„… Er schickte Boten vor sich her“ (Lk 9, 52)

Siehst du, in meinem Höchsten Willen sind alle inneren Akte, die meine Menschheit tat, wie in Erwartung, um als Boten herauszutreten und sich auf den Weg zu machen; diese Akte wurden für die Geschöpfe getan und wollen sich schenken und sich bekannt machen; und da sie sich nicht geben [können], fühlen sie sich wie eingekerkert und bitten und flehen, dass mein sie Wille bekanntmacht, um das Gute geben zu können, das sie enthalten. Ich befinde Mich in den Umständen einer armen Mutter, die ihr Kind für lange Zeit im Schoß behält, und da die Zeit gekommen ist, es zur Welt zu bringen, schmachtet, wenn sie es nicht gebiert, Schmerzen hat, und, um das eigene Leben unbesorgt, um jeden Preis gebären will. Die Stunden, die Tage der Verzögerung scheinen ihr Jahre und Jahrhunderte zu sein; alles hat sie getan und vorbereitet, es bleibt nichts mehr, als es zur Welt zu bringen.
So bin Ich: mehr als eine Mutter habe Ich so viele Jahrhunderte lang in Mir, mehr als eine Leibesfrucht, alle meine menschlichen Akte zurückbehalten, die Ich in der Heiligkeit des Ewigen Wollens getan habe, um sie den Geschöpfen zu geben; und wenn sie sich schenken, werden sie die menschlichen Akte des Geschöpfes zu göttlichen Akten erheben, es mit der schönsten Schönheit schmücken, mit dem Leben meines Willens leben lassen und ihm den Wert, die Wirkungen und die Güter verleihen, die mein Wille besitzt. Daher schmachte Ich mehr als eine Mutter, gräme Mich, brenne nach dieser Geburt meines Willens; die Zeit ist gekommen, es bleibt nichts anderes [zu tun], als jemanden zu finden, der die erste Geburt empfangen soll, um die anderen Geburten in weiteren Geschöpfen fortzusetzen.
Deshalb sage Ich dir, sei aufmerksam, erweitere dein Herz, um den gesamten Wert, die Wirkungen, die Kenntnis, die mein Wille enthält, aufnehmen zu können, damit Ich die erste Geburt in dich legen kann. Welche Freude wirst du Mir machen! Du wirst der Anfang meiner Glückseligkeit auf Erden sein. Der menschliche Wille, könnte Ich sagen, hat Mich mitten unter den Geschöpfen unglücklich gemacht, und mein im Geschöpf wirkender Wille wird meine Seligkeit wiederherstellen.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 14; 19. Oktober 1922)

„Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber…“ (Lk 9, 61)

Ich befinde mich in den Armen des Göttlichen Willens, doch mit einem Dorn im Herzen wegen der Beraubung meines guten Jesus. Ich warte und warte, und das bloße Warten ist das qualvollste Leiden. Die Stunden scheinen mir wie Jahrhunderte und die Tage endlos; und wenn – was nie geschehen möge – mir ein Zweifel kommt, dass mein teures Leben, mein süßer Jesus, nicht mehr kommen wird, o, dann weiß ich nicht, was mit mir passiert! Ich will mich meiner selbst entledigen, selbst vom Göttlichen Willen, der mich auf dieser Erde gefangen hält, und mich mit raschem Flug zum Himmel erheben. Doch nicht einmal das ist mir gegeben, da seine Ketten so stark sind, dass sie nicht brechen können: ich fühle mich noch mehr gefesselt, sodass ich kaum daran denken kann und alles mit einer noch stärkeren Hingabe an das Höchste Fiat beschließe.
Als ich so schmachtete und nicht mehr konnte, kehrte mein stets liebenswürdiger Jesus zu seiner kleinen Tochter zurück und zeigte sich mit einer Wunde im Herzen, aus der sich Blut und Flammen ergossen, als wollte Er alle Seelen mit seinem Blut bedecken und in seiner Liebe verbrennen. Dann sagte Er ganz gütig zu mir:
„Mut, meine Tochter! Dein Jesus leidet auch und die Leiden, die Mich am meisten schmerzen, sind die inneren Leiden, die Mich Blut und Flammen verströmen lassen. Doch mein größtes Leiden ist das ständige Warten. Meine Blicke sind stets auf die Seelen gerichtet, und wenn Ich eine Seele in Sünde gefallen sehe, warte Ich ständig auf ihre Rückkehr zu meinem Herzen, um ihr zu vergeben. Wenn Ich sie nicht kommen sehe, warte Ich mit der Vergebung in meinen Händen. Dieses Warten lässt mein Leiden wiederaufleben und stellt für Mich eine solche Qual dar, dass Blut und Flammen aus meinem durchbohrten Herzen hervor strömen. Die Stunden und Tage, die Ich warte, scheinen Mir wie Jahre zu sein. O, wie hart ist dieses Warten für Mich!
Gehen Wir weiter: Meine Liebe liebt den Menschen so sehr, dass Ich, wenn Ich ihn ins Dasein rufe, die Zahl der Akte festlege, die er aus Liebe zu Mir tun, wie viele Gebete und gute Werke er verrichten soll; und dies deshalb, um ihm das Recht zu geben, dass Ich ihn stets liebe und ihm die Gnaden und Hilfen zum Gutes tun gewähren möge. Doch die Menschen bedienen sich ihrer, um Mich leidvoll warten zu lassen. O, wie lange warte Ich von einem Liebesakt zum nächsten, wenn sie Mir überhaupt einen [Liebesakt] schenken! Wie behäbig sind sie im Tun des Guten, im Gebet, wenn sie es überhaupt tun! Ich warte immer wieder darauf; Ich fühle meine ruhelose Liebe, die Mich sehnsüchtig schmachten lässt, und die für Mich ein so großes innerliches Leiden darstellt, dass Ich, wenn Ich dem Tod unterworfen wäre, ebenso oft gestorben wäre, wie Ich von den Seelen nicht geliebt werde.
Dann ist da das lange Warten im Sakrament meiner Liebe. Ich erwarte alle und zähle sogar die Minuten [,bis sie kommen], aber leider warte Ich auf viele von ihnen vergebens. Andere kommen mit eisiger Kälte, die Mir das größte und härteste Martyriums meines Wartens bereiten. Wenige sind jene, wo Wir Uns gegenseitig erwarten: nur in diesen fühle Ich Mich erquickt, wie heimgekehrt in ihre Herzen, wo Ich meine Liebe ausgieße und eine Linderung für das harte Martyrium meines ständigen Wartens finde. Manchen scheint dieses Leiden nichts zu sein, dabei ist es das Höchstmaß und stellt das härteste Martyrium dar. Du kannst es selbst beschreiben, wie viel es dich kostet, auf Mich zu warten, sodass du, wenn Ich dem nicht ein Ende bereiten und dich unterstützen würde, nicht fähig gewesen wärest, es auszuhalten.
Und dann gibt es eine weitere, noch leidvollere Erwartung: die Sehnsucht, der brennende Wunsch, das lange Warten auf das Reich meines Göttlichen Willens. Seit etwa sechstausend Jahren warte Ich auf die Rückkehr des Menschen in dieses Reich. Ich liebe ihn so sehr, dass Ich wünsche und danach verlange, ihn glücklich zu sehen, doch dazu müssen Wir mit einem einzigen Willen leben: so ist jeder, meinem Willen entgegengesetzte Akt ein Nagel, der Mich durchbohrt. Doch weißt du, warum? Weil es den Menschen unglücklicher und Mir unähnlicher macht; und wenn Ich Mich selbst im unermesslichen Ozean meiner Glückseligkeit, meine Kinder aber unglücklich sehe – o wie leide Ich da! Während Ich warte und warte, umgebe und überhäufe Ich sie mit Gnaden und Licht, auf eine Weise, dass sie sich selbst beeilen mögen, ihr Leben gemeinsam mit Mir zu führen, und mit einem einzigen Willen. Das wird ihr Los verändern: Wir werden die Güter gemeinsam besitzen und ein endloses Glück teilen.
Die anderen Leiden erlauben Mir manche Ruhepausen, doch der Schmerz des Wartens hört für Mich nie auf, er hält Mich immer auf dem Wachposten, lässt Mich maßlose Erfindungen anwenden und Erfindungen der Liebe machen, dass Himmel und Erde staunen. Er lässt Mich so weit gehen, dass Ich den Menschen bitte und anbettle, Mich doch nicht länger warten zu lassen, weil Ich nicht mehr kann und Mich dies zu sehr belastet. Daher, meine Tochter, vereinige dich mit Mir, um das Reich meines Willens zu erwarten und [vereinige dich] mit all dem langen Warten, das die Menschen Mir auferlegen. So sind Wir wenigstens zu zweit, und deine Gesellschaft wird Mir in einem so harten Leid eine Erholung bereiten.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 33; 21. Juli 1935)

————————————–

„Arme Tochter, wie hart ist doch das Wachen, nicht wahr? Wie oft erduldet dein Jesus diese harten und qualvollen Leiden! Wie lange lassen Mich die Geschöpfe wachen! Ich kann sagen, dass Ich stets wache und die Rastlosigkeit meiner Liebe erleide. Wenn die Seele sündigt, fühle Ich, wie sie meinen Armen entgleitet, und Ich wache. Ich schaue sie an und sehe, wie Dämonen sie umgeben, die feiern und sogar das Gute, das sie getan hat, verspotten. Das arme Gute, wie sehr wird es mit dem Schlamm der Schuld bedeckt!
Da Ich sie noch immer liebe, sende Ich ihr kleine Lichtschimmer und wache. Ich gebe ihr Reue, damit sie sich wieder erhebe und Ich wache. Die Minuten scheinen Mir wie Jahrhunderte, und Ich kann mich nicht beruhigen, wenn Ich sie nicht in meine Arme zurückkehren sehe … und so wache Ich. Ich wache stets und spähe ihre Herzschläge und die Gedanken ihres Geistes aus, um in ihr die Erinnerung an meine große Liebe zu wecken, doch leider vergeblich…. und Ich muss weiter warten. Welch hartes Wachen! Wenn sie zu Mir zurückkehrt, dann ruhe Ich ein wenig, sonst dauert meine Wache an. Wenn eine andere Seele etwas Gutes tun möchte, aber sich damit Zeit lässt und sich nie entschließt, auch dann wache Ich. Ich trachte sie mit meiner Liebe, mit Inspirationen und sogar mit Verheißungen anzulocken, aber sie kann sich nicht entscheiden und findet so viele Vorwände und Schwierigkeiten, wodurch sie Mich stets wachhält.
Wie viele und verschiedenartige Wachen bereiten Mir die Geschöpfe! Siehe, dies ist der Grund für dein Wachsein, damit du Mir in meinem ständigen Wachen ein wenig Gesellschaft leistest. Leiden Wir darum gemeinsam. Liebe Mich, und Ich werde ein wenig Ruhe in meinem langen Wachen finden.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 36; 10. Mai 1938)