21In jener Zeit zog sich Jesus in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück. 22Da kam eine kanaanäische Frau aus jener Gegend zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält.
23Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Befrei sie von ihrer Sorge, denn sie schreit hinter uns her. 24Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.
25Doch die Frau kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir! 26Er erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen.
27Da entgegnete sie: Ja, du hast recht, Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen. 28Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.

„Doch die Frau kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir!“ (Mt 15,25)

Diesen Morgen empfing ich die Kommunion, und da ich zusammen mit Jesus war, war die Königin Mutter auch hier, und – o, Wunder! Ich schaute auf die Mutter und konnte ihr Herz in das Jesuskind verwandelt sehen; ich blickte auf den Sohn und konnte die Mutter im Herzen des Kindes sehen.
Inzwischen erinnerte ich mich, dass heute Erscheinung des Herrn ist, und nach dem Vorbild der Drei Weisen sollte ich dem Jesuskind etwas anbieten, doch ich sah, dass ich nichts hatte, um es Ihm zu geben.
Als ich mein Elend sah, kam mir der Gedanke, meinen Leib als Myrrhe anzubieten, mit all den Leiden der zwölf Jahre, welche ich im Bett verbracht hatte, bereit zu leiden und hier zu bleiben, so lange wie es Ihm gefiel; als Gold die Pein, die ich empfinde, wenn Er mich seiner Gegenwart beraubt, welche die schmerzlichste und kummervollste Sache für mich ist; als Weihrauch meine armen Gebete, vereint mit jenen der Königin Mama, damit sie dem Jesuskind mehr gefielen.
So machte ich mein Anerbieten mit vollem Vertrauen, dass das Kind alles annehmen würde. Jesus schien mein armes Angebot mit großem Wohlgefallen anzunehmen, doch was Ihn am meisten Freude bereitete war das Vertrauen, mit dem ich es ihm gemacht hatte, daher sprach Er zu mir:
„Das Vertrauen hat zwei Arme: mit dem einen umarmt es meine Menschheit und bedient sich meiner Menschheit als Treppe, um zu meiner Gottheit aufzusteigen; mit dem anderen umfängt es die Gottheit und zieht himmlische Gnaden in Sturzbächen herab, sodass die Seele ganz vom Göttlichen Wesen überflutet wird.
Wenn die Seele vertrauensvoll ist, ist sie gewiss, das zu erhalten, worum sie bittet. Ich lasse meine Arme binden, Ich lasse sie tun, was immer sie will, Ich lasse sie bis in mein Herz eindringen und lasse sie das selber nehmen, worum sie Mich gebeten hat. Wenn Ich nicht so täte, wäre es Mir, als würde Mir Gewalt angetan.“
Während Er dies sagte, kamen viele Flüsschen einer Flüssigkeit (ich nenne es ‚Flüssigkeit’, doch ich kann nicht wirklich sagen, was es war) aus der Brust des Kindes und der Mutter, welche meine Seele vollständig überfluteten.
Dann verschwand die Königin Mutter. Danach ging ich zusammen mit dem Kind hinaus ins Himmelsgewölbe. Ich sah, dass sein zartes Angesicht traurig war und sagte mir selbst: „Vielleicht will Er Milch trinken und ist deshalb traurig.“
So sagte ich zu Ihm: „Willst Du vielleicht bei mir saugen, da die Königin Mama nicht da ist?“
Doch ehe ich dies tat, kamen mir Bedenken, dass es der Teufel sein könnte; und um sicher zu sein, bezeichnete ich ihn mehrmals mit dem Kreuz und sprach: „Bist du wirklich Jesus von Nazareth, die Zweite Person der Heiligsten Dreifaltigkeit, Sohn der Jungfrau Maria, der Mutter Gottes?“ Und das Kind versicherte, Er sei es. Da ich nun sicher war, nahm ich Ihn, damit Er von mir sauge.
Das Kind schien aufzuleben und nahm ein frohes Aussehen an, und ich sah, dass Er einen Teil dieser Flüsschen saugte, mit denen Er mich überflutet hatte.
Während Er dies tat, fühlte ich an meinem Herzen gezogen, und es schien, dass diese Milch, welche Jesus von mir sog, aus Ihm herauskam. Wer kann schildern, was zwischen mir und dem Jesuskind geschah?
Ich habe keine Zunge, die imstande wäre, es zu bekunden, und keine Worte, um es beschreiben zu können. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 3; 6. Januar 1900)

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Indem ich in meinem gewohnten Zustand der Leiden und der Beraubungen fortfuhr, verbringe ich diese Zeit mit Jesus gleichsam im Schweigen, ganz an Ihn hingegeben wie ein kleiner Säugling.
Mein süßer Jesus ließ sich also in meinem Inneren erblicken und sprach zu mir: „Meine Tochter, das Vertrauen auf Mich ist die kleine Wolke aus Licht, in der die Seele so eingehüllt ist, dass alle ihre Ängste, alle Zweifel und Schwächen verschwinden.
Denn das Vertrauen auf Mich bildet für sie nicht nur diese Lichtwolke, die sie ganz einhüllt, sondern ernährt sie mit entgegengesetzten Speisen, die die Kraft haben, alle Ängste, Zweifel und Schwächen zu zerstreuen. I
n der Tat zerstreut das Vertrauen auf Mich die Furcht und ernährt die Seele mit reiner Liebe, löst die Zweifel auf und gibt ihr die Sicherheit, nimmt die Schwäche hinweg und verleiht ihr Stärke, ja macht sie sogar so kühn im Umgang mit Mir, dass sie sich an meine Brust heftet und saugt.
Sie saugt und ernährt sich, und will auch keine andere Nahrung. Und wenn sie sieht, dass sie beim Saugen nichts bekommt – was Ich zulasse, um sie zu größtem Vertrauen anzuregen – wird sie weder müde noch trennt sie sich von meiner Brust, sondern saugt noch stärker und stößt mit dem Kopf gegen meine Brust, und Ich lache darüber und lasse sie gewähren.
Die vertrauende Seele ist also mein Lächeln und meine Unterhaltung; denn wer auf Mich vertraut, liebt Mich, schätzt Mich, hält Mich für reich, mächtig und unermesslich.
Wer Mir hingegen misstraut, liebt Mich nicht wirklich, entehrt Mich, hält Mich für arm, machtlos und klein.
Welche Beleidigung meiner Güte!“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 12; 8. Oktober 1919)

„Da entgegnete sie: Ja, du hast recht, Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen“ (Mt 15,27)

Nachdem ich durch einige Tage der Beraubungen und der Tränen gegangen war, fand ich mich ganz verwirrt und vernichtet in mir selbst. In meinem Innern sagte ich mir ständig: „Sag mir, o mein Gott, warum hast Du dich von mir entfernt?
Wo habe ich Dich beleidigt, dass Du Dich nicht länger sehen lässt – und wenn Du Dich sehen lässt, bist Du beinahe verborgen, und still? O bitte, lasse mich nicht länger warten und warten, denn mein Herz kann es nicht mehr ertragen!“
Schließlich zeigte Sich Jesus ein wenig deutlicher, und als Er mich so vernichtet sah, sagte Er mir: „Wenn du wüsstest, wie sehr Ich die Demut liebe!
Die Demut ist die kleinste Pflanze, die man finden kann, doch ihre Zweige sind so hoch, dass sie den Himmel erreichen, sich um meinen Thron winden und bis in mein Herz eindringen.
Diese kleine Pflanze ist die Demut, und die Zweige, welche diese Pflanze hervorbringt, sind Vertrauen; so kann es keine wahre Demut ohne Vertrauen geben. Demut ohne Vertrauen ist eine falsche Tugend.“
Aus den Worten Jesu zeigte sich, dass mein Herz nicht nur vernichtet, sondern auch ein wenig entmutigt war. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 2; 3. April 1899)

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Diesen Morgen war ich in einem derartigen Zustand der Selbstvernichtung, bis ich so weit kam, mich widerwärtig und lästig zu finden. Mir schien, ich wäre das verabscheuungswürdigste Wesen, das man finden könnte.
Ich sah mich wie ein kleiner Wurm, der sich warf und wand, doch immer dort im Schmutz blieb, unfähig, einen Schritt zu tun. O Gott, welch menschliches Elend! Obwohl ich so viele Gnaden empfangen habe, bin ich immer noch so schlecht!
Mein guter Jesus, stets gütig mit dieser elenden Sünderin, kam und sagte mir: „Verachtung deiner selbst ist dann lobenswert, wenn sie gut mit dem Geist des Glaubens bekleidet ist; doch wenn sie nicht mit dem Geist des Glaubens umhüllt ist, kann sie dir, anstatt dir Gutes zu tun, Schaden zufügen.
Tatsächlich wärest du, dich so zu sehen wie du bist, unfähig, irgendetwas Gutes zu tun, ohne Vertrauen, bedrückt, würdest nicht wagen, einen Schritt auf dem Weg des Guten zu tun.
Aber wenn du dich an Mich lehnst, d.h., dich mit dem Geist des Glaubens kleidest – wirst du dich selbst kennen und verachten, und zugleich, indem du Mich kennst, voll Vertrauen sein, alles mit Meiner Hilfe tun können.
Und so, wenn du auf diese Weise handelst, wirst du entsprechend der Wahrheit deinen Weg gehen.“
Wie viel Gutes bewirkten diese Worte Jesu in meiner Seele! Ich verstand, dass ich in meine Nichtigkeit eintreten musste und wissen, wer ich bin, doch ich durfte hier nicht stehen bleiben, sondern gleich nachdem ich mich erkannt habe, muss ich in das unermessliche Meer Gottes eintauchen und dort Halt machen, um alle Gnaden zu schöpfen, die meine Seele benötigt; sonst ermattet meine Natur, und der Dämon wird sich um Mittel umsehen, um mich in das Misstrauen zu stürzen.
Der Herr sei stets gepriesen, und möge alles zu seiner Ehre sein! (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 2; 26. Mai 1899)

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… „Eine Demütigung muss nicht nur angenommen, sondern auch geliebt werden, so wie man eine Speise zerkaut. Und wie eine bittere Speise sich noch bitterer anfühlt, je mehr man sie kaut, so bringt die Erniedrigung, wenn sie gut gekaut wird, die Abtötung hervor.
Und diese – d.h. Demütigung und Abtötung – sind zwei überaus machtvolle Mittel, um aus bestimmten Schwierigkeiten herauszukommen und die nötigen Gnaden zu erhalten.
Während es für die menschliche Natur schädlich erscheint, wie das bittere Essen, welches eher schädlich als gut scheint – so scheint es mit Demütigung und Abtötung, doch es ist nicht so.
Je mehr das Stück Eisen auf dem Amboss geschlagen wird, umso mehr sprüht es vor Feuer und wird gereinigt. So ist es mit der Seele: je mehr sie auf dem Amboss der Abtötung erniedrigt und geschlagen wird, umso mehr sprüht sie Funken von himmlischem Feuer und ist geläutert, wenn sie wirklich den Weg des Guten gehen will.
Wenn sie aber falsch ist, geschieht in allem das Gegenteil.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 3; 30. Dezember 1899)

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… „Doch meine vergöttlichte Menschheit hatte keine Grenzen, sondern schränkte sich freiwillig in sich selbst ein, und damit wurden alle meine Werke wie mit einem Band mit heroischer Demut umflochten.
Dieser Mangel an Demut war die Ursache von allen Übeln gewesen, welche die Erde überfluteten; und durch das Üben dieser Tugend musste Ich alle Güter von der Göttlichen Gerechtigkeit herabziehen.
Ach ja, keine Zugeständnisse von Gnaden kommen von meinem Thron, wenn nicht mittels der Demut, noch kann man eine Eintrittskarte von Mir erhalten, die nicht die Unterschrift der Demut trägt. Kein Gebet erhören meine Ohren, und nichts bewegt mein Herz zu Mitleid, wenn es nicht in den Duft des Wohlgeruchs der Demut gehüllt ist.
Wenn es die Seele nicht fertigbringt, diesen Keim von Ehre und [Selbst]schätzung in sich zu zerstören – und er wird vernichtet, wenn man so weit kommt, Verachtung, Demütigung, Verlegenheit zu lieben – wird sie ein Dornengeflecht um ihr Herz fühlen und eine Leere in ihrem Herzen wahrnehmen, die ihr stets Unbehagen verschafft und sie meiner Heiligsten Menschheit sehr unähnlich macht.
Wenn sie nicht so weit kommt, Demütigungen zu lieben, wird sie sich höchstens selbst ein wenig erkennen können, doch wird sie nicht vor Mir leuchten, bekleidet mit dem schönen und sympathischen Gewand der Demut.“…. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 3; 12. Januar 1900)

„Frau, dein Glaube ist groß“ (Mt 15, 28)

… Nun, zum Glauben zurückkehrend, sagte Jesus: „Um zu empfangen, muss man glauben.
Wie für das Haupt ohne das Augenlicht alles Finsternis und Verwirrung ist, sodass man beim Gehen einmal an dieser, dann an jener Stelle stolpern und schließlich ganz fallen würde, so geht es der Seele ohne Glauben – sie tut nichts anderes als von Abgrund zu Abgrund zu stürzen.
Aber der Glaube dient der Seele als Sehvermögen und als Licht, welches sie zum ewigen Leben führt. Nun, wovon wird dieses Licht des Glaubens genährt? Von der Hoffnung. Und was ist die Substanz dieses Lichtes des Glaubens und dieser Nahrung der Hoffnung? Es ist die Liebe. Alle diese drei Tugenden sind so ineinander verflochten, dass keine ohne die andere bestehen kann.
Tatsächlich, was würde dem Menschen der Glaube an die unermesslichen Reichtümer des Glaubens nützen, wenn er sie nicht für sich selbst erhoffen würde? Er würde sie wohl ansehen, aber mit einem gleichgültigen Blick, weil er weiß, dass sie nicht ihm gehören.
Aber die Hoffnung verleiht dem Licht des Glaubens Flügel, und in der Hoffnung auf die Verdienste Jesu Christi betrachtet sie diese Schätze als die ihren, und beginnt sie zu lieben…“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 1; 227+228)

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… „Meine Tochter, hier unten ist alles verschleiert, sowohl in der übernatürlichen wie auch in der natürlichen Ordnung. Nur im Himmel sind die Dinge unverhüllt, da es in der Himmlischen Heimat keine Schleier gibt, sondern man sieht dort die Dinge, wie sie in sich selbst sind.
Der Verstand braucht sich dort oben daher nicht abmühen, um sie zu begreifen, da sie sich von selbst so zeigen, wie sie sind. Wenn es in der Wohnstatt der Seligen eine Arbeit gibt – wenn man sie wirklich Arbeit nennen kann – dann ist es diese, sich an den Dingen zu erfreuen und zu beseligen, die man unverhüllt sieht; hier unten ist es jedoch nicht so.
Da die menschliche Natur aus Geist und Leib besteht, hindert die Hülle des Körpers die Seele daran, meine Wahrheiten zu sehen. Die Sakramente und alles andere sind verhüllt, und sogar Ich selbst, das Wort des Vaters, hatte den Schleier meiner Menschheit.
Alle meine Worte und mein Evangelium gab Ich unter der Gestalt von Beispielen und Gleichnissen. Jeder konnte Mich verstehen, der sich Mir näherte, um Mich mit gläubigem Herzen, mit Demut und dem Wunsch anzuhören, die Wahrheiten, die Ich ihnen mitteilte, kennenzulernen, um sie in die Tat umzusetzen.
Indem sie so handelten, zerrissen sie den Schleier, der meine Wahrheiten verbarg und entdeckten den darin verborgenen Schatz. Der Glaube, die Demut und der Wunsch nach der Erkenntnis meiner Wahrheiten war das Werk, das sie taten, wodurch sie den Schleier zerrissen und meine Wahrheiten entdeckten, wie sie in sich selbst sind.
So blieben sie mit Mir und mit dem Gut verbunden, das meine Wahrheiten enthielten. Andere, die sich dieser Arbeit nicht unterzogen, erreichten zwar den Schleier meiner Wahrheiten, aber nicht die Frucht, die darin war: so gingen sie leer aus und verstanden überhaupt nichts, kehrten Mir den Rücken zu und verließen Mich.
So sind auch meine Wahrheiten, die Ich dir mit so viel Liebe über meinen Göttlichen Willen offenbarte. Damit meine Wahrheiten wie unverhüllte Sonnen – wie sie wirklich sind – erstrahlen können, müssen die Menschen ihre Arbeit tun und den Weg gehen, um sie zu erreichen – was der Glaube ist.
Sie müssen meine Wahrheiten ersehnen, sie kennen wollen, beten und ihren Verstand demütigen, damit er den Schatz und das Leben meiner Wahrheiten aufnehmen kann. Dadurch werden sie die Hülle zerreißen und meine Wahrheiten finden – leuchtender als eine Sonne.
Sonst bleiben sie blind, und Ich wiederhole das Wort des Evangeliums an sie: ‘Ihr habt Augen und seht nicht, Ohren und hört nicht, eine Zunge und ihr seid stumm.’ Siehst du, auch in der natürlichen Ordnung sind die Dinge verhüllt.
Die Früchte haben die Hülle der Schale, aber wer hat das Glück, sie zu verkosten? Wer sich die Mühe macht, zu einem Baum zu gehen, die Frucht zu pflücken und die Schale zu entfernen, die diese Frucht verbirgt: dieser verkostet die ersehnte Frucht und ernährt sich von ihr.
Dieser liebt sie und macht aus der ersehnten Frucht seine Speise. Die Felder sind mit Stroh verdeckt. Wer empfängt das Gute, das unter den [Stroh]halmen verhüllt ist? Wer diese Halme entkleidet, kann die Körner ernten, um das Brot für seine tägliche Nahrung daraus zu bereiten.
Mit einem Wort, alle Dinge hier unten sind mit einem Schleier verhüllt, damit der Mensch die Arbeit, den Willen und die Liebe aufbringe, die Dinge zu besitzen und zu verkosten.“… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 28; 2. August 1930)