Montag der 20. Woche im Jahreskreis (Mt 19,16-22)
16In jener Zeit kam ein Mann zu Jesus und fragte: Meister, was muss ich Gutes tun, um das ewige Leben zu gewinnen? 17Er antwortete: Was fragst du mich nach dem Guten? Nur einer ist «der Gute». Wenn du aber das Leben erlangen willst, halte die Gebote!
18Darauf fragte er ihn: Welche? Jesus antwortete: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen; 19ehre Vater und Mutter! Und: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!
20Der junge Mann erwiderte ihm: Alle diese Gebote habe ich befolgt. Was fehlt mir jetzt noch? 21Jesus antwortete ihm: Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach.
22Als der junge Mann das hörte, ging er traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen.
„Wenn du aber das Leben erlangen willst…“ (Mt 19, 17)
Als ich über den Heiligen Willen Gottes nachdachte, sprach mein süßer Jesus zu mir:
„Meine Tochter, es gibt keine Straßen, noch Türen, noch Schlüssel, um in meinen Willen einzutreten, denn mein Wille befindet sich überall: er strömt unter den Füßen, zur Rechten und zur Linken, und über dem Haupt und an jedem Ort.
Das Geschöpf muss nichts anderes tun, als das Steinchen ihres Willens zu entfernen. Obwohl die Seele in meinem Willen ist, nimmt sie nicht daran teil, noch genießt sie seine Wirkungen, und macht sich wie zu einer Fremden in meinem Willen, weil das Steinchen ihres Willens es verhindert, so wie die Felsen das Wasser daran hindern, vom Strand aus anderswohin zu fließen.
Aber wenn die Seele das Steinchen ihres Willens entfernt, so fließt sie im selben Augenblick in Mir und Ich in ihr. Sie findet alle meine Güter zu ihrer Verfügung, Kraft, Licht, Hilfe, was immer sie will.
Siehst du, darum gibt es keine Pfade noch Tore, noch Schlüssel, es genügt, dass man will und alles ist getan; mein Wille übernimmt die Verpflichtung für alles, gibt ihr das, was ihr fehlt, und lässt sie in den endlosen Grenzen meines Willens umherwandern. Ganz das Gegenteil ist der Fall bei den anderen Tugenden: wie viele Anstrengungen benötigt es, wie viele Kämpfe, wie viele lange Wege!
Und wenn es scheint, dass die Tugend der Seele zulächelt, kommt eine ungestüme Leidenschaft, eine Versuchung, eine unerwartete Begegnung, und wirft sie zurück an den Anfang, wo sie sich von neuem auf den Weg machen muss.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 12; 16.2.1921)
„Wenn du vollkommen sein willst…“ (Mt 19,21)
An diesem Morgen fand ich mich in solcher Entmutigung und sah mich so schlecht, dass ich mir selbst unerträglich wurde. Als Jesus kam, bekannte ich Ihm meine Leiden und den armseligen Zustand, in dem ich war, und Er sagte zu mir: „Meine Tochter, verliere nicht den Mut.
Es ist meine gewohnte Art, die Vollkommenheit Stück für Stück zu wirken und nicht alles in einem Augenblick, so dass die Seele erkennt, dass ihr stets etwas fehlt, sich daher selbst antreibt und alle Anstrengungen aufbringt, um das Fehlende zu erreichen, damit sie Mir mehr gefällt und sich mehr heiligt.
Durch diese Akte angezogen, fühle Ich Mich dann genötigt, ihr neue Gnaden und himmlische Gunsterweise zu geben, und so entsteht ein ganz göttlicher Handel zwischen der Seele und Gott.
Denn wenn die Seele in sich selbst die Fülle der Vollkommenheit und somit alle Tugenden besäße, fände sie nicht Wege, sich zu bemühen, wie sie Gott mehr gefallen kann, und so würde der Zunder fehlen, der das Feuer zwischen dem Geschöpf und dem Schöpfer entzündet.“
Möge der Herr stets gepriesen sein! (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 2; 5. September 1899)
„Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach“ (Mt 19,21)
Als ich in meinem üblichen Zustand war, kam mein anbetungswürdiger Jesus nur ganz kurz und ließ mich seine überaus sanfte Stimme vernehmen, die sprach:
„Je mehr sich die Seele von den natürlichen Dingen losschält, umso mehr übernatürliche und göttliche Dinge erwirbt sie. Je mehr sie sich von der Eigenliebe losschält, umso mehr Gottesliebe erlangt sie.
Je weniger sie sich abmüht, die menschlichen Wissenschaften zu erkennen und die Genüsse des Lebens zu verkosten, umso mehr Kenntnis erwirbt sie über die Dinge des Himmels, der Tugend, und wird diese umso mehr genießen, wobei sich das Bittere in Süßes verwandelt.
Mit einem Wort, das sind alles Dinge, die zugleich geschehen (im selben Maß voranschreiten): wenn man nichts vom Übernatürlichen fühlt, wenn die Liebe zu Gott in der Seele erloschen ist und man nichts von den Tugenden und Dingen des Himmels versteht und keine Freude daran findet, dann kennt man den Grund dafür sehr gut.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 5; 3. August 1903)
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Als ich in meinem gewöhnlichen Zustand war, ließ sich mein guter Jesus für kurze Zeit sehen und sagte zu mir:
„Meine Tochter, um zu erkennen, ob eine Seele von allem losgeschält ist, genügt es, dies zu sehen: Wenn heilige oder sogar unbedeutende Wünsche in ihr aufsteigen und sie bereit ist, diese mit heiligem Frieden dem Göttlichen Willen zu opfern, bedeutet dies, dass sie losgeschält ist. Doch wenn sie unruhig und aufgeregt wird, heißt es, dass sie etwas für sich selbst zurückhält.“
Als ich das Wort „Wunsch“ hörte, sagte ich: „Mein höchstes Gut, mein Wunsch ist es, dass ich nicht mehr schreiben muss. Wie belastet mich dies! Ich würde es nicht tun, wenn ich nicht fürchten würde, aus deinem Willen herauszutreten und Dir zu missfallen.“ Er unterbrach meine Worte und fügte hinzu:
„Du willst es nicht, aber Ich will es. Was Ich dir sage und du aus Gehorsam niederschreibst, dient einstweilen als Spiegel für dich und für jene, die an deiner Führung beteiligt sind. Doch es wird die Zeit kommen, dass es anderen als Spiegel dienen wird.
So kann mein Wort, das du aufschreibst, „Göttlicher Spiegel“ genannt werden, und du möchtest diesen Göttlichen Spiegel meinen Geschöpfen wegnehmen? Achte ernsthaft darauf, meine Tochter, und wolle diesen Spiegel der Gnade nicht einschränken, indem du nicht alles aufschreibst.“
Als ich das hörte, war ich verwirrt und gedemütigt und empfand großes Widerstreben, diese seine letzten Worte aufzuschreiben, doch der Gehorsam gebot mir das unbedingt, und ich schrieb es nur aus Gehorsam.
Deo Gratias. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 7; 13. Oktober 1906)
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… „Nun höre mich an, liebe Tochter: Als der Allerhöchste meinen menschlichen Willen von mir verlangte, begriff ich das große Übel, das der menschliche Wille im Geschöpf anrichten kann, und wie er alles gefährdet, auch die schönsten Werke des Schöpfers.
Die Kreatur mit ihrem menschlichen Willen ist schwankend, schwach, unbeständig, ungeordnet. Als Gott sie schuf, hat er sie von Natur aus in Einheit mit seinem Göttlichen Willen erschaffen, der die Kraft, der erste Antrieb, die Stütze, die Nahrung und das Leben des menschlichen Willens sein sollte.
Wenn wir dem Göttlichen Willen kein Leben in unserem Willen gewähren, weisen wir die Güter zurück, die wir von Gott in der Schöpfung empfangen haben, und die Rechte, die wir von Natur aus im Augenblick unserer Erschaffung empfangen haben.
O! Als ich die schwere Beleidigung, die man Gott zufügt, verstand, und die Übel, die sich über die Kreatur ergießen, hatte ich eine solch große Abscheu und Angst, meinen Willen zu tun, den ich gerechterweise fürchtete, denn Adam, der von Gott unschuldig erschaffen worden war, hatte durch seinen Eigenwillen über sich und über alle Generationen alle Übel heraufbeschworen.
Ich, deine Mutter, schwor also, ergriffen von Schrecken und noch mehr von Liebe zu meinem Schöpfer, nie meinen Willen zu tun; um sicherer zu sein und noch stärker meine Opfergesinnung gegenüber dem zu bezeugen, der mich mit so vielen Meeren von Gnaden und Privilegien überhäuft hatte, nahm ich meinen menschlichen Willen und band ihn an den Füßen des Göttlichen Thrones, zur ständigen Huldigung der Liebe und der Opferbereitschaft, und schwor, nicht für einen Augenblick meines Lebens, meinen Willen zu gebrauchen, sondern immer den Göttlichen.
Meine Tochter, vielleicht scheint dir mein Opfer, ohne meinen Willen zu leben, nicht groß; ich sage dir aber, dass es kein ähnliches Opfer gibt wie meines, ja alle anderen Opfer der Weltgeschichte sind nur Schatten im Vergleich zu meinem; sich einen Tag aufzuopfern, einmal Ja und einmal Nein, ist leicht; sich jeden Moment aufzuopfern, in jedem Akt, im Guten, das man das ganze Leben hindurch machen will, ohne je den eigenen Willen aufkommen zu lassen, ist das Opfer der Opfer; das ist das größte Zeugnis und die reinste Liebe, vom Göttlichen Willen selbst durchdrungen, die unserem Schöpfer angeboten werden kann.
Dieses Opfer ist so groß, dass Gott nicht mehr von der Kreatur verlangen kann, noch könnte sie etwas finden, was ihr mehr Möglichkeit gäbe, sich für ihren Schöpfer zu opfern.
Meine liebste Tochter, als ich meinem Schöpfer das Geschenk meines Willens darbrachte, fühlte ich mich als Siegerin in der von mir gewollten Prüfung, und Gott fühlte sich als Sieger in meinem menschlichen Willen.
Gott erwartete meine Prüfung, d.h. er wollte eine Seele, die ohne Willen lebte, um die Lage des menschlichen Geschlechts wieder in die rechte Bahn zu bringen und sich zur Milde und Barmherzigkeit bewegen zu lassen”. (aus „Die Jungfrau Maria im Reich des Göttlichen Willens“ nach den Schriften der Dienerin Gottes Luisa Piccarreta)


