30. SONNTAG IM JAHRESKREIS – B – (Mk 10, 46-52)
„Ein blinder Bettler, Bartimäus…“ (Mk 10, 46)
Während ich in meiner Nichtigkeit versenkt war, sagte Er zu mir:
„Komm näher zu Mir, stütze dich auf meinen Arm, Ich werde dich mit meinen Händen unterstützen und du wirst Kraft empfangen. Du bist blind, aber mein Licht wird dir als Führer dienen. Schau, Ich will mich selbst vor dich hinstellen, und du wirst nichts anderes tun, als auf Mich zu schauen um Mich nachzuahmen.“ Dann sagte Er zu mir: „Das erste, was ich wünsche, ist die Abtötung deines Willens. Dieses „Ich“ muss in dir vernichtet werden; Ich möchte, dass du es für mich geopfert hältst, damit dein Wille und der Meine ein einziger werden. Bist du darüber nicht glücklich?“ „Ja, Herr, doch gib mir die Gnade, da ich sehe, dass ich aus mir nichts tun kann.“ Und Er fuhr fort: „Ja, Ich selbst werde dir in allem widersprechen, und gelegentlich auch durch die Geschöpfe.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 1)
„Meine Tochter, mein Wille sammelt alle seine Werke ein. In seinem Licht verbirgt und verteidigt Er alle seine Werke und bringt sie in Sicherheit. Wie viel tut dieses Licht nicht, um den Menschen, das schönste Werk unserer Schöpferhände in Sicherheit zu bringen, damit er wieder schön und bemerkenswert werde, wie Wir ihn hervorbrachten? Er nimmt die Seele auf in seinen Lichtschoß und erfüllt sie mit so viel Licht, dass alle ihre Übel verschwinden. Ist sie blind, dann verleiht Er ihr die Sicht durch das Licht; ist sie stumm, schenkt Er ihr durch das Licht das Wort. Das Licht erfasst die Seele von allen Seiten: es macht sie hörend, wenn sie taub ist, richtet sie auf, wenn sie hinkt, macht sie durch das Licht schön, wenn sie hässlich ist. Keine Mutter tut so viel, wie mein Göttlicher Wille, um sein Geschöpf schön zu machen und wiederherzustellen. Seine Waffen sind aus Licht, da es keine Macht gibt, die das Licht nicht in sich birgt und kein Gut, das es nicht besitzt.
Was täte eine Mutter nicht alles, die ein schönes Kind zur Welt gebracht hat, das die Mutter mit seiner Schönheit entzückte und glücklich machte? Durch einen Unglücksfall wird nun der Sohn blind, stumm, taub und gelähmt. Die arme Mutter sieht ihren Sohn an und erkennt ihn nicht mehr. Sein erloschenes Auge kann sie nicht mehr sehen, seine silberhelle Stimme, die sie vor Freude überraschte, wenn er Mama rief, hört sie nicht mehr. Seine kleinen Füße, die in ihren Schoß eilten, kann er nur mühsam nachziehen. Dieser Sohn ist der durchbohrendste Schmerz für eine arme Mutter. Was würde sie nicht alles tun, wenn sie wüsste, dass ihr Kind wieder sein ursprüngliches Aussehen erhielte? Sie würde die ganze Welt umrunden, wenn sie dies erlangen könnte und gäbe mit Freuden ihr eigenes Leben hin, wenn sie ihren Sohn nur wieder so schön sehen könnte, wie sie ihn geboren hatte. Doch es liegt nicht in der Macht der armen Mutter, ihrem Sohn die erste Schönheit zurückzugeben, so wird er stets ihr Kummer und der stechendste Dorn ihres Mutterherzens bleiben.
Auch der Mensch wurde, als er seinen Willen tat, blind, stumm und lahm. Unser Wille beweint ihn mit den Tränen des brennenden Lichtes unserer Liebe; doch während die Mutter nichts für ihr verkrüppeltes Kind tun kann, fehlt es meinem Göttlichen Willen nicht an Macht, und Er wird, zärtlicher als eine Mutter, sein Kapital an Licht zur Verfügung stellen, welches alle Güter und die Schönheit des Menschen wiederherzustellen vermag. Er ist die zärtliche Mutter, der Liebhaber und Wächter über das Werk seiner Hände, das Er mehr als den teuersten Sohn zur Welt brachte; Er wird nicht die ganze Welt, sondern alle Jahrhunderte durchwandern, um die machtvollen Heilmittel aus [jenem] Licht vorzubereiten und zu geben, das neu belebt, umwandelt, aufrichtet und verschönert. Dann erst wird Er innehalten, wenn Er das Werk seiner Schöpferhände [zurück] in seinem mütterlichen Schoß sieht, so schön wie es hervorgegangen ist, damit Er sich für das viele Leid schadlos halte und sich immer an ihm erfreue. Sind die vielen Wahrheiten über meinen Willen etwa keine Heilmittel?
Jede Mitteilung und jedes Wort von Mir ist eine Festung, die Ich um die Schwäche des menschlichen Willens baue, eine Speise, die Ich bereite, ein Köder, ein Geschmack, ein Licht, damit der Mensch das verlorene Sehvermögen wiedererlangt. Sei daher aufmerksam und verliere nichts von dem, was dir mein Wille mitteilt, denn zu gegebener Zeit wird alles nützlich sein – nichts wird verlorengehen. Glaubst du, dass Er nicht über jedes einzelne Wort von Ihm Buch führt? Er zählt alles und verliert nichts. Und wenn Er in deiner Seele seinen Lehrstuhl errichtet hat, um seine Wahrheiten zu deponieren, so hat Er sich doch den ersten Lehrstuhl in sich selbst vorbehalten, als den größten Schatz, der Ihm gehört. Solltest du also ein Ihn betreffendes Wort oder eine Mitteilung verlieren, so bewahrt Er in sich schon das Original. Was nämlich meinen Göttlichen Willen betrifft, das besitzt unendlichen Wert und kann daher nicht dem Verlust unterworfen sein und ist es in der Tat nicht; vielmehr bewahrt mein Wille in den göttlichen Archiven eifersüchtig seine Wahrheiten.
Lerne daher auch du, eifersüchtig und wachsam zu sein, und seine heiligen Lehren wertzuschätzen.” (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 30; 12. Januar 1932 (2. Teil))
„Rabbuni, ich möchte wieder sehen können“ (Mk 10, 51)
„Meine Tochter, wisse dies: obwohl Ich vor Sehnsucht brenne, meinen Göttlichen Willen an der Herrschaft zu sehen, kann Ich diese Gabe dennoch nicht geben, bevor Ich die Wahrheiten nicht geoffenbart habe. Wenn die Menschen diese kennenlernen, werden sie das Glück erfahren, dass diese Wahrheiten ihnen das Sehvermögen verleihen, damit sie meinen Willen begreifen und sich daher selbst auf den Empfang einer so großen Gabe bereiten können. Im Moment fehlen ihnen sozusagen noch die Augen und die Fassungskraft, um Ihn sehen und verstehen zu können. Deswegen habe Ich zuerst so viele Wahrheiten über meinen Göttlichen Willen geoffenbart; im Maß, wie die Menschen diese Wahrheiten kennenlernen, formen sie die Augenhöhle, in welche die Pupille gepflanzt und mit ausreichend Licht angeregt wird, die ihnen geschenkte und anvertraute Gabe ansehen und verstehen zu können, die kostbarer ist als eine Sonne. Würde Ich sie heute geben, so gliche Ich jemandem, der einem Blinden eine Sonne geben will.
Der Ärmste bliebe trotz der geschenkten Sonne immer noch blind; es würde sich weder sein Geschick ändern, noch würde er irgendetwas Gutes erhalten, sondern er hätte noch den Schmerz, eine Sonne als Geschenk zu haben und sie nicht einmal sehen, noch ihre wohltuenden Wirkungen empfangen zu können. Ein anderer hingegen, der nicht blind ist, würde so große Güter erhalten, wenn er eine Sonne als Gabe zu seiner Verfügung hätte! Sie wäre sein immerwährendes Fest und würde ihm ermöglichen, auch anderen Licht spenden zu können; alle würden ihn lieben und umringen, um an der Wohltat des Lichtes, das er besitzt, teilzuhaben. Würde Ich die große Gabe meines Göttlichen Willens, die nachhaltiger als die Sonne das Geschick der Generationen verändern wird, heute schenken, wäre es, als würde Ich diese Sonne Blinden geben. Und Blinde damit zu beschenken, hieße, ihnen nutzlose Gaben zu geben; Ich aber weiß keine unnützen Dinge zu tun.
So warte Ich mit göttlicher und schmachtender Geduld, dass meine Wahrheiten verbreitet werden, dass sie die Seelen vorbereiten, in sie eintreten und das mit genügend Licht beseelte Auge bilden, sodass die Menschen die Gabe meines Fiat nicht nur ansehen, sondern die [entsprechende] Fassungskraft besitzen mögen, Es in sich einzuschließen, damit Es in ihnen sein Reich errichte und seine Herrschaft ausbreite. Deshalb werden Geduld und Zeit die Dinge so fügen, wie es nötig ist und unser souveränes Wirken verdient. Unser Höchstes Sein handelt wie ein Vater, der seinem kleinen Sohn ein großes Geschenk machen will. Er ruft das Kind, zeigt ihm die Gabe und sagt: ‘Dieses Geschenk liegt für dich bereit und gehört dir schon’, doch er gibt es ihm noch nicht. Der Sohn ist überrascht und entzückt beim Anblick der Gabe, die der Vater ihm schenken möchte, bleibt beim Vater und bittet ihn um diese Gabe.
Er kann sich nicht trennen und bittet immer wieder darum. Der Vater nützt die Gelegenheit, dass der Sohn bei ihm ist und unterweist ihn und lässt ihn das Wesen der Gabe verstehen, sowie den Nutzen und die Freude, welche jene Gabe ihm bringen wird. Der Sohn wird durch die Mitteilungen des Vaters reif und nicht nur zum Empfang der Gabe befähigt, sondern auch zum Verständnis ihres großen Nutzens. So bleibt er noch inniger mit dem Vater vereint, bittet ihn immer wieder darum, und sehnt sich schließlich unter Tränen nach diesem Geschenk, ohne das er nicht mehr sein kann. Er hat sozusagen mit seinen Gebeten, Seufzern und dem Erwerb des Wissens über diese Gabe, das Leben und den Raum vorbereitet, wo er diese Gabe wie in einem heiligen Schrein empfangen kann. Der Vater erzeigte dem Sohn eine größere Liebe, indem er ihm die Gabe erst später gewährte. Er brannte ja selbst sehnlichst darauf, ihm die Gabe zu schenken, doch er wollte sehen, dass der Sohn die [nötige] Fassungskraft besitze und die Gabe richtig begreife, sodass er sie ihm sogleich schenkte, sobald er sah, dass er für ein solches Gut reif war.
So handeln Wir: zärtlicher als ein Vater sehnen Wir uns danach, unseren Kindern die große Gabe unseres Willens zu schenken, doch Wir wollen, dass sie das kennen, was sie empfangen sollen. Unseren Willen zu erkennen, macht unsere Kinder reif und fähig für den Empfang einer so großen Wohltat. Meine vielen Offenbarungen über Ihn werden für ihre Seele wahre Augen sein, damit sie das, was unsere Vatergüte seit so vielen Jahrhunderten den Menschen geben möchte, ansehen und ver-stehen können, zumal die Kenntnisse über meinen Göttlichen Willen, wenn die Menschen sie kennenlernen, den Samen für das Aufkeimen ihrer kindlichen Liebe zu ihrem Vater im Himmel säen, und die Menschen unsere Väterlichkeit verkosten werden. Wenn Gott wünscht, dass sie seinen Willen tun, so deshalb, weil Er sie als Kinder lieben möchte, die an seinen göttlichen Gütern teilhaben sollen.
Die Wahrheiten über unser Göttliches Fiat werden sie also daran gewöhnen, als Söhne und Töchter zu leben, und dann wird es sie nicht mehr wundern, dass unser Höchstes Sein seinen Kindern die große Gabe unseres Willens spendet. Die Kinder haben ja Anspruch auf die Besitztümer des Vaters, und der Vater hat die Pflicht, den Kindern seine Güter zu geben – wer allerdings ein Fremder sein will [,der nicht zur Familie gehört], verdient den Besitz des Vaters nicht; umso mehr, als unsere väterliche Liebe sich brennend und mit Seufzern danach sehnt, diese Gabe zu schenken, damit sein Wille und der seiner Kinder nur einer sei. Erst dann wird unsere Vaterliebe ausruhen können, wenn Wir das aus unseren Schöpferhänden hervorgegangene Werk [wieder zurück] im Schoß unseres Willens, in unserem Haus sehen, und erkennen, dass unser Reich von unseren geliebten Kindern bevölkert ist.” (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 30; 15. Mai 1932)
