben und ihm zu sagen: „Siehst du, dieser mein Wille hüllt dich nicht nur ein, sondern ist dauernd damit beschäftigt, unmittelbare Akte auszuführen, um sich selbst bekannt zu machen und als Erwiderung deinen Akt in meinem Willen zu empfangen.“ Alle Dinge haben ihre Entsprechung (Antwort, Erwiderung), sonst könnte man sie nutzlose und wertlose Werke nennen.
Der vom Sämann in die Erde gesäte Same erfordert eine Antwort: dass nämlich der Same weitere Samen hervorbringt, zehnfach, zwanzigfach, dreißigfach. Der vom Landmann gepflanzte Baum reagiert durch Hervorbringung und Vermehrung seiner Früchte. Das aus der Quelle geschöpfte Wasser antwortet, indem es den Durst löscht, und jenen wäscht und reinigt, der es geschöpft hat; das entzündete Feuer erwidert mit der Glut und seinem Dienst an der Menschheit. So besitzen alle anderen – vom [Schöpfer-]Gott mit seiner generativen Kraft geschaffenen Dinge – die Kraft der Neubildung (Regeneration), sie vervielfältigen sich und bringen ihren Austausch hervor (reagieren entsprechend).
Sollte nun einzig dieser unser Wille, Der mit so viel Liebe, so vielen Offenbarungen und so vielen kontinuierlichen Akten aus Uns hervorging, ohne jene Entsprechung bleiben, dass andere menschliche Willen in Göttliche [Willen] neugebildet (regeneriert) würden? Der Same schenkt den nächsten Samen: die Frucht bringt die nächste Frucht hervor, der Mensch zeugt einen anderen Menschen, der Meister bildet den nächsten Meister… – nur unser Wille sollte – wie machtvoll Er auch sei – einsam, isoliert bleiben, ohne Entsprechung, und ohne sich im menschlichen Willen generieren und vermehren zu können? Ach nein! Dies ist unmöglich, unser Wille wird seine Entsprechung finden und seine Göttliche Generation im menschlichen Willen haben, umso mehr, da dies unser primärer Akt war, wofür alle Dinge erschaffen wurden, d.h., dass unser Wille den menschlichen Willen umwandelt und in den Göttlichen Willen neubildet (regeneriert).
Ein Wille ist aus Uns hervorgegangen, einen Willen wollen wir. Alle anderen Dinge wurden in sekundärer Ordnung geschaffen, während dies in der primären Ordnung der Schöpfung getan und festgesetzt wurde. Es könnte höchstens einige Zeit [bis zu seiner Verwirklichung] dauern, aber die Jahrhunderte werden nicht enden, bevor mein Wille nicht sein Ziel erlangt. Wenn mein Wille den Zweck der Regeneration in Zweitrangigem erlangte – so umso mehr in der primären Bestimmung. Niemals wäre unser Wille aus unserem Schoß hervorgetreten mit dem Wissen, nicht seine vollständigen Wirkungen erreichen zu können, dass nämlich der menschliche Wille im Göttlichen regeneriert (neu gebildet) wird.
Meinst du, dass die Dinge immer so bleiben wie sie heute sind? Ach, nein! Mein Wille wird alles überwältigen (fortreißen), Er wird überall Chaos anrichten, es wird alles drunter und drüber gehen und viele neue Phänomene werden auftreten, um den Stolz des Menschen zu demütigen; den Menschen werden weder Kriege, Revolutionen, noch Todesopfer (Sterblichkeit) aus vielerlei Gründen erspart bleiben, damit sie in die Knie gehen und bereit werden für die Regeneration (Neubildung, Wiederherstellung) des Göttlichen Willens im menschlichen. Und alles, was Ich dir über meinen Willen offenbare und alles, was du in Ihm tust, ist nichts anderes als die Bereitung des Weges, der Mittel, der Lehren, des Lichtes, der Gnaden, damit mein Wille im menschlichen Willen neugebildet werde.
Würde dies nicht eintreten, so hätte Ich dir nicht so viel mitgeteilt, noch dich so lange Zeit in einem Bett geopfert, um in dir die Fundamente der Wiederherstellung meines Willens in dem deinen zu legen, und dich deshalb ständig meinen Willen ausüben (vollziehen) zu lassen…. Hältst du es für unbedeutend, dass Ich ständig in dir bleibe, dir die Worte meines Gebetes eingebe und dich meine Leiden fühlen lasse, die gemeinsam mit Mir einen ganz anderen Stellenwert, andere Wirkungen und eine andere Macht erlangen?

Ich könnte sagen, dass Ich gleichsam die erste Statue forme – die erste Seele der Neuschaffung meines Willens in ihr; danach wird die Herstellung von Faksimiles (Kopien) leichter gelingen. Deshalb rate Ich dir stets, aufmerksam zu sein, denn es steht allzu viel am Spiel – es geht um das Wichtigste im Himmel und auf Erden: es geht darum, die Rechte unseres Willens sicherzustellen, den Zweck der Schöpfung sowie die ganze Glorie für Uns wiederherzustellen, wofür alle Dinge erschaffen wurden, und darum, dass Wir nun alle Gnaden ausgießen, die unser Wille den Menschen zu geben beschlossen hatte, wenn sie in allem unseren Willen erfüllt hätten.” (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 17; 18. Juni 1925)

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Ich setze meine gewohnte Hingabe an das Göttliche FIAT fort. Während ich seinen Akten folgte, sah ich eine Menge Leute, die alle von kleiner Gestalt waren – schlecht ernährt, kränklich, rachitisch und einige mit Wunden. In dieser Menge konnte man weder kindliche Frische, noch die Schönheit jugendlichen Alters, noch die Würde des reifen Menschen entdecken. Sie erschienen wie eine Ansammlung von Leuten ohne Ordnung, nicht gut genährt, ausgehungert, und wenn sie aßen, wurden sie nie satt. Wie viel Mitleid erregte diese große Menge, welche fast die ganze Welt zu sein schien! Ich wusste nicht, wer sie waren, noch die Bedeutung ihres Wesens – dass niemand von ihnen zur rechten Statur herangewachsen war. Da trat mein geliebter Jesus seufzend aus meinem Inneren heraus und sagte zu mir:
“Meine Tochter, welch unglückliche Menschenmenge! Diese sind nichts anderes als jene vielen, die das väterliche Erbe verlassen haben, das ihnen ihr Himmlischer Vater gegeben hat. Arme Kinder, ohne väterliches Erbe! Sie besitzen weder ihre Ländereien, wo sie sicher leben könnten, noch haben sie genug Nahrung, um sich zu ernähren, und sind genötigt, von Diebstahl und Raub und von substanzlosen Speisen zu leben. Daher ist es für sie quasi schwierig, zur rechten Gestalt heranzuwachsen, da ihre Glieder nicht kräftig genug sind, um sich zu entwickeln. So sind sie rachitisch, schwach, am Verhungern, ohne je satt zu werden. Alles, was sie zu sich nehmen, ist ihrem Wachstum nicht zuträglich, da es keine passenden und ihnen zugedachten Speisen sind, und auch nicht zu ihrem Erbe gehören.
Meine Tochter, das Erbe, das mein Himmlischer Vater diesen Menschen gegeben hatte, war mein Göttlicher Wille. In Ihm sollten sie [adäquate] Speise finden, um zur rechten Gestalt heranzuwachsen, balsamische Luft, um gesund und stark zu werden, und die ihrem Gesicht eine kindliche Frische, die Schönheit des Jugendalters und die Würde eines reifen Menschen einprägen sollte. Nichts Gutes gab es in diesem Erbe, worüber der Mensch nicht Besitzer sein sollte. Er sollte alle Güter, die er wollte, zu seiner Verfügung haben, in der Seele und im Leib. Als der Mensch das Erbe meines Göttlichen Willens verließ, fand er die Dinge nicht mehr zu seiner Verfügung und war nicht mehr Herr, sondern Diener und gezwungen, von Mühsalen zu leben. Wie kann er dann zur rechten Gestalt heranwachsen?
Deshalb erwarte Ich mit so viel Liebe die vielen, die in unserem Erbe des Göttlichen FIAT leben sollen. Dieses Erbe wird Uns schöne Menschen mit richtigen Proportionen heranbilden, schön und frisch, die sich mit nahrhaften Speisen ernähren, sodass sie stark und voll entwickelt sein werden und den ganzen Ruhm unseres schöpferischen Werkes ausmachen. Unser Kummer ist groß, wenn Wir diese unglückliche und entstellte Schar ansehen, und voll Schmerz wiederholen Wir: ‘Ach, unser Werk kam nicht schwach aus unseren Händen hervor, ohne Schönheit und Frische, sondern sein bloßer Anblick erfüllte Uns mit Liebe, ja entzückte Uns, so schön war es.’ Bei diesen Worten schwillt unsere Liebe an, möchte nach außen überfließen und unseren Göttlichen Willen auf den Weg senden, damit Er unter den Geschöpfen herrsche und unser Werk so schön und graziös wiederherstelle, wie es aus unseren Schöpferhänden hervorging.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 25; 6. Januar 1929)

„Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn“ (Lk 15, 20)

„Meine gesegnete Tochter, du musst wissen, dass unsere Liebe und der brennende Wunsch nach der Gesellschaft des Geschöpfes so groß sind, dass Wir ihm schon bei seiner Erschaffung den königlichen Platz in unserem Göttlichen Willen anweisen. Somit hat je des Geschöpf seinen Ehrenplatz in unserem Göttlichen Palast, und sein Ursprung, sein erster Akt des Lebens, sowohl in der Ewigkeit wie in der Zeit, sind in unserem Fiat. Der Mensch existierte noch nicht in der Welt, da wiesen Wir ihm schon in Liebe und sehnsüchtiger Erwartung nicht nur seinen Platz an, sondern stellten ihm unsere Liebe, Heiligkeit, Macht, Schönheit und unser Licht als Ge leit zur Verfügung. Die Kreatur, das Geschöpf, ist die edle Prinzessin, die von der Himmelshöhe herabsteigt, um die Verbannung zu durchwandern. Aber unser Wille verlässt sie nicht, sondern steigt gemeinsam mit ihr hinunter, schließt sich um sie und geht zusam men mit ihr durch das Exil. In jeden Akt, den sie tut, in die Leiden, Freuden oder diversen Begegnungen legt Er seinen primären Göttlichen Akt hinein, damit sie ihren Adel und ihren Stand als Prinzessin bewahre.
Und wenn Er sie mit all seinen Gütern angefüllt hat, sodass sie keine weiteren mehr fassen kann, nimmt Er sie wieder in die Himmelshöhen hinauf und präsentiert sie triumphierend dem ganzen Himmlischen Hof. Dies also möchte mein Göttlicher Wille mit dem Geschöpf tun – und dies vermag Er zu tun. Doch zu unserem Leidwesen müssen Wir sehen, dass die Seele, sobald sie in die Verbannung hinabsteigt, ihren königlichen Platz sowie ihren edlen Ursprung vergisst und sich dafür gerne von unserem Willen lossagen möchte, Der sie zärtlicher als eine Mutter in seinen Ar men trägt; und die Tore ihrer Sinne gebrauchend, die Wir ihr ge schenkt haben, steigt sie in die Niedrigkeit ihres menschlichen Willens hinab. Wir hatten ihr diese Tore geschenkt, damit sie wieder zu Uns aufsteige und mitten in ihrer Verbannung kleine Abstecher in den Schoß ihres Schöpfers mache. Sie jedoch benützt diese Tore, um ihre kleinen Abstecher in Armseligkeit, Schwäche und Leiden schaften zu machen, die ihr den Adel rauben. So erkennt man in der menschlichen Kreatur nicht mehr die Prinzessin vom Himmel, son dern eine Dienerin der Erde.
Trotzdem verschließen Wir unsere Türen, d.h. unsere Liebe, Vatergüte und mitleidsvolle Barmherzigkeit nicht, sondern erwarten sie weiterhin: sobald Wir sehen, dass sie die Türen [ihrer Sinne] schließt, um in unseren Willen zu kommen, gehen Wir ihr entgegen und öffnen weit unsere Tore. Obwohl Wir in ihr eine unattraktive Schönheit erblicken, die ihre königliche Kleidung zerrissen und beschmutzt hat, machen Wir ihr keinen Vorwurf, sondern fragen sie mit ganz väterlichem Erbarmen: ‚Wo bist du gewesen? Arme Tochter, wie bist du heruntergekommen! Hast du gesehen, wie schlecht es dir bekam, in der Niedrigkeit deines menschlichen Willens und getrennt von Uns zu leben? Du warst ohne Führung unterwegs, ohne Licht, Nahrung und Verteidigung. Mach es daher nicht mehr, damit du wiederhergestellt werdest und das verlorene Gut wiedergewinnst.’ Wir wissen, dass die Seele ohne unseren Göttlichen Willen nichts Gutes tun kann. Es ist, als wollte sie ohne Augen sehen, ohne Füße gehen und ohne Spei se leben. Gib daher acht und verlass nie meinen Göttlichen Willen, wenn du Kraft, Licht, Unterstützung, ja deinen Jesus selbst zu dei ner Verfügung finden möchtest.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 32; 29. April 1933)